Andrea Fraser

Als Österreich-Premiere präsentiert das Museum der Moderne Salzburg den bislang umfassendsten Überblick über das Schaffen der wegweisenden und einflussreichen US-amerikanischen Künstlerin Andrea Fraser aus den letzten dreißig Jahren.

Mehr Informationen hier: Andrea Fraser

 

 

PHILIP GUSTON. DREI BLICKE:

 

DIE GESAMTE DRUCKGRAPHIK / LETZTE ACRYL-ARBEITEN AUF PAPIER / ZEICHNUNGEN FÜR DICHTER

Staatliche Graphische Sammlung München in der Pinakothek der Moderne

Rund 85 zum Teil großformatige Lithographien und kleinere Acrylzeichnungen des einflussreichen amerikanischen Künstlers Philip Guston (1913-1980) werden in einer umfangreichen Ausstellung in der Staatlichen Graphischen Sammlung gezeigt.

Nach einer bereits 2007/08 in diesem Museum erarbeiteten, viel beachteten Ausstellung der Zeichnungen von Philip Guston widmet die Staatliche Graphische Sammlung diesem Künstler nun eine weitere Schau, die sich in drei Teile gliedert: Neben den Lithographien präsentiert diese Ausstellung auch Zeichnungen für Dichter, die Guston seit den Sechzigerjahren in Zusammenarbeit mit Poeten und Literaten seiner Zeit schuf. Ebenso wird der wichtige Werkkomplex von 26 Acrylarbeiten vom Frühjahr 1980, seiner letzten Schaffensphase, ausgestellt.

 

Neben Jackson Pollock und Willem de Kooning zählt Philip Guston, der vor allem durch die Ausdrucksvielfalt und Wandelbarkeit seines Werks besticht, zu den bedeutendsten und einflussreichsten amerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Guston war unter den maßgeblichen Exponenten der amerikanischen Nachkriegskunst vermutlich derjenige, der am intensivsten versucht hat, einen schöpferischen Dialog mit europäischer Kultur zu führen. Dabei sah er sich niemals als »Stilkünstler«, dem es um die Ausformung einer unverwechselbaren »Handschrift« ging. Philip Guston war der Typus des existenziellen Künstlers, der – von Rastlosigkeit, Selbstzweifel und Arbeitswut getrieben – auf der Suche nach dem Unbekannten, noch Unentdeckten war, um diesem bildnerisch Ausdruck zu verleihen.

Die aktuelle Ausstellung umfasst mit 60 bildhaft-großformatigen Lithographien sein gesamtes druckgraphisches Werk. Dieses entfaltete sich von 1963 bis ca. 1967 zunächst in einer ersten Gruppe von Arbeiten, die Gustons lyrisch-abstrakten Stil aufnehmen, mit dem der Maler damals bereits einen Höhepunkt seiner internationalen Anerkennung erreicht hatte. Selbst in den Jahren der Abstraktion war die Kunst Gustons niemals gänzlich gegenstandslos.

Nach einer längeren Zäsur widmete sich Guston erst wieder ein halbes Jahr vor seinem Tod – im Winter 1979/80 – dem Medium der Lithographie. Die Blätter sind allesamt in einem äußerst knapp bemessenen Zeitraum wie aus einem Guss entstanden. Sie bezeugen Gustons lebenslange Passion für die Essenz der Zeichnung. In ihnen begegnet das vollständige Repertoire der seit den späten Sechzigerjahren in Gustons Kunst wieder bildmächtig gewordenen Gegenstände wie in einer Art visuellen Autobiographie.

Die Lithographien haben zweifelsohne als eine der primären Quellen der Inspiration in Blick auf jene 26 Arbeiten in Tusche und Acryl auf Papier zu gelten, die Guston im Frühjahr 1980 schuf. Einzig sie geben Auskunft über Gustons letzte schöpferische Möglichkeiten als Maler. Die Ausstellung zeigt fast die vollständige Gruppe, die in diesem Umfang noch nie in Europa zu sehen war.

Indem auch Gustons graphische Beiträge für Zeitschriften und Bücher erstmals im großen Umfang präsentiert werden, die zahlreiche mit ihm befreundete Dichter und Literaten anregten, gewinnt der Betrachter einen gültigen Blick auf die künstlerische Vielfalt und poetische Tiefe seines Werks.

Zur Ausstellung erscheinen insgesamt drei Veröffentlichungen: ein Catalogue Raisonnée des druckgraphischen Werks mit einer Einführung von Michael Semff, eine Publikation mit den Zeichnungen für Dichter (mit einem Beitrag von Bill Berkson und einem Vorwort von Michael Krüger) und ein Katalog der farbigen Acrylarbeiten von 1980 (mit Beiträgen von Stanley Kunitz und David McKee).

 

Gefördert durch PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. und von Vestner Aufzüge GmbH.

 

 

 

Über Wasser. Malerei und Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson

Wasser in seiner Vielgestaltigkeit fasziniert Photographen und Maler bis heute. Über Wasser.
Malerei und Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson spürt erstmals der
Inspirationskraft des Elements Wasser nach. Durch die Gegenüberstellung von Photographien
und Gemälde über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten bis heute zeigt die
Ausstellung im Bucerius Kunst Forum, wie beide Medien um die adäquate Darstellung des
Elements ringen und sich gegenseitig anregen. Die rund 160 Leihgaben kommen aus
international renommierten Sammlungen wie dem Musée d’Orsay, der Tate, dem Victoria &
Albert Museum oder dem Museum Ludwig. Unter dem Titel The Day Will Come When Water
Matters ist die Ausstellung der Beitrag des Bucerius Kunst Forums zur Triennale der
Photographie Hamburg 2015.
Wasser ist die Voraussetzung für jede Form von Leben. Alle Kulturen widmeten dem Element eine
Fülle von Mythen, religiösen Riten oder symbolischen Bedeutungszuschreibungen. Von der
griechisch-römischen Antike bis zur christlichen Schöpfungsgeschichte ist die abendländische Kultur
geprägt von der Mythologie des Wassers. Heute machen Wasserknappheit, Umweltverschmutzung
und Klimawandel Wasser zu einem zentralen Thema. Die Ausstellung Über Wasser. Malerei und
Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson spürt der Inspirationskraft des Elements für Maler
und Photographen von 1800 bis heute nach. Sie zeigt erstmals, wie über einen Zeitraum von mehr als
zwei Jahrhunderten beide Medien um die adäquate Darstellung ringen und sich gegenseitig anregen.
Die Naturwissenschaften entzauberten im 19. Jahrhundert die Natur. William Turner führt die Künstler
der Moderne an, die sich der Ästhetik des Wassers jenseits der Mythologie verschrieben haben: Er
machte Wasser zum Motiv. Wenig später kam mit der Photographie ein Medium hinzu, das neue
Möglichkeiten eröffnete, den in Bewegung befindlichen Naturstoff ins Bild zu bannen. Maler und
Photographen lösten das Element aus der Landschaftsmalerei und fokussierten sich auf das Wasser
in seinen wechselnden Erscheinungsweisen ̶ vom Tropfen, der Schneeflocke und Eisscholle über
das stürzende, geschüttete oder fließende Wasser bis zu den spiegelnden und bewegten
Wasseroberflächen, deren machtvollste Form die heran brandende Welle ist.
Die Erscheinungsformen des Wassers als Regen, Schnee, Eis oder einzelne Tropfen zeigen Gemälde
von Caspar David Friedrich und Yves Klein. Photographische Analysen von Wassertropfen nahmen
Peter Keetman und Hermann Landshoff vor. Mit ihrer Nahsicht erlauben die mit der Kamera
gewonnenen Abstraktionen einen Blick auf die Schönheiten einer Formenwelt, die der menschlichen
Wahrnehmung nicht zugänglich ist. Diesen Abstraktionsprozess trieben Photographen des Neuen
Sehens wie Albert Renger-Patzsch, Alfred Ehrhardt und Arvid Gutschow voran.

Das Phänomen der Spiegelungen auf Wasseroberflächen haben Maler wie William Turner oder
Claude Monet in vibrierende Farbflächen übersetzt, während heute Photographen wie Andreas
Gursky der Wirkung von Reflexionen in großformatigen Abzügen zwischen malerischer Anmutung und
dem Spiegel des Realen nachspüren. Die Darstellung des Wassers in Form von Wellen und Strudeln
gehörte im 19. Jahrhundert zu den zentralen bildnerischen Herausforderungen in Malerei und
Photographie, etwa bei Gustave Courbet oder Gustave Le Gray. Das überwältigende Potential des
Wassers wird in grenzenlosen Meereslandschaften und in Darstellungen von Naturkatastrophen
realisiert. Bei Hiroshi Sugimoto und Andreas Müller-Pohle geht es um das Phänomen des Erhabenen,
die Auswirkungen der Umweltzerstörung auf das Ökosystem Wasser dokumentieren Edward
Burtynsky, Inge Rambow und Olafur Eliasson.
Die von Ulrich Pohlmann und Ortrud Westheider kuratierte Ausstellung versammelt rund 130
Photographien und etwa 30 Gemälde aus europäischen Museen und Privatsammlungen. Sie zeigt,
wie die künstlerischen und gesellschaftlichen Fragestellungen an das Element Wasser seit 1800
immer brisanter werden.
Der Katalog zur Ausstellung mit Beiträgen von Michael Philipp, Ulrich Pohlmann, Christiane Stahl, Iris
Wenderholm und Ortrud Westheider erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 240 Seiten mit farbigen
Abbildungen aller ausgestellten Werke, 29 € in der Ausstellung).

Die Ausstellung “Die Bestie und der Souverän” wurde zensiert.

Die Ausstellung “Die Bestie und der Souverän”, die am 18.3.2015 im
Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA) eröffnet
werden sollte, wurde zensiert.
Beteiligte KünstlerInnen: Efrén Álvarez, Angela Bonadies and Juan José
Olavarría, Peggy Buth, Martin Dammann, Ines Doujak and John Barker, Juan
Downey, Edgar Endress, Oier Etxeberria, León Ferrari, Eiko Grimberg, Masist
Gül (presented by Banu Cennetoğlu and Philippine Hoegen), Ghasem
Hajizadeh, Jan Peter Hammer, Geumhyung Jeong, Glenda León, Julia
Montilla, Rabih Mroué, Ocaña, Genesis Breyer P-Orridge, Prabhakar
Pachpute, Mary Reid Kelley, Jorge Ribalta, Hans Scheirl, Wu Tsang,
Stefanos Tsivopoulos, Viktor Vorobyev & Yelena Vorobyeva, and Sergio
Zevallos.
—-
Der Direktor des Museums für zeitgenössische Kunst in Barcelona (MACBA),
Bartomeu Mari, hat die Ausstellung “The Beast and the Sovereign” (die Bestie
und der Souverän), eine Koproduktion zwischen dem Württembergischen
Kunstverein Stuttgart und dem MACBA, am Tag der Eröffnung (18. März
2015) abgesagt.
In Auseinandersetzung mit Jacques Derridas Seminar “Die Bestie und der
Souverän”1 beschäftigt sich die gleichnamige Ausstellung mit der Bedeutung
des Souveräns und seiner Beziehung zur „Bestie“: Im Hinblick auf das
Heilige, auf Ökonomien der Schuld, den Körper und Institutionen.
Die vier KuratorInnen der Ausstellung, Iris Dressler, Hans D. Christ, Paul B.
Preciado und Valentín Roma, erklären:
Die “unauflösbaren Unstimmigkeiten” zwischen dem kuratorischen Team und
dem Direktor des MACBA beziehen sich auf Ines Doujak’s Skulptur “Not
Dressed for Conquering” aus ihrem langfristigen Kunst- und
Forschungsprojekt “Webschiffe / Kriegspfade”, das unter anderem auf der
letzten Sao Paolo Biennale zu sehen war.
Der Direktor des MACBA hält dieses Werk, das neben vielen anderen Dingen
auch als eine Karikatur des ehemaligen spanischen Königs, Juan Carlos I,
gelesen werden kann, als „unangemessen“ für eine Präsentation im MACBA.
Aus der Sicht des kuratorischen Teams greift “Not Dressed for Conquering”
auf Traditionen von Parodie, Karikatur und Karnevalsfiguren zurück, um
Repräsentationen des Souveräns und souveräner Macht neu zu formulieren.
Die KuratorInnen haben dem Direktor keinerlei Informationen über die
Ausstellung vorenthalten: Er wurde von Paul B. Preciado und Valentín Roma
über das Konzept und die vollständige Werkliste der Ausstellung informiert.
Der Direktor hat das Projekt abgezeichnet. Ein einführender Text zur
1 In der deutschen Ausgabe als „Das Tier und der Souverän“ übersetzt
Ausstellung mit der Künstlerliste wurde vor Monaten auf der Internetseite des
MACBAs veröffentlicht.
Sämtliche Arbeiten der Ausstellung stellen auf je eigene Weise und mit ihren
eigenen Mitteln die verschiedenen Ausprägungen der Souveränität in Frage:
Im Falle von Doujak in erster Linie in der Figur des weißen Mannes im
Hinblick auf postkoloniale und sexuelle Ausbeutung, im Falle der
KünstlerInnen Viktor & Yelena Vorobyeva hinsichtlich der Ausübung von
totalitärer Macht oder im Falle von Sergio Zevallos im Hinblick auf Religion,
Gewalt und normativer Sexualität.
Die Entfernung von Ines Doujaks Arbeit hätte nicht nur das gesamte
Ausstellungskonzept, das explizit um die Machtverhältnisse zwischen der
Bestie und dem Souverän kreist, irreparabel kompromittiert, sondern auch
unser Verständnis von Kunst, Meinungsfreiheit sowie der Rolle des Museums
innerhalb der zeitgenössischen Gesellschaft. Wir verstehen den Akt der
Schließung der Ausstellung als einen Akt der Zensur.
Wir sind davon überzeugt, dass die Bedeutung von Kunstwerken eine Frage
der öffentlichen Interpretation ist und nicht im Vorfeld eindimensional
festgelegt werden kann. Eine Ausstellung sollte einen öffentlichen Raum
bilden, in dem die kritische Debatte darüber stattfinden kann.
Die jetzige Situation macht es unumgänglich, die Beziehungen zwischen
kritischer Praxis, Kunst und Museum neu zu überdenken. Die Entscheidung
des Direktors des MACBAs gefährdet nicht nur diese spezielle Ausstellung,
sondern enthüllt eine undemokratische Wirkungsweise öffentlicher
Kulturinstitutionen. Das kuratorische Team begreift das Museum als eine
öffentliche Institution, deren Grenzen nicht durch private Interessen definiert
werden können.
Das kuratorische Team bedauert die institutionelle Entscheidung des
MACBAs zutiefst und dankt zugleich den verschiedenen Teams sowie den
KünstlerInnen für ihre exzellente Arbeit während der Vorbereitung und
Installation der Ausstellung. Die Direktoren des Kunstvereins haben
entschieden, das Projekt fortzusetzen und die Ausstellung sobald wie möglich
in Stuttgart zu zeigen.
Hans D. Christ, Iris Dressler, Paul B. Preciado und Valentín Roma

PICASSO IN DER KUNST DER GEGENWART

Picasso verkörpert wie kein anderer Künstler die Kunst des 20. Jahrhunderts. Er wurde bewundert, aber auch gehasst, man feierte, studierte und kopierte ihn. Seine Malerei und sein künstlerischer Individualismus haben sich bis heute nicht verbraucht. »Picassos Kunst hat heute deshalb eine so große Wirkung«, so Ausstellungskurator Dirk Luckow, »weil sich Werk und Person nicht auseinanderdividieren lassen und das Werk dadurch exemplarisch erscheint. Es ist unter politischen wie formalen Gesichtspunkten faszinierend und aktuell geblieben. Die Auswirkungen des Jahrhundertgenies auf die Gegenwartskunst werden noch immer unterschätzt.«

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens zeigen die Deichtorhallen Hamburg eine groß angelegte Ausstellung zum Thema »Picasso in der Kunst der Gegenwart«. Als Eröffnungspräsentation in der aufwendig sanierten und modernisierten Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen ist die Schau dem überwältigenden Spektrum moderner und zeitgenössischer künstlerischer Sichtweisen auf Picasso gewidmet. Rund 200 Leihgaben u.a. aus der Tate Modern, London oder dem Centre Pompidou, Paris von 87 internationalen Künstlerinnen und Künstlern kreisen um Picasso und seinen Folgen für die Kunst, ohne einen einzigen Picasso zu zeigen. Zwischen Verehrung, intellektueller Assimilation und Neuinterpretation machen die Werke von namhaftesten Künstlern wie Georg Baselitz, Brassaï, Sophie Calle, Marlene Dumas, Jasper Johns, Martin Kippenberger, Roy Lichtenstein und Robert Longo die Aktualität von Picassos Werk deutlich.

Alle großen Stoffe und Schaffensphasen Picassos treten in der Ausstellung als künstlerische Rezeption wieder auf: die Blaue Periode und die damit verbundenen Themen wie Einsamkeit, Verzweiflung und soziales Elend, aber auch belebtere Motive aus der Rosa Periode wie Zirkuswelt, Harlekin oder Seiltänzer. Darüber hinaus regte »Les Demoiselles d’Avignon« als erstes kubistisches Bild und Picassos Werke der zwanziger und dreißiger Jahre, in denen er die strengen kubistischen Elemente mit weiten, sanften und runden Kurven kombinierte, Künstler seit Generationen zu Reaktionen an. Picassos aggressive Deformationen, die im anklagenden Antikriegsbild »Guernica« gipfelten, führten zu einer spektakulären Folge politischer Bildsetzungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute. In der Ausstellung stehen dafür allein sechs monumentale Guernica-Interpretationen, darunter eine 1 : 1 Guernica-Hommage von Robert Longo.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Wahrnehmung Picassos durch international führende Künstlerinnen wie Cindy Sherman, Maria Lassnig, Marlen Dumas oder Hanne Darboven. Aber auch Themen wie »Picasso und die deutsche Kunst« oder der Umgang der amerikanischen  Appropriation Art mit Picassos Œuvre, werden behandelt.

Die Ausstellung »Picasso in der Kunst der Gegenwart« bringt somit Licht in den Wandel der künstlerischen Rezeption von Picassos Werken. Die Ausstellung beginnt zeitlich mit Arbeiten aus den 1930er Jahren von Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner und Erwin Blumenfeld, der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf den letzten 50 Jahren künstlerischen Schaffens einsetzend mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Asger Jorn und Jasper Johns.

Die große Sinnlichkeit und schier unerschöpfliche Imaginationskraft, die Spannbreite von Picassos Werk zwischen Abstraktion und Figur, künstlerischer Kreativität und politischer Anklage fordern alle diese Künstler bis heute zu besonders spannungsreichen Dialogen mit dem Phänomen Picasso heraus.

Heinz Jahn – Um alles auf der Welt

Ausstellung im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt Aquarelle

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt  mit der Ausstellung „Um alles auf der Welt“ rund 50 Aquarelle von Heinz Jahn, die während der vergangenen 30 Jahre entstanden sind. Jahns herausragende Werke zählen zu den großartigsten zeitgenössischen Beispielen des Malens mit Wasserfarben.

Als Bildträger seiner Aquarelle dienen Jahn Makulaturpapiere wie alte Kassenzettel oder Ausrisse aus benutzten Rechnungsbüchern. So bezieht er Aufdrucke und handschriftliche Relikte der Vorbesitzer in seine Bildregie mit ein: Die großen Buchstaben „T.S.F.“ zum Beispiel meinen „transmission sans fil“, also die drahtlose Radio-Übertragung, sie standen auf dem Rechnungsblock eines Elektrogeschäfts. Oder der Quittungszettel eines sonntäglichen Januartags, „Janvier 31 Dimanche“, offenbart die Speisenfolge eines Menüs, über der Jahn in leichten Farben gesättigt improvisiert. Und  die Aufschrift „Vendu trois cochons“ ist natürlich das Notat eines französischen Bauern über erfolgreiche Verkäufe auf einem ländlichen Markt. Zwischen den Spalten „DOIT“ und „AVOIR“ lebt Jahn sein künstlerisches Soll und Haben. Dabei geht es auch um Kommunikation, um Austausch mit dem jeweiligen anderen Lebensraum, um eine lyrische Vernetzung des Alltäglichen. Die kleinformatigen Aquarelle öffnen damit ein umfassendes Netz von Beziehungen, die sich entfalten und doch wieder zurückkehren und sich in einem Farbklang konzentrieren.

Das mindere Papier seiner Arbeiten zeigt dabei deutlich, dass es nicht immer extrafeines Aquarellbütten sein muss, um zu exquisiten Ergebnissen zu kommen. Heinz Jahns lavierte Aquarelle, deren Reiz oft im Zufälligen und Spontanen liegt, gehören im zeitgenössischen Umgang mit Wasserfarben zu den Besten, sie sind wunderbarer Ausdruck dieses sensiblen Mediums. Die wie hingehauchte Leichtigkeit der Gefühle im bildnerischen Ausdruck steht in Jahns Blättern für Lyrismus pur. Daneben lasiert der Künstler seine Wasserfarben durchaus auch ins Dunkle, samtig und tiefgründig verdichtet – kontrastreich und mit schönem farbigem Prunk sind sie Inbegriff atmosphärischer Flüchtigkeit. Eben wie Heinz Jahn formuliert: „Ich könnte mir vorstellen, dass meine Arbeiten den Betrachter mit etwas Leichtigkeit versorgen, gerade so viel, um über dem Boden zu gleiten.“

Geboren 1953 in Wolmirstedt, ist Heinz Jahn in Colbitz und Leipzig aufgewachsen. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er 1975 bis 1981 durch ein Studium der Bildhauerei und Malerei an der Akademie Münster bei Bernd Minnich und Ernst Hermanns, zuletzt als Meisterschüler von Paul Isenrath. Nach Aufenthalten in Paris und Amsterdam während der Jahre von 1984 bis 1988 übersiedelte er 1989 nach Besse ins französische Departement Dordogne. Jahn lebt und arbeitet heute in Hamburg und Besse.

Zur Ausstellung erscheint ein 64-seitiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen (ISBN 978-3-89422-200-0), der zum Preis von 14 Euro erhältlich ist.

 

 

ÉDOUARD VUILLARD

Einblicke in die Lithowerkstatt

Édouard Vuillard (1868–1940) ist neben Maurice Denis (1870–1943), Paul Sérusier (1863–1927) und einigen anderen heute als Mitglied der 1889/90 zusammengekommenen Künstlergruppe der »Nabis« (Propheten) bekannt, die sich einem neuen, von der Gegenständlichkeit immer weiter entfernten Verständnis der Farbe und einer symbolistischen Bildsprache verpflichteten.

Die Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung möchte allerdings keinen umfassenden Überblick zu Vuillard bieten. Mit den seltenen schwarz-weißen Blättern und Zustandsdrucken vermag die hier vorgestellte Sammlung vielmehr Vuillards Umgang mit der Litho-Technik und die Verfahren seiner Bildfindung exemplarisch zu beleuchten, wobei auch die Drucktechnik vorgestellt wird.

Innerhalb der Gruppe der Nabis gilt Vuillard mit seinen Interieurs und Parklandschaften als der »Intimist«, als ein besonders introvertierter Farbvirtuose. Aber in einer kurzen, kaum achtjährigen und sehr intensiven Phase des Lithographierens schuf Vuillard ein unverwechselbares druckgraphisches Werk, das heute vor allem mit der Folge »Paysages et intérieurs« von 1899 verbunden wird.

Jedoch begonnen hatte Vuillard mit schwarz-weißen Lithographien, von denen eine Reihe als Theaterprogramme dienten, denn der Künstler war in den 1890er Jahren Teil der avantgardistischen Theaterszene in Paris.

Die zahlreichen Ur- und Erstaufführungen aus dieser Zeit entrüsteten zum Teil mit skandalträchtigen Inszenierungen die Besucher. Seine zum Teil für diese Stücke erarbeiteten ersten Lithographien sind äußerst selten und können in der Ausstellung in ungewöhnlicher Fülle gezeigt werden. Mit ihnen wird auch nachvollziehbar wie sich der Künstler die Technik angeeignet und innerhalb kürzester Zeit virtuos beherrscht hat. Probe- und Zustandsdrucke zu seinen farbigen Lithographien führen vor Augen, wie der herausragende Kolorist die neuen Ideen des Farbdrucks herausarbeitet.

Damit erweist sich Vuillard als einer der zentralen Protagonisten, von denen die Farblithographie im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu einer ersten bedeutenden Blüte geführt wurde. Vuillard steht neben Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) und Pierre Bonnard (1867–1947) für einen ganz neuen Umgang mit der Farbe im Druck und für ungewöhnliche Bildkompositionen.

Ein außergewöhnlicher Glücksfall ist es, dass ein Mitglied des Freundeskreises der Sammlung diese Lithographien anlässlich der Ausstellung und dem baldigen Ausscheiden des langjährigen Direktors,

Dr. Michael Semff, der Staatlichen Graphischen Sammlung München gestiftet hat.

 

Begleitprogramm

In den Ausstellungsräumen wird die Technik des Lithographierens mit Hilfe einer Handpresse jeweils Samstagnachmittag um 15 Uhr vorgeführt.

Katalog

Deutscher Kunstverlag, 128 Seiten, 80 Farbabbildungen, ca. 24 €

 

 

 

 

 

 

 

POESIE DER GROSSSTADT. DIE AFFICHISTEN

ERSTE ÜBERBLICKSAUSSTELLUNG IN DEUTSCHLAND SEIT 20 JAHREN: DIE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT ZEIGT DIE RADIKALE KUNST DER AFFICHISTEN

Ob frühe Pop-Künstler, Wegbereiter der Street-Art oder Vermittler einer „natürlichen Poesie“ der Wirklichkeit: In den 1950er-Jahren traten die Affichisten mit einem völlig neuen Begriff des Tafelbildes hervor. Auf Streifzügen durch Paris und Rom sammelten sie Teile der in den Straßen der Stadt allgegenwärtigen, oft verwitterten und zerfetzten, sich in Schichten überlagernden Plakatwände und erhoben die urbane Alltagswelt selbst zum Gemälde. Ihr ebenso subversiver wie poetischer Zugriff auf die Wirklichkeit machte sie zu Pionieren eines „Neuen Realismus“. Mit der ersten umfassenden Überblicksausstellung seit über 20 Jahren ist die radikale Kunst der Affichisten wieder in Deutschland zu sehen. In 150 Exponaten stellt die Schirn Kunsthalle Frankfurt die Kunst des Plakatabrisses in ihrer ganzen Bandbreite vor, von kleinen Fragmenten zu überwältigenden Großformaten, von abstrakten Farbformationen bis hin zu Ikonen der Popkultur – ergänzt durch fotografische, filmische und poetische Experimente der beteiligten Künstler: Raymond Hains, Jacques Villeglé, François Dufrêne sowie Mimmo Rotella und Wolf Vostell.

Die von der Schirn Kunsthalle Frankfurt und dem Museum Tinguely in Basel gemeinsam konzipierte Ausstellung umfasst den Zeitraum zwischen 1946 und 1968 und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Entstehung der Kunstströmung und die frühen Phasen im Schaffen der Affichisten. Mit dem 2,56 Meter breiten manifestartigen Fries „Ach Alma Manetro“ legten die Franzosen Raymond Hains und Jacques Villeglé 1949 nicht nur den Grundstein für die künstlerische Praxis des Plakatabrisses (im Französischen affiche lacérée oder décollage genannt), sondern formulierten zugleich einen neuen Werkbegriff, der davon ausgeht, dass „die Kunst von allen gemacht sei. Nicht von einem.“ Von Anfang an setzte sich der Plakatabriss von der vorherrschenden lyrisch-abstrakten Malerei, wie auch von der Collage und dem Readymade der Vorkriegsavantgarde ab. Dabei stand er in enger Beziehung zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen und Medien, wie der Sprache und Poesie, der Fotografie und dem Film. Die Ausstellung in der Schirn beleuchtet den besonderen Stellenwert der französischen Affichisten François Dufrêne, Raymond Hains, Jacques Villeglé und des Italieners Mimmo Rotella innerhalb der Avantgarde der 1950er- und 1960er-Jahre. Der deutsche Künstler Wolf Vostell nimmt in seiner Beziehung zu den Affichisten eine gesonderte Position ein. Die Schau vereint die bedeutendsten Werke der fünf Affichisten, darunter Leihgaben aus den Nachlässen der Künstler sowie zahlreichen Privatsammlungen und Museen, wie dem Centre Pompidou in Paris, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, dem S.M.A.K. in Gent, den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique in Brüssel, dem Museum Ludwig in Köln oder der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung.

„Jeder kennt heute Street-Art und ihre prominenten Vertreter weltweit – von Brasilien über die USA bis nach Großbritannien. Doch nur die wenigsten wissen, dass die Affichisten die ersten, echten Wegbereiter der Street-Art sind. Mit der Ausstellung werfen wir einen Blick auf die Straßen von Paris und Rom der 1950er- und 1960er-Jahre und zeigen die radikale wie poetische Auseinandersetzung der Affichisten mit der gesellschaftlichen und politischen Realität der damaligen Zeit“, betont Max Hollein, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

Die Kuratorin der Ausstellung, Esther Schlicht, ergänzt: „Die Kunst der Affichisten ist direkt und subversiv. Sie liest sich wie eine Gegengeschichte der Malerei nach 1945 in ihrer Entwicklung von den abstrakten Tendenzen der Nachkriegszeit hin zur Pop Art der 1960er-Jahre. Gerade der mediale und intermediale Charakter der Arbeiten lässt sie dabei heute, 60 Jahre nach ihrem Entstehen, überraschend frisch und unverbraucht erscheinen.“

Die Ausstellung greift fünf zentrale Themen in der Kunst der Affichisten – Abstraktion, Material/Prozess, Lettrismus, Politik und Pop – auf und stellt die Künstler zudem in einzelnen Kabinetten und mit umfangreichem Dokumentationsmaterial, wie historischen Fotografien und Filmen vor.

Die Affichisten wurden auf der ersten „Biennale von Paris“ im Jahr 1959, an der Raymond Hains, Jacques Villeglé und François Dufrêne teilnahmen, über Nacht bekannt. Dort provozierten die gezeigten Plakatabrisse heftige Reaktionen. Zusammen mit abstrakten Malern wurden sie in der Sektion zur informellen Malerei präsentiert, obwohl sie diese grundlegend infrage stellten. Auch wenn die Werke der Affichisten aus den 1950er-Jahren nur vereinzelt figurative Elemente aufweisen, spielte die Typografie der Plakate für die Künstler eine entscheidende Rolle. Ihr Augenmerk richtete sich auf die in den Plakatabrissen generierte Dekomposition von Worten und Buchstaben, auf ihre besondere Poesie und ihren speziellen Klang. In den 1960er-Jahren fanden auch Plakate politischer Propaganda Eingang in die Werke der Affichisten. Als Chronisten ihrer Zeit hielten sie gesellschaftliche Auseinandersetzungen fest, ohne dabei selbst politisch Position zu beziehen. Durch die Entwicklung des Plakats zum illustrierten Werbeträger der sich rasant entwickelnden Konsum- und Freizeitgesellschaft tauchten Ende der 1950er-Jahre zunehmend Bildmotive auf, die auch das visuelle Repertoire der sich zur gleichen Zeit herausbildenden Pop Art prägten.

DIE AFFICHISTEN

Raymond Hains (1926–2005) schuf gemeinsam mit Jacques Villeglé 1949 den ersten kunstgeschichtlich verbürgten Plakatabriss „Ach Alma Manetro“. Diese erste bedeutende Décollage stand in direktem Zusammenhang mit anderen künstlerischen Experimenten, denen sich Hains und Villeglé zeitgleich widmeten. Ab 1946 hatte Raymond Hains fotografische Experimente mit geriffelten Gläsern unternommen, die er zwischen Kamera und Objekt anbrachte, um kaleidoskopartige Effekte der Verzerrung und Vervielfachung zu erzielen. Damit knüpfte er an surrealistische Bildverfahren und noch frühere experimentelle Fotografien und Filme an. Mit Jacques Villeglé erweiterte er dieses Prinzip der visuellen Verfremdung ins Filmische und arbeitete an dem abstrakten Farbfilm „Pénélope“ (ab 1950), ein technisch höchst aufwendiges Unterfangen, das nach vier Jahren obsessiver Arbeit unvollendet blieb und erst Jahre später rekonstruiert wurde.

Für Jacques Villeglé (*1926) ist das Medium des Plakates ein schier unendlicher, sich ständig erneuernder Fundus des Gegenwärtigen. Er entwickelte den für seine Konzeption zentralen Gedanken der anonymen Autorschaft, der in dem Begriff des lacéré anonyme mündete. Eine Kunstfigur, hinter jener der individuelle Künstler wie auch dessen Name bzw. Signatur verschwindet. Dies machte es ihm möglich, sich sämtliche Ausdrucksformen, Themen und „Stile“ der anonym entstandenen Plakatabrisse in seinem Werk anzueignen. Mit enzyklopädischem Anspruch verfolgt Villeglé seither die Vision, durch das Sammeln heterogener Zeugnisse der alltäglichen Wirklichkeit ein Bild der Gesellschaft zu schaffen.

Als einer der führenden Vertreter des Lettrismus wandte sich François Dufrêne (1930–1982) relativ spät der bildnerischen Praxis des Plakatabrisses zu, die er durch Arbeiten von Hains und Villeglé kennenlernte. Er verwendete nahezu ausschließlich Rückseiten von Plakaten (sogenannte dessous d’affiches), denen er eine besondere poetische Qualität zusprach. Dufrêne verstand sich zeitlebens als Dichter. Seine Arbeiten sind im Gegensatz zu den Werken von Hains und Villeglé abstrakt-lyrisch und zeugen von einer archäologischen Suche nach dem Unsichtbaren, Unbewussten, welches durch das Aufdecken und Abtragen verborgener Schichten zutage tritt.

Im Rom der 1950er-Jahre entdeckte Mimmo Rotella (1918–2006) unabhängig von den französischen Affichisten den Plakatabriss als künstlerisches Ausdrucksmittel. Sein facettenreiches Werk reicht von abstrakten Farbformationen über archaisch anmutende Rückseiten bis hin zu späteren Pop-Motiven. Rotella ging es weniger um das Sichtbarmachen vorgefundener Bildwerke als um die Aneignung eines ästhetischen Materials, dem erst der Künstler seine ungeahnten Qualitäten entlockte. Anders als Hains und Villeglé griff Rotella direkt in die Oberfläche ein, um Strukturen, Muster und Schichtungen offenzulegen. Nach 1960 wendete er sich hauptsächlich Plakatmotiven aus der Filmwelt und Werbung zu.

In den 1950er-Jahren begann Wolf Vostell (1932–1998) mit den neu entwickelten Formen von Aktion und Happening den Stadtraum zu infiltrieren und übertrug das Konzept der „dé-coll/age“ auf alle Bereiche seines Schaffens. Mit seinem 1958 in Paris konzipierten ersten europäischen Happening „Das Theater ist auf der Straße“ erhob er den Prozess der Décollage zum Thema und forderte Passanten auf, Wortfragmente auf zerrissenen Plakaten zu lesen oder Plakate eigenhändig abzureißen. Während für die französischen Affichisten die zerstörten Plakatflächen Ausdruck eine neuer visuellen Poesie waren, wurden sie für Vostell zum Ausgangspunkt einer entschieden kritischen Auseinandersetzung mit dem Plakat als Medium der modernen Massenkommunikation.

KATALOG Poesie der Großstadt. Die Affichisten, herausgegeben von Esther Schlicht, Roland Wetzel und Max Hollein, mit einem Vorwort von Max Hollein und Roland Wetzel, einer Einführung von Esther Schlicht, Essays von Bernard Blistène, Fritz Emslander, Didier Semin und Dominique Stella sowie einem Interview von Roland Wetzel mit Jacques Villeglé, Originaltexten von François Dufrêne, Raymond Hains, Mimmo Rotella, Jacques Villeglé, Wolf Vostell und einer Chronologie der Jahre 1944–1968, dt./ engl. Ausgabe, 280 Seiten, ca. 170 Abbildungen, 30,5 x 24,5 cm, Softcover in Fadenheftung, amerikanischer Schutzumschlag; Gestaltung Sybille Ryser, Basel; Snoeck Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-86442-103-7 (Buchhandelsausgabe), Preis: 32 € (Schirn), 48 € (Buchhandel).

KURATOREN Esther Schlicht (Schirn Kunsthalle Frankfurt) und Roland Wetzel (Museum Tinguely Basel) KURATORISCHE ASSISTENZ Katharina Knacker MIT UNTERSTÜTZUNG DURCH Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung MEDIENPARTNER Journal Frankfurt

SOCIAL MEDIA Zur Ausstellung kommuniziert die Schirn im Social Web mit den HASHTAGS #Affichisten, #PoesieDerGrossstadt ONLINE-MAGAZIN www.schirn-magazin.de FACEBOOK www.facebook.com/Schirn TWITTER www.twitter.com/Schirn YOUTUBE www.youtube.com/user/SCHIRNKUNSTHALLE INSTAGRAM @schirnkunsthalle

VERZAUBERTE ZEIT

Cézanne, van Gogh, Bonnard, Manguin Meisterwerke

aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

Die Ausstellung Verzauberte Zeit präsentiert die historische Sammlung des Schweizer Ehepaares
Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler, die zwischen 1906 und 1936 in der Villa Flora in Winterthur eine
beeindruckende Anzahl an Meisterwerken der Kunst des Postimpressionismus zusammenführen konnten.
Der Schweizer Maler Félix Vallotton (1865-1925) hatte das Ehepaar zu Beginn des 20. Jahrhunderts
in Paris in die Kreise der führenden Künstler eingeführt, wo sie schnell Freundschaft mit Pierre
Bonnard, Edouard Vuillard, Henri Manguin und später Henri Matisse schlossen. Dank des intensiven
Austauschs mit den Künstlern erlangten sie früh ein tiefes Verständnis für deren künstlerische Ziele
und wurden zu leidenschaftlichen und äußerst fachkundigen Sammlern ihrer Werke. Ausgestattet mit
einem untrüglichen Spürsinn gelang es ihnen darüber hinaus, wichtige Spitzenwerke der großen Vorreiter
der künstlerischen Moderne zu erwerben, darunter Gemälde von Paul Cézanne, Vincent van
Gogh, Auguste Renoir und Edouard Manet. Die Ausstellung zeigt über 200 ausgewählte Werke von
18 Künstlern aus der weltberühmten Sammlung, die nun erstmals in Deutschland zu sehen ist.
Die Postimpressionisten schufen, angeregt von der Kunst des japanischen Holzschnitts, figürliche
Werke, die von einer flächigen Raumauffassung, einer außergewöhnlichen Farbintensität und einer
neuen Wertschätzung für das Ornamentale gekennzeichnet waren. In ihren Interieurs, Stillleben und
Landschaftsbildern waren sie bestrebt, den Moment der Wahrnehmung gleichsam auszudehnen, das
Gesehene symbolisch und traumhaft aufzuladen und so in der Darstellung zu verzaubern.
Die Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler zeichnet sich durch die harmonische Geschlossenheit
des Ganzen mit ihrem Umfeld in der noch heute existierenden Villa Flora aus. Anhand von Einrichtungsgegenständen,
Photos und Originaldokumenten bietet die Ausstellung faszinierende Einblicke
in die Villa Flora und lässt diese als einen unvergleichlichen Ort der Kunst, der Künstler und ihrer
Sammler wieder erstehen.
Die ausgewählten Werke, darunter 110 Gemälde, stammen aus der Hahnloser/Jaeggli Stiftung, aus
bedeutenden Schweizer Museen und von privaten Leihgebern. Ein eigens für die Ausstellung entstandener
Dokumentarfilm (78 Minuten) zur Geschichte des Sammlerpaars und der Villa Flora sowie zwei
zeitgenössische Interventionen der Schweizer Künstlerinnen Ursula Palla und Judith Albert ergänzen
die Präsentation.
Die Ausstellung wird anschließend in veränderter Zusammenstellung im Musée Marmottan Monet in
Paris, im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen sein.

Beteiligte Künstler und Künstlerinnen: Pierre Bonnard, Paul Cézanne, Giovanni Giacometti,
Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Aristide Maillol, Edouard Manet, Henri Manguin, Marino Marini,
Albert Marquet, Henri Matisse, Odilon Redon, Auguste Renoir, Auguste Rodin, Georges Rouault, Félix
Vallotton, Edouard Vuillard und Friedrich Wield sowie die Gegenwartskünstlerinnen Judith Albert und
Ursula Palla.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog (144 Seiten, 17,90 €) mit wissenschaftlichen
Texten von Angelika Affentranger-Kirchrath, Margrit Hahnloser-Ingold und Daniel Koep zur Kunst- und
Sammlungsgeschichte der Villa Flora. Die Publikation wird im Museumsshop und unter www.freundeder-
kunsthalle.de erhältlich sein.
Ein Audioguide (4 €) gibt an rund 25 Stationen der Ausstellung Erläuterungen und wird von der Schauspielerin Hannelore Hoger gesprochen.

Auf Twitter wird die Ausstellung unter #VerzauberteZeit begleitend kommuniziert.
Kuratoren: Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Dr. Angelika Affentranger-Kirchrath, Dr. Daniel Koep
Kuratorische Assistenz: Anna Heinze

KünstlerBilder. Inszenierung und Tradition

Die Ausstellung »KünstlerBilder« bietet ein breites Panorama künstlerischer Selbstinszenierung im 19. Jahrhundert und spürt den Wurzeln jener Motive nach, die noch heute unser Bild vom Künstler maßgeblich prägen. Gerade im Zeitalter des Selfies, in dem die Modellierung des eigenen Images in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken ein vieldiskutiertes Phänomen ist, erscheint die Frage nach dem Self-Fashioning des Künstlers sowie den damit verbundenen visuellen und erzählerischen Strategien aktueller denn je.

Was ist ein Künstler? Immer wieder haben Maler und Bildhauer in ihren Werken nach einer Antwort auf diese Frage gesucht. Das Selbstbildnis ist zweifellos die Bildgattung, in der sich dieser Vorgang am besten nachvollziehen lässt. Doch Künstlertum wird nicht allein in (Selbst-)Porträts thematisiert, sondern auch in Historienszenen oder Atelieransichten.
Mit Darstellungen von Künstlern im München Ludwigs I. bis zu Künstlerbildern im Paris des Impressionismus – von Wilhelm von Kaulbachs Freskenentwürfen mit Künstlerporträts der Neuen Pinakothek bis Édouard Manets Bildnis von Claude Monet bei der Arbeit auf seinem Atelierboot beleuchtet die Ausstellung Motive und Anregungen der Künstlerinszenierung im 19. Jahrhundert.

Die Ausstellung umfasst rund 50 Exponate, in der Mehrzahl Werke der Malerei, aber auch der Skulptur und Druckgraphik. Neben bekannten Meisterwerken aus der Galerie werden Schätze aus dem Depot präsentiert – einige davon zum ersten Mal seit über 50 Jahren.

So erinnern beispielsweise die Skulpturen der Bildhauer Johann von Halbig und Johann Baptist Stiglmaier an den einstigen Büstensaal Ludwigs I. in der Neuen Pinakothek, in dem eine Reihe zeitgenössischer Künstlerporträts versammelt war. Léon Brunins »Bildhauer« wurde eigens für die Ausstellung restauriert, ebenso die vor 1712 entstandene Kopie nach einem Selbstbildnis Rembrandts, das bis weit ins 19. Jahrhundert als authentisches Gemälde des Meisters galt und als Referenzpunkt künstlerischer Selbstdarstellung diente (noch Gustave Courbet trat mit diesem Werk in Wettstreit).

KünstlerBilder. Inszenierung und Tradition

Marie-Gabrielle Capet, Atelierszene, 1808
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek / Pinakotheks-Verein

Mein Körper ist das Ereignis

Wiener Aktionismus und internationale Performance

Das mumok zeigt seinen Sammlungsschwerpunkt Wiener Aktionismus im Kontext der internationalen Entwicklungen performativer Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre. Den Aktionen von Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarzkogler werden Arbeiten internationaler ProtagonistInnen der Performancekunst gegenübergestellt – darunter Werke von Marina Abramović, Joseph Beuys, Chris Burden, Tomislav Gotovac, Ion Grigorescu, Paul McCarthy, Ana Mendieta, Bruce Nauman, Yoko Ono, Gina Pane, Neša Paripović, Ewa Partum oder Carolee Schneemann.

FANTASTISCHE WELTEN

Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500
Die Ausstellung widmet sich einem der auffallendsten Phänomene in der
Renaissancekunst des Nordens: der starken, um 1500 sich ausbreitenden
Welle expressiver Formeln. Diese kulminieren zwar im Werk Albrecht
Altdorfers und weiterer Vertreter der sog. „Donauschule“ wie Wolf Hubers
oder des Meisters IP, doch finden sich vergleichbare Erscheinungen auch
über den bayerisch-österreichischen Raum hinaus in anderen Regionen
Mitteleuropas.
Rund 140 Exponate führen anschaulich vor Augen, wie Landschaften,
Historien und Porträts durch ein innovatives ausdrucksstarkes
Zusammenspiel von Licht, Farbe, Form und Pose neu erfunden wurden. Zu
den Höhepunkten der Ausstellungen zählen zahlreiche Werke Altdorfers,
wie zwei der ersten autonomen Landschaftsgemälde überhaupt oder das
phantasievoll illustrierte Gebetbuch Kaiser Maximilians I., Wolf Hubers
Flügelgemälde vom Feldkircher Annen-Altar und so spektakuläre
Skulpturen wie Leinbergers Berliner Bronzemadonna oder der beinahe 6
Meter hohe Schnitzaltar des Meisters IP aus der Prager Teynkirche.

MORDILLO

Wenn sprachlose Figuren mit großen Nasen eine bunte, verführerische Welt bevölkern, den Ausweg aus verschlungenen Labyrinthen suchen oder sich in absurden Sportarten ben, dann befinden wir uns in der Welt von Guillermo Mordillo (* 1932). Seine Bildgeschichten entfalten sich über das Herz direkt in den Verstand, dringen in alle Bevölkerungsschichten ein und erfassen sämtliche Altersstufen. Hinter einer märchenhaften Fassade lauert ab und zu das Unheil, wiederum in liebenswürdiger Gestalt mit großer Nase. Sosehr die gewaltige Knollennase zum Markenzeichen geworden ist, es geht Mordillo doch mehr um die Augen, deren Zeichnung die Seele der Figuren abbildet. Mit wenigen Strichen kann er hier zwischen Langeweile, Entsetzen und Verzücken variieren und damit seine Figuren wortlos zum Sprechen bringen. Die ausgestellten Originale stammen aus dem großen Familienschatz des Künstlers und werden erstmals in Österreich präsentiert. Das Karikaturmuseum Krems bietet somit die Möglichkeit, Mordillos Welt anhand von Skizzen, Zeichnungen und Cartoons zu entdecken – ein einzigartiges Erlebnis für die ganze Familie.
Kurator: Gottfried Gusenbauer

Künstler und Propheten

In der Ausstellung „Künstler und Propheten“ untersucht die Schirn ein weitreichendes, aber in großen Teilen unbekanntes Kapitel der europäischen, insbesondere der deutschen Kunstgeschichte. Mit über 400 Exponaten – darunter Gemälde, Zeichnungen, Lithografien sowie umfangreiches Dokumentationsmaterial – deckt sie verblüffende Kausalitäten zwischen Künstlern der Moderne und selbsternannten „Propheten“, wie Karl Wilhelm Diefenbach, Gusto Gräser, Gustav Nagel, Friedrich Muck-Lamberty sowie Ludwig Christian Haeusser, auf. Bis zu dem Zeitpunkt als die Nationalsozialisten an die Macht kamen waren alle fünf Propheten bereits Legenden. Dass dies heute kaum noch in Erinnerung ist, liegt auch daran, dass seit der Aufklärung im deutschsprachigen Europa nur noch wenig Platz für das Irrationale war. Und dennoch waren diese charismatischen Leitfiguren in avantgardistischen Kreisen nicht nur sehr bekannt, sondern hatten profunde Wirkung auf die Entwicklung der Kunst der Moderne in Europa: So entsprang die pionierhafte Abstraktion eines František Kupka dem Kontakt zu Diefenbach und seinen Anhängern. Das Gleiche gilt für eines der großen Themen in Egon Schieles Kunstschaffen: der Künstler als Prophet. Johannes Baaders dadaistische Aktionen und Collagen waren seit 1905 tief verbunden mit seiner Selbstwahrnehmung als neuzeitlicher Christus. Die Zeichnungen Friedrich Schröder-Sonnensterns nach 1945 waren durch sein weniger bekanntes Wirken als Prophet inspiriert. In den 1950er-Jahren positionierte sich Friedensreich Hundertwasser als Künstler-Ökologe, wanderte durch die entlegensten Winkel der Welt und erschuf Werke von eindringlicher, holistischer Strahlkraft für ein breites Publikum. Auch die messianische Dimension von Joseph Beuys’ künstlerischer Mission wurde durch die Überlieferung der Propheten befeuert.

EXPRESSIONISMUS ²

Die Sammlungen Buchheim + Nannen

Dank einer Kooperation mit der Kunsthalle Emden ist das Buchheim Museum in der Lage, die Expressionisten-Sammlung von Henri Nannen mit der Sammlung von Lothar-Günther Buchheim zu einer großen Expressionistenschau zu vereinen, die qualitativ wie quantitativ ihresgleichen sucht. Im Zweiten Weltkrieg war Nannen Kriegsberichterstatter bei der Luftwaffe, während Buchheim in selber Funktion auf und unter dem Wasser bei der Marine unterwegs war. Nach dem Krieg wurden beide berühmt, der eine als Gründer, Chefredakteur und Herausgeber des Stern, der andere als Verleger sowie als Autor des Weltbestsellers Das Boot. Ihnen beiden war es ein innerstes Anliegen, dem deutschen Expressionismus nach Verfemung durch die Nationalsozialisten und nach Geringschätzung durch die Nachkriegskunstkritik wieder zu dem Rang zu verhelfen, der ihm kunsthistorisch gebührt. Mit Werken von Max Beckmann, Lovis Corinth, Otto Dix, Lyonel Feininger, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, August Macke, Franz Marc, Otto Mueller, Paula Modersohn-Becher, Gabriele Münter, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs und Karl Schmidt-Rottluff haben die Sammlungen von Buchheim und Nannen gemeinsame prominente Schwerpunkte. Wenn all dies nun in Bernried zusammenkommt, entsteht mehr als nur die Summe zweier Sammlungen. Es gilt doppelt, was der Brücke-Maler Karl Schmidt-Rottluff 1973 über die Sammlung Buchheim sagte: Sie ist „eine großartige Angelegenheit“, und mehr noch: Sie ist „eine ganze Nationalgalerie und eine ganz neue Perspektive!“ Oder, mit Buchheims Worten: Die Ausstellung ist „ein Fest fürs Auge!“

Am selben Tag beginnt die Ausstellung

OBSESSIONEN
Erotica von Rodin, Klimt, Schiele und den Expressionisten