Die Kuratorin 13. Triennale Kleinplastik Fellbach 2016

Die Kuratorin ist Susanne Gaensheimer

Die Kuratorin für die 13. Triennale Kleinplastik 2016 in Fellbach steht fest. Die viel beachtete Schau für zeitgenössische Skulptur im kleineren Format wird die Handschrift von Susanne Gaensheimer tragen. Die Stadt Fellbach ist glücklich, eine der profiliertesten, international renommierten Kuratorinnen in Deutschland gewonnen zu haben. Dies teilte das Kulturamt der Stadt mit.

Susanne Gaensheimer ist seit 2009 Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main. Davor war sie von 2001 bis 2008 Sammlungsleiterin und Kuratorin für Gegenwartskunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München und von 1999 bis 2001 Leiterin des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Sie kuratierte den Deutschen Pavillon auf der 54. und 55. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia. Für den Deutschen Pavillon 2011, Christoph Schlingensief posthum gewidmet, wurde ihr der „Goldene Löwe“ als bester Länderpavillon verliehen. Anfang 2012 wurde sie u. a. in die Ankaufskommission der Bundesrepublik Deutschland, in den Sparkassen-Kultur-fonds, in die Turner Prize-Jury 2013 und in die Findungskommission für den Kurator der 7. + 8. Berlin Biennale sowie für den Kurator der 14. documenta in Kassel 2017 berufen. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag am Kunstgeschichtlichen Institut an der Goethe Universität Frankfurt am Main. 2014 gründete sie die Dependance des MMK Museums für Moderne Kunst, das MMK 2.

Susanne Gaensheimer sagte zu ihrer Wahl: „Es ist eine Freude und Ehre, in der Nachfolge so toller Vorgänger die Triennale in Fellbach zu kuratieren. Mich interessiert an dieser Aufgabe gerade das eng umrissene Format der kleinformatigen Skulptur. Gerade in einer Zeit der formalen Entgrenzung und medialen Reizüberflutung liegt in dieser einmaligen Konzentration eine besondere Chance.“

Die Triennale Kleinplastik Fellbach wurde 1980 als Forum für zeitgenössische Skulptur gegründet und findet seither alle drei Jahre statt. Im Jahr 2001 hat sie mit der „Alten Kelter“ einen unverwechselbaren Ausstellungsort bezogen. Er bietet eine Fläche von 3000 qm unter einem riesigen Dachstuhl aus Holz.

Die Erfolgsgeschichte der Triennale wurde maßgeblich von deren künstlerischen Leitern geschrieben. Während für die Triennalen 1-7 geografische und geopolitische Prämissen vorgegeben waren, haben sich die Verantwortlichen seit 2001 – im Zeichen einer Globalisierung der Kunst – für eine konzeptionelle Öffnung entschieden, wodurch ästhetische, kunsthistorische und soziologische Fragen in den Vordergrund rückten. Die Internationalität der ausgestellten Künstler blieb gleichwohl Richtschnur – ebenso eine nicht dogmatisch verstandene Fokussierung auf Skulptur im kleineren Format. Bisherige Kuratoren waren u. a. Manfred Schneckenburger und Catherine David (1986), Christoph Brockhaus (1989 und 1992), Lóránd Hegyi (1995), Thomas Deecke (2001), Jean-Christophe Ammann (2004), Matthias Winzen (2007), Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart (2010), und zuletzt das Kuratoren-Tandem Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung an der Pinakothek der Moderne in München, und Yilmaz Dziewior, ab Februar 2015 Direktor des Museums Ludwig, Köln.

Weitere Informationen: Stadt Fellbach – Kulturamt, Marktplatz 1,
70734 Fellbach, Telefon: 0711/5851-364, E-Mail: kulturamt@fellbach.de, www.triennale.de

Nikolaus Walter. Begegnungen

Eine Ausstellung an zwei Orten, in Kooperation mit der Vorarlberger Landesbibliothek
Anlässlich von Nikolaus Walters 70. Geburtstag zeigt das vorarlberg museum gemeinsam
mit der Vorarlberger Landesbibliothek eine Retrospektive zu Nikolaus Walters
fotografischem Werk. Sie bietet einen Einblick in das Schaffen des Vorarlberger
Fotografen, dessen Archiv mit dem Ankauf durch die Landesbibliothek (2012) auch in
Zukunft als Einheit erhalten bleiben kann. Während die Ausstellung im vorarlberg museum
fotografische Serien aus allen Werkphasen zeigt, ist in der Vorarlberger Landesbibliothek
seine bis heute andauernde Langzeitbeobachtung „Steiles Erbe. Das Große Walsertal“ zu
sehen.
Nikolaus Walter wurde besonders durch seine dokumentarischen Langzeitstudien bekannt.
Dieser dokumentarische Charakter begleitete sein Schaffen von Anfang an. Ganz besonders
wichtig sind ihm dabei die Begegnungen mit Menschen und Orten. Seine Fotografien
entstehen oft auf Entdeckungsreisen an die „Un-Orte“ (Margit Zuckriegl) dieser Welt und
im Kontakt mit Außenseitern der Gesellschaft. Die Ergebnisse zeugen von einer besonderen
Gabe des Künstlers: Er nimmt den Menschen Bilder ab, ohne sie bloßzustellen. Dabei
entwickelte der Fotograf ein großes Gespür für die Geschichten dieser Menschen und Orte.
Sein wacher Blick erkennt den richtigen Moment, aus welchem sich seine Serien erst
entwickeln können. Mit der Ausstellung „Nikolaus Walter. Begegnungen“ kann nun
gleichsam die Genese eines umfangreichen und beharrlichen Werks nachvollzogen werden,
das sich von Anfang an auf hohem Niveau bewegt hat.
Schon das Atrium präsentiert den Künstler als „Könner des sequenziellen Bilderzählens“
(Gerhard Glüher). Die Serie „An einem Sonntag in Nazaré, Portugal“ von 1988 scheint auf
den ersten Blick Konzeptkunst zu sein, zeigt sie doch „wechselnde Konstellationen von
Passanten vor, auf und hinter einem Zebrastreifen“ (Margit Zuckriegl). Doch abseits dieser
formalen und geometrischen Entsprechungen erzählt die Bilderfolge die Geschichte einer
Begegnung: Vom Warten eines Mannes auf einen Zweiten bis zum gemeinsamen Abgang
hält der Fotograf die Szenenfolge fest.
Auf allen Ebenen des Atriums begegnen den Besuchern Fotografien aus der Serie „Der
Reißnagelweg“. Sie zeigen den Blick des Fotografen auf Pflegende und Gepflegte. Bilder
und Eindrücke, denen wir uns alle früher oder später stellen müssen, die eine alternde
Gesellschaft aber nicht gerne sieht.
Auf der dritten Ebene des vorarlberg museums ist die Retrospektive zu Nikolaus Walters
fotografischem Werk zu sehen. Sie zeigt fotografische Serien aus allen Werkphasen und
macht so den künstlerischen Werdegang nachvollziehbar. Ergänzend zu den Fotografien
präsentiert die Ausstellung eine Auswahl an Erstausgaben der Fotobücher und
Veröffentlichungen des Künstlers in namhaften Fotomagazinen und Zeitschriften. Ein
filmisches Kurzporträt von Ingrid Adamer ergänzt die Schau.
Der Architekt Hansjörg Thum hat für die Ausstellungen eine reduzierte, aber durchdachte
Architektur (basierend auf den Zwischenwänden der Ausstellung „Jenseits der
Ansichtskarte: Die Alpen in der Fotografie“ von Martin Kohlbauer) geschaffen. So wird die
Ausstellung an beiden Standorten eine aufeinander bezogene Einheit. Auf die Eigenheiten
des Kuppelsaals der Landesbibliothek sowie des Atriums und der Ausstellungsfläche auf
der dritten Ebene des vorarlberg museums reagierte der Architekt mit leicht gewinkelten
und keilförmig zugespitzten Ausstellungsflächen und Vitrinen. Die Grafikern Sarah
Schlatter hat eine zurückhaltende und einfühlsame Typografie und Gestaltung für
Ausstellung und Katalog entworfen. Zusammen mit dem Architekten entwickelte sie auch
die Farbdramaturgie für die Ausstellungen in beiden Häusern.
Zur Ausstellung erscheint im Kehrer Verlag (Heidelberg und Berlin) ein Katalog, in
welchem rund 250 Fotografien versammelt sind. Die drei Essays des Katalogs beleuchten
Walters Werk aus verschiedenen Blickwinkeln. Anton Holzer findet einen fotohistorischen
Zugang, während Margit Zuckriegl sich der „intuitiven Soziologie“ des Künstlers widmet.
Der literarische Beitrag des Wegbegleiters Willibald Feinig schließlich nähert sich dem
Schaffen Walters in einem Porträt des Künstlers, das den dialogischen Charakter seines
Werks betont.
Projektleitung
Andreas Rudigier, Theresia Anwander, Norbert Schnetzer
Kuratorin
Petra Zudrell
Architektur
Hansjörg Thum
Grafisches Konzept und Gestaltung
Sarah Schlatter

Cézanne bis Richter – Meisterwerke aus dem Kunstmuseum Basel

Die Öffentliche Kunstsammlung Basel ist gerade im Bereich des ausklingenden 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne von herausragender Bedeutung. Im grossen Oberlichtsaal und in den angrenzenden Räumen des Museums für Gegenwartskunst sind Meisterwerke von Paul Cézanne bis Gerhard Richter zu sehen. Es handelt sich um einen panoramaartigen Überblick, der die wesentlichen künstlerischen Entwicklungen in der europäischen Malerei bis in die 1970er-Jahre auf unmittelbare Weise nachvollziehbar macht. Die Richtschnur der rund 70 Werke umfassenden Präsentation ist die Chronologie, die weniger ein didaktisches Nacheinander von sich folgenden Kunstströmungen konstruiert, als vielmehr eine Gleichzeitigkeit des Anderen zeigt, die für die Moderne prägend ist.

Am Anfang stehen französische Künstler, die jenseits der akademischen Malerei nach neuen Bildsprachen suchten. Das Werk von Paul Cézanne steht exemplarisch für einen Weg der beharrlichen künstlerischen Recherche. Er machte als einer der Ersten transparent, dass ein Bild aus einzelnen Pinselstrichen und Farbflecken aufgebaut ist. Die Ausstellung schliesst mit dem erst kürzlich erworbenen Zyklus Verkündigung nach Tizian von Gerhard Richter. In mehreren Versionen wird die malerische Aneignung eines Gemäldes von Tizian zu abstrakten Farbräumen verwischt. Richter reflektiert sowohl die Geschichte der Malerei als auch die im 20. Jahrhundert herrschende Dialektik von Abstraktion und Figuration, die er zu einer neuen Synthese führt.

Hansjoerg Dobliar „Low Tec“

(1)Als im Jahr 2234 die Argonauten die Sonne erreichen und der Stahlpanzer ihres Raumschiffs in das gleißende Weiß des Strahlenkranzes eintaucht, verschmelzen Mensch, Maschine und Sternenmagma zu quecksilbrigem Gold, das sich spritzend mit der brodelnden Sonne vereint. Zu Tropfen zerstoben verdampft das Schiff im erlöschenden Licht – die Sonne verblasst: Besiegt und tödlich getroffen versinkt ihr endlich errungenes goldenes Vlies in ewiger Dunkelheit.
(2)Der sonnenhafte Kraftmensch entsteigt ihrer Asche – das 20. Jahrhundert beginnt.
(3)Technologischer Fortschritt und Abstraktion ziehen als neue Fixsterne am Himmel auf. Ihre elektrischen Funken dringen in alle köhlernen Poren der Weltsubstanz, Stromstöße wirbeln die Elementarteilchen zu flimmernden Staubwolken auf, Elektroschocks durchzucken die lebendigen Seelen. (4)Die Materie funkt, die Mentalhülle schwingt. Und das Sägemehl leuchtet wie Sonnenfunken.
Schöne schreckliche Moderne.
Schöne schreckliche Geschwister: Technik und Abstraktion.
(1) In seinem Text „Die Argonauten“ beschreibt Andrej Belyj 1904 mit der Metapher der Argonautenfahrt den Aufbruch des Menschen zur Sonne als Aufbruch in ein neues geistiges Zeitalter. „Das goldende Vlies“ war eine symbolistische Zeitschrift und Künstlervereinigung, die von 1906 bis 1909 in Petersburg bestand. Ihr gehörte unter anderem Aleksandr Blok an.
(2)Die Oper „Sieg über die Sonne“ wurde 1913 in Sankt Petersburg uraufgeführt. Das Libretto stammt von Alexej Krutschenych, die Musik von Michail Matjuschin und die Kostüme sowie das Bühnenbild von Kasimir Malewitsch. 1923 hat El Lissitzky eine gleichnamige Mappe mit Druckgrafiken realisiert. Das Stück handelt davon, wie der Mensch die Sonne besiegt und vom Himmel auf die Erde holt.
(3)Zur Verbindung zwischen technologischen Neuerungen und Abstraktion sowie zwischen Okkultismus und Avantgarde vgl. gleichnamigen Ausstellungskatalog, hrsg. 1998 von Veit Loers. Zur Elektroschocktherapie vgl. u.a. Antonin Artaud.
(4)Die Textstellen beziehen sich auf den Roman „Die weiße Taube“ von Andrej Belyj, der 1905 in Petersburg erschienen ist. Die Sekte der „Tauben“ erwartet darin inmitten der gesellschaftlichen Umwälzungen Russlands die Geburt eines neuen Erlösers.
Hansjoerg Dobliar (geb. 1970 in Ulm) greift in seinen Ölbildern, Zeichnungen und Übermalungen vielfach Bildmotive der klassischen Moderne und des Expressionismus auf und überführt diese in seinen meist großformatigen Bildern in Öl auf Leinwand in eine opulente, zugleich ironisch-trashige Bildsprache.
Die Auswahl der im Kunstraum gezeigten Arbeiten konzentriert sich weniger auf die klassischen Leinwand-Bilder Dobliars, sondern auf eine Reihe von Übermalungen und Zeichnungen sowie Prints, die auf „armen“ Materialien wie Verpackungskartons, Malunterlagen, Plakatabrissen etc. ausgeführt sind. Die Ausstellung widmet sich damit den eher beiläufig während des Malprozesses entstandenen Nebenprodukten, auf denen Dobliar mit wenigen, sparsam eingesetzten malerischen Eingriffen agiert. Die maltechnisch bewusst eher unterinvestierten und farblich gedämpften Bilder korrespondieren mit inhaltlichen Bezügen zu technologischem Fortschritt und thematisieren so die grundlegend ambivalente Spannung zwischen Technik und Abstraktion, wie sie für die Kunst nach 1900 charakteristisch ist. In ihrer Reduktion und Fragilität lassen die Arbeiten eine Ästhetik des Flüchtigen und Lapidaren für die Gegenwart produktiv werden, die die allgemeinen Fragen nach dem Verhältnis zwischen Schönheit und Schrecken der Moderne, zwischen Romantik

30 Jahre Ruine der Künste Berlin 1985-2015

Vor 25 Jahren hat Wolf Kahlen,
damals an der Zheijiang University in Hangzhou, China, lebend, lehrend und arbeitend,
eine Serie großformatiger Zeichnungen mit altem, schmutzigem Motorenöl gemacht,
die bis heute in Europa noch nicht gezeigt worden sind.
Die Ruine der Künste Berlin in Dahlem zeigt 16 Altöle in beiden Geschossen in ihrem frisch ‚renovierten‘ Haus

Der Titel NAGA bezieht sich auf die Tatsache, daß Öl ein Bodenschatz ist, einer derer,
die die NAGA, Erdgötter, Drachen und Schlangen bewachen.
Im Buddhismus spielen die NAGA eine wesentliche Rolle gleichwohl als Schatzhüter der Erde
wie auch als dämonische Schützer der Religion.
Das umweltverschmutzende Öl als Medium hat den Medienkünstler zu kräftig gestischen Zeichnungen stimuliert,
die voller Auskristallisationen von Schwermetallen und Chemikalien sind, die im öligen Ruß vorhanden sind.
So treffen sich hier menschliche Willensakte (die Zeichenstruktur)
mit naturgegebenen Flies-, -Saug- und Kristallisationsprozessen.
Schönheit aus Ruß.

Ein Künstlerbuch zur Ausstellung zeigt alle 16 intensiven Bilder,
davon eines als Faksimile in 14 Teilen, ist handsigniert und -gestempelt.
20 Exemplare enthalten je ein unikates Altöl-Original von 2014 im Buchformat.

ISBN 978-3-927786-04-2
Steifbroschur, Fadenheftung, 200 x 300 mm,
Auflage 480 Exemplare
2015
Mit Texten von Klaas Ruitenbeek, Yang Lian, Johannes Vincent Knecht und Wolf Kahlen
Layout + Produktion Gerd Fleischmann
Druckhaus Köthen
EDITION RUINE DER KÜNSTE BERLIN

Das Buch kann unter
http://www.yumpu.com/de/document/view/31071392/o-197hpdbfm9ub1dk8f6711tb85lapdf
durchgeblättert werden.

FERNAND LÉGER

Wir freuen uns, eine Ausstellung mit Werken des Malers Fernand Léger (1881 – 1955), einem
herausragenden Vertreter der französischen Moderne, zu präsentieren.
Befreundet mit den Künstlern Henri Matisse und Robert Delaunay,
künstlerisch beeinflußt von Pablo Picasso und Georges Braque, zählt
Fernand Léger zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts in
Europa.
Der Künstler war fasziniert von der Technik der ihn umgebenden
Großstadt, sowie der Dynamik und Geschwindigkeit des modernen
Lebens. In den Jahren um 1920 in der „période mécanique“, zerlegte
Léger in seinen stark vom Kubismus geprägten Bildern Mensch,
Gegenstand und Landschaft in zylindrische Formen.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Léger aus den USA, wo er von
1940-1945 als Professor an der Yale Universität lehrte, nach Frankreich
zurück. Dort traf er seinen ehemaligen
Studenten Roland Brice wieder, der sich
in seiner Abwesenheit um das Atelier des
Künstlers gekümmert hatte. Léger schlug dem begabten Keramiker vor, ihm
eine Keramikwerkstatt einzurichten und zu finanzieren. 1949 ließ sich Brice mit
Familie in Biot nieder und begann Keramiken herzustellen, immer auf der
Suche nach neuen Themen, Formen und Farben – im Sinne des Künstlers –
und nach neuen Techniken – im Interesse des Keramikers. Die ersten
Versuche, mit den in der Region üblichen Farben und Glasuren, waren nicht
zufriedenstellend. Der rote Ton, von einer langweiligen Glasur überzogen,
befriedigte Légers Erwartungen nicht. Er bestellte sehr farbintensive und
durchscheinende Emailfarben und begann, großformatige Flachreliefs zu
schaffen, die an einer großen Wand platziert werden konnten. Beispielsweise
entwarf er 1952 für das UNO-Gebäude in New York ein großes
Wandgemälde. Daneben schuf der Künstler Mosaiken und Glasfenster, als
auch dreidimensionale Skulpturen wie “ Le Tournesol“.
Einige Werke von Fernand Léger wurden postum auf der documenta 1
(1955), der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in
Kassel gezeigt.

Degas, Cézanne, Seurat

Das Archiv der Träume aus dem Musée d´Orsay.
Für wenige Wochen ermöglicht die Albertina ihren BesucherInnen den Blick in ein Traumarchiv. Vom 30. Jänner bis zum 3. Mai 2015 öffnet das Musée d’Orsay seine Tresore und überlässt den Augen des Wiener Publikums 130 Arbeiten seiner grafischen Pretiosen.

Pastelle von Edgar Degas, Georges Seurat und Odilon Redon, Gouachen von Honoré Daumier und Gustave Moreau, Aquarelle von Paul Cézanne sowie Arbeiten hoch geschätzer Salonkünstler bilden ein weites Panorama französischer Zeichenkunst ab.

ABORIGINAL ART

Mit ABORIGINAL ART präsentiert das ESSL MUSEUM eine umfangreiche Ausstellung mit Werken der Ureinwohner Australiens. Es werden Werke der Sammlung Essl von bedeutenden und einflussreichen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen sein, darunter Arbeiten von Emily Kame Kngwarreye, Rover Julama Thomas und Queenie McKenzie Nakarra sowie auch jüngere Positionen, wie Destiny Deacon.

A Man Walks Into a Bar…

»Kommt ein Mann in eine Bar…« Unverkennbar: Es folgt ein Witz. Die ungewöhnliche Sammlung von Künstlerpostkarten „A Man Walks Into a Bar…“ könnte keinen treffenderen Titel tragen. Von Künstlerhand gezeichnet, geschrieben oder geklebt bilden Postkarten mit den persönlichen Lieblingswitzen den abwechslungsreichen Inhalt der Ausstellung im
me Collectors Room Berlin.
Adressiert sind die Karten an die fiktive Figur Pepe Nietnagel – ein Pseudonym, das aufhorchen lässt. Der Lausbub aus den Paukerfilmen? Etwas Spitzbübisches hat das Unterfangen der beiden Kuratoren und Herausgeber tatsächlich. Franziska und Johannes Sperling schrieben ausgewählte Künstler an, rund einhundert kamen der Bitte nach und steckten ihnen kleine Kunstwerke in den Postkasten. Neben wort- und witzaffinen Zeitgenossen wie Erwin Wurm, Lawrence Weiner, Nedko Solakov oder Ragnar Kjartansson haben sich zu unser aller Vergnügen auch Protagonisten wie John Baldessari, Jonathan Meese, Daniel Richter oder Karin Sander an dem frechen Spiel beteiligt.
Die Sammlung der Künstlerpostkarten ist im Band „A Man Walks Into a Bar…“ im Hatje Cantz Verlag erschienen (€ 14,80, ISBN 978-3-7757-3914-6).
Künstler / Artists:
Saâdane Afif, Donald Baechler, John Baldessari, Fiona Banner, Rosa Barba, Thomas Bayrle, Olivia Berckemeyer, Tim Berresheim, Beni Bischof, Norbert Bisky, Pierre Bismuth, John Bock, Michaël Borremans, Marc Brandenburg, Ulla von Brandenburg, Sergey Bratkov, André Butzer, Janet Cardiff, Michael Craig-Martin, Keren Cytter, Tacita Dean, Tatjana Doll, Sven Drühl, Marcel Dzama, Marcel van Eeden, Haris Epaminonda, Elger Esser, Matias Faldbakken, Valérie Favre, Simon Fujiwara, Barnaby Furnas, Ryan Gander, gelitin, Andrew Gilbert, Mathew Hale, Lothar Hempel, Uwe Henneken, Anton Henning, Arturo Herrera, Gregor Hildebrandt, Andy Hope 1930, Matthew Day Jackson, Christian Jankowski, Annette Kelm, Ragnar Kjartansson, Terence Koh, Jakob Kolding, Friedrich Kunath, Alicja Kwade, Jim Lambie, Tim Lee, Via Lewandowsky, Atelier van Lieshout, Erik van Lieshout, Robert Longo, Kris Martin, Jonathan Meese, Julie Mehretu, Bjarne Melgaard, Bjørn Melhus, Gerold Miller, Ingo Mittelstaedt, Jonathan Monk, Olivier Mosset, Mariele Neudecker, Frank Nitsche, Roman Ondák, David Ostrowski, Seb Patane, William Pope.L, Tal R, Tobias Rehberger, Daniel Richter, Julian Rosefeldt, Ed Ruscha, Karin Sander, Tomás Saraceno, Matt Saunders, Thomas Scheibitz, Ariel Schlesinger, Thomas Schütte, Norbert Schwontkowski, Sean Scully, David Shrigley, Ann-Sofi Sidén, Sara Sizer, Andreas Slominski, Nedko Solakov, Thaddeus Strode, Rirkrit Tiravanija, Fred Tomaselli, Ignacio Uriarte, Markus Vater, Mark Wallinger, Rebecca Warren, Lawrence Weiner, Rachel Whiteread, Johannes Wohnseifer, Erwin Wurm, Ralf Ziervogel, Thomas Zipp

Abbildungen / Images (v.l.n.r.):
Norbert Bisky, Bjørn Melhus, Robert Longo, Ann-Sofi Sidén, Thomas Schütte, Jonathan Meese, Rirkrit Tiravanija, Beni Bischof

A Man Walks Into a Bar…

August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft

Im Kunstbau Zwischengeschoss der U-Bahn Station Königsplatz

Rund 100 Jahre nach dem Tod von August Macke zeigt das Lenbachhaus in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bonn erstmals eine Ausstellung, die sich mit der Freundschaft von August Macke und Franz Marc und ihrem künstlerischen Austausch auseinandersetzt. Rund 200 Gemälde, Arbeiten auf Papier, kunstgewerbliche Objekte und private Dokumente führen Leben und Werk der beiden Künstler von 1910 bis 1914 vor Augen und verdeutlichen nicht nur, wie sich Macke und Marc gegenseitig inspirierten, sondern auch, wie eng und herzlich ihre Freundschaft war.

PIPE DREAM

Teilnehmende KünstlerInnen:
Aeron Bergman and Alejandra Salinas , Eva Engelbert, Fokus Grupa, Claire Fontaine, Maja Hodošček, Amalia Pica, Pilvi Takala

Kuratiert von Irena Borić

Die Ausstellung Pipe Dream (Luftschlösser, Hirngespinste) beschäftigt sich mit den ambivalenten Möglichkeiten, das Politische mit den Mitteln der Kunst zu verhandeln. Im Unterschied zu sozial engagierten künstlerisch-aktivistischen Praxen soll hier eröffnet werden, wie Politik im zeitgenössischen Kunstfeld „anders gedacht“ werden kann – Deutungen der gesellschaftspolitischen Verhältnisse mittels subtiler Gesten, unterschwelliger Zurückweisung oder fiktionaler Narration.
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Mark Leckey: Als ob

Flamboyant und dandyhaft – so lassen sich die ersten Werke von Mark Leckey beschreiben. Mit dem Video „Fiorucci Made Me Hardcore“, einer Ode an die britische Dancehall- und Clubkultur der 1970er- bis späten 1990er-Jahre, hatte Mark Leckey 1999 seinen Durchbruch. Anschließend nahm seine künstlerische Laufbahn Tempo auf: Fünf Jahre nach seiner ersten Einzelausstellung im Migros Museum in Zürich (2003) gewann Mark Leckey 2008 den Turner Prize für Ausstellungen in Köln und Dijon.
Dabei war der 1999 erlangten Bekanntheit eine fast zehnjährige Abstinenz vom Kunstbetrieb vorausgegangen: Nach seinem Abschluss am Newcastle Polytechnic (1990) und bis 1999 entstanden nur wenige Arbeiten, z.B. „The Model“ (1994) und „Are You Waiting“ (1996); letztere wurde länger nicht gezeigt und ist Teil der Ausstellung.
Die Präsentation im Haus der Kunst gliedert sich in vier Kapitel: Autobiografie, Sound Systems, ZooVidTek und GreenScreenRefrigeratorAction.

Autobiografie
Die künstlerische Produktion der 1980er-Jahre war Mark Leckey oft zu distanziert und ironisch; Werke „kritischer Desinteressiertheit“, wie sie damals üblich waren, wollte er selbst nicht schaffen und entschied, den eigenen autobiografischen Hintergrund als Material zu benutzen. Dieser dient als Schablone, in der auch jeder andere Themen wiedererkennen kann, die seine eigene Biografie geprägt haben: z.B. die Veränderung der Medien und damit auch unserer Kommunikation. Mark Leckey erzählt also mit seiner spezifischen Geschichte auch die einer Jugendkultur; Alex Kitnick spricht im Katalog von „everybody‘s autobiography“.
„Was der Titel […] für mich bedeutet, ist diese Investition von Energie in etwas, das so kitschig und kommerziell ist wie ein kurzzeitig angesagtes Paar Jeans […], sagt Mark Leckey über „Fiorucci Made Me Hardcore“, „und dieser Glaube an die Marke, dass sie irgendwie einen ‚Lebensstil‘ symbolisiert, wird fast etwas Heiliges.“ Der Film ist eine 15 min lange Chronik von den Northern-Soul-Partys der 1970er- bis zu den Raves der späten 1990er-Jahre: Jugendliche bewegen sich selbstvergessen bis ekstatisch zur Musik, in geräumigen Dancehalls wie in kleinen Studios. Mark Leckey selbst, 1964 in der Nähe von Liverpool geboren, kam für die Northern-Soul-Partys knapp zu spät. So spricht aus dem Footage-Material, das er damals noch aus Archiven zusammentragen musste, auch die Nostalgie, vollkommen in dem kollektiven Erleben der Musik aufzugehen.
Von Mark Leckeys neuestem Video wird im Haus der Kunst eine erste Roh-Version gezeigt. Die Handlung setzt 1954 ein, zehn Jahre bevor Leckey auf die Welt kam, mit der Geburt von Rock‘n‘Roll als Vaterfigur, und endet 1999 mit der Bedrohung durch das Jahr-2000-Problem, den Millennium-Bug. Wie auf einem Album mit verschiedenen Tracks erzählt Mark Leckey Stationen der Entwicklung: das Erwachen erotischen Begehrens, als er seine „Tante“ im Schlafzimmer beobachtet, oder die Suche nach einer Spur, die zu ihm selbst führt – ein Joy Division Matinee-Konzert, das er 1979 besucht hat und das jetzt auf YouTube zu sehen ist.
Im Vorraum zu dem Kino, in dem das neueste Video und „Fiorucci Made Me Hardcore“ gezeigt werden, stehen Pappaufsteller in Form von Strommasten. Sie sind eingehüllt in das orangefarbene Licht von Straßenlaternen, das die Farben verblassen lässt, als wären es Erinnerungen.
Sound Systems
Die fünf Lautsprechersysteme im Zentrum der Ausstellung bilden eine Art Schaltzentrale. Es sind Ensembles aus Lautsprechern, die wie Skulpturen wirken und dennoch ihre ursprüngliche Funktion behalten: Sie transportieren Klang und Schall. Quelle der Inspiration waren Straßenpartys und mobile Diskotheken. Als alternative Form der Kontaktaufnahme zwischen Mensch, Technik und Kosmos bricht Mark Leckey mit diesen Sound Systems die Distanz auf, die oft zwischen Kunst und Betrachter herrscht. Die fünf Sound Systems werden hier erstmals vereint; ihre Anordnung lässt an Stonehenge und andere Orte mit magischer Wirkung denken, an denen „Dinge wie von selbst geschehen“.
ZooVidTek
Dieser, von Mark Leckey in Anlehnung an eine Sammlung antiker Bildhauerarbeiten (Glyptothek) „ZooVidTek“ genannte Teil der Ausstellung versammelt Filme und Videos der letzten zehn Jahre. Sie alle zeigen Objekte, die von Leckey zum Leben erweckt werden: So zum Beispiel in „Felix the Cat“ die gleichnamige Comicfigur, die bei den ersten Fernsehübertragungen in den späten 1920er-Jahren als Testobjekt fungierte. Sie steht vor einem mechanischen Scanner auf einer sich drehenden Grammophon-Scheibe. Quietschende Geräusche unterstreichen die damals noch sehr mühevolle Transformation eines Objekts in ein Fernsehbild.
GreenScreenRefrigeratorAction
Im Schnelldurchlauf durch die Mediengeschichte präsentiert Mark Leckey in „GreenScreenRefrigeratorAction“ einen Kühlschrank vor einem monochrom grünen Hintergrund (Greenscreen), wie er im Film bei digitaler Produktion verwendet wird. Der Kühlschrank wird als Fetischobjekt inszeniert und wirkt wie eines dieser ‘intelligenten‘ Geräte, das die Bedürfnisse seines Besitzers kennt und antizipiert. In dem dazugehörigen Video präsentiert er sein Innenleben, vergleicht sich mit verwandten Gegenständen einer allgegenwärtigen Produkt- und Markenwelt. Dazu spricht er in einem inneren Monolog von seiner kosmischen Verbundenheit mit den Dingen, mit Sonne, Mond und Universum („My kith and kin between the Sun and Moon“ / „Meine Anverwandten zwischen Sonne und Mond“).
Mark Leckey nimmt nicht die Position eines Kritikers ein; vielmehr ergibt er sich der Faszination und Sogwirkung, die solche Produkte und Entwicklungen auf ihn selbst ausüben. „GreenScreenRefrigeratorAction“ wird zu einem Bild für eine Gesellschaft, in der unsere Beziehungen zunehmend mit Dingen bestehen, statt wie früher zu anderen Menschen. Wir sprechen zu unseren Maschinen – und sie sprechen zu uns.
Katalog „Mark Leckey – On Pleasure Bent“ hrsg. von Patrizia Dander und Elena Filipovic, mit Beiträgen von John Cussans, Patrizia Dander, Elena Filipovic, Alex Kitnick, Mark Leckey, sowie einem Interview, das Dan Fox mit dem Künstler geführt hat. Verlag der Buchhandlung Walther König, ISBN 978-3-86335-618-7, Euro 39,80.

Im März findet eine Performance mit Florian Hecker statt, im April eine Führung durch die Ausstellung mit Kerstin Brätsch, und im Mai ein Künstlergespräch mit Mark Leckey.

Jean-Luc Moulène Documents & Opus (1985–2014)

Die Ausstellung »Documents & Opus (1985–2014)« im Kunstverein Hannover bietet
erstmals in Deutschland einen umfassenden Einblick in das vielfältige OEuvre des französischen
Künstlers Jean-Luc Moulène (*1955, lebt in Paris).
Die künstlerische Arbeit Moulènes ist bestimmt vom Gespür für Zwischenwelten der
sogenannten Alltäglichkeit und ihrer plastischen und philosophischen Bewusstmachung
in Form visueller Konzepte. Der Topos des Körpers – im Sinne eines Corpus, der als
Form je nach Präsentation oder Kontext metaphorische Bedeutung entfaltet, aber auch
auratische Momente auslöst – spielt dabei in allen Werken des Franzosen die zentrale
Rolle. Sowohl am menschlichen als auch am objekthaften Körper interessieren Moulène
die hierin eingeschriebenen Formensprachen, anhand derer kulturelle wie auch zeitgeschichtliche
Codes lesbar werden.
Schon Moulènes erste fotografische Arbeiten, mit denen er Ende der 1980er Jahre bekannt
wurde, zeugen von seinem Bewusstsein für die Poesie des Alltags. Aus dieser Zeit zeigt der
Kunstverein Hannover Bilder der Serie der »Disjonctions« (1984–1995). Es handelt sich um
fotografische Analysen der Welt, die heute – in der wiederholten Retrospektive – Fragen über
unsere Wahrnehmung von Mensch, Landschaft wie auch Interieur aufwerfen. Diese scheinbar
einfachen Stimmungsbilder, die von einem aufmerksamen Beobachter festgehalten wurden,
entpuppen sich als Dokumente.
Eine neue fotografische Serie (ohne Titel, 2014), die in Hannover erstmalig zu sehen ist, bildet
den Leitfaden des Ausstellungsparcours: Der Künstler sammelte hierfür Gummimasken, die
Politker oder Prominente karikieren. Diese Masken hat er mit Beton ausgegossen und zu
Skulpturen verarbeitet. Fotografien dieser Köpfe aus Beton, die Titel wie »Joker«, »Flying Monkey
« oder »Moonface« tragen, tauchen in der Ausstellung kaleidoskopisch verteilt auf und
erinnern an stille Beobachter. Ihnen steht eine Serie von Zeichnungen inhaltlich gegenüber:
die »Tetes d’Experts« (2007), die im Kunstverein erstmals wiedervereint ist. Moulène interpretiert
den menschlichen Körper als ein Lesebuch, immer wieder tauchen Personen auf, die von
einer Atmosphäre des Besonderen umgeben sind, Portraits symbolisieren Zeitzeugen, Repräsentanten
oder Spurenträger.
Ähnlich werden von Jean-Luc Moulène auch Objekte in den Fokus der Wahrnehmung gerückt.
Der Künstler, der in den 1980er Jahren bei der Entwicklung von U-Booten für die Firma
Thomson beteiligt war, vollzieht mit seinem Werk auch eine Analyse der Formensprachen
der Industrie. Vor diesem Hintergrund ist seine bisher bekannteste Arbeit »Objets de
grève« (1999–2000) zu lesen. Farbfotografien zeigen spezifische Produkte, die von streikenden
Arbeitern hergestellt wurden. Durch ihr verändertes Erscheinungsbild machen diese Streikobjekte auf die Forderungen der Arbeiter aufmerksam. Eine ähnlich politische Brisanz impliziert die Serie »Produits de Palestine« (2002–2004), die ausschließlich für den palästinensischen
Markt zugelassene Produkte des alltäglichen Lebens dokumentiert.
Auch in Moulènes skulpturalen Arbeiten finden Produkte und deren Formen ihr Echo. Die
Bronze- oder Glasplastiken der Reihen »Blown Knot« (2012) und »Noeud« (2011–2012) muten
wie organische, florale Gebilde an. Tatsächlich handelt es sich um Abdrücke von Seilen,
die zu einem Knoten gezogen werden und deren Negativform anschließend ausgegossen
wird. Diese Knotenskulpturen verdeutlichen, dass Moulène über politische und inhaltliche
Bedeutungen von Formen hinaus ebenso an rein formalen bzw. physischen Strukturen – als
Modelle von Konstruktion – interessiert ist. Jean-Luc Moulènes Blick auf die westliche Welt
wird durch das gesamte Spektrum seiner Arbeiten in dieser Ausstellung deutlich. Es sind dokumentarische
Analysen, die dem Betrachter durch eine inhärente sinnliche und poetische
Ebene die Möglichkeit zum gedanklichen Flanieren eröffnen.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Académie France à Rome – Villa Medici
(Ausstellung Mai 2015).

Kunst um 1900 aus der grafischen Sammlung

Der künstlerische Umschwung, den Picasso im Jahr 1907 mit der Erfindung des Kubismus
vollzog, gilt als Geburt der Moderne in der Kunst. Das Sprengel Museum Hannover konzentriert
sich in seiner Sammlung vor allem auf die Kunst seit jenem Umbruch, besitzt jedoch
vor allem in der grafischen Sammlung umfangreiche Konvolute von Werken, die auf die
Moderne hinführten. Die Errungenschaften der Kunst um 1900 wie Jugendstil und Symbolismus
haben das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Aber auch die noch
akademisch geprägte Kunst um die Jahrhundertwende hat ihre ganz eigenen Reize.
Die Präsentation umspannt einige thematische Felder: sozialkritische Studien zu den Lebensumständen
der Bevölkerung in den durch die zunehmende Industriealisierung geprägten
Großstädten bei Théophile-Alexander Steinlen, Heinrich Zille und Käthe Kollwitz. Tanz und
Varieté am Abend bieten wiederum Ablenkung durch Vergnügen und Unterhaltung, etwa bei
Henri de Toulouse-Lautrec und Adolf Münzer. Technische Neuerungen wie Automobile und
Flugzeuge erregen die Aufmerksamheit bei George Hugo und Tavik-František Simon. Und
eine zunehmende Emanzipation der Frau führt zur Verunsicherung des Mannes, wie in den
psychologiesierenden Geschlechterproblematiken bei Edvard Munch und Willi Geiger. Diese
allgemeine Verunsicherung drückt sich auch in den symbolistischen Verästelungen bei James
Ensor und Paul Klee aus.
Neue, illustrierte Zeitschriften wie „Pan“ und „Simplicissimus“ inspirierten viele Künstlerinnen
und Künstler um die Jahrhundertwende zur Mitarbeit, insbesondere die Jugendstilkunst
ist ohne diese bedeutenden Publikationen nicht zu denken. Durch die frühen Aktivitäten der
hannoverschen Kunstsammler Konrad Wrede und August Nitzschner kamen zahlreiche originale
Vorlagenzeichnungen zum „Simplicissimus“ in die Sammlung des Sprengel Museum
Hannover.
Die Sammlungspräsentation umfasst u. a. Werke folgender Künstlerinnen und Künstler: Peter
Behrens, James Ensor, Paul Gauguin, Willi Geiger, Ludwig von Hofmann, Charles-Louis
Houdard, Paul Klee, Käthe Kollwitz, Aristide Maillol, Edvard Munch, Emil Nolde,
Théophile-Alexandre Steinlen, Carl Theodor Thiemann, Henri de Toulouse-Lautrec und
Heinrich Zille.
Die Ausstellung eröffnet einen Zyklus von Sammlungspräsentationen aus der grafischen
Sammlung, in dem chronologisch bedeutsame Epochen der modernen Kunstgeschichte
aufgearbeitet werden sollen. In lockerer Folge werden unter dem Titel „Kunst um …“
Tiefenbohrungen in die Sammlung durchgeführt, so dass auch noch nie oder selten gezeigte
Werke für die Besucherinnen und Besucher neu zu entdecken sind.