Gianfranco Baruchello Certain Ideas

Das ZKM | Museum für Neue Kunst präsentiert in einer lockeren Reihenfolge immer
wieder Künstler, die vom Mainstream und vom Kunstmarkt ignoriert wurden oder
in Vergessenheit geraten sind. Oftmals sind es Künstler, die der Kunst der Gegenwart
jedoch wichtige Impulse geliefert haben.

Vom 1. November 2014 bis 29. März 2015 wird in diesem Zusammenhang erstmalig
der italienische Multimediakünstler Gianfranco Baruchello mit einer Werkschau vorgestellt,
kuratiert von Peter Weibel und Andreas Beitin. Die in Kooperation mit den Deichtorhallen
Hamburg/Sammlung Falckenberg durchgeführte Ausstellung bietet nicht nur einen Überblick
über das mehr als ein halbes Jahrhundert währende Schaffen, sondern auch über die große
Vielgestaltigkeit von Baruchellos Werk, der über die Jahrzehnte hinweg ein großes Oeuvre
an Bildern, Skulpturen, Objektkästen, Collagen, Texten sowie Filmen geschaffen hat.

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APOKALYPSEN – DAHEIM UND AN DER FRONT

Käthe Kollwitz, die deutschen Expressionisten und der Erste Weltkrieg

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal und damit verbunden der
Todestag des jüngeren Sohnes von Käthe Kollwitz. Am 22. Oktober 1914 fiel Peter
Kollwitz als Soldat 18jährig in Flandern. Aus diesem Anlass zeigt das Käthe Kollwitz
Museum Köln eine Sonderausstellung mit rund hundert Leihgaben, die die
Auseinandersetzung der deutschen Expressionisten – u. a. Otto Dix, Ludwig Meidner,
Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, George Grosz – mit dem Ersten Weltkrieg
beleuchtet. Den künstlerisch verarbeiteten Fronterfahrungen ihrer männlichen Kollegen
steht die Position von Käthe Kollwitz als Daheimgebliebene und Soldatenmutter
gegenüber.
Keine Künstlergeneration des 20. Jahrhundert wurde so beeinflusst durch eine vergleichbar
biographische als auch künstlerische Zäsur in ihrem Leben und Wirken, wie die deutschen
Expressionisten durch den Ersten Weltkrieg. Die „Urkatastrophe“ des beginnenden
Jahrhunderts stürzte die jungen Männer in durch die traumatischen Kriegserlebnisse bedingte
existentielle Erfahrungen, die sie künstlerisch zu verarbeiten suchten. Der Anblick des
unermesslichen Grauens auf den Schlachtfeldern, in den Lazaretten und Schützengräbern,
aber auch das durch den Verlust von Freunden und Familie erlittene seelische Leid wurden zum
Auslöser eines unerschöpflichen Schaffensdrangs, der sich durch expressive Gestaltungsmittel
artikulierte und entlud. Dabei war die subjektive Wahrnehmung Ausgangspunkt für das
jeweilige OEuvre, dessen primäre Funktion in der Übermittlung eines psychischen Ausdrucks
bestand und nicht in der Nachahmung der Wirklichkeit.
Die Expressionisten entwickelten durch ihre elementare Formensprache einen
künstlerischen Stil, der es ermöglichte, die Kriegserfahrung auf vielfältige Art und
Weise zu beschreiben. Insbesondere innerhalb der graphischen Medien gelangten
sie zu einzigartigen Schöpfungen, wobei druckgraphische Folgen ein bevorzugtes
Medium darstellten. So beeinflusst Max Pechsteins Teilnahme an der Schlacht an
der Somme im Jahr 1916, die mit über einer Million toter Soldaten die
verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkrieges repräsentiert, sein künstlerisches
Schaffen nachhaltig und erreicht seinen Höhepunkt in der vier Jahre später
geschaffenen Radiermappe „Somme 1916“, in der Pechstein schonungslos die
Auswirkungen des technisch-mechanisierten Krieges, aber auch die Brutalität des
Nahkampfes in expressiven Bildkompositionen einfängt.

Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet eine
Auswahl aus Otto Dix´ 1924 entstandenem
Schlachtenepos „Der Krieg“, das an Drastik und
Radikalität in der Kunst der Moderne einen
einzigartigen Stellenwert einnimmt. In kühnen
Bildschöpfungen bannt er den Horror des
Gaskrieges und der Grabenkämpfe, die bis zur
Unkenntlichkeit verstümmelten Invaliden sowie die
Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung.
Die Ausstellung vereint allein über 80 Zeichnungen,
Holzschnitte, Aquarelle, Lithographien und
Radierungen aus den expressionistischen
Sammlungsbeständen führender deutscher Museen
und Privatsammler, die in Interaktion mit dem
Eigenbestand des Hauses treten.

Die Schau wurde zum Anlass des 100jährigen Gedenkens an den Tod von Peter Kollwitz, dem
Sohn Käthes, der am 22. Oktober 1914 in Flandern fiel, konzipiert. Dessen künstlerische
Verarbeitung in dem langjährigen Schaffensprozess des Mahnmals, der Trauernden Eltern, wird
in der Ausstellung eindrucksvoll veranschaulicht. Persönliche Dokumente wie Briefe oder
Tagebücher von Käthe Kollwitz gewähren dem Besucher darüber hinaus einen Einblick in ihre
Trauer sowie ihre Reflexion über Vaterlandsbegriff und Opfertod. Sie treten in einen stillen
Dialog mit der 1922-1923 entstandenen Holzschnittfolge „Krieg“, die bis heute als künstlerisch
singulärer Appell für den Frieden gilt.

Über dieses Werk schreibt Kollwitz 1922 in einem Brief
an Romain Rolland:
„Ich habe immer wieder versucht, den Krieg zu
gestalten. Ich konnte es nie fassen. Jetzt endlich
habe ich eine Folge von Holzschnitten fertig
gebracht, die einigermaßen das sagen, was ich
sagen wollte. […] Diese Blätter sollen in alle Welt
wandern und sollen allen Menschen
zusammenfassend sagen: so war es – das haben
wir alle getragen durch diese unaussprechlich
schweren Jahre.“

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Zeichnung Ost

Im Jahr 2014 jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal. Gerne erinnern wir mit dieser Ausstellung an
dieses Ereignis.
Von 2007 bis 2012 hat die FAMAKunststiftung im Rahmen eines Projektes zur Erweiterung des
Sammlungsbestandes der Handzeichnungen für das Sprengel Museum Hannover 95 Werke erworben.
Ziel der Sammlungserweiterung ist ein repräsentativer Querschnitt herausragenden zeichnerischen
Schaffens im östlichen deutschen Teilstaat nach 1945. Ein besonderes Augenmerk gilt Künstlerinnen
und Künstlern, deren Werk bis in die 1980er-Jahre unter teilweise schwierigen Bedingungen
gereift und im wiedervereinigten Deutschland noch wenig öffentlich ist, sowie der nach 1989
auf sie folgenden Generation.
Die Ausstellung präsentiert Werke von folgenden Künstlerinnen und Künstlern: Gerhard Altenbourg, Christa Böhme, Lothar Böhme, Manfred Böttcher, Hermann Glöckner, Dieter Goltzsche, Joachim John, Gerhard Kettner, Walter Libuda, Michael Morgner und Hanns Schimansky.
Gerhard Altenbourg (Rödichen-Schnepfental 1926 – 1989 Meißen) ist einer der bedeutendsten und
eigenartigsten Zeichner und Grafiker der Moderne. Seine rätselhafte und surreale Bild- und Gedankenwelt
entsprach nicht der offiziellen Kunstdoktrin. Während er schon 1959 auf der Kasseler
„documenta II“ vertreten war, galt für ihn in der DDR praktisch ein Ausstellungsverbot.
Christa Böhme (Berlin 1940 – 1991 Berlin) zählte zum Kreis der Berliner Schule, für die die Orientierung
am Gesehenen den Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit
bildete. Abseits des offiziellen Kunstbetriebes fühlten sie sich nur den Gesetzen der Kunst
verpflichtet. Die erneute Formulierung der klassischen Genres Akt und Porträt zeichnete Christa
Böhmes Schaffen aus.
Lothar Böhme (1938 Berlin, lebt in Berlin) wurde u. a. mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie
der Künste, dem Fred-Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie und dem Gerhard-
Altenbourg-Preis geehrt. Sein Werk kommt mit wenigen Motiven aus, Figur und Stillleben sind
seine Themen. Mit seinen weiblichen Akten rückt er den Menschen in die Mitte seines Schaffens
und führt sie zu existenziellem Ausdruck.
Manfred Böttcher (Oberdorla 1933 – 2001 Berlin) war nach Harald Metzkes der bedeutendste Vertreter
der Berliner Schule, die sich an der Kunst von Cézanne orientierte. Als er 1955 nach Berlin
kam, wurde sein malerisches Talent sogleich erkannt. Sein Seherlebnis gestaltete er allein aus der
Farbe heraus, in seinen späteren Werken findet eine Verdichtung zu impulsiver, fast informeller
Formgestik statt.
Hermann Glöckner (Cotta bei Dresden 1889 – 1987 Berlin) ist der älteste in der Ausstellung vertretene
Künstler. Mit seinem abstrakten Werk gilt der Dresdner als Vertreter des Konstruktivismus
von internationalem Rang. Die Rehabilitierung in der DDR begann erst spät anlässlich seines 80.
Geburtstages im Jahr 1969.
Dieter Goltzsche (1934 Dresden, lebt in Berlin) erhielt den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der
Künste, den Kunstpreis der DDR und den Hannah-Höch-Preis der Stadt Berlin. Seit 1980 unterrichtete
er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seine Berliner und Märkischen Motive inspirierten
mit unbändiger Lust am Zeichnen zahlreiche Künstler.
Joachim John (1933 Tetschen in Böhmen, lebt in Frauenmark) arbeitete von 1966 bis 1977 als
freischaffender Künstler in Berlin. Er erhielt den Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste
und den Kunstpreis der DDR. Seine Zeichnungen zur Französischen Revolution spiegeln die Auseinandersetzung
mit Geschichte und Gesellschaftsfragen.
Gerhard Kettner (Mumsdorf 1928 – 1993 Dresden) war eng mit Dresden verbunden und wirkte
mit seinem realistischen Zeichnungsstil seit den 1960er-Jahren prägend als Professor und Rektor der
Hochschule für Bildende Künste. Sein wichtigster Gegenstand ist die menschliche Figur. Seine psychologischen
Porträts sind singulär in der zeitgenössischen Kunst der DDR.
Walter Libuda (1950 Zechau, lebt in Schildow bei Berlin) war Meisterschüler bei Bernhard Heisig.
Er erhielt den Gerhard-Altenbourg-Preis und den Fred-Thieler-Preis der Berlinischen Galerie. In
seinen skurrilen Bildwelten trifft Reales auf Fantastisches, Turbulent-dynamisches agiert außerhalb
festgefügter Bildordnungen.
Michael Morgner (1942 Chemnitz, lebt in Einsiedel bei Chemnitz) wurde anlässlich seines 70.
Geburtstages bereits eine retrospektive Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover ausgerichtet.
Morgner wird vor allem als Zeichner einer symbolhaften Überhöhung menschlicher Figur
und Existenz in Verbindung mit der Natur des Erzgebirges und der Ostsee wahrgenommen. Der
Chemnitzer war Mitbegründer der ersten unabhängigen Produzentengalerie der DDR, Clara Mosch,
die bis 1982 existierte.
Hanns Schimansky (Bitterfeld 1949 – lebt in Berlin) ist der jüngste Teilnehmer der Ausstellung
und ausschließlich Zeichner. Gefördert durch Gerhard Kettner in Dresden hat sich der Künstler als
Zeichner autodidaktisch entwickelt. Seit 1998 ist er Professor an der Kunsthochschule Berlin-
Weißensee. In dem Jahr hatte er eine Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover.
Es erscheint ein Sammlungskatalog (70 Seiten, 96 Farbabbildungen), mit Texten von Katrin Arrieta,
Karin Orchard, Dörthe Wilke. Preis 10 EUR
Gefördert von der FAMAKunststiftung
FAMAKunststiftung
Text: Karin Orchard, Kuratorin der Grafischen Sammlung

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documenta 14, Kassel: Von Athen lernen

Auf Einladung der Kunsthochschule Kassel fand dort am 6. Oktober 2014 das Symposion »documenta 14, Kassel: Von Athen lernen« statt. Bei der vom Künstlerischen Leiter Adam Szymczyk und seinem Team organisierten Veranstaltung wurden erste wichtige Mitglieder der organisatorischen Struktur der kommenden documenta vorgestellt und wesentliche Ideen sowie thematische Anliegen der 2017 stattfindenden Ausstellung diskutiert.

Seit der Gründung der documenta 1955 ist die Stadt Kassel Gastgeberin der Ausstellung. Die documenta war im Laufe ihrer dreizehn Ausgaben Gastgeberin zahlreicher Künstlerinnen und Künstler sowie anderer Kulturschaffender aus aller Welt. Doch letztlich scheint diese Gastgeberrolle – samt allen Privilegien, die diese mit sich bringt – nicht länger haltbar und verlangt förmlich nach einer, wenn auch nur temporären, Infragestellung. Davon ausgehend stellte Szymczyk die geplante Doppelstruktur der documenta 14 vor: Die documenta 14 wird 2017 einen zweiten Schauplatz¬ – Athen – einführen und damit Kassel und die griechische Hauptstadt zu gleichberechtigten Ausstellungsorten machen. Die documenta wird damit ihre unangefochtene Position als Gastgeberin zugunsten einer anderen Rolle ruhen lassen: der Rolle des Gastes in Athen.

Szymczyk merkte an, dass diese Entscheidung auf vielfältigen grundsätzlichen Überlegungen basiert. Diese hängen mit der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation in Europa und weltweit zusammen, die künstlerisches Handeln motiviert. Darüber hinaus lassen sie es notwendig erscheinen, dass sich in der documenta 14 die greifbaren Spannung zwischen dem Norden und dem Süden – die in der zeitgenössischen kulturellen Produktion reflektiert, artikuliert und gedeutet wird – manifestiert. Teil dieser Herausforderung ist es, die Fallen einer binären Logik zu umgehen und die sich wandelnden Wirklichkeiten nachhallen zu lassen. Anstelle eines einzigen Spektakels mit einem festem Ort und einer klaren zeitlichen Struktur, wie sie für internationale Großausstellungen charakteristisch sind, wird die documenta 14 zwei Durchläufe umfassen, die sich zeitlich und räumlich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden.

Die Distanz zwischen Kassel und Athen wird die Erfahrung von Besucherinnen und Besuchern der documenta 14 grundlegend beeinflussen. Die beiden weit voneinander entfernten Ausstellungen erzeugen eine geografische und mentale Verschiebung, die ein Gefühl des Verlusts und der Sehnsucht auslösen und so die Wahrnehmung der Ausstellung modifizieren können; dies wirkt Vorstellungen von Verwurzelung entgegen und widerspricht der verbreiteten normativen Annahme, dass eine solche Ausstellung nur als eine Einheit von Handlung, Ort und Zeit bestehen kann. Die documenta 14 hinterfragt diesen Status quo und wird versuchen, ein Vielzahl von Stimmen in, zwischen und jenseits der beiden Städte einzubeziehen, in denen sie stattfindet. Vom Standpunkt der Metropole am Mittelmeer ausgehend, wo sich Afrika, Naher Osten und Asien gegenüberstehen, öffnet sie sich über den europäischen Kontext hinaus. Die unterschiedlichen und auseinanderstrebenden Standorte und soziökonomischen Rahmenbedingungen von Kassel und Athen werden sich auf den Entstehungsprozess der Ausstellungen auswirken und zugleich jedes einzelne Kunstwerk inspirieren und prägen. Die an der documenta 14 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler werden eingeladen, ihre Arbeiten innerhalb der Dynamik zwischen den beiden Städten zu konzipieren und zu produzieren.

Geplant ist, dass die documenta 14 im April 2017 in Athen und zwei Monate später, am 10. Juni, in Kassel eröffnet wird. So wird gewährleistet, dass es einen Monat gibt, in dem beide Teile der Ausstellung parallel stattfinden. Beide Ausstellung werden als autonome Projekte für diverse markante Standorte in Athen und Kassel entwickelt, wobei sie einander inhaltlich beeinflussen, ohne sich formal zu wiederholen. Anstatt ein in Kassel vorgefertigtes Event an einem oder mehreren pittoresken Schauplätzen in Athen »abzusetzen«, will die documenta 14 von der Stadt und ihren Einwohnern lernen. Die documenta 14 wird nicht nur die Summe zweier Bestimmungsorte sein, sondern sich in einem dreijährigen Prozess des Lernens und der Wissensproduktion entwickeln und dazu beitragen, an beiden Orten Räume für öffentliches Leben zu schaffen. Die Communitys beider Städte werden in diesen Prozess einbezogen und an dem Projekt mitarbeiten. 2013/14 haben in Athen bereits einige aufschlussreiche Treffen mit dortigen Kulturproduzenten, die die kulturelle Vielfalt wie die Widersprüche des heutigen Griechenlands repräsentieren, stattgefunden; auch wurde eine anhaltende Diskussion über die Zusammenarbeit mit bestimmten Kulturinstitutionen der Stadt begonnen. Parallel dazu fanden solche Gespräche in Kassel statt.

Griechenland ist 2014 kein Einzelfall; es ist Sinnbild für eine sich rapide verändernde globale Situation und verkörpert die wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dilemmas, mit denen sich Europa heute konfrontiert sieht – ähnlich wie Kassel 1955 für die Notwendigkeit stand, mit dem Trauma der Zerstörung, das der Nationalsozialismus in Deutschland mit sich gebracht hatte, umzugehen, und gleichzeitig als strategisch bedeutsamer Ort im beginnenden Kalten Krieg diente. Athen ist beispielhaft für die aktuellen Probleme, die über die sprichwörtliche Vorstellung von der »griechischen Krise« hinausgehen, denn tatsächlich sind diese Probleme ebenso europäische und globale wie griechische, und sie sind keineswegs gelöst. Doch sie bieten uns eine Möglichkeit, der Vorstellungskraft, dem Denken und dem Handeln einen Raum zu eröffnen, anstatt sich an dem entmachtenden neoliberalen Spiel zu beteiligen, das sich selbst als (Nicht-)Handlungsoption in Gestalt der (Nicht-)Wahlmöglichkeit der Sparpolitik präsentiert. Die Wahl des Zeitpunkts und des Standorts Kassel waren 1955 eben jene Faktoren, die es der documenta ermöglichten, sich zu einem Projekt zu entwickeln, das inzwischen seit mehr als einem halben Jahrhundert Bestand hat; doch die soziopolitischen Parameter, die die Dringlichkeit der documenta ausmachten, sind heute nicht mehr wirksam. Dieses Gefühl der Dringlichkeit muss daher anderswo gefunden werden.

Szymczyk und sein Team schlossen mit der Bemerkung, dass die documenta 14 – mit ihrer temporären Verlagerung und Verdoppelung der Perspektiven – jene künstlerischen Strategien ermöglichen könnte, die nach der Realität einer zeitgenössischen Welt greifen – einer Welt, die als Ort für eine aus Individuen bestehende Multitude verstanden wird und nicht als ein Territorium, das von hegemonialen Beziehungen definiert wird, die sie für viele zu einem Ort des Leidens und des Elends machen. Diese Welt, die größer ist als Deutschland oder Griechenland, wird das Thema der Ausstellung sein.

ANHANG
Die documenta 14 wird von Adam Szymczyk als Künstlerischem Leiter mit einem Team organisiert, dessen erste Mitglieder vorgestellt wurden:
Pierre Bal-Blanc, Kurator; Marina Fokidis, Leiterin des Künstlerischen Büros Athen; Hendrik Folkerts, Kurator; Henriette Gallus, Leiterin der Abteilung Kommunikation; Annie-Claire Geisinger, Koordinatorin des Kommunikationsbüros Athen; Quinn Latimer, Redakteurin der Publikationen; Andrea Linnenkohl, Assistentin des Künstlerischen Leiters; Hila Peleg, Kuratorin; Christoph Platz, Leiter der Ausstellungsabteilung; Dieter Roelstraete, Kurator; Fivos Sakalis, Pressereferent/ Griechische Presse; Katrin Sauerländer, Leiterin der Publikationsabteilung; Monika Szewczyk, Kuratorin; Katerina Tselou, Assistentin des Künstlerischen Leiters.

Die visuelle Identität der documenta 14 wird sich mit der Zeit und in Reaktion auf die Entwicklung des Projekts verändern; in diesen Prozess werden folgende Design-Büros involviert sein: Julia Born & Laurenz Brunner, Berlin; Mevis & Van Deursen, Amsterdam; Vier5, Paris & Kassel; und Ludovic Balland Typography Cabinet, Basel.

documenta 14
Friedrichsplatz 18
34117 Kassel
Germany

arlberg1800

  Österreichischer Sammler baut Kunsthalle am Arlberg

Am Arlberg wird derzeit auf 1800 Metern Höhe die höchstgelegene Kunsthalle in den Alpen mit einem angeschlossenen Konzertsaal errichtet. Das visionäre Kulturprojekt arlberg1800 geht zurück auf die private Initiative des Sammlers, Mäzens, Galeristen und Hoteliers des traditionsreichen 5-Sterne Hauses Arlberg Hospiz Hotel St. Christoph am Arlberg, Florian Werner. Die private Kunsthalle im Dreiländergroßraum Österreich, Deutschland und Schweiz, mit angeschlossenem Konzertsaal, wurde von dem für seine moderne, reduzierte Formensprache bekannten Tiroler Architekturbüro Jürgen Kitzmüller aus Absam geplant. Das Bauvolumen umfasst rund 26 Mio. Euro. Zwei Drittel des Neubaus sind unter der Erde, oberirdisch entstehen multiflexible Räumlichkeiten für Kongresse und Tagungen. Im Zentrum des Baues befindet sich der White Space, eine ca. 600 qm große, 8 m hohe Ausstellungshalle, in der jährlich von der section.a (Wien) kuratierte Ausstellungen stattfinden werden. Zusätzlich geplant ist ein 250 qm großer Konzertsaal mit ausgezeichneter Akustik für 160 Personen, eine Kunst-Lounge, ein Projektraum für kleinere Ausstellungen sowie zwei Studios für Artists in Residence. Den internationalen Kunst am Bau Wettbewerb, der von einer Fachjury (bestehend u.a. aus Christiane Meyer-Stoll, Kunstmuseum Liechtenstein und Yilmaz Dziewior, Kunsthaus Bregenz und designierter Direktor des Museum Ludwig, Köln) begleitet wurde, hat der österreichische Biennale-Künstler Hans Schabus mit der Arbeit ?Leibrock, Wanderstab, Welt“ gewonnen.

Auf 1500 qm bietet der Neubau Platz für zeitgenössische Kunst und klassische Musik. Die Preview mit der ersten Ausstellung wird im Herbst 2015 stattfinden, die endgültige Fertigstellung ist für 2016 geplant. Die Kunsthalle ist konzipiert für verschiedene zeitgenössische Kunstformen und wird sowohl als Produktions-, wie auch als Ausstellungs- und Konzert-Ort dienen. Mit arlberg1800 entsteht ein neues kulturelles Zentrum, das sich ganzjährig dem internationalen künstlerischen Diskurs widmet. Der inhaltliche Fokus liegt auf der künstlerischen Auseinandersetzung mit ortsspezifischen Projekten und der interdisziplinären Verknüpfung von zeitgenössischer Kunst und Musik.
Halbjährlich wechselnde Ausstellungen von Künstlern, die im internationalen Kunstdiskurs relevante Positionen vertreten, bilden neben Konzerten eine wichtige Säule im ganzjährigen Veranstaltungskalender.
Hinzu kommt ein Artists in Residence Programm, das junge Künstler und Musiker fördert, die am Beginn ihrer Laufbahn stehen. Florian Werner hat seit 2007 eine eigene Kunstsammlung u.a. mit Werken von Anzinger, Bechtold, Gormley, Murakami und anderen internationalen Künstlern aufgebaut, der Kunstliebhaber setzt sich konsequent für die Förderung zeitgenössischer Kunst ein und unterstützt seit 2009 mit dem Hospiz Art Prize, der Hospiz Galerie, besonderen In Situ Projekten und jährlich mehreren Artist in Residence Projekten aktiv den Ausbau der Kunstregion Tirol und Vorarlberg.
Die österreichische Künstlerin Brigitte Kowanz, die 1984 den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestaltet hat, setzt sich in ihren Arbeiten und Installationen seit den 80er Jahren mit den Themen Licht, Zeit, Raum und Information auseinander. Derzeit sind Arbeiten der Künstlerin im Belvedere in Wien, im Borusan Contemporary Museum in Istanbul und in der Auckland Art Gallery, Neuseeland ausgestellt. Brigitte Kowanz hat seit 1997 eine Professur an der Hochschule für angewandte Kunst Wien.

“Klimt, Schiele, Kokoschka – Die Verführung der Linie

Wien um 1900: Die Metropole der untergehenden Donaumonarchie entwickelt sich zum Nährboden der Künste. Fin de Siècle und Aufbruch in die Moderne, Jugendstil und Expressionismus –  in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch das bekannte Wiener Dreigestirn Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka mit ihren sinnlich-erotischen Frauenbildnissen. Der weibliche Körper, seine Erotik, seine Nacktheit, rückt ins Zentrum ihrer Betrachtung. Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster widmet sich diesem Thema in der Sonderausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka – Die Verführung der Linie“  mit rund 80 Zeichnungen und Grafiken, die mit historischen Fotos kombiniert werden.

Angelehnt an die Wiener Sonderausstellung zeigt die Schau „nAcKTE – Picassos Akte“ parallel dazu Werke aus dem Eigenbestand des Museums. Das alte künstlerische Thema des Aktes wird bei Picasso zum persönlichen Bekenntnis, indem ihm seine privaten Musen auch vor der Leinwand Modell saßen. So offenbaren die ausgestellten Arbeiten sein Schönheitsideal und geben zugleich Einblicke in seine intimen Beziehungen

„Apocalypse Now!“

Visionen von Schrecken und Hoffnung

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) nimmt das Gedenkjahr des Beginns des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zum Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen, das im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart geradezu zum Synonym für Krieg, Tod und Zerstörung geworden ist: die Apokalypse. So spannt es in der Ausstellung „Apocalypse Now! — Visionen von Schrecken und Hoffnung in der Kunst vom Mittelalter bis heute“, , einen großen kunst- und kulturhistorischen Bogen, Werke auf Papier von karolingischer Zeit bis in die jüngste Gegenwart versammelt; dabei berücksichtigt es auch populäre Bildmedien wie Comics und Graphic Novels. Den Betrachtern wird vor Augen geführt, wie der biblische Text in seiner Ambivalenz von Grauen und Hoffnung, von Schreckensvisionen und Trostspendung, von den einzelnen Epochen aufgefasst und in Bilder umgesetzt wurde und wie im Laufe der Jahrhunderte Bildformeln und -motive ausgeprägt wurden, die bis in die Gegenwart wirkungsmächtig sind.

Zeitlich beginnt die Ausstellung mit den bedeutendsten früh- und hochmittelalterlichen Illustrationen, nämlich der Trierer Apokalypse (um 800) und der Bamberger Apokalypse (um 1010), die in Form von Faksimiles präsentiert werden. Der chronologische Bogen spannt sich dann über Werke des Spätmittelalters, der Renaissance, des Barock, des Klassizismus, der Romantik, des 19. und 20. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart. Vertreten sind Originalwerke so bedeutender Künstler wie Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, Hans Baldung gen. Grien, Martin Schongauer, John Martin, Odilon Redon, Lovis Corinth, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Ludwig Meidner, Louis Soutter, Franz Masereel, Jan Koblasa und Rune Mields. Blockbücher aus dem Mittelalter werden ebenso berücksichtigt wie Scheibenrisse aus dem 16. Jahrhundert, Leihgaben aus der berühmten Sammlung Prinzhorn ebenso wie Storyboards für Francis Ford Coppolas berühmten Film „Apocalypse Now“. Eigene Abteilungen sind populären Bildmedien wie Comics und Graphic Novels sowie dem Bereich Fotografie gewidmet. Obwohl der Schwerpunkt eindeutig auf dem Medium Papier liegt, gibt es auch – anknüpfend an die Tradition des Hauses, das als Kunstgewerbemuseum gegründet wurde – eine Abteilung mit kunsthandwerklichen Objekten sowie zwei Videoarbeiten von Gegenwartskünstlern. Mehrere Zeitgenossen, darunter Via Lewandowsky, Yves Netzhammer und Jonathan Meese, schaffen eigens Werke für die Ausstellung im mpk, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst der Universität Koblenz-Landau am Campus Landau entsteht und von einem abwechslungsreichen Begleitprogramm flankiert wird.
„Apocalypse Now!“
Albrecht Dürers Holzschnitt „Die apokalyptischen Reiter“ aus „Die Apokalypse“ von 1496-98 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

CASPAR WOLF

und die ästhetische Eroberung der Natur

Die Alpen als grandioses Naturspektakel – diese Sicht ist erstaunlich neu. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts begann man, schroffe Gebirgszüge als „erhaben“ und ästhetisch reizvoll zu empfinden. Der Schweizer Landschaftsmaler Caspar Wolf (1735–1783) war einer der ersten, der auf ausgedehnten Streifzügen die noch weitgehend unerschlossene Alpenwelt als künstlerisches Sujet eroberte. Riesige Felsbrocken, tosende Wildbäche und bizarre Gletscherformationen versperren in seinen furiosen Bildschöpfungen den Weg. Gewaltige Panoramen tun sich auf, vor denen der staunende Mensch als winzige Figur erscheint. Mit seinen radikalen Formulierungen weit jenseits barocker Idylle ist Wolf einer der bedeutendsten Vorläufer der europäischen Romantik. Gleichzeitig ist in seinen Werken der Geist der Aufklärung spürbar. Die Ausstellung umfasst 126 Werke von Caspar Wolf und seinen Zeitgenossen sowie eine Auswahl von aktuellen Fotos der Entstehungsorte in den Alpen. Parallel zur Ausstellung präsentiert das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel Höhepunkte aus seinem reichen Bestand an Zeichnungen und Grafik von Caspar Wolf.
Die Ausstellung wird unterstützt durch:
•    Peter und Simone Forcart-Staehelin
•    L. + Th. La Roche-Stiftung
•    Stiftung für das Kunstmuseum Basel

WITH SMALL WORDS

Ausgehend von David Thomas‘ Lecture „The Geography of Sound“ versammelt dieses Ausstellungsprojekt Künstlerinnen und Künstler aus acht verschiedenen Ländern. Darunter Éva Bodnár, Nuria Fuster, Ha Za Vu Zu, Nicolas Jasmin, Santiago Morilla, O (Teresa Rotschopf), Bernhard Rappold, Franz Schubert, Felipe Talo, Carlos Vasconcelos, Brent Wadden, Felix Leon Westner, Das Wiener Jazzpanoptikum.
Alle Genannten verbindet die Beschäftigung mit Sound und Kunst, jedoch die Ausgangspunkte der Annäherung sind verschieden.
Performance: Fr 21.11.2014, 19:00

ÜBER 3 MILLIONEN EURO FÜR VERBEECK-GEMÄLDE IM DOROTHEUM

Weltrekord für satirisches Hauptwerk des flämischen Altmeisters

Die Altmeister-Auktion des Dorotheum am 21. Oktober 2014 begann mit einem Paukenschlag. Das Titellos des Auktionskataloges, die Satire auf die menschliche Torheit „Der Narrenhandel“, des Flamen Frans Verbeeck wurde auf über drei Millionen Euro angesteigert (€ 3.035.000) – ein Weltrekord für den Künstler und einer der höchsten Preise, die je in Österreich bei Auktionen erzielt wurden.

Stilistisch ist das Gemälde mit Arbeiten von Hieronymus Bosch und Brueghel vergleichbar. Das heiß am Telefon und im Saal umkämpfte Werk wird in Zukunft in Flandern bleiben.
Das vielfigurige Bild, auf dem sich detailreiche Szenen entdecken lassen, illustriert anschaulich historische Sprichwörter, die die Narretei der Menschen aufs Korn nehmen.

Artikel von Alexander Wied, Kunsthistoriker, zu dem Gemälde von F. Verbeeck, aus dem Dorotheum myART MAGAZINE Nr. 4

ÜBER 3 MILLIONEN EURO FÜR VERBEECK-GEMÄLDE IM DOROTHEUMFrans Verbeeck (Mechelen um 1510 – 1570) Der Narrenhandel (Satire auf die menschliche Torheit) Öl auf Leinwand, 135 x 188 cm erzielter Preis € 3.035.000

Alles schön und gut?!

Perfekte Körper, glänzende Luxusgüter,
traumhafte Landschaften,
süße Kätzchen… Die Ausstellung
führt medienübergreifend Malereien,
Fotografien, Skulpturen, Videoarbeiten
und Installationen 17 zeitgenössischer
Künstler zusammen,
deren gemeinsames Thema das
Spiel mit dem schönen Schein ist.
Die Werke tauchen ein in glitzernde
Konsumwelten, schweifen entlang
übersteigerter Schönheitsideale und
edler Oberflächen, setzen sich mit
trügerischen Sehnsüchten, Heimatidyllen und überspitzten
Klischees auseinander; Alles Schön Und Gut fragt nach
dem Realitätsgehalt hinter den Fassaden des Idylls.
Und so räkeln sie sich nun im Stroh oder im Martiniglas, die
schönen Frauen, die sich jedes Gramm abgehungert haben,
oder blicken uns abgründig lasziv entgegen; wilde Schimmel
galoppieren am Meeressaum; Comic-Helden fliegen durch
pinke Blütenblätter; Kätzchen spielen mit bunten Schmetterlingen;
Luxusliner bieten Hyperkomfort bis zur Sterilität
und die überbordende Kuckucksuhr antwortet keck auf das
leuchtende Neon-Kruzifix. Abwegige Flucht vor der Realität
oder Symptom der Zeit?
Aufdringliche Betonung des schönen Äußeren, Inszenierung
von Traumwelten, Darstellung arkadischen Glücks: Sind diese
konstruierten Idyllen grundsätzlich nur trügerische Illusionen
oder gelingt es ihren Urhebern mit ihnen aufzurütteln?
Drastisch provoziert die gewählte Bildsprache die Leere des
Versprechens einer heilen Welt – auch wenn oder vielleicht
gerade weil diese im niedlichen Katzenkostüm daherkommt.
Von Anfang an hat die Gerisch-Stiftung mit ihrem Ausstellungsprogramm
jenes idyllische Arkadien künstlerisch
befragt, das Skulpturenpark und Jugendstilvilla so perfekt
ausstrahlen. Bereits 2007 hat Olaf Nicolai mit seinem Glaszaun
auf die trügerische Schönheit gehäkelter Fassaden
verwiesen. Doch noch nie ist die Frage nach dem Hintergrund
des schönen Scheins mit solch scharfem Glanz zum
Ausdruck gekommen wie in dieser Ausstellung. Alles Schön
Und Gut – oder etwa nicht?

Künstler
Lavanya Boesten
Anna Borowy
Martin Eder
J Henry Fair
Uwe Henneken
Malgosia Jankowska
David LaChapelle
Hans Op de Beeck
Mel Ramos
Marco Reichert
Julika Rudelius
Anne-Marie von Sarosdy
Stefan Strumbel
Ivonne Thein
Thukral & Tagra
Nikolai Winter
Thomas Wrede

[Ausstellungsprojekt] Automatic

Gesine Grundmann Michael Klöfkorn Björn Kuhligk Rolf Poellet

Ausgangspunkt für die Ausstellung ist das Interesse an der Gegenüberstellung von Bildender
Kunst und Text. Dabei geht es um mehr als die rein visuellen Qualitäten von Schrift im Bild
oder der Entstehung von Bildern im Kopf durch Texte. Ausgewählt wurden vielmehr
künstlerische Positionen, die mit textuellen Strukturen arbeiten. Der Versuch, mit Serialität im
weitesten Sinn komplexe Ausdrucksformen zu entwickeln, verbindet die Arbeiten von
Michael Klöfkorn, Björn Kuhligk und Rolf Poellet. Als „statische“ Differenz sind die Arbeiten
von Gesine Grundmann zu sehen. Den Serien steht hier das Einzelne in seiner reinen
Materialität, im Grunde als möglicher Kristallisationspunkt, gegenüber.
Das entstehende Gefüge der Positionen schafft einen Raum, in dem die Begriffe Text und
Bild in gegenseitigen Referenznahmen erzeugt werden. Die Grenzen zwischen den Begriffen
werden zu Gunsten einer übergeordneten Struktur verschoben, die näher an tragfähige
Selbstbefragungsstrategien heranreicht.
Kunst verharrt hier nicht nur einem Aggregatzustand, sondern entfaltet sich über Gattungsund
Genregrenzen hinweg. Der Zusammenhang, in dem die verschiedenen
Ausdrucksformen stehen, ist als osmotisch zu verstehen, seine Durchlässigkeit führt zu
gegenseitigen Inspirationsrückkopplungen. Es sollen neue Räume eröffnet werden, auch
und gerade auf die grundsätzlichen Fragen hin: Warum Text und Kunst? Schrift und Bild?
Und was hat das mit Malerei oder Objekten zu tun?“
Rolf Poellets Malerei beschäftigt sich mit einer Reduktion des Gegenständlichen; die
Pinselstriche erlauben eine Auflösung der Form, die den Bildgegenstand zu einem
abstrakten macht, um doch die Form der Figur und des Bildaufbaues nicht zu verleugnen.
Der Betrachter wird mit in den Reduktionsprozess und in die Dechiffrierung hineingezogen.
Ein weiteres wichtiges Moment der Malerei von Rolf Poellet ist die ornamentale Auffassung
von Fläche und Kontur, die eine Autonomie gegenüber dem Bildgegenstand erreicht, so
dass dieser keine außerbildliche Realität bezeichnet, sondern selbst Ausdruck des Bildes ist.
Grundlage der bildhauerischen Arbeiten von Gesine Grundmann bilden Materialien, zum
Beispiel Stoff, Metall, Holz oder auch Kunststoff, die sie in ihrer unmittelbaren Umgebung
vorfindet. Ganze Objekte oder auch nur Fragmente unterzieht sie einer differenzierten
Betrachtung. Ihre minimalistischen Arbeiten oszillieren zwischen industrieller
Massenfertigung und Handarbeit, Hoch- und Minderwertigkeit, Design- und Alltagsobjekt und
lassen den Betrachter im unsicheren Raum zwischen Schein und Sein.
Der Filmemacher Michael Klöfkorn zeigt auch Objekte und Arbeiten auf Papier, die unser
Auge auf die Probe stellen, indem das Ausgangsmaterial einer gezielten Dekonstruktion
unterzogen wird. Klöfkorn zerschneidet beispielsweise Bildteile in dünne Streifen und webt
diese neu zusammen. Für den Animationstreifen „Liquid Paper“ schnitt er mit dem Cutter
Figuren in mehrere Bildbände, die abgespielt einen neuen Bilderrausch ergeben. Der
Filmrhythmus ist ein Stakkato, das den Betrachter in die Buchseiten hineindrängt in einen
Reigen aus Textpassagen, Buchstaben und Bildern.
Die bildenden Künstler reagieren explizit auf den Raum. In der Ausstellung selbst wird ein
speziell dafür verfasster Text von Björn Kuhligk, eingelesen vom Autor selbst, dauerhaft
präsent sein.
Kuratiert von Dr. Patricia Drück
[Ausstellungsprojekt] Automatic
Buchseite Richardson Wters

 

Martin Parr WE LOVE BRITAIN!

Der Brite Martin Parr (*1952) ist – dank seines rastlos produktiven Interesses an der Spezies
Mensch und seinem direkten, von trockenem Humor getragenen Blick – einer der einflussreichsten
dokumentarisch arbeitenden Fotografen der Gegenwart.
Die Ausstellung im Sprengel Museum Hannover ist das Ergebnis einer Einladung: Über 16
Monate war Parr in Niedersachsen auf der Suche nach Spuren einer möglichen ‚Britishness‘:
Immerhin hatte vor 300 Jahren ein hannoverscher Kurfürst den englischen Thron bestiegen,
hatte vor 68 Jahren eine britische Militärregierung das heutige Bundesland Niedersachsen
gegründet und beendet der Abzug der britischen Truppen gerade eben ein Kapitel deutschbritischer
Geschichte.
Parr fotografierte während der Eröffnung des Schlosses Herrenhausen, auf der Geburtstagsfeier
der Queen und auf dem ‚größten Schützenfest der Welt‘ in Hannover. Er besuchte einen
Lady Di Club, privat geführte Militärmuseen, einen Sammler von James Bond-Devotionalien,
die britischen Garnisonen in Bergen-Hohne, Fallingbostel und Hameln und einiges mehr. Ca.
70 in diesen Zusammenhängen entstandene Fotografien werden, begleitet von einer Publikation,
im Rahmen der umfangreichen Ausstellung MARTIN PARR. WE LOVE BRITAIN! vorgestellt.
Der Sparkassen-Kulturfonds, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Sparkasse
Hannover und die NORD/LB stehen dem Sprengel Museum Hannover in diesem Projekt als
hilfreiche Partner zur Seite.
Mit ca. 380 Arbeiten aus acht Serien gibt die Ausstellung MARTIN PARR. WE LOVE BRITAIN!
auf mehr als 700 qm einen Einblick in verschiedene Schaffensphasen des Fotografen.
Parrs Untersuchungen zur Gegenwart nahmen in den 1970er-Jahren ihren Ausgang in privaten
Wohnzimmern und führten über Befragungen der sinnstiftenden Kraft des Glaubens, über
schottische Schlechtwetterzonen und Freizeitressorts der sogenannten kleinen Leute an den
Küsten der Insel, in die Tiefen des britischen Gemeinwesens. Von dort aus folgten sie ihren
Protagonisten auf den Spuren des internationalen Tourismus, um letztendlich dort auch den
internationalen, neureichen und luxusaffinen Jetset aufzustöbern. Während LUXURY bereits
2011 in der Ausstellung PHOTOGRAPHY CALLING! in Hannover zu sehen war, präsentiert
WE LOVE BRITAIN! neben der in Niedersachsen entstandenen Arbeit die Serien BAD
WEATHER (1982, aus der Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, Hannover),
THE LAST RESORT (1983-1986), THE COST OF LIVING (1989), COMMON SENSE
(1995-1999), AUTOPORTRAITS (seit 1991), SCOTTISH LAND-SCAPES (1995-2010) und
LIBERATION (2012-13). Dabei nimmt LIBERATION eine Sonderstellung ein. Die Serie
ergänzt die in Deutschland entstandene Arbeit um einen weiteren Aspekt britisch-deutscher
Geschichte: Jährlich am 9. Mai wird auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey der Liberation
Day, der Tag der Befreiung von den Deutschen im Mai 1945 und damit das Ende des Zweiten
Weltkrieges begangen.
Martin Parr lebt in Bristol und ist seit 1994 Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum.
Neben der eigenen Fotografie widmet Parr sich dem Sammeln von Fotobüchern und Editieren
von Publikationen zu Fotobüchern, dem Kuratieren von Fotofestivals und -ausstellungen und
vielem mehr.

Alexander Calder Gallery III

Im Rahmen der langjährigen Partnerschaft zwischen der Fondation Beyeler und der Calder Foundation (New York) wurde die Idee einer wechselnden Alexander Calder Gallery geboren, die als Serie von drei Ausstellungen spezifische Aspekte im Werk des amerikanischen Bildhauers in den Mittelpunkt rückt. Die erste Präsentation fand im Jahr 2012 statt, die zweite 2013.

 Am 27. September 2014 wird die Fondation Beyeler die dritte Ausstellung der Serie eröffnen. Die Alexander Calder Gallery III ist Calders früher abstrakter Malerei gewidmet, die in einen spannungsvollen Dialog mit seinen bahnbrechenden Skulpturen der 1930er-Jahre tritt.

Die selten gezeigten abstrakten Gemälde markieren den entscheidenden Übergang von der Figuration zur Abstraktion im Schaffen des Künstlers und leiten zugleich seine ersten abstrakten Skulpturen ein. In Letzteren lässt der Künstler nicht nur die Dimension der Bewegung aufscheinen, er führt auch neuartige Konzepte wie die Intervention des Betrachters sowie die Interaktion mit Klang ein.

Im Jahr 1926 zieht Calder nach Paris und wird in den darauffolgenden Jahren zu einer wichtigen Figur der Pariser Avant-Garde Kunstszene, damals das pulsierende Zentrum des Modernismus. Calder gewinnt rasch an Bekanntheit mit seinem beliebten Performancewerk Cirque Calder, das auch zahlreiche Künstlerkollegen anzieht – unter ihnen Piet Mondrian, der sich revanchiert, indem er Calder im Oktober 1930 in sein Pariser Atelier einlädt. Dessen durchgestaltete Einrichtung, wo jedes Objekt ästhetisch ausgearbeitet und sorgfältig platziert ist, beeindruckt Calder nachhaltig.

Nach seinem Besuch in Mondrians Atelier schafft Calder seine ersten abstrakten Gemälde in einem Zeitraum von zwei Wochen; die malerische Komposition reduziert er auf wenige, einfache Elemente, anhand derer er über die Grundbeziehungen von Formen, Farben, Linien und Flächen reflektiert.

Augenfällig sind die Bezüge zu anderen modernen Künstlern wie Wassily Kandinsky oder Jean Hélion. In seinen Gemälden nimmt Calder zentrale Themen und Motive vorweg, die er kurz darauf in die Bildhauerei überträgt. Diese Entwicklung mündet schliesslich in seine abstrakten Drahtskulpturen, in die Erfindung des Mobiles im Jahr 1931 und in seine motorisierten Blechreliefs.

Calders abstrakte Gemälde werden für die Besucherinnen und Besucher eine faszinierende Entdeckung im Werk des Bildhauers sein. Mit der in enger Zusammenarbeit mit der Calder Foundation organisierten Alexander Calder Gallery III findet die dreiteilige Serie in der Fondation Beyeler ihren Abschluss.

 

 

 

 

 

 

 

Ricarda Roggan »Echo«

Ricarda Roggan (*1972) gehört zu den wichtigsten deutschen FotografInnen ihrer Generation. Die fotografischen Serien der in Leipzig lebenden Künstlerin zeigen Wälder, Gesteinsformationen oder Wolken in horizontloser Totalität und rücken jene Dinge in den Mittelpunkt der Betrachtung, die ein Schattendasein führen: ausgedientes Mobiliar, demolierte Autos oder archivierte Hinterlassenschaften von Philosophen, Literaten und Komponisten. Die Motive ihrer sorgsam inszenierten Bildwelten sind von kontextuellen Zuschreibungen befreit und entfalten im fotografischen Raum eine stille Magie, die den Blick auf die Eigenheit der Dinge lenkt. Roggan erzeugt Bildräume voller Echos und Widerhall, die unsere individuellen Erinnerungen und Assoziationen stimulieren und die Geschichte der Dinge zur Entfaltung bringen, ohne sie preiszugeben. Der Kunstverein Hannover präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen die bislang umfassendste Überblicksschau von Ricarda Roggan mit fotografischen Arbeiten von 2001 bis heute.