Das Auge des Arbeiters Arbeiterfotografie und Kunst um 1930

Eine Ausstellung anlässlich der photokina 2014
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sächsische Geschichte u. Volkskunde e.V., Dresden

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Ausstellung
gestattet einen Blick auf Alltag und Arbeiterkultur der 1920er und 1930er Jahre.
Dabei werden nicht nur private Fotografien, sondern auch die in der Presse gezielt
eingesetzten Aufnahmen gezeigt. Neben den Bildern von proletarischen Amateuren
sind vor allem ästhetisch anspruchsvolle, künstlerische Fotografien von Walter
Ballhause, Albert Hennig oder politische Fotomontagen von John Heartfield zu
sehen. Die Bilder erzählen durch ihren spezifischen „Blick von unten“ in eigener
Weise von den Verhältnissen in der Weimarer Republik bis zu den Kriegsjahren.
Die Ausstellung spiegelt die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Das Auge des Arbeiters.
Untersuchungen zur proletarischen Amateurfotografie der Weimarer Republik am Beispiel
Sachsens“ wieder, in dem von 2009 bis 2012 am Dresdner Institut für Sächsische
Geschichte und Volkskunde etwa 5.000 Fotografien aus Archiven und Museen
erschlossen wurden. Dabei lag der Fokus aufgrund der Überlieferungsbildung in der DDR
auf der kommunistisch inspirierten und von Willi Münzenberg aufgebauten Vereinigung der
Arbeiter-Fotografen Deutschlands. Die Ausstellung wird bis 2015 in den
Kunstsammlungen Zwickau, im Käthe Kollwitz Museum Köln und im Stadtmuseum
Dresden gezeigt.
Die in sechs Kapitel gegliederte Schau bietet nicht nur einen Blick auf den deutschen
Alltag und die Arbeiterkultur der 1920er Jahre. Die Fotografien werden so angeordnet,
dass das Sehen der Amateure thematisiert und nachvollziehbar wird: als Wegbewegung
vom rein „dokumentarischen“ hin zu einem „bildmäßigen“ Zeigen der Welt, um diese zu
erklären und für ihre Veränderung zu agitieren. Im Käthe Kollwitz Museum Köln werden
die Arbeiterfotografien zudem in einen Bezug zu einer weiteren Bildwelt der Weimarer
Republik gesetzt – den Zeichnungen und Druckgrafiken von Käthe Kollwitz.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine sehr reich illustrierte Publikation im Spector Verlag Leipzig, die in zahlreichen Aufsätzen die Thematik differenziert auffächert.

Jan Kollwitz Japanische Keramik aus dem Anagama-Ofen

In seiner Werkstatt im Klosterdorf Cismar in Ostholstein stellt Jan Kollwitz Keramiken auf traditionell
japanische Weise her.
Nach einer dreijährigen Ausbildung bei Horst Kerstan in Kandern war Jan Kollwitz zwei Jahre lang
persönlicher Schüler von Yutaka Nakamura in Echizen /Japan. Nakamura unterwies ihn in der
überlieferten Brenntechnik der Anagama-Öfen und in den traditionellen Techniken der Gefässherstellung
der Echizen-Keramik. Prägend für seine Arbeit wurde auch die Freundschaft mit dem Teekeramiker Kazu
Yamada, einem Schüler Tokuro Katos.
Gemeinsam mit Yamada entstand der Plan, in Deutschland einen original japanischen Anagama-Ofen zu
bauen. Für den Bau konnte der damals 71-jährige Ofenbaumeister Tatsuo Watanabe aus Mino/Japan
gewonnen werden, der 1988 den Anagama von Jan Kollwitz auf dem Werkstattgelände in Cismar baute.
Typisch für den holzbefeuerten Anagama-Ofen ist, dass Brand und Feuerung in einer gemeinsamen
Kammer stattfinden. Die Keramiken werden unglasiert in den Ofen eingesetzt und anschließend vier
Tage lang gebrannt. Rund um die Uhr wird ca. alle drei Minuten Holz in den Ofen geworfen. Bei
Temperaturen um 1300° Celsius verschmilzt die Flugasche mit dem Ton zu einer natürlichen Glasur, die
je nach Standort des Gefäßes von einem tiefen, klaren Grün bis zu einem hellen, matten Ocker variiert.
Rauch und Flammen hinterlassen rote und graue Färbungen auf den Gefäßen, an manchen Stellen im
Ofen entsteht ein tiefes Blau.
Die Brennweise des Ofens beruht auf Erfahrungen, die japanische Keramiker bei der Herstellung
künstlerischer Gefäße, speziell für die Teezeremonie, in den letzten vierhundert Jahren gesammelt
haben. Zarte Schalen für Ikebana stehen neben kraftvollen asymmetrischen Gefäßen und großen
Bodenvasen aus der Echizen-Tradition.
Wer einmal versucht hat, eine Keramik von so spezifisch japanischem Charakter in einer europäischen
Wohnung zu benutzen, wird bald bemerken, wie sehr ihre Ästhetik sich zur westlichen Moderne des
20.Jahrhunderts fügen kann, zumal in den klaren Formen, die Jan Kollwitz bevorzugt.

Die Ausstellung präsentiert zahlreiche von Jan Kollwitz geformte Keramiken, gebrannt in dem Anagama-
Ofen in seiner Werkstatt in Cismar. Ergänzt wird die Ausstellung durch großformatige Fotografien, die
eindrucksvoll die Modellierarbeit und den Brennvorgang dokumentieren.
Zur Finissage der Ausstellung am 28. September 2014 wird der Künstler einen Vortrag über japanische
Keramik, die spezielle Brennkunst und das Abenteuer, einen japanischen Ofen in Holstein errichten zu
lassen, halten

Biografie Jan Kollwitz
* 1960 in Berlin
1983 – 1985 Ausbildung bei Horst Kerstan
1986 – 1987 Schüler von Yutaka Nakamura, Echizen (Japan)
seit 1987 Austausch mit Kazu Yamada, Echizen (Japan)
1988 Bau des Anagama-Holzbrennofens durch Tatsuo Watanabe
seit 1988 Werkstatt in Cismar
seit 1990 Ausstellungen im In- und Ausland
2011 Kulturpreis Ostholstein
2011 Stipendiat der Villa Massimo, Rom

Die Revolution entlässt ihre Bilder – Von Malewitsch bis Kandinksy

Die technischen, wissenschaftlichen, politischen und kulturellen Umbrüche zu Beginn des 20. Jahrhunderts führten zu der Entwicklung einer neuen Stilrichtung: der Abstraktion – einer Form nicht-gegenständlicher Kunst, in der ausschließlich geometrische Figuren wie Quadrate, Kreise oder Rechtecke verwendet werden. Die Ausstellung mit rund 100 Exponaten aus einer deutschen Privatsammlung, ergänzt durch Werke aus europäischen Museen vereinigt Gemälde, Fotografien, Filme und Skulpturen des Who is Who der künstlerischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts – vom Konstruktivismus über das Bauhaus bis zu De Stijl, mit Werken von Künstlern wie u.a. Wassily Kandinsky,  Kasimir Malewitsch, Alexandra Exter, László Moholy-Nagy, Piet Mondrian, El Lissitzky und Theo van Doesburg und anderen.

Parallel dazu zeigen wir:
Zwischen den Stühlen – Picasso zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion
Wie kaum ein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts changiert Picasso in seinem Werk zwischen Formzertrümmerung und Formerneuerung. Ob Kubismus, Surrealismus oder Klassizismus – unter der behutsamen Hand des Jahrhundertgenies verwandeln Figuren und Objekte fortwährend ihre Gestalt. Insbesondere in seinem druckgrafischen Schaffen, in dem Picasso im Sinne eines „prozessualen Bilddenkens“ von Zustandsdruck zu Zustandsdruck verblüffende Verwandlungen erzielt, wird dieser Umstand ersichtlich. Diese Ausstellung vereint Werke aus dem Eigenbestand, die den Besucher Picasso als künstlerisches Chamäleon zwischen allen Stühlen erleben lässt.

Die Revolution entlässt ihre Bilder – Von Malewitsch bis Kandinksy

Wassily Kandinsky, Schwarze Spannung, 1925, Tusche und Guache auf Papier, Privatsammlung