CARL SPITZWEG Die weltweit größte Sammlung

Die Sammlung des Schweinfurter Industriellen Dr.-Ing. E.h. Georg Schäfer, die seit dem Jahr 2000 der Öffentlichkeit in zahlreichen Sonderausstellungen und mit der Ständigen Sammlung dargebracht wird, besitzt über 250 Werke des Münchner Künstlers Carl Spitzweg (1808-1885) und damit den weltweit größten Werkbestand dieses Künstlers.

Die Ausstellung zeigt hieraus eine hochkarätige Auswahl. Georg Schäfer sammelte sowohl das Typische als auch das Besondere. Demgemäß stehen in dieser Präsentation neben den Pointenbildern die Landschaften aus allen Schaffenszeiten, neben populären Bildinhalten seltene, kaum bekannte, neben den sorgfältig durchgemalten Bildern die freien Studien, feinen
Zeichnungen und Skizzen.

Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der Expansion der Presse und der Karikatur, welches Größen wie Thomas Rowlandson und Georg Cruikshank in England, Honoré Daumier, Paul Gavarni und Jean Ignace Isidore Grandville in Frankreich hervorbrachte.

In dieser Situation bekannte sich Carl Spitzweg offensiv zur „klugen“ Malerei – politisch ganz ohne umstürzlerische Absicht, im Gegensatz zu manchen seiner ausländischen Zeitgenossen, aber mit versteckter Gesellschaftssatire, die in dieser Ausstellung zu entdecken ist.

Wer Spitzwegs Bildwelt als harmlos und brav-deutsch klassifiziert, kann sich überraschen lassen: Es war einmal (Der strickende Wachtposten), Serenissimus (Er kommt).

Über Spitzwegs Lebenszeit hinaus hält sich wacker die künstlerische Zuordnung seiner Werke zum Deutschen und nicht zum Internationalen, was gerade angesichts seiner Landschaften und der Persiflage der Kunstgeschichte unangemessen ist (z. B. Der Adlerjäger, Die badenden Nymphen). Das Etikett „Hitlers Lieblingsmaler“ beeinträchtigt Spitzwegs Renommee bis heute. Am besten nähert man sich dem Werk Carl Spitzwegs unvoreingenommen.

Erstarrte Wirklichkeiten – Catalina Pabón

Erstarrte Wirklichkeiten
Arbeiten von Catalina Pabón zeigt das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) unter dem Titel „Erstarrte Wirklichkeiten. Worlds apart” Arbeiten auf Leinwand und Papier von Catalina Pabón. Sie sind in den vergangenen sechs Jahren entstanden. In den Werken der 1979 in Bogotá geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlerin geht es vor allem um Landschaften: Mächtige, weite, finstere, karge und üppige Landschaften beziehungsweise Landschaftsausschnitte. Die Betrachter nehmen sie selbst dort wahr, wo sie de facto nicht sind – oder jedenfalls nicht so, wie sie sie traditionell zu sehen gewohnt sind. Beispielsweise rücken Bilder der zwischen 2010 und 2011 entstandenen Serie „ghostskin” locker aufgeworfene Bettwäsche ins Zentrum der Wahrnehmung. Die Faltenwürfe erinnern zum Beispiel an Strukturen einer relativ flachen Landschaft mit leichtem Relief.
Neben verlassenen Interieurs sind es menschenleere Außenräume, die etwa in den Werkgruppen „merging levels”, „all in all”, „neue Ordnung”, „grado intermedio”, „alles detoniert nach innen” oder „desert shadow” thematisiert werden. In der Begegnung mit diesen verfremdeten Welten finden staunenswerte Transformationen statt. Auge und Bewusstsein werden fortwährend herausgefordert, die eigene Wahrnehmung kritisch zu befragen: Ist das Gesehene, das Gedachte, auch das Dargestellte?
Die Künstlerin arbeitet in Grenzbereichen, und zwar sowohl im Medium zwischen Malerei und Zeichnung als auch in der Motivwahl, die zwischen realer und fiktiver Welt changiert. Mit weichen feinen Strichen führt sie Pastellkreiden über Leinwände oder dunkle Papiere und schraffiert energisch mit Filzschreibern auf dem Malgrund, auf dem erstaunlich harte und kalte „Szenen” entstehen. Öl und Aquarell gehören ebenfalls zu den verwendeten Malmitteln.
Catalina Pabón spielt mit romantisierenden Vorstellungen und gestattet dennoch keine Illusionen. Meist zeigt sie eine unwirtliche und unwirkliche Welt, in der Leben kaum vorstellbar ist. Doch gerade in ihr entstehen Denkräume: zeit- und ortlos und hinreichend irritierend, um ihnen mit wacher Aufmerksamkeit zu begegnen. Als Vertreterin einer jungen zeitgenössischen Position vermag Catalina Pabón der Gattung Malerei eine neue, ausgesprochen interessante Facette hinzuzufügen. Die Ausstellung im mpk gibt Gelegenheit, der vielschichtigen Auseinandersetzung der Künstlerin mit Wirklichkeiten – uneindeutig und rätselhaft – auf die Spur zu kommen. Ein zweisprachiger Katalog ist zum Preis von 14 Euro an der Museumskasse erhältlich

Vom Impressionismus bis heute

Das Von der Heydt-Museum besitzt eine reiche Sammlung. Mit der jetzigen Neupräsentation im Ersten Obergeschoss zeigt es einen neuen Ausschnitt und rückt Werke des Impressionismus bis heute sowie Neuerwerbungen und Dauerleihgaben in den Fokus der Aufmerksamkeit. Aus der großen Sammlung haben wir Meisterwerke ausgewählt, die in ihrer aktuellen Hängung neue Zusammenhänge und Parallelen aufzeigen. Auch bekannte Gemälde erscheinen so in neuem Licht.

Die Präsentation ist chronologisch aufgebaut. Sie beginnt bereits vor dem Impressionismus mit einigen Werken von Theodore Rousseau und Gustave Courbet und der Schule von Barbizon. Die Impressionisten kommen in natürlichem Licht zu ihrem großen Auftritt. Die Werke von Cezanne, Monet, Renoir, aber auch van Gogh und Degas gehören zu den großen Schätzen des Von der Heydt-Museums. Die Reise durch die Kunstgeschichte geht weiter mit  Werken von Pablo Picasso, Ferdinand Holder, James Ensor und Odilon Redon, die die Vielfältigkeit der Kunst um die Wende zum 20. Jahrhundert belegen. Für seine Meisterwerke des Expressionismus ist das Von der Heydt-Museum berühmt. Die farbintensiven Werke von Otto Mueller, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel vermitteln die Aufbruchstimmung des beginnenden Jahrhunderts, bevor der Erste Weltkrieg die Zeit aus den Fugen geraten ließ. Erstmals in einer Reihe sind vier zarte Mädchenporträts von Paula Modersohn-Becker zu sehen und dazu ein Porträt der Künstlerin, das ihr Freund Bernhard Hoetger 1927, also 20 Jahre nach ihrem Tod, in Bronze schuf und das das Von der Heydt-Museum gerade gekauft hat.

Über die Kunst ab den 1920er Jahren, die neue Ansätze in einem skeptischen Realismus und in konstruktiven, abstrakten Formen suchte, geht zur Kunst der Nachkriegszeit. Willi Baumeister gilt als wichtigster abstrakter Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit Ernst Wilhelm Nay, Karl Otto Götz und Fritz Winter steht er für den Pluralismus der Stile innerhalb der informellen Kunst dieser Zeit.

Diese Diversität setzt sich in den Werken der 60er Jahre fort. Aus dieser Zeit sind die Künstler der Zero-Gruppe und der Gruppen „Nul“ und „Azimuth“ vertreten, wie Günther Uecker, Otto Piene, Jan Schoonhoven und Lucio Fontana. Reizvolle Kontraste ergeben sich aus dem Nebeneinander von Gemälde und Skulptur, so etwa bei Schoonhovens „R73-25“ und Alberto  Giacomettis „Frau für Venedig V – Femme des Venise V“. Direkt gegenüber belegt Giacomettis „Figur III (Caroline)“ das feine malerische Werk des Italieners. Laura Grisis Aluminium-Installation „Angolare“ (1967) war bisher nur einmal im Von der Heydt-Museum zu sehen. Vor kurzem konnte es erworben werden. Bei Christos Werk „Look“ (1965) sowie bei John Chamberlains Stahlplastik aus den 1960er Jahren handelt es sich um neue Schenkungen an den Kunst- und Museumsverein (KMV).

Als Dauerleihgabe kann das Von der Heydt-Museum erstmals Anne und Patrick Poiriers Fotografien von römischen Grabtafeln zeigen. Die aktuelle Kunst vertreten Maike Freess, Sven Drühl, Tatjana Valsang, Cornelius Völker. Bei Neo Rauchs „Roter Junge“ handelt es sich um einen spektakulären Ankauf des vergangenen Jahres.

Eine ganze Wand im letzten Raum des Rundgangs ist den Arbeiten von Bazon Brock aus den Jahren 1963 bis 1977 gewidmet, die den Titel „Werk ist abgelegtes Werkzeug“ tragen. 18 Schwarz-Weiß-Fotos (Siebdruck auf Leinwand), eine aktuelle Schenkung an den KMV, dokumentieren Aktionen, die der emeritierte Wuppertaler Ästhetik-Professor und Vertreter der Fluxus-Bewegung durchgeführt hat oder an denen er beteiligt war, wie zum Beispiel die Gründung der Deutschen Studenten Partei mit Johannes Stüttgen, Joseph Beuys und Henning Christiansen in der Kunstakademie Düsseldorf 1967.

Walker Evans. Ein Lebenswerk

Walker Evans (1903-1975) gehört zu den großen Persönlichkeiten der Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit seinen nüchtern registrierenden Aufnahmen hat er ein einzigartig authentisches Bild Amerikas gezeichnet und wie kein anderer vor ihm mit besonderem Empfinden für das Alltägliche und Subtile. Evans vereinte den ungeschönten Blick des Fotojournalisten mit einem subjektiven, künstlerischen Bewusstsein. Er erlangte erstmals öffentliche Aufmerksamkeit mit seiner Dokumentation der Armut in Amerika in den Zeiten der Großen Depression in den 1930er Jahren.

Die Ausstellung zeigt mit weit über 200 Originalabzügen aus den Jahren 1928 bis 1974 sowohl einige seiner Ikonen sowie bisher selten veröffentlichte Fotografien aus seiner 50jährigen kreativen Zeit.

Walker Evans. Ein Lebenswerk

Pabst Blue Ribbon Sign
Chicago, Illinois, 1946
Collection of Clark and Joan Worswick Walker
© Evans Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art

KRIEG! JUDEN ZWISCHEN DEN FRONTEN 1914―1918

Im diesjährigen Gedenkjahr widmet sich die Ausstellung KRIEG! JUDEN ZWISCHEN DEN FRONTEN 1914–1918 dem Ersten Weltkrieg aus einer jüdischen Perspektive heraus. Durch Feldpostbriefe, Tagebücher, Fotografien und andere persönliche Objekte wird das historische Ereignis in individuell erlebte und beschriebene Momente zerlegt und damit greifbarer gemacht. Der Patriotismus vieler jüdischer Deutscher und deren Mitwirken am Krieg spielt dabei ebenso eine Rolle wie der zutiefst verstörende Alltag im Schützengraben und die religiöse Erfahrungsdimension jüdischer Soldaten. Auch der zunehmende Antisemitismus in Militär und Gesellschaft während der Kriegsjahre und die politische Dimension des Gedenkens nach 1918 werden in der Ausstellung durch vielfältige Dokumente und Exponate thematisiert.