Antonius Höckelmann

Antonius Höckelmann (1937-2000) gilt als einer der außergewöhnlichsten deutschen Künstler seiner Generation. Sein beeindruckendes Werk ist durch den gestischen Duktus des Informel, vor allem aber durch die expressive Kunst der 1980er Jahren geprägt.

Roh, ungezügelt, wild und spontan, wurde die Verbindung der beiden Kunstgattungen, Malerei und Plastik, zu seinem Charakteristikum. Dabei gelang es ihm Arbeiten zu schaffen, deren Wirkung durch den Einsatz expressiver Farbigkeit noch gesteigert wird.

Im Zentrum der Ausstellung im Lehmbruck Museum steht nun eine umfangreiche Schenkung aus dem Jahr 2012 von Elke und Werner Zimmer (Düsseldorf). Erstmals wird dabei diese Sammlung zusammen mit dem berühmten, großformatigen Documenta-Bild „Pergamon“ gezeigt, das 1982 einer der zentralen Beiträge der Ausstellung in Kassel war.

…..Höhere Wesen befehlen

Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Frieder Burda

Die Deutsche Bank KunstHalle zeigt eine Auswahl von bisher kaum gezeigten Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Frieder Burda. Präsentiert werden 113 Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen aus den Jahren 1955 bis 2009 von Georg Baselitz, Willem de Kooning, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Neo Rauch und Gerhard Richter.

Frieder Burda hat über Jahrzehnte hinweg mit einer großen Passion für die Gegenwartskunst eine der bedeutendsten Privatsammlungen Europas aufgebaut, die sich zeitlich vom Abstrakten Expressionismus bis hin zu aktuellen internationalen Positionen erstreckt. Mit dem italienischen Avantgardekünstler Lucio Fontana fing 1968 alles an. Frieder Burda entdeckte auf der documenta eine leuchtend rote Leinwand, in der drei Schnitte klafften. Das Bild ließ den Unternehmer aus Deutschlands berühmter Druckerei- und Verlegerdynastie nicht mehr los. Es wurde zum Grundstein seiner Sammlung.

In Berlin eröffnet Willem de Kooning stellvertretend für die Heroen des Abstrakten Expressionismus  die Ausstellung. Den Hauptteil bilden vier Künstler, für die Burda weltweit einer der wichtigsten Sammler ist: Georg Baselitz, Sigmar Polke, Arnulf Rainer und Gerhard Richter. Am Ende stehen Papierarbeiten aus dem Frühwerk Neo Rauchs, der als erster Maler des wiedervereinigten Deutschlands die Figuration erneuerte.

Mit diesen ausgewählten Arbeiten auf Papier setzt die Deutsche Bank KunstHalle zum 40-jährigen Bestehen der Sammlung Burda und 10-jährigen Jubiläum des Museums in Baden-Baden eine Reihe fort, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Zeichnung widmet – jenem lange vernachlässigten Medium, das heute die Diskurse der Gegenwartskunst prägt wie kein anderes.

Zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag der Katalog „…..Höhere Wesen befehlen“ – Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Frieder Burda mit Beiträgen u.a. von Hans-Joachim Müller und Thomas Wagner sowie einem Gespräch zwischen Götz Adriani, Friedhelm Hütte und Neo Rauch.

Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen

Sophie Taeuber-Arp gehört zu den herausragenden
Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die
genreübergreifend in Malerei und Tanz, in Architektur und
Design nach neuen Ausdrucksformen suchten. Ihr
souveräner Umgang mit Formen und Farben sowie der
subtile Einbezug aktueller Kunstströmungen erlaubte ihr die
Entwicklung einer unverwechselbaren künstlerischen
Handschrift, die in den verschiedensten Medien
wiederzufinden ist.
Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Heute ist Morgen«
bietet die Möglichkeit, die gattungsübergreifende Denk- und
Vorgehensweise dieser Künstlerin anhand von knapp 200
Exponaten in noch nie dagewesener Tiefe und Breite zu
erkunden und so ihre Pionierleistung für die Moderne
umfassend zu würdigen.
Nach dem Aargauer Kunsthaus in Aarau, Schweiz, ist
Bielefeld die einzige Station in Deutschland dieser
umfangreichen Ausstellung zu Sophie Taeuber-Arp, die hier
ergänzt wird um Hauptwerke aus der eigenen Sammlung von
Hans Arp, Sonia Delaunay, Robert Delaunay, Max Ernst u.a.
Obwohl Sophie Taeuber-Arp zweifelsfrei bekannt ist – ihr
Porträt schmückt die Schweizer 50-Franken-Note und man
kennt sie als Ehefrau und künstlerische Gefährtin von Hans
Arp – ist der eigentliche Charakter ihres Werkes noch zu
wenig erforscht. Das Bild, das wir von Sophie Taeuber-Arp
haben ist immer noch geprägt von den postumen
Äußerungen Hans Arps, der seine Frau als Träumerin und
vornehmlich intuitiv arbeitende Künstlerin beschreibt. In das
Werkverzeichnis, das er nach dem Tod Sophie Taeuber-Arps
in Auftrag gibt, wird nur die so genannte „Hochkunst“, also
Malerei, Zeichnung, Relief und Skulptur aufgenommen, nicht
jedoch ihre kunsthandwerklichen und architektonischen
Arbeiten. Die Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Heute ist
Morgen« möchte dieses einseitige Bild revidieren und
betrachtet das Werk der Künstlerin ganzheitlich und die
verschiedenen Medien und Gattungen als gleichwertig; denn
gerade in ihrem gattungsübergreifenden, unverkrampften
und sehr bewussten Umgang mit den Gestaltungsmitteln
liegt eine Pionierleistung von Sophie Taeuber-Arp.
Die retrospektivisch angelegte Werkauswahl mit Arbeiten
aus allen Schaffensphasen trägt Sophie Taeuber-Arps
unverkennbarem Kunstverständnis Rechnung. Zu dem
substanziellen Werkbestand aus der Sammlung des Aargauer
Kunsthauses konnten hochkarätige Leihgaben aus
internationalen und nationalen Museen, den
nachlassverwaltenden Institutionen sowie verschiedenen
Privatsammlungen gewonnen werden. Darunter finden sich
Werke, die zu Lebzeiten Sophie Taeuber-Arps wie auch
später kunsthistorische Anerkennung fanden, so z.B. eine
Reihe von Ölgemälden, Reliefs und Papierarbeiten, mit denen
die Künstlerin in den 30er-Jahren die konkrete und
konstruktive Bildsprache nachhaltig prägte, es sind aber
auch weniger bekannte Werke zu sehen: Textil- und
Kostümentwürfe, Webarbeiten oder Schmuckstücke, die
Sophie Taeuber-Arp bereits in den 1910er-Jahren entworfen
hat. Obwohl sie damit ihrer Zeit voraus war, wurde dem
angewandten Schaffen Sophie Taeuber-Arps im
Kunstkontext bisher wenig Beachtung geschenkt.

Ein ganz besonderes Highlight der Ausstellung sind die
originalen Marionetten, die Sophie Taeuber-Arp 1918 für
Carlo Gozzis Stück «König Hirsch« entwarf und die zum
ersten Mal in Deutschland zu sehen sind.
Die Kunsthalle Bielefeld knüpft mit dieser Ausstellung an die
große Ausstellung zu Sonja Delaunay im Jahr 2008 an, einer
weiteren großen Wegbereiterin der Moderne des 20.
Jahrhunderts. Beide Künstlerinnen verbindet eine jeweils
eigenständige Formensprache, die jedoch lange im Schatten
ihrer berühmten Lebenspartner Robert Delaunay und Hans
Arp gesehen wurde.
Kurator der Ausstellung: Thomas Schmutz, Kurator und
stellvertretender Leiter Aargauer Kunsthaus
Kuratoren Bielefeld:
Friedrich Meschede, Direktor Kunsthalle Bielefeld
Jutta Hülsewig-Johnen, Sammlungsleiterin
Henrike Mund, kuratorische Assistenz
Die Ausstellung in Bielefeld steht unter der Schirmherrschaft
von Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend,
Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und wird
gefördert durch die Stiftung der Sparkasse Bielefeld und die
Kunststiftung NRW.

Katalog:
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog auf Deutsch
und englisch erschienen mit Texten von Rahel Beyerle, Sarah
Burkhalter, Medea Hoch, Brigitte Meier, Walburga Krupp,
Sigrid Schade, Thomas Schmutz, Meike Steinkamp und
Rudolf Suter. Verlag Scheidegger & Spiess Zürich, 2014, 288
Seiten, 58 Euro. ISBN 978-3-85881-432-6

Paul Klee – Kein Tag ohne Linie

Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau
Eine Kooperation der Fondation Beyeler, Riehen/Basel und des Zentrum Paul Klee, Bern
Das Zentrum Paul Klee und die Fondation Beyeler organisieren in Partnerschaft mit dem Staatlichen Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin die erste Paul Klee-Ausstellung in Russland. Rund 130 Werke aus allen Werkphasen geben einen Einblick in die wichtigsten Aspekte seines künstlerischen Schaffens. Dass Paul Klees Werke bisher nur vereinzelt in Russland zu sehen waren, gibt Anlass genug, eine umfangreiche Retrospektive zu organisieren. Ein weiterer Grund, dem Schweizer Künstler in Russland eine Ausstellung mit Werken aus Schweizer Museen zu widmen, ist das zweihundertjährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen beider Länder.
Paul Klee (1879–1940) ist einer der bedeutendsten Künstler der Klassischen Moderne. In Bern geboren und aufgewachsen, zog es den Künstler früh nach Deutschland, wo er sich zum erfolgreichen Avantgarde-Künstler entwickelte. Von den Nationalsozialisten verfolgt, musste er jedoch 1933 seine Wahlheimat verlassen und zurück in die Schweiz flüchten. Klee bewahrte stets einen individuellen Standpunkt und liess sich nie in eine der vorherrschenden künstlerischen Strömungen einordnen, auch wenn er mit Künstlern des Blauen Reiters wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc befreundet war, und von den Surrealisten in Paris umworben wurde. Klees Werk ist vielseitig, entwickelt sich von naturalistischen Studien im Frühwerk hin zu einer eigenen abstrakteren Bildsprache, die sich mehr oder weniger von der Natur löste. Es entstanden gleichzeitig gegenstandslose Farbfeldmalereien, konstruktivistische und figurative Zeichnungen.
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, war Klees schöpferisches Credo. Sein Verständnis für das Werden der Dinge erlaubte ihm, auch seine Werke frei von jeglicher Dogmatik zu entwickeln. Er war weder der „Gesetzgeber“, der ein starres Regelwerk
aufstellte, noch der verträumte Mystiker, wie er oft beschrieben wurde. Der Künstler war sich stets bewusst, dass gute, „lebendige“ Kunst nur aufgrund der Spannung zwischen Konzept und Intuition entstehen kann. Zugleich war er ein kritischer Zeitgenosse und kommentierte das Zeitgeschehen in zahlreichen Werken mit ironischer Distanz. Die ausgewählten Werke machen diese Vielseitigkeit und Tiefgründigkeiten von Paul Klees bildnerischem Denken und künstlerischem Schaffen sichtbar.
„Diese lang erwartete Präsentation von Paul Klees Werk in Russland ist eine sensationelle Premiere. Paul Klee trug wesentlich zur Entwicklung der modernen Kunst bei und war ein grosser Freund ikonischer russischer Maler wie Kandinsky. Mit Stolz präsentieren wir diese Kooperation mit zwei Schweizer Museen, dem Zentrum Paul Klee und der Fondation Beyeler und heissen Paul Klees Meisterwerke in Moskau willkommen“, so Marina Loshak, die Direktorin des Staatlichen Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin in Moskau.
Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Fabienne Eggelhöfer, Kuratorin Zentrum Paul Klee, Bern.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in russischer Sprache

Paul Klee – Kein Tag ohne LiniePaul Klee, Ohne Titel (Gefangen), um 1940, Öl- und Kleisterfarbe auf Grundierung auf Jute, 55 x 50 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler; Foto: Peter Schibli, Basel