RICHARD AVEDON. WANDBILDER UND PORTRÄTS

Richard Avedon (1923–2004) gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Modefotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Akzent der Werkauswahl in dieser Ausstellung liegt allerdings auf den weniger bekannten Aspekten seines Schaffens. Neben der reinen Modefotografie, die die finanzielle Basis seines Wirkens garantierte, war es Avedons Aufgabe für Reportagen oder Berichte über bedeutende Persönlichkeiten Porträts zu erstellen. Ein weites Panorama der kulturellen und politischen Eliten Amerikas ist auf diese Weise entstanden. Ganz früh interessierte sich Avedon für das anonyme Leben auf den Straßen Süditaliens oder New Yorks. In den reportageartigen Serien, die jahrzehntelang nicht veröffentlicht wurden, manifestiert sich Avedons soziales Interesse, das ihn dazu führte, sich in den 60er Jahren auf Seiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu engagieren.
Das Projekt des Museums Brandhorst hat zudem einen besonderen Anlass. Erstmals werden diejenigen Werke Avedons der Öffentlichkeit vorgestellt, die Eigentum der Udo und Anette Brandhorst Stiftung sind. Abgesehen von dem Wandbild „The Mission Council“ sind es über dreißig Porträts und Fotos aus der Serie „In the American West“. Hinzu kommen einige Leihgaben aus Privatbesitz, während alle anderen Arbeiten von der Richard Avedon Foundation, New York, zur Verfügung gestellt werden.

Politisch aufgeklärt und liberal eingestellt, begann Richard Avedon zwischen 1969 und 1971 vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Unruhen und Veränderungen in den USA vier große fotografische Wandbilder zu schaffen, die in der Geschichte des Mediums von herausragender Bedeutung sind. Auf den zwischen sechseinhalb und zehn Meter breiten und zweieinhalb bis über drei Meter hohen Darstellungen sind die Gestalten teilweise überlebensgroß und in frontaler Position vor weißem Hintergrund nebeneinander aufgereiht. Es sind schattenlose Schwarzweißbilder von rigoroser Klarheit und einer extremen Sachlichkeit, die scheinbar die ästhetische Autonomie der Werke unterlaufen, so dass sie nicht sofort als Kunst wahrgenommen werden. Ihre eminente Wirkung resultiert vor allem aus der Intensität der unmittelbaren Konfrontation des Betrachters mit diesen Fotografien bzw. den dargestellten Personen.
Drei der vier Arbeiten, die Avedon realisiert hat, werden im Museum Brandhorst gezeigt. „Allen Ginsberg’s Family“ (3. Mai 1970) zeigt den Wortführer der Beat-Generation und bedeutenden Dichter im Kreise seiner Familie. „Andy Warhol and members of The Factory“ (30. Oktober 1969) ist wegen der großen Werkkomplexe Warhols im Museum Brandhorst in München von besonderem Interesse. „The Mission Council“ (28. April 1971) entstand während des Vietnamkriegs in Saigon und zeigt den Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte und verschiedene Vertreter der Washingtoner Regierung. Aus Platzgründen musste bedauerlicherweise auf „The Chicago Seven“ (5. November 1969) verzichtet werden.

Anders als in New York, wo die vier „murals“ und weitere thematisch mit ihnen verbundene Werke im Sommer 2012 von der Gagosian Gallery gezeigt wurden, werden die Wandbilder im Museum Brandhorst durch drei andere Werkgruppen ergänzt. Es handelt sich dabei um eine Auswahl bewegender Porträts, die seit den 50er Jahren entstanden. Das breite Spektrum reicht von Francis Bacon und Brigitte Bardot bis Samuel Beckett, Truman Capote und Marcel Duchamp, schließt aber auch Bob Dylan und Marilyn Monroe sowie Buster Keaton und Ezra Pound ein. Der Physiker Robert Oppenheimer sowie der Gouverneur von Alabama, George Wallace, markieren gleichsam die Extreme des politischen Spektrums der Bürgerrechtskonflikte in den USA.

Eine weitere Werkgruppe umfasst 1963 entstandene Fotos aus einer psychiatrischen Klinik in Louisiana. Sie zeigen eine andere, dunkle Seite der Gesellschaft. Es sind teilweise Darstellungen von Menschen, die sich offenbar ihrer Situation und ihres Schicksals bewusst sind, aber auch solche, die sich in einer Art von Trance zu befinden scheinen als wären sie medikamentös ruhig gestellt worden.

Zwischen 1979 und 1984 bereiste Avedon im Auftrag des Amon Carter Museums von Fort Worth 17 westliche Staaten der USA und machte Aufnahmen von Bergarbeitern, Farmern, Fabrikarbeiten, Landstreichern und anderen, meist sozial degradierten Personen. Der Werkkomplex „In the American West“ vergegenwärtigt den Niedergang der Öl- und Kohleförderung und anderer Wirtschaftszweige. Eine Auswahl der 152 x 120 cm großen Arbeiten ergänzt und verändert die Vorstellung von einem Künstler, der weit mehr war als ein der Werbung verpflichteter Modefotograf. Die Bilder dieser Serie markieren einerseits die deprimierenden Schattenseiten des großen amerikanischen Traums, andererseits aber auch Stolz und Würde angesichts aussichtslos erscheinender Lebensumstände.

Ohne die große Unterstützung der Richard Avedon Foundation hätte sich das Projekt nicht realisieren lassen. Überdies war die Gagosian Gallery bei Organisation und Einrichtung der Ausstellung in München behilflich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der die gezeigten Werke abbildet. Der im Hirmer Verlag erscheinende Band enthält verschiedene Essais, u.a. von Bob Rubin, William Shawcross, Paul Roth, die einzelne Aspekte des Œuvres erläutern. Er ist zum Preis von ca. € 59 an der Museumskasse erhältlich.

REMBRANDT IM ALL

REMBRANDT IM ALL
#myRembrandt

Pünktlich zum 408. Geburtstag von Rembrandt Harmensz. van Rijn am 15. Juli (1606) sendete der deutsche Astronaut Alexander Gerst von der internationalen Raumstation ISS ein »Selfie« (http://www.youtube.com/watch?v=iEuZqbhcufo) zur Erde, das ihn zusammen mit der Replik des berühmten »Jugendlichen Selbstbildnisses« (1629) von Rembrandt aus der Sammlung der Alten Pinakothek in München zeigt. Die Astronauten haben das Bild des berühmten Meisters in der ISS aufgehängt und einen Tag lang bei diversen Experimenten mit sich geführt.

Während Rembrandt im Gegensatz zu vielen seiner Malerkollegen seine Heimat zu Lebzeiten nie wirklich verließ, nutzt die die Alte Pinakothek die Teilschließung und schickt das beliebte Gemälde des jugendlichen Rembrandt als Replik auf Reisen. Facebook-Freunde und Twitter-Follower, Freunde der Alten Pinakothek und Rembrandt-Fans sind zum Mitmachen aufgefordert:

»Zeigen Sie Rembrandt Ihre Welt! Nehmen Sie ihn mit auf Ihre Reise! Egal ob Fernreise, Städtetrip oder Hiking-Tour: Schicken Sie uns Ihre Fotos mit Rembrandt. Mitmachen ist ganz einfach: Bewerben, Replik bekommen, Verreisen, Fotografieren, Markieren, Teilen. Die Aktion wird über unser soziales Netzwerk unter dem Hashtag #myRembrandt begleitet. Wir freuen uns auf Ihre Fotos und Erlebnisse mit Rembrandt!«

Die Aktion #myRembrandt läuft seit rund 3 Wochen sehr erfolgreich und international auf allen Social Media Kanälen: bisher wurden 748 Tweets mit #myRembrandt gekennzeichnet, es konnten 27.000 Konten erreicht, über 50.000 #myRembrandt Tweets kamen bei den Twitter-Nutzern an.
Dabei erweist sich die Videobotschaft aus der Umlaufbahn als vorläufiger Höhepunkt der Kampagne. Die Idee zu Rembrandts digitaler Reise ins All stammte von Christian Gries, einem der Mitgründer der Münchner »Kulturkonsorten«, dem die irdischen Reisen Rembrandts noch nicht weit genug gingen. Mit freundlicher Unterstützung zahlreicher Helfer des Deutschen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA gelang Rembrandts Reise ins Weltall, die mit dem »Selfie« des deutschen Astronauten auf der ISS aber noch lange nicht abgeschlossen ist. In den kommenden Tagen wartet ein weiteres digitales Abenteuer auf Rembrandt. Alle Informationen zur Entstehungsgeschichte der Aktion und dem weiteren Verlauf von »Rembrandt digital« erhalten Sie auf der extra eingerichteten Website http://myrembrandt.de. Im umfangreichen Storify zur Aktion #myRembrandt (https://storify.com/Pinakotheken/myrembrandt) kann man zudem die bisherigen und alle weiteren Reisestationen Rembrandts auf einem Blick nachverfolgen. Nach zahlreichen Bewerbungen vieler Rembrandt-Fans steht fest: Rembrandts Reise geht um die Welt und sogar bis ins Weltall. Noch den gesamten Sommer hinweg bis in den Herbst hinein wird Rembrandts Reise über viele Länder und Kontinente hinweg andauern. Geplant sind London, Washington, New York, Dublin, Kroatien, Kreta, Amsterdam, Peking, Shanghai, Dresden, Spanien, Nizza, Schweiz, Chicago, Vancouver, Texas, Marseilles, Tobago, Toskana, Steiermark, Dänemark, Mallorca.

Rembrandts kleinformatiges Selbstbildnis, das er im Alter von 23 Jahren in seiner Geburtsstadt Leiden anfertigte, zählt heute zu den bedeutenden Stücken des weltberühmten Meisters in der Alten Pinakothek. Bereits in diesem frühen »Selfie« des jungen Künstlers, der sich im Laufe seiner Kariere so häufig wie kaum ein anderer Künstler selbst porträtierte, belegt Rembrandt seine besondere Fähigkeit, charakteristische Gesichtszüge und Mimik mit malerischen Mitteln einzufangen. Entgegen der sonst üblichen Konventionen eines Porträts, wählt er einen extrem nahen Betrachterstandpunkt und täuscht mit dem fragendem Blick des jungen Mannes, seinen geöffneten Lippen und hochgezogenen Augenbrauen eine »Momentaufnahme« vor. Der dramatische Einsatz von Licht und Schatten und der lockere Pinselstrich verstärken den Eindruck großer Spontanität. Datierung und Monogramm deuten darauf hin, dass das Münchner Bild im Auftrag eines Kunstliebhabers entstand, der den Wunsch hatte, selbst ein aktuelles »Selfie« des aufstrebenden Meisters zu besitzen.

Alle Informationen zur Aktion »#myRembrandt« finden Sie unter: http://www.pinakothek.de/rembrandtsreise

Den Hashtag #myRembrandt können Sie auch über unsere Tweetwall mitverfolgen: http://www.pinakothek.de/rembrandtsreise-tweetwall

Weitere Informationen über »Rembrandt im All« unter:
http://blog.iliou-melathron.de/index.php/2014/07/der-rembrandt-der-milchstrasse
REMBRANDT IM ALL

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst und das Selbstbildnis Rembrandts
im Columbus-Modul auf der ISS.
© ESA & DLR

Marianne Werefkin: Vom Blauen Reiter zum Großen Bären

Die Ausstellung bietet einen Überblick über die künstlerische Entwicklung einer herausragenden Malerin der klassischen Moderne. In dieser seit 15 Jahren ersten Retrospektive in Deutschland wird Marianne Werefkin (1860–1938), die als »russischer Rembrandt« und Mitbegründerin des Blauen Reiters bekannt wurde, als eine Hauptakteurin der Avantgarde präsentiert.
Obwohl Marianne Werefkin eine erfolgreiche Schülerin von Ilja Repin ist, stellt sie 1896 ihre Malerei für 10 Jahre zurück, um es ihrem Lebensgefährten Alexej Jawlensky zu ermöglichen, sich künstlerisch zu entfalten. Im gleichen Jahr lässt sich das Paar in München nieder, wo Werefkins Salon Persönlichkeiten wie Else Lasker-Schüler, Gabriele Münter, Serge Diaghilev und Wassily Kandinsky anzieht. Hier entsteht 1908 die Idee der Neuen Künstlervereinigung München, aus der 1911 Der Blaue Reiter hervorgeht.
Als Werefkin 1906 wieder zu malen beginnt, reagiert sie unmittelbar auf den modernen Zeitgeist. Unter Einsatz expressiver Farbkontraste, abstrahierter Formen und forcierter Perspektiven bannt sie Café- und Zirkusszenen ebenso auf ihre Bilder wie Fabrikarbeiter, Wäscherinnen oder Fischer. Reisen nach Frankreich und Litauen, Murnau und Prerow regen sie hierzu an. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges findet Werefkin in Ascona am Lago Maggiore ihre neue Heimat und zählt dort 1924 zu den Mitbegründern der Künstlergruppe Der Große Bär.
Die Ausstellung zeigt Werefkin gemeinsam mit Künstlerinnen aus ihrem Umkreis. Sie und ihre »Schwestern im Geiste« fordern den Genieanspruch der Männer heraus und überschreiten geografische, gesellschaftliche und künstlerische Grenzen.
Weitere ausgestellte KünstlerInnen: Erma Bossi, Elisabeth Epstein, Natalia Gontcharova, Else Lasker-Schüler, Elena Luksch-Makowsky und Maria Marc sowie Ernst Frick, Walter Helbig, Albert Stefan Kohler, Gordon Mallet McCouch, Otto Niemeyer-Holstein, Otto van Rees und Richard Seewald.

Museen Böttcherstraße
Paula Modersohn-Becker Museum
Ludwig Roselius Museum

Weltenbruch – Die Künstler der Brücke im Ersten Weltkrieg 1914 – 18

und  Ernst Ludwig Kirchner – Peter Schlemihls wundersame Geschichte, 1915
Der Erste Weltkrieg ging als erste umfassende Katastrophe des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein, die grundlegende globale Veränderungen auf politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene nach sich zog. Kriegs- und Nachkriegsjahre waren durch ein ungeahntes Ausmaß an Schrecken und Leid geprägt. Wie für viele andere stellte diese Zeit auch für die Künstler der „Brücke“ eine unfreiwillige Zäsur in ihrem Schaffen dar. Die Auswirkungen des kriegerischen Geschehens, das nun größtenteils den Alltag bestimmte, zeichnen sich daher teilweise sehr deutlich in den Werken ab. Das persönliche Erleben beim Militär oder in der Heilstätte wurde zum Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit. Kirchner, der während seiner Ausbildung bei der Artillerie einen schweren nervlichen Zusammenbruch erlitt, schilderte seine psychische Krise 1915 in einem Holzschnitt-Zyklus nach Adelbert von Chamissos Erzählung „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814) und zog darin Parallelen zu seiner eigenen Zerrissenheit. Den fünf heute bekannten Variationen der vollständigen Serie, die aus dem In- und Ausland zusammengetragen wurden und in einer speziell konzipierten Hängung einander gegenübergestellt sind, ist ein eigenes Kapitel dieser Weltkriegsausstellung gewidmet. Insgesamt werden ca. 120 Exponate zu sehen sein.

Adolf Frohner

Das Essl Museum widmet Adolf Frohner in seinem Jubiläumsjahr 2014 die erste
Retrospektive seit mehr als 10 Jahren. Die Personale zeigt einen Überblick über sein Schaffen mit zentralen Werken aus allen Perioden. Frohner erregte zunächst im Kontext des Wiener Aktionismus Aufsehen, jedoch wandte er sich bereits in den frühen sechziger Jahren wieder stärker der Malerei, Zeichnung und Plastik zu. Mit seinem kritischen Menschen- und Weltbild avancierte Frohner zu einem der wichtigsten österreichischen Künstler nach 1945.

Die Ausstellung und der dazu erschienene Katalog sind eine Kooperation zwischen dem Forum Frohner und dem Essl Museum. Das Forum Frohner Krems lädt am Samstag, 06.09.2014, um 11.00 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Blutorgel. Adolf Frohners Anfänge im Wiener Aktionismus“

Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee / Wael Shawky – Cabaret Crusades

Ägypten, das Land der Pharaonen, fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Nach
dem Feldzug Napoleons an der Wende zum 19. Jahrhundert wurde das Land am Nil
eines der beliebtesten Ziele für Bildungs- und Kulturreisende. Auch viele Künstler
begeisterten sich für das gleißende Licht und die einzigartige Landschaft. Die
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen widmet sich im Herbst mit gleich zwei
Ausstellungen dem Thema Ägypten.
Zu den frühen Ägyptenreisenden gehörten Max Slevogt (1868-1932) und Paul Klee
(1979-1940). Etwa 130 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die im Zusammenhang
ihrer Reisen entstanden sind, verdeutlichen in der Ausstellung Nach Ägypten! Die
Reisen von Max Slevogt und Paul Klee die Umbrüche am Übergang vom
Impressionismus zur Klassischen Moderne. Museen aus dem In- und Ausland sowie
renommierte private Sammlungen unterstützen großzügig die Ausstellung mit
hochrangigen Leihgaben.
Die Ausstellung stellt zwei Künstler einander gegenüber, die zwar derselben zeitlichen
Epoche, aber ganz unterschiedlichen Bildtraditionen und Gedankenwelten angehören.
Slevogt und Klee haben Ägypten nicht nur auf unterschiedliche Art erlebt, sie haben ihre
Eindrücke auch ganz unterschiedlich künstlerisch verarbeitet.
Die Eindrücke Ägyptens entfachten bei Slevogt eine bis dahin nicht gekannte Virtuosität
im Umgang mit Farbe und Komposition. Im Unterschied zu Slevogt reiste Klee allein und
mit wenig Gepäck nach Ägypten. Nach dem Besuch altägyptischer Monumente und
Grabdenkmäler begeisterte er sich vor allem für die fruchtbare Landschaft am Nil. Klee
reflektierte und transformierte das Gesehene erst nach seiner Rückkehr ins Atelier in
einer Reihe neuer Werke.
Um die Darstellung des Fremden aus der jeweils eigenen Sicht geht es auch bei den
Cabaret Crusades des ägyptische Künstler Wael Shawky (geb. 1971). Seine Video-
Trilogie schildert das Geschehen der Kreuzzüge konsequent aus arabischer Sicht.

Marionetten verkörpern in den Filmen die historischen Gestalten. Die ersten beiden Teile
der Video-Folge, die zu den viel besprochenen Entdeckungen der documenta 13 in
Kassel gehörten, sind ab dem 6. September in der Grabbe Halle von K20 ausgestellt.
Den dritten Teil der Cabaret Crusades realisiert Wael Shawky nun den gesamten Herbst
über in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen unter den Augen der Besucher: The
Secrets of Karbala lautet der Titel der bislang aufwändigsten Filmproduktion Shawkys.
Am 4. Dezember 2014 wird der Film seine Welturaufführung im K20 erleben. Die
Parallelität von Ausstellung und Produktion stellt für das Museum und ebenso für den
Künstler ein Novum dar.
Anlässlich der beiden Ausstellungen im K20 widmet sich auch das Programm von Futur
3 im F3 Schmela Haus ab dem 11. September dem Thema Ägypten. Zum Start des
Goethe-Residenz-Programms werden von September bis November Gäste aus Ägypten
im Schmela Haus wohnen und Futur 3-Abende gestalten.

1914…. Schrecklich kriegerische Zeiten

OP-Besteck, Giftgasflasche und Ernst-Jünger-Uniformrock:
„Schrecklich kriegerische Zeiten“ nehmen Gestalt an
Leihgaben aus drei Privatsammlungen ermöglichen ungewöhnlich authentische Gedenkausstellung zum 1. Weltkrieg

Ab dem 1. August 2014 zeigt das Braunschweigische Landesmuseum mit „1914…. Schrecklich kriegerische Zeiten“ auf 950 m² eine der deutschlandweit großen Sonderausstellungen anlässlich des 100. Jahrestages des Ausbruchs des 1. Weltkrieges. Der Ausstellungsaufbau läuft auf Hochtouren, nach und nach kommen die letzten Leihgaben im Museum an, darunter so ungewöhnliche Objekte wie zeitgenössisches chirurgisches OP-Besteck oder eine intakte Glasflasche für Giftgas. Insgesamt drei Privatsammler konnten dafür gewonnen werden, zahlreiche Objekte aus ihren Sammlungen in der Braunschweiger Ausstellung zum Teil erstmalig einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Zusammenspiel mit einer atmosphärisch dichten Inszenierung ermöglichen die seltenen Exponate in der Ausstellung einen direkten Zugang zur Realität des Ersten Weltkrieges.

„Zwar sind unsere Sammlungen vergleichsweise gut bestückt zum Ersten Weltkrieg, was durchaus erwähnenswert ist, da die deutschen Museen nach dem Krieg nicht systematisch zum Thema gesammelt haben“, erklärt Ole Zimmermann, einer der Ausstellungskuratoren. „Deutschlandweit bemerkenswert wurde unsere Exponat-Situation jedoch erst durch die Ergänzungen aus den drei Privatsammlungen.“

Äußerst unerwartet war für die Ausstellungskuratoren der Fund von einem Uniformrock Ernst Jüngers in einer dieser Privatsammlungen. Der ambivalent beurteilte Autor von Werken wie „In Stahlgewittern“ oder „Heliopolis“, hochdekorierter Kriegsteilnehmer des 1. Weltkrieges, hat höchstpersönlich die Echtheit des Uniformrocks bestätigt. Jünger hatte sich direkt nach Ausbruch des 1. Weltkrieges als Kriegsfreiwilliger beim Hannoverschen Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ gemeldet, machte sich durch spektakuläre Manöver als Leutnant eines Stoßtrupps und vielfache Verwundungen einen Namen und erhielt im September 1918 die höchste preußische Militärauszeichnung „Pour le Mérite“.

Die Sonderausstellung des Braunschweigischen Landesmuseums widmet sich jedoch nicht nur dem Kriegsgeschehen, sondern beleuchtet bis in die bundesrepublikanische Nachkriegszeit hinein, welche Auswirkungen der „Grande Guerre“ oder „Great War“, wie unsere europäischen Nachbarn den Ersten Weltkrieg nennen, auf nachfolgende Generationen hatte.

PLASTIC AGE

Faszination und Schrecken eines Materials in Kunst und Wissenschaft

Ausstellung. Vorträge. Symposien.

Plastik ist überall und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es macht das Leben einfacher und bunter, es ist billig und beliebig formbar. Schon allein deshalb wird immer mehr davon produziert. Lag die weltweite Produktion 1950 noch bei 1,7 Millionen Tonnen, stieg sie kontinuierlich auf 288 Millionen Tonnen im Jahr 2012 an. Oder anders ausgedrückt: In den vergangenen zehn Jahren wurde in etwa soviel Plastik hergestellt, wie im gesamten letzten Jahrhundert.
Doch die Erfolgsgeschichte dieses so unverwüstlichen und wunderbar vielseitigen Materials hat auch ihre Schattenseite. Produktionsbedingungen und chemische Beständigkeit sind eine gewaltige Herausforderung für die Stoffkreisläufe unseres Planeten: Wachsende Müllberge, Plastikinseln in den Ozeanen, Mikroplastik in Gewässern und Lebensmitteln wie Honig oder Milch belasten nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit.
Andererseits ist eine Zukunft ohne Plastik nicht mehr vorstellbar, denn es gibt erstaunliche Fortschritte in der Polymerforschung. Moderne Kunststoffe eröffnen neue Möglichkeiten bei der Erzeugung erneuerbarer Energien, in der Medizin sind Plastikimplantate immer häufiger viel versprechende Alternativen zu Werkstoffen wie Titan und Keramik.
Auch die bildende Kunst erprobt Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen von Plastik. Künstler erkunden auf ihre Weise das ungeheure Innovationspotential des Kunststoffs und nutzen seine verblüffende Vielfältigkeit und leichte Formbarkeit für ihre Arbeit. Dabei sind sie sich der damit verbundenen Problematik für Mensch und Umwelt durchaus bewusst. Oft ist gerade die dem Thema innewohnende Ambivalenz Teil seiner Anziehungskraft.
Mit dem Projekt „Plastic Age“ möchte die ERES-Stiftung Faszination und Schrecken dieses besonderen Materials aus künstlerischer und wissenschaftlicher Sicht beleuchten.

Teilnehmende Künstler: Pawel Althamer, Michael Beutler, Juliette Bonneviot, Olaf Holzapfel, Bert Löschner, Philipp Messner, Claire Morgan, Alexandra Navratil, Dan Peterman, Tobias Rehberger, Tom Verbruggen

KGB KUNSTWOCHE

Kommunale Galerien in Berlin
Aktionswoche zur Berlin Art Week 2014

Die Kommunalen Galerien in Berlin präsentieren zur Berlin Art Week vom 12. bis 21. September 2014 gemeinsam die KGB Kunstwoche mit Ausstellungen, Rundgängen, Vorträgen, Workshops und Konzerten von rund 150 Künstlerinnen und Künstlern in allen Berliner Stadtteilen.

Ob Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei, Installation, Video oderPerformance – Berlin weist eine enorme künstlerische und kulturelle Vielfalt auf. Eine lebendige Kreativität jenseits großer Ausstellungshäuser und unabhängig vom Kunstmarkt, die es in jedem einzelnen Stadtteil täglich neu zu entdecken gibt. Die Essenz und das Fundament dieses künstlerischen Schaffens liegt oft im Lokalen und Dezentralen. Und genau darauf richten die Kommunalen Galerien in Berlin mit der KGB Kunstwoche ihren Fokus. Erstmals schließen sich die 30 Kunsträume zusammen und bieten während der Berlin Art Week eine umfassende Übersicht ihres vielfältigen Programms.

Das künstlerische Spektrum während der KGB Kunstwoche reicht dabei von Digitalism Art sowie Lichtinstallationen im urbanen Raum über Kiezdokumentationen und fotografische Porträts bis hin zu Architekturstudien, individuellen Klang- und Raumrecherchen sowie einer Messe für Gegenwartskunst. Die einzelnen Ausstellungen und Projekte werden durch zahlreiche Begleitveranstaltungen wie Tanzperformances, Führungen und Konzerte sowie Kinderworkshops ergänzt.

Sprungbrett in die Kunstwelt

Essentieller Motor sowie aktiver Förderer kreativer Prozesse und Experimente – die Kommunalen Galerien in Berlin ermöglichen sowohl strukturell als auch inhaltlich künstlerische Produktion und Partizipation sowie kulturellen Austausch und Diskurs. Sie sind oft die ersten Orte für öffentliche Präsentationen in Berlin lebender und arbeitender Kreativer und Sprungbrett in die internationale Kunstszene. Die 30 Kommunalen Galerien in Berlin bespielen insgesamt 3500 qm Ausstellungsfläche und zeigen jährlich bis zu 200 Ausstellungen, an denen ca. 1000 Künstlerinnen und Künstler beteiligt sind.

Erste KGB Kunstnacht

Die öffentliche Abschlussveranstaltung der KGB Kunstwoche findet im Studio 1 des Kunstquartiers Bethanien statt. Diese erste KGB Kunstnacht startet mit einer Ausstellung von Matthias Beckmann, der alle 30 Berliner kommunalen Galerien besucht und gezeichnet hat. Zur anschließenden Party spielen herausragende Musikerinnen und Musiker wie Herr Blum, Miss Le Bomb, Neoangin und UNMAP. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur sowie alle Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturinteressierte der Stadt sind zum Mitfeiern eingeladen.

Das detaillierte Programm der KGB Kunstwoche sowie der einzelnen Kommunalen Galerien finden Sie ab Ende August unter www.kgberlin.net.
KGB Kunstnacht
Samstag, 20. September 2014
19:00 Uhr Eröffnung: KGB – Matthias Beckmann undercover
20:00 Uhr Party, Live on Stage: Herr Blum, Miss Le Bomb, Neoangin, UNMAP u.a.
Studio 1, Kunstquartier Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Gustave Courbet

Die Fondation Beyeler widmet ihre Ausstellungen immer wieder Künstlern, deren Werk einen massgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Malerei ausübte. Gustave Courbet, geboren 1819 in Ornans im französischen Jura nahe Besançon und 1877 im Schweizer Tour-de-Peilz verstorben, ist eine dieser Schlüsselfiguren der Kunstgeschichte.

Zuletzt vor sechzehn Jahren wurde sein Werk in der Schweiz präsentiert. Die Ausstellung in der Fondation Beyeler wird etwa 50 bis 60 Werke umfassen und  sich auf Courbets Rolle als ersten Avantgardist konzentrieren. Mit provokativen Bildern und der Betonung seiner Individualität als Künstler avancierte er zu einem Wegbereiter der Moderne, der mit den Konventionen der traditionellen akademischen Ausbildung brach.

Mit den Selbstbildnissen, den Darstellungen von Frauen, Bildern von Grotten und Meereslandschaften, hebt die Ausstellung Courbets neuartigen Umgang mit der Farbe und seine Strategie der Mehrdeutigkeit hervor. Der Bruch mit der akademischen Tradition und die Entwicklung des kunsthistorischen Realismus, Courbets revolutionäre Impasto-Maltechnik, in der sich seine Individualität als Künstler ausdrückte, und sein spielerischer Umgang mit überlieferten Motiven und Symbolen werden ebenfalls darin thematisiert.

Courbets berühmtes Gemälde, L’origine du monde, steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Zum ersten Mal wird das berühmte Werk in Europa ausserhalb Frankreich präsentiert. Das Gemälde aus dem Jahr 1866 ist das unbekannte Meisterwerk des 19. Jahrhundert, das Bild, das damals nur wenige gesehen hatten, worüber aber alle sprachen, dessen provokative Kraft noch heute ungebrochen ist.

Seine Landschaften, die für seinen Herkunftsort, den Jura rund um Ornans, charakteristisch sind, mit ihren Quellen, Höhlen, steilen Kalkfelsen und dichten Wäldern, kombiniert er gerne mit weiblichen Aktdarstellungen. Mensch, Sexualität und ursprünglicher Natur sind in einem faszinierenden Gleichgewicht vereint. In anderen Bildern steht die undurchdringliche Dunkelheit der Jurahöhlen im Zentrum. In ihnen erweist sich Courbet als Meister der Andeutung und veritabler Maler des Unsichtbaren. Courbet ist ein Künstler, der neue Bildideen etabliert hat.

Im Raum, der den Titel „Spuren im Schnee“ trägt und Courbets Schneelandschaften präsentiert, führen die Werke dem Betrachter vor, wie Courbets Malerei die Farbe selbst zum Gegenstand macht:

Pastos und expressiv, jedoch von dynamischer Leichtigkeit, die Farbe Weiss wird hier zum Schnee. Sie scheint eine ganz eigene Realität zu schaffen.

Die Ausstellung entsteht als Kooperation mit dem Musée d’Art et d’Histoire in Genf, welches das Schaffen aus der Periode von Courbets Schweizer Exil präsentiert. Gemeinsam werden die Ausstellungen in Riehen/Basel und in Genf die „Saison Courbet“ einläuten, die im Herbst 2014 beginnen wird.

Gustave Courbet

Gustave Courbet, Le bord de mer à Palavas, 1854, Öl auf Leinwand, 38 x 46,2 cm, Musée Fabre, Montpellier Agglomération, © Musée Fabre – Montpellier Agglomération / Frédéric Jaulmes

Das engagierte Bild. Die Sammlung Fotografie im Kontext

In den 1950er und 1960er Jahren erlebt die Reportagefotografie durch die Aufträge vieler neu gegründeter Zeitschriften wie Kristall, Revue, Quick oder Stern eine Blütezeit. Inspiriert von der Idee, dass Fotografie eine universell verständliche Weltsprache sei, sehen viele Bildjournalisten ihre Arbeit als Ausdruck von sozialem Engagement und politischer Verantwortung. Sie verstehen ihre Fotografien als authentische Dokumente, die den Betrachter mit Missständen, Leid und Gewalt konfrontieren und über ihren Informationswert hinaus an Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein appellieren. Die Ausstellung „Das engagierte Bild“ richtet den Blick auf den Bildjournalismus der Nachkriegszeit. Sie stellt darüber hinaus einen Schwerpunkt der Sammlung Fotografie und neue Medien des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) vor, der mit ersten Ankäufen schon in den 1960er Jahren begründet wurde. Gezeigt werden über 40 Arbeiten von Jürgen Heinemann, Ryuichi Hirokawa, Thomas Hoepker, Kaku Kurita, Robert Lebeck, Peter Magubane, Marc Riboud, Sebastião Salgado und Max Scheler, die die Entwicklungen und ästhetische Strategien des Genres seit den 1960er Jahren aufzeigen. Die Ausstellungsreihe „Die Sammlung Fotografie im Kontext“ begleitet die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung und stellt unterschiedliche Gebrauchsweisen der Fotografie vor.

Als es nach der Erfindung des Rasterdrucks Ende des 19. Jahrhunderts möglich wird, Fotografien zu drucken, entwickelt sich der Bildbericht neben dem geschriebenen Wort zu einer eigenen erzählerischen Form. Er erlaubt es den Lesern, selbst zu „Augenzeugen“ der Ereignisse zu werden, von denen sie sich vorher kein Bild machen konnten. In der Nachkriegszeit sind es auch die Macher des Stern, die diese Entwicklung vorantreiben, indem sie ihren achtzehn hauseigenen Fotografen bis zu zehn Doppelseiten einräumen, die den Texten im Heft vorangestellt sind. Robert Lebecks Bilder vom Leben auf den Straßen und Wasserwegen Hongkongs von 1961 veranschaulichen beispielhaft, wie die Fotografie sich endgültig aus ihrer illustrierenden Funktion löst und zum eigenständigen Medium der Berichterstattung wird. Es sind jetzt die Bilder selbst, die die Geschichte erzählen.

Wie Robert Lebecks Serie aus Hongkong funktionieren viele Reportagen zunächst noch als „Schaufenster“ zu einer fremden Welt. Aber im Laufe der 1960er Jahre verschiebt sich der Akzent hin zu einer tagesaktuellen Berichterstattung. Uneinigkeit besteht dabei in der Wahl der Mittel. Während die Verfechter der „totalen Fotografie“ die Kamera mitten im Geschehen wissen wollen, bestehen zugleich Zweifel an der Wirksamkeit solcher „Schockfotos“, die dem Betrachter durch ihre Überdeutlichkeit keinen Raum für eigene Deutungen lassen. Ryuichi Hirokawas Bilder etwa zeigen die Opfer eines Massakers im Libanon 1982 in schonungsloser Direktheit. Marc Riboud verzichtet dagegen in seinen Fotografien aus dem Bangladesch-Krieg von 1971 auf die unmittelbare Zurschaustellung von Gewalt.
Die Rolle der Zeitschriften wird von verschiedenen Fotografen von Beginn an kritisch gesehen. Schon 1947 wird in Paris die Foto-Agentur Magnum gegründet, die es ihnen ermöglichen soll, unabhängig von Magazin-Aufträgen zu arbeiten. Viele Bildjournalisten veröffentlichen ihre Arbeit darüber hinaus in Büchern, bei deren Gestaltung sie freie Hand haben. Neben Jürgen Heinemanns Bildern aus Südamerika entstehen etwa Sebastião Salgados Fotografien aus der Sahelzone im eigenen Auftrag. 1986 gibt er diese Serie in Zusammenarbeit mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen als Buch heraus.

Wegen ihrer ästhetisierenden Aufnahmen von Elend und Gewalt wird die Arbeit der Bildjournalisten immer wieder kritisiert. Ihnen wird vorgeworfen, das Leid der Gezeigten für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. An dieser Stelle setzt auch die zeitgenössisches Kritik der sozialdokumentarischen Fotografie an: Die klischeehaften Bilder von Opfern humanitärer Katastrophen seien ungeeignet, etwas zu verändern, da sie die jeweiligen Ursachen außer Acht lassen. Als Reaktion hierauf haben etwa die Akteure des arabischen Frühlings 2011 in Kairo die Dokumentation ihres Kampfes gegen die Mubarak-Herrschaft selbst übernommen. Bilder des ägyptischen Fotografen Aly Hazza’a von einer Demonstration von Frauen gegen Polizeigewalt zählen zu den jüngsten Ankäufen des MKG. Ein frühes Beispiel für fotografisches Engagement im eigenen Land findet sich auch in den Arbeiten des Fotografen Peter Magubane, der als schwarzer Südafrikaner selbst von den Auswirkungen des Apartheid-Regimes betroffen war. Magubane zeigt in seinen Bildern die Gegenwehr gegen das bestehende System und betreibt so „Politik mit der Kamera“.

 

 

KRIEG! JUDEN ZWISCHEN DEN FRONTEN 1914―1918

Im diesjährigen Gedenkjahr widmet sich die Ausstellung KRIEG! JUDEN ZWISCHEN DEN FRONTEN 1914–1918 dem Ersten Weltkrieg aus einer jüdischen Perspektive heraus. Durch Feldpostbriefe, Tagebücher, Fotografien und andere persönliche Objekte wird das historische Ereignis in individuell erlebte und beschriebene Momente zerlegt und damit greifbarer gemacht. Der Patriotismus vieler jüdischer Deutscher und deren Mitwirken am Krieg spielt dabei ebenso eine Rolle wie der zutiefst verstörende Alltag im Schützengraben und die religiöse Erfahrungsdimension jüdischer Soldaten. Auch der zunehmende Antisemitismus in Militär und Gesellschaft während der Kriegsjahre und die politische Dimension des Gedenkens nach 1918 werden in der Ausstellung durch vielfältige Dokumente und Exponate thematisiert.

Ausstellung im Studienraum kuratiert von Dr. Andreas Heusler, Stadtarchiv München
POLITIK FÜR MÜNCHEN. DER UNTERNEHMER MORITZ GUGGENHEIMER (1825-1902)
noch bis 05.10.2014

München 1870. Als erster jüdischer Bürger der Stadt wird der angesehene Unternehmer Moritz Guggenheimer mit großer Mehrheit zum Vorsitzenden des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten – dem wichtigsten politischen Gremium der Münchner Bürgerschaft – gewählt. Für die Emanzipation der bayerischen Juden ist dies ein entscheidendes Signal. Auch viele Zeitgenossen beurteilen die Wahl als bedeutsam.
Über ein Jahrzehnt wird Guggenheimer die Geschicke Münchens mitbestimmen und wichtige kommunale Infrastrukturprojekte realisieren beziehungsweise auf den Weg bringen – etwa die Errichtung des Schlacht- und Viehhofes, des Wasserwerks und den Ausbau der Kanalisation. Polemische antisemitische Angriffe veranlassen Guggenheimer 1881 zum Rückzug aus der Politik.
Ein bisher unbekanntes Lenbach-Porträt, das das Jüdischen Museum München als Schenkung aus Familienbesitz erhielt, steht im Mittelpunkt der Präsentation, die an den Politiker Guggenheimer und seinen Beitrag zu München auf dem Weg zur modernen Großstadt erinnert.

Keine Grundlage für eine Restitution des Gemäldes „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt an die Erben des Bankiers Carl Hagen

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen können dem Begehren der Erben nach dem Bankier Carl Hagen (1856-1938) auf Restitution des Gemäldes „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt nicht entsprechen, da es sich bei diesem Gemälde nach der vorhandenen Faktenlage nicht um einen verfolgungsbedingten Entzug während des nationalsozialistischen Regimes handelt. Zu demselben Ergebnis ist in einem parallel gelagerten Fall um das Gemälde „Flusslandschaft“ von Jan van Goyen auch das Mount Holyoke Museum, Massachusetts (USA) gelangt, das die Begehren der Erben nach Carl Hagen auf Herausgabe auch dieses Gemäldes ebenfalls abgewiesen hat.

Begründung der Entscheidung
Nach umfangreichen Recherchen steht für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zweifelsfrei fest, dass das Gemälde „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt bis zu seiner Veräußerung im Jahr 1938 im wirtschaftlichen Eigentum von Regierungsrat Carl Thürling, Amsterdam und Berlin stand. Dem Bankhaus Hagen & Co., an dem Carl Hagen maßgeblich beteiligt war, war lediglich ein Sicherungsrecht an dem Gemälde eingeräumt worden. Regierungsrat Carl Thürling hatte das Sicherungsrecht an diesem sowie an 20 weiteren Gemälden eingeräumt, um einen Kredit in sechsstelliger Höhe zu besichern, den er in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgenommen hatte. Zu diesen weiteren Gemälden aus der Sammlung Carl Thürlings gehörte auch das Gemälde „Flusslandschaft“ von Jan van Goyen (Mount Holyoke Museum, Massachusetts, USA). Das Gemälde „Das Zitronenscheibchen“ wurde 1938 auf Geheiß des Bankhauses Hagen & Co. im Rahmen der Verwertung des Sicherungsrechts an Johannes Hinrichsen und Hans Bammann zu einem – wie von Sachverständigen bestätigt – marktgerechten Preis (RM 35.000) verkauft und gelangte kurz darauf in die Sammlung von Fritz Thyssen (1873-1951), aus der es die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Jahr 1992 erworben hatten.
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nehmen jeden Antrag auf Rückgabe von Kunstwerken, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen und in der Folgezeit nicht zurückgegeben worden sind, sehr ernst. Sie gehen jedweden Hinweisen nach, um gerechte und faire Lösungen für die ehemals Verfolgten und deren Nachkommen zu finden. Eine Rückgabe kann dann erfolgen, wenn es sich um einen verfolgungsbedingten Entzug des Eigentums an Gemälden gehandelt hat. Dies war in Fall des Gemäldes „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt allerdings nicht der Fall. Wirtschaftlicher Eigentümer des Gemäldes war bis 1938 Carl Thürling. Dieser hat das Eigentum an dem Gemälde jedoch nicht verfolgungsbedingt verloren, sondern deshalb, weil er seinen aufgenommen Kredit nicht rechtzeitig bedienen konnte. Zudem gehörte Carl Thürling auch nicht zu dem Kreis der durch den Nationalsozialismus Verfolgten. Vielmehr war er sogar selbst ein Mitglied der NSDAP.
Dem Bankhaus Hagen & Co. stand indes nur ein Sicherungsrecht an den Gemälden zu, welches durch dessen Verwertung  im Zuge der Liquidation des Bankhauses Hagen & Co. im Jahr 1938 erlosch. Die Verwertung eines Sicherungsrechts begründet keinen Anspruch auf Herausgabe der 21 Gemälde nach den Grundsätzen der Washingtoner Erklärung, der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts insbesondere aus jüdischem Besitz vom 9. Dezember 1999 sowie den einschlägigen Restitutionsgesetzen.

Zum Hintergrund
Die Erben nach dem 1938 verstorbenen Bankier Carl Hagen waren 2012 an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit der Bitte herangetreten, das Gemälde „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt, an sie zu restituieren. Die Recherchen gestalteten sich im vorliegenden Fall außerordentlich aufwändig. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben maßgebliche Dokumente erst im Mai und Juni dieses Jahres erhalten. Aus datenschutzrechtlichen Gründen waren die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auf die Mitwirkung der Erben der Familie Hagen und die Erben der ehemaligen Gesellschafter des Bankhaus Hagen & Co. angewiesen, um Zugang zu den Dokumenten zu erhalten.
Zudem waren zum Gemälde „Das Zitronenscheibchen“ von Jacob Ochtervelt bis 2009 keinerlei Anknüpfungspunkte bekannt, die auf einen verfolgungsbedingten Entzug hätten schließen lassen. Die Provenienz des Gemäldes für das 20. Jahrhundert war bis zu dem Hinweis der Erben nach Carl Hagen allgemein anerkannt und wies insbesondere für die relevante Zeit des Nationalsozialismus keine Eigentümer jüdischer Herkunft aus.
Aufgrund der Recherche stellte sich heraus, dass der Eigentümer der Gemälde, Carl Thürling, ein Sicherungsrecht zur Absicherung eines Kredits bestellt hatte. Ein Sicherungsrecht soll Rechte eines Gläubigers (z.B. auf Rückzahlung eines Darlehens) absichern und ihm in dem Fall, dass der Schuldner seinen Pflichten nicht nachkommt, ein Recht zur Befriedigung aus den Sicherungsgegenständen (im Wege einer Versteigerung / eines Verkaufs) ermöglichen. Ein Recht das Sicherungsgut dauerhaft und endgültig zu behalten  gewährt ein Sicherungsrecht jedoch grundsätzlich nicht.
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben den Fall zunächst intern geprüft. Aufgrund des für Restitutionsverfahren ungewöhnlichen Sachverhalts, der auch bankrechtliche Fragestellungen enthält, haben die Bayerische Staatsgemäldesammlungen zur Verifizierung der Ergebnisse der eigenen Recherche zusätzlich noch externe Juristen mit der Erstellung eines Gutachtens mit wirtschaftshistorischem Schwerpunkt zu den geltend gemachten Herausgabeansprüchen der Erben nach Carl Hagen beauftragt. Dieses Gutachten hat die Ergebnisse der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie des Mount Holyoke Museums bestätigt.

Keine Grundlage für eine Restitution des Gemäldes Jacob Ochtervelt | Das Zitronenscheibchen, o. D., um 1667
© Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek

Im Land der Palme. August von Sachsen (1614–1680).

Erzbischof von Magdeburg und Fürst in Halle

Eine Ausstellung im Themenjahr der Reformationsdekade – „Reformation und Politik“

August von Sachsen verbindet in seiner Biographie Krieg und Frieden, Glaubensstreit und Machtstreben, Reformation und frühbarocke Repräsentation. Zu seinem 400. Geburtstag wird erstmals in Halle eine große Ausstellung zum Leben und Wirken dieses evangelischen Erzbischofs und zu der sich unter seiner Regentschaft etablierenden Hofkultur zu sehen sein.

Ausstellungsorte:
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und Dom zu Halle

Anmerkung der Redaktion: Das Kunstmuseum ist in Halle schwer zu finden, da es so gut wie garnicht ausgeschildert!!!!

 

Susan Hefuna, Bernd Schwarzer und Kirchner, Schmidt-Rottluff und Pechstein lassen Grüßen

Susan Hefuna
Die 1962 geborene deutsch-ägyptische Künstlerin Susan Hefuna zeigt 110 Arbeiten auf Papier aus den letzten 20 Jahren sowie eine Wandskulptur aus Bronze.
In ihren sehr vielschichtigen Arbeiten, die man als Bildgedichte nicht treffender bezeichnen kann und deren Prinzip Einfachheit heißt, drückt sich sowohl das deutsche wie auch das ägyptische Erbe der in beiden Ländern lebenden und arbeitenden Künstlerin aus. In ihren Arbeiten benutzt Susan Hefuna kulturübergreifende Codes und bietet so ein breites Spektrum an Reflexionen an, die wiederum intellektuelle und emotionale Brückenschläge ermöglichen. Ein immer wiederkehrendes Motiv in Susan Hefunas Arbeiten ist ein Fenstergitter – ägyptisch: Mashrabiya – welches in der traditionellen Architektur eine wichtige Rolle spielt. In vielerlei Variationen – und doch immer wieder anders – wiederholt sich in diesen Arbeiten dieses besondere Motiv.
Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Bernd Schwarzer
Der Düsseldorfer Bernd Schwarzer ist ein begnadeter Maler, Zeichner und Plastiker. Das Osthaus Museum Hagen präsentiert zum 60. Geburtstag aus vier Jahrzehnten ca. 50 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen.
Drei Themengruppen bestimmen das Werk des Künstlers:
Erster Weltkrieg
Religiöse Bilder
Deutschland- und Europabilder
Schwarzers Malerei repräsentiert keine Flächenkunst, die auf einen reinen ästhetischen Schein ausgerichtet ist. Schwarzers spezifischer Umgang mit Farbe entspricht seinem Ideal als gesellschaftlich wirkender Künstler.
Die Ausstellung ist ausschließlich im Osthaus Museum Hagen zu sehen. Es erscheint ein Katalog.

Kirchner, Schmidt-Rottluff und Pechstein lassen Grüßen
Künstlerpostkarten der Expressionisten

Aus der Sammlung des Brücke-Museums in Berlin präsentiert das Osthaus Museum Hagen 50 Künstlerpostkarten der 1905 in Dresden gegründeten expressionistischen Künstlergruppe „Brücke“.
Die Postkarten der „Brücke“-Maler sind nicht nur kulturgeschichtliche Dokumente, sondern auch Kunstwerke im Miniformat – sie sind sozusagen künstlerische wie dokumentarische Zeugnisse besonderer Art. Die Künstlerpostkarten präsentieren ein Panorama der „Brücke“-Kunst sowie ihrer Themen und Motive, ihrer Entwicklungen und ihrer stilistischen Errungenschaften. Die Geschichte der expressionistischen Künstlergruppe lässt sich anhand dieser Arbeiten in all ihren Aspekten nachvollziehen.