THE LITTLE BROWN MUSHROOM PING-PONG READING ROOM

Alec Soth & Friends. THE LITTLE BROWN MUSHROOM PING-PONG READING ROOM
Alec Soth, Jason Polan, Anouk Kruithof und David Goldes

Der Amerikaner Alec Soth (geb. 1969) zählt zu den einflussreichsten Fotografen seiner Generation. Seine umfangreichen, zumeist mittels Großformatkamera entstehenden Bildserien über den amerikanischen Mittleren Westen haben die Selbstwahrnehmung der USA in den vergangenen Jahren wesentlich mitgeprägt.

Aufgewachsen in Minnesota absolvierte Alec Soth das renommierte Sarah Lawrence College, Yonkers, New York. Soth gelangt über eine Auseinandersetzung mit der Land Art und der Malerei zur Fotografie. Der dokumentarische Duktus des detailreichen Großformats überlagert sich in seinem Werk häufig mit einer piktoralistisch-romantisierenden Sättigung der Farbigkeit: Der Grundmythos der amerikanischen Landnahme, das Heilsversprechen von Natur und Landschaft, liegt hier stets im Hintergrund.

Die Vorbildwirkung von Soth beruht allerdings nicht allein auf dieser Art fotografischer Recherche- und Forschungsarbeit und seiner Mitgliedschaft in der renommierten Bildagentur Magnum. Der von ihm betriebene Blog Litte Brown Mushroom und die gleichnamige Publikations- und Vertriebssplattform gelten als exemplarisch für ein erweitertes Verständnis des Mediums als Möglichkeit kommunikativen Handelns im Zeitalter des Internet. Sie dienen ihm zudem als eine Art Gegengewicht zu seinem Interesse an eremitischen Existenzen und der von ihm häufig als „beautiful loneliness in voyeurism“ thematisierten Einsamkeit des fotografischen Aktes.

Speziell für das Sprengel Museum Hannover richtet Alec Soth anlässlich des LUMIX-Festivals mit der Little Brown Mushroom Suitcase Show eine Lounge ein. Die großformatigen Arbeiten an den Wänden finden für die Besucher eine zweite, nach Hause zu tragende und dort nach eigenem Gutdünken zu installierende Form. Auch Tischtennis darf gespielt werden.

FOTO PING PONG HANNOVER
Fotografie in Hannover im Gespräch:
1. Juli 2014, 18.30 Uhr
GALERIE BOHAI und FOTOKOLLEKTIV MINT

8. Juli 2014, 18.30 Uhr
GALERIE FÜR FOTOGRAFIE: Ricus Aschemann und Janko Woltersmann

15. Juli 2014, 18.30 Uhr
GAF GALERIE FÜR FOTOGRAFIE Hannover: Sonja Palade und Martin Smolka

22. Juli 2014, 18.30 Uhr
SPRENGEL MUSEUM HANNOVER: Klaus Honnef im Gespräch mit Inka Schube und Dr. Reinhard Spieler

Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung

KÖLN UM HALB ACHT SZENE 5

Kuratiert von / Curated by: Regina Barunke

25 Jun. 2014
Screening: Mi, stdl. 19:30-21:30 Uhr / Wed, each hour 7.30-9.30 p.m.

Stefanie Popp: The Preparation
Nebenzimmer. Die Fenster sind abgedunkelt. Entfernt das Flackern einer Projektion. Zu sehen ist ein anderer Raum mit Personen, die sitzend einen Kreis bilden und mit Armen und Händen beschwörende Bewegungen ausführen. Mythologie, Trance, Transformation. Körper als Resonanzkörper. In Vorbereitung auf ein Ritual. Blackout.

Köln um halb acht ist eine Ausstellungsreihe, die den Sommer über in immer neuen Konstellationen und Szenarien künstlerische Positionen aus Köln vorstellt.

Laufende Ausstellungen / On show:
Edith Dekyndt: Paradise Syndrome, 24.05.-20.07.2014

Vorschau / Preview:
Köln um halb acht, Szene 6: Alfons Knogl & Holger Otten: a certain object, 30.06.2014

Gefördert durch / Supported by:
Kulturamt Stadt Köln, RheinEnergieStiftung Kultur, Deltax contemporary, Hotel Chelsea, Gaffel Kölsch 11 / Medienpartner: Stadtrevue Köln

ALEX KATZ. ZEICHNUNGEN, KARTONS, GEMÄLDE

ALEX KATZ. ZEICHNUNGEN, KARTONS, GEMÄLDEBlack Hat #2, 2010 Öl auf Leinwand
Albertina, Sammlung Batliner © Bildrecht, Wien, 2014

Alex Katz (*1927 in New York) zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Künstlern unserer Zeit. Er ist eine zentrale Figur der selbstreflexiven Maltradition, für die der Gleichklang von Rationalität, Sinnlichkeit und Abstraktion kennzeichnend ist. Ikonengleich schildert der Künstler in monumentalen Formaten scheinbar leidenschaftslose Motive aus dem Leben der New Yorker Intellektuellen- und Kunstszene und der gut situierten Freizeitgesellschaft.

Stan Douglas: Mise en scène

Derzeit steht Stan Douglas an einem ganz besonderen Moment seines künstlerischen Werdegangs: Seit 2008 hat er großformatige fotografische Werkserien produziert, und in den jüngsten Werken Musik, Film, Theater, Fotografie sowie digitale Formate aufs engste verwoben, so dass sie gleichzeitig mehreren Medien zuzuordnen sind.
Eine Hauptattraktion der Ausstellung ist die Video-Musik-Installation „Luanda-Kinshasa“ (2013), eine fiktive Erzählung über den abwesenden Miles Davis. Neuland betritt Stan Douglas auch mit der Theaterproduktion „Helen Lawrence“ (2014), bei der die Darbietung der Schauspieler augenblicklich in eine computergenerierte Umgebung eingefügt wird (zeitgleich zur Ausstellung als Gastspiel in den Münchner Kammerspielen).
Die Ausstellung vereint außerdem die neuesten, überwiegend großformatigen fotografischen Werkserien: „Crowds and Riots“ (2008), „Interiors“ (2009-2010), „Midcentury Studio“ (2010-2011), „Malabar People“ (2011) und „Disco Angola“ (2012). Diese Fotografien inszenieren historische Momente, vorwiegend aus der Zeit vom Kriegsende bis Mitte der 1970er-Jahre: die Schwarzmarktkultur der Nachkriegszeit und den Übergang zu anderen Formen des Warenhandels, streikende Hafenarbeiter, Demonstrationen für die Redefreiheit sowie die Auseinandersetzung zwischen Hippies und Staatsmacht. Mit der Werkserie „Disco Angola“, einer synchronen Betrachtung der Discokultur in New York und der spannungsgeladenen Atmosphäre in Angola, bindet Stan Douglas beide Kulturen in eine übergreifende Narration über Postkolonialismus ein. Auf diese Weise bereichert er die Präsentationen, die sich in jüngster Zeit im Haus der Kunst auf Konzepte der Entwicklung von Modernität konzentriert hatten, um die bewusst fragmentarisch angelegte Erzählung: „Man inszeniert ein Historiendrama in Bruchstücken, die einen dazu anregen, sich eine umfassendere Situation vorzustellen.“ (Stan Douglas)
„Midcentury Studio“, 2010-2011
Nach dem Zweiten Weltkrieg widmeten sich u.a. ehemalige Soldaten der Fotografie, weil sie hofften, vom Fotojournalismus leben zu können. Ein bezeichnendes Beispiel hierfür war Raymond Munro. Stan Douglas schildert dessen Werdegang so: „ein Veteran der kanadischen Luftwaffe, der 1949 beschwipst und mit einer Schlüsselbeinfraktur in Vancouver auftauchte, um sich bei einer Lokalzeitung als Luftbildfotograf zu bewerben. Munro war kein ausgebildeter Fotograf, aber er war sich sicher, dass er ein Flugzeug mit einer Hand fliegen konnte; er bekam den Job.“ Im Archiv der Fotoagentur Black Star in der Universität Ryerson schaute sich Stan Douglas zahlreiche Bilder aus den Jahren 1945 bis 1950 an. Sie wurden von Autodidakten mit einer unhandlichen 4 x 5″ Laufbodenkamera mit Blitz, die langsam zu laden und mühselig einzustellen war, aufgenommen. Die Motive waren Verbrechen, Unfälle, Straßenszenen, Tiere, Mondscheinkneipen, berühmte Leute – alles, was dem Fotografen Geld einbrachte. Für die 29-teilige Schwarzweißserie „Midcentury Studio“ schlüpft Stan Douglas in die Rolle eines solchen Fotografen der Nachkriegszeit, der für praktische Zwecke fotografiert und „schlechte Fotos, aber manchmal … interessante Bilder“ macht. In „Camouflage, 1945“, 2011 etwa soll die Beleuchtung das Modell eigentlich besser sichtbar machen, tatsächlich aber macht sie es völlig unsichtbar. Und „Athlete, 1946“ ist das Porträt eines Sportlers, bei dem das Geschehen am Bildrand vom Thema ablenkt, weil der Moment des Abdrückens ungeschickt gewählt ist.
So sorgfältig Stan Douglas die historischen Ereignisse auch recherchiert und so aufwändig er sie inszeniert – die Fotografien sind dennoch frei von jedem Anspruch auf Geschichtstreue oder Deutungshoheit. Sie geben sich als Mutmaßungen und Fragmente zu erkennen, als eine im Konjunktiv II vorgetragene Erzählung. Stan Douglas wendet eine literarische Technik an: Nach Recherche der historischen Fakten erschafft der Autor eine fiktive Hauptfigur und erzählt aus auktorialer Perspektive, wie es gewesen sein könnte. Auch ein entsprechend konstruierter Roman vermittelt den Eindruck, dass Wissen Stückwerk ist, und Realität instabil.
„Disco Angola“, 2012
Die 1974 und 1975 angesiedelte Serie von acht Farbfotografien kombiniert Situationen in Angola und New York. In dieser Zeit führte in Angola die Auseinandersetzung um Unabhängigkeit und Entkolonialisierung zum Bürgerkrieg. Diesmal schlüpft Stan Douglas in die Rolle eines Fotografen, der mit wenig Ausrüstung arbeitet, auf 35mm-Film, bereit schnell zu wechseln und schnell zu knipsen um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das richtige Bild zu bekommen. „Irgendwie ist es ihm gelungen, das Vertrauen von einigen Rebellen zu gewinnen, die ihn mit wiederum anderen Leuten bekannt machen, die ihm dann die einheimischen Verhaltensregeln beibringen; die nicht zu kennen, wäre tödlich“, sagt Stan Douglas über diesen fiktiven Abenteurer. Versklavte Afrikaner, die im 18. Jahrhundert von Luanda aus über die Mittelpassage verschifft wurden, hatten die afrikanisch-brasilianische Kampfkunst Capoeira in die Neue Welt gebracht. Mit „Disco Angola“ stellt sich Stan Douglas vor, diese Kampfkunst sei in ihr Heimatland zurückgekehrt.
„Luanda-Kinshasa“, 2013
Diese Video-Musik-Installation hat ihre Europapremiere im Haus der Kunst. Sie erzählt von einer Studioaufnahme, die Miles Davis nach der Veröffentlichung seines Albums „On the Corner“ im Jahr 1972 hätte gemacht haben können. Etwas naiv war Miles Davis der Meinung, Anleihen bei klassischer indischer Musik und bei Karlheinz Stockhausen seien das richtige Rezept für den Kontakt zu einem jüngeren Publikum. Allerdings beschloss Columbia Records, „On the Corner“ mit Blick auf eine ältere Zielgruppe von Jazzfans zu vermarkten; das Album wurde Miles Davis‘ größter Flop.
„Luanda-Kinshasa“ imaginiert, dass Miles Davis – statt mit seiner Tourband bis zu seinem Bühnenabschied 1975 drogenselige Jams aufzunehmen – versucht haben könnte, mit einer anderen, neuen New Yorker Jugendkultur in Kontakt zu treten. Er hätte hierfür etwa sein Interesse an Weltmusik ausdehnen und den Dialog mit dem Afrobeat von Manu Dibango aus Kamerun suchen können, der ebenfalls synthetischen Jazz und Funk fusionierte.
Realisiert hat Stan Douglas das Projekt in einem Nachbau des Columbia-Studios in der 30. Straße, in dem Miles Davis von 1954 bis 1981 alle seine Studioalben aufgenommen hatte. Zeitkodiert und synchronisiert filmen zwei bewegliche Kameras auf Schienen die wartenden, zuhörenden, plaudernden, spielenden Musiker und ihre Entourage. Wie in „Journey Into Fear“ (2001) bildet eine begrenzte Anzahl von Kameraeinstellungen und Handlungsfragmenten – hier Ensembleauftritten – die Grundlage für eine nahezu endlose Anzahl möglicher Variationen: Immer wenn ein Musiker oder eine Musikerin nicht im Bild ist, kann seine oder ihre Darbietung durch eine alternative Aufnahme ersetzt werden. Miles Davis selbst ist durch Abwesenheit präsent – im Ensemble von Stan Douglas gibt es keinen Trompeter.
„Helen Lawrence“, 2014
Die kinohafte Bühnenproduktion „Helen Lawrence“ spielt in Vancouver im Jahr 1948 und zitiert die Ästhetik des Film Noir. Das Setting ist „eine heimtückische, wechselhafte Umgebung mit Polizisten, Rotlichtmilieu, Soldaten, Flüchtlingen, beschädigten Waren und geisterhaften Lovern, die im Treibsand Fuß zu fassen suchen“ (Stan Douglas). Die Hauptfigur, Helen Lawrence, ist psychisch instabil und bleibt höchst ambivalent: Hat sie ihren Ehemann getötet, oder war der Mörder ein anderer?
„Helen Lawrence“ verbindet Theater mit Film und computergenerierter Bildwelt. Die Schauspieler agieren gleichzeitig als Kameraleute, deren Abbild in übergroßen Projektionen präsent ist. „Helen Lawrence“ hatte im März 2014 Weltpremiere am World Premiere Arts Club Theatre, Vancouver, und kommt als Gastspiel an die Münchner Kammerspiele.
Die Premiere findet am Mittwoch, den 18. Juni 2014 um 18 Uhr statt, weitere Vorstellungen am 19., 20., 21., 22., 24., 25. und 26. Juni. Karten an der Tageskasse der Münchner Kammerspiele, den Vorverkaufsstellen von München Ticket oder online über die Homepage www.muenchner-kammerspiele.de.
„Circa 1948“, 2014
Diese jüngste Arbeit macht das Vancouver der Nachkriegszeit als App erfahrbar. Erstmalig arbeitet Stan Douglas mit diesem Format für iPhone. 31 Geschichten ereignen sich in Hotel, in dem auch „Helen Lawrence“ spielt, weitere 14 in einer kleinen Gasse.
Zur Ausstellungsbiografie von Stan Douglas, geb. 1960 in Vancouver, Kanada, gehört neben zahlreichen Einzelausstellungen die mehrfache Teilnahme an der documenta sowie an der La Biennale di Venezia.
Der Katalog erscheint bei Prestel, mit Beiträgen von David Campany, Diedrich Diederichsen, Seamus Kealy, León Krempel, Chantal Pontbriand; in Englisch, Französisch und Deutsch, 49,95 €, ISBN 978-3-7913-5347-0.
Die Ausstellung Stan Douglas: Mise en scène wird für das Haus der Kunst von León Krempel kuratiert. Sie ist eine Koproduktion des Carré d’Art in Nîmes und des Irish Museum of Modern Art in Dublin.
Wir danken unseren Gesellschaftern für die jährliche Unterstützung des Programms:
Freistaat Bayern, Josef Schörghuber Stiftung, Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e.V.
Die Ausstellung Stan Douglas: Mise en scène wurde maßgeblich gefördert durch Alexander Tutsek-Stiftung, München
Weitere Unterstützung von David Zwirner, New York/London und Victoria Miro, London
Unter Beteiligung der Botschaft von Kanada und Henning & Brigitte Freybe
Kulturpartner: M94,5

Yinka Shonibare MBE: Cannonball Paradise

Ende April eröffnet die Herbert Gerisch-Stiftung eine große Werkschau von Yinka Shonibare MBE (*1962). Unter dem Titel „Cannonball Paradise“ wird sein Werk damit erstmalig mit einer umfassenden Einzelausstellung in Deutschland gezeigt – mit etwa 20 Installationen, Fotoarbeiten und Videos. Spätestens mit seiner Teilnahme an der documenta 11 (2002) gelang dem in Nigeria aufgewachsenen, heute in London lebenden Künstler der internationale Durchbruch. Weitere größere Einzelausstellungen folgten, unter anderem im Yorkshire Sculpturepark, im Museum of Contemporary Art Sydney oder in der Londoner Tate Britain.

Charakteristisch für Shonibares Werk sind Figuren, die in barock anmutenden Kostümen aus Waxprint-Stoffen gekleidet sind. Ihre farbig-ornamentalen Muster erwecken Vorstellungen von afrikanischer Exotik. Provokant positioniert, zeichnen diese oft kopflosen Figuren ein bizarres Bild, aus dem das Spiel des Künstlers mit stereotypen Vorstellungen von Rasse, Klasse und Kultur spricht. Doch wäre es zu kurz gefasst, die künstlerische Arbeit Shonibares allein auf die kritische Fragestellung postkolonialer Geschichtsreflektion zu reduzieren. Seine Werke sind ebenso von einer humorvollen Attraktivität und schillernden Erzählfreude gezeichnet. Bunte Stoffkugeln fliegen aus Kanonenrohren, eine kopflose Eva verführt in einem farbig gemusterten afrikanesken Kostüm ihren Adam. Diese Doppelung bewusster Lebensfreude mit selbstkritischer Auseinandersetzung der Afrika und Europa verbindenden Geschichte verleiht seinem Werk eine faszinierende Attraktivität.

Mit Yinka Shonibare MBE (geb. 1962) lädt die Gerisch-Stiftung zum zweiten Mal nach Romuald Hazoumè einen Künstler mit afrikanischen Wurzeln ein. Wie Hazoumè 2011 wurde auch Shonibare gebeten, Paradiesvorstellungen afrikanischer Provenienz in Form einer großen Einzelausstellung umzusetzen.

GERHARD RICHTER: Bilder / Serien

Die Fondation Beyeler widmet Gerhard Richter (*1932 in Dresden, lebt in Köln), dem wohl bedeutendsten Künstler unserer Zeit, die bisher grösste Ausstellung in der Schweiz. Thema sind erstmals Richters Serien, Zyklen und Räume. Diese Werkgruppen werden von – vielfach zu modernen Ikonen gewordenen – Einzelwerken des Künstlers begleitet, die einen Kontrapunkt bilden. Zu sehen sind rund 100 Bilder, darunter figurative Porträts, Stillleben und Landschaften ebenso wie abstrakte Gemälde, ausserdem zwei Glasobjekte und 64 übermalte Fotografien. Die Werkauswahl umfasst die wichtigen Schaffensperioden seit 1966 und schliesst auch jüngst entstandene, bislang öffentlich nicht gezeigte Arbeiten mit ein.

In den sechzig Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit hat Richter ein Œuvre hervorgebracht, das sich durch thematische und stilistische Vielfalt auszeichnet. Die Motive seiner figurativen Werke setzt er unter Verwendung fotografischer Vorlagen in Malerei um. Die abstrakten Gemälde reichen von farbigen Bildern über monochrome Flächen bis hin zu digital generierten Kompositionen. »Wenn die Abstrakten Bilder meine Realität zeigen, dann zeigen die Landschaften oder Stilleben meine Sehnsucht«, schrieb der Künstler 1981. Auch mit der jüngeren Geschichte beschäftigt sich Richter. So wird in der Ausstellung der legendäre fünfzehnteilige Zyklus aus dem Museum of Modern Art, New York, zu sehen sein, der sich mit dem 18. Oktober 1977 und den Ereignissen um die Rote Armee Fraktion befasst.

Richter studierte in den Fünfzigerjahren Wandmalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Zahlreiche Skizzen und Aussagen belegen, welch massgebliche Rolle der architektonische Kontext seitdem für ihn spielt: »Das ist so ein Traum von mir – daß die Bilder zum Umfeld werden, selbst Architektur werden.« Richters Interesse am wechselseitigen Verhältnis von Einzelbild, Werkgruppe und Umgebungsraum wird in der in engem Austausch mit dem Künstler von Kurator Hans Ulrich Obrist konzipierten Ausstellung anschaulich gemacht.

ICOM hat das Projekt “International Observatory on Illicit Traffic in Cultural Goods“ gestartet

ICOM hat das Projekt “International Observatory on Illicit Traffic in Cultural Goods“ gestartet, das zum Ziel hat, einen Überblick über die aktuelle Situation zu geben und die mit dem illegalen Kulturgüterhandel verbundenen Herausforderungen und Problematiken aufzuzeigen. Das internationale Redaktions- und Beratungskomitee setzt sich u. a. zusammen aus Vertretern von INTERPOL, UNESCO, UNIDROIT, der Weltzollorganisation (WCO), UNODC, dem Art Crime Team des FBI (USA), der Carabinieri (Abteilung zum Schutz von Kulturerbe) und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Das Herzstück des Projekts bildet eine Internet-Plattform, die relevante und aktuelle Informationen zum Thema Kulturgutschutz und illegaler Handel mit Kulturgütern aus aller Welt zusammenträgt.
In übersichtlicher Weise werden strategische Werkzeuge, allgemeine Richtlinien, nationale und internationale Gesetzgebungen sowie Ansprechpartner zugänglich gemacht.
Derzeit sind über zweitausend weiterführende Literaturquellen, fast vierhundert Video- und
Audiodateien, über achthundert praktische Hilfsmittel und mehr als zweihundert ethische
und/oder rechtsgültige Instrumente abrufbar.
Mitteilung von ICOM

Emergency Red List zu den gefährdeten Kulturgütern Syriens erschienen

Deutsche Fassung der ICOM Emergency Red List zu den gefährdeten Kulturgütern Syriens erschienen

Die Berichte über weitreichende Zerstörungen und Plünderungen des Kulturerbes Syriens als Folge des bewaffneten Konflikts, der gegenwärtig das Land erschüttert, haben ICOM veranlasst, die Emergency Red List of Syrian Cultural Objects at Risk herauszugeben.
ICOM sieht das Vorgehen gegen den illegalen Kulturguthandel als eine seiner Kernaufgaben an und veröffentlicht für die Krisen- und Konfliktregionen dieser Welt Rote Listen des gefährdeten kulturellen Erbes. Die Roten Listen enthalten Beispiele von Objekttypen und -kategorien, die besonders gefährdet sind, illegal gehandelt zu werden. Sie werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt mit dem Hinweis, Objekte der erwähnten Typen und Kategorien nicht zu erwerben, ohne vorher die Herkunft und die gesetzlichen Unterlagen geprüft zu haben. Strafverfolgungs- und Zollbehörden dienen sie bei der Identifizierung von Objekten, die durch nationale oder internationale Gesetze sowie bilaterale Vereinbarungen geschützt sind.
Eine Übersicht aller bisher erschienenen „Roten Listen“ finden Sie auf der Homepage von
ICOM.
ICOM Deutschland, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und das Deutsche Archäologische Institut (DAI) werden die deutsche Fassung Rote Notfall-Liste der gefährdeten Kulturgüter Syriens am 17. Juni 2014 in Berlin erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.
Mitteilung von ICOM Deutschland

Josef Dabernig Flaka Haliti und Raum & Wirklichkeit

Drei Ausstellungen eröffnen im mumok an einem Abend: Josef Dabernigs erste umfassende Überblicksausstellung in einem institutionellen Rahmen, Flaka Haliti, Gewinnerin des Henkel Art.Award 2013 und die Sammlungspräsentation Raum & Wirklichkeit.

Josef Dabernig
06. Juni 2014 bis 14. September 2014

Ordnungsliebe und Minimalismus, mathematische Obsession und der Hang zu berechenbaren Strukturen prägen die Szenerie, die der Filmemacher und Künstler Josef Dabernig für seine erste Retrospektive in institutionellem Rahmen entwickelt. Für die Personale hat er ein sich über drei Ausstellungsebenen erstreckendes, architektonisches Konzept entworfen, mit dem er seine künstlerischen Werkblöcke zueinander in Beziehung setzt

Flaka Haliti
06. Juni 2014 bis 05. Oktober 2014

2013 erhielt die Kosovarin Flaka Haliti den Henkel Art.Award. Haliti macht jene gesellschaftlichen und kunstbetrieblichen Strukturen, innerhalb derer sie ihre Arbeiten produziert und präsentiert, zum Thema. Die Sensibilität für die Eigenheiten ihres Umfeldes leitet sich nicht zuletzt aus ihrer Existenz als kulturelle Grenzgängerin ab

Raum & Wirklichkeit
06. Juni 2014 bis 07. September 2014

Im Mittelpunkt der Sammlungspräsentation steht die Hinwendung zum Raum als Thema der Kunst. Anhand einer Auswahl von Neuerwerbungen und Schenkungen zeigt das mumok rund 30 markante Beispiele der Beschäftigung mit dem Raum seit den 1960er-Jahren

C’EST LA VIE Das Paris von Daumier und Toulouse-Lautrec

Erstmals unternimmt es eine Ausstellung, die beiden größten französischen Lithographen des 19. Jahrhunderts, Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) und Honoré Daumier (1808–1879), in einer Gegenüberstellung zu würdigen. Nicht nur gleichen sie sich darin, dass sie der Technik des Steindrucks höchsten Stellenwert einräumen, auch zeichnen sich beide Künstler durch einen Blick aus, der gleichsam von außen, von einer Randposition her, die französische Hauptstadt Paris durch Momentaufnahmen in den Fokus nimmt. Bei Henri de Toulouse-Lautrec jährt sich der 150. Geburtstag. Allein das
ist Grund genug, diesen Virtuosen aus der Zeit der Belle Époque, dessen farbgesättigte Drucke noch heute ein eindrucksvolles Zeugnis von den nächtlichen Vergnügungs- möglichkeiten im Paris der Jahrhundertwende abgeben, mit herausragenden Bildern seines Schaffens zu ehren.Die dialogische Gegenüberstellung von Daumier und Toulouse-Lautrec umfasst ein breites Spektrum an Themen, das von Gerichtsszenen über die Schilderung von Schauspielern vor und hinter der Kulisse bis hin zum Besuch öffentlicher Unterhaltungsstätten reicht. Das Exzentrische und die überspannte Selbstdarstellung vieler Stadtbewohner haben diese Künstler in allen Tonlagen zu schildern gewusst
und konsequent an ihren Figuren durchgespielt. Die Metropole Paris war dabei der ideale Ort, um den Menschen als Gesellschaftswesen zu studieren und den einzelnen Städter in seiner Abhängigkeit vom jeweils anderen in derartiger Vielfalt zu beobachten. Wenngleich der Schwerpunkt der Ausstellung auf den Meisterlithographien liegt, jenen mondänen Plakaten und lebensnahen Karikaturen, die unser kollektives Gedächtnis bis heute prägen, waren Toulouse-Lautrec und der knapp zwei Generationen ältere Honoré Daumier auch im Einsatz anderer Medien hochgradig versiert. Zeichnungen und Ölbilder setzen an verschiedenen Stellen der Ausstellung einen kraftvollen Kontrapunkt. Präsentiert werden Arbeiten aus der eigenen Sammlung, sowie aus anderen großen Museen und Privatsammlungen. Ergänzend werden Film- und Fotodokumentationen die Künstler im Kontext ihrer Zeit vorstellen.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die in den Museumsshops und unter www.freunde-derkunsthalle.de erhältlich ist.

Kurator: Jonas Beyer

WOLFGANG ERNST. LICHT BLEI & SCHATTEN

Die von Margareta Sandhofer kuratierte umfangreiche Ausstellung stellt das Schaffen des kompromisslosen Einzelgängers Wolfgang Ernst vor, dessen schöpferische Tätigkeit sich seit Mitte der 1970er-Jahre weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit entfaltet hat.

Roman Signer

Seine „kleinen und grossen Ereignisse“, wie er sie nennt, haben ihn weltweit bekannt gemacht. Roman Signer, 1938 in Appenzell geboren, gehört inzwischen zu den bedeutendsten internationalen Plastikern. Ausgangspunkt seines einzigartigen Schaffens bildet ein Skulpturbegriff, der sich vom Objekt löst und Prozesse sichtbar macht. Alltägliche Dinge bilden dabei die Basis seines Werkes. Die verwendeten Gegenstände wie Tische, Stühle oder das Kajak zeichnen sich durch einen ursprünglichen Charakter aus. Allerdings benutzt Roman Signer diese nicht in ihrer gewohnten Funktion, sondern setzt sie Transformationen aus, die ein der Dingwelt eigenes Potential vielfältigster Sinnschichten freilegen: Vertrautes wird fremd, Funktionierendes erscheint absurd. So wird im Alltäglichen Erheiterndes wie Abgründiges sichtbar.

Die Ausstellungsliste von Roman Signer im In- und Ausland ist inzwischen ebenso eindrücklich wie lang. Nach einer ersten Retrospektive 1993 und zahlreichen Beiträgen in thematischen Ausstellungen widmet ihm das Kunstmuseum St.Gallen erneut eine umfassende Werkschau. Im Zentrum stehen dabei installative Arbeiten, die seit 2011 entstanden sind. Es wird spannend zu sehen, wie der Künstler die klassischen Museumssäle mit einer Distanz von zwanzig Jahren bespielt. Räume, die er wie seine Westentasche kennt, hatte er sie doch zu Beginn der 1980er Jahre – in der Zeit der Schliessung des Hauses – als Atelier nutzen können.

Roman Signers Schaffen ist nochmals komplexer geworden, indem Dinge, die in früheren Arbeiten eine Rolle gespielt haben, in überraschende neue Richtungen interpretiert werden. Verstärkt erscheinen wirklichkeitsbezogene Querbezüge, wenn man sie denn sehen will. Die inhaltliche Aufladung seiner Arbeiten bis hin zu Werken, die klar als existentielle Chiffre gelesen werden können, ist signifikant für Roman Signers wache Zeitgenossenschaft. Die Ausstellung vereint Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten in einem konzisen Ablauf und pulsiert zwischen raumgreifenden Einzelwerken und zusammenhängenden Werkgruppen.

Kuratoren: Roland Wäspe, Konrad Bitterli
Die Ausstellung wird unterstützt durch die Notenstein Privatbank AG

KRIEG! JUDEN ZWISCHEN DEN FRONTEN 1914―1918

Der Fokus liegt auf der Erlebnis- und Erfahrungswelt jüdischer Soldaten und ihrer Familien in den Jahren 1914―18, ein Themenbereich, der bei größeren Ausstellungsprojekten bisher nur am Rande beleuchtet wurde.
Sieben Stationen zeichnen den von der Mehrheit jüdischer Deutscher als historische Chance wahrgenommene Einsatz in den Schützengräben und ihr patriotisches Mitwirken fernab der Front nach. Aber auch künstlerisch-literarische Gegenpositionen und das Auflehnen gegen den nationalen Zeitgeist führt die Ausstellung auf. Durch Feldpostbriefe, Tagebücher, Fotografien und andere persönliche Objekte wird der Erste Weltkrieg vornehmlich aus einer subjektiven Perspektive betrachtet. Auch das Erstarken des Antisemitismus in den Jahren 1914―1918 wird thematisiert und aufgezeigt, auf welchen Ebenen nach 1918 ein Krieg um die Erinnerung losbrach. Dessen politische Instrumentalisierung hat bis heute im öffentlichen Bewusstsein ihre Spuren hinterlassen.

Ein ausführlicher Katalog mit vertiefenden Essays ist als Begleitpublikation geplant und ab Juli 2014 im Buchhandel erhältlich (Hentrich&Hentrich Verlag Berlin).

Kuratorin: Ulrike Heikaus
Gestaltungsbüro: Iglhaut + von Grote, Berlin

VÄTER EUROPAS Augustus und Karl der Große

Kabinettausstellung
Vor 2000 Jahren starb der römische Kaiser Augustus, vor 1200 Jahren Karl der Große. Diesen beiden für Europa und seine Geschichte so wichtigen Persönlichkeiten widmet das Kunsthistorische Museum eine Kabinettausstellung, die am Beispiel einzigartiger Meisterwerke Gedankenwelt, Glanz und Größe der beiden Herrscher schlaglichtartig beleuchtet. Erstmals seit 1954 wird dabei das so genannte Krönungsevangeliar wieder öffentlich präsentiert

Im Mittelpunkt stehen zwei Ikonen des Museums: Die Gemma Augustea, eine der bedeutendsten Prunkkameen der Antike, die Kaiser Augustus als Jupiter auf Augenhöhe mit der Göttin Roma zeigt und sehr wahrscheinlich vom Kaiser persönlich besessen und in Händen gehalten wurde, sowie das so genannte Krönungsevangeliar, das unter Karl dem Großen entstand und mit seiner durchgängigen Purpurfärbung und der Goldschrift zu den bedeutendsten erhaltenen Werken der mittelalterlichen Buchkunst überhaupt zählt.

PER KIRKEBY. BRONZE, KALTNADEL, HOLZ

Per Kirkeby (*1938 in Kopenhagen) ist international der bedeutendste Vertreter der skandinavischen Gegenwartskunst. Der angehende Geologe trat 1962 der Experimental Art School in Kopenhagen bei und fand eine Bildsprache, die facettenreich und in verschiedensten künstlerischen Medien um Metamorphosen der Natur kreist. Stets betonte Kirkeby dabei sein Selbstverständnis als Maler. Vor diesem Hintergrund sind auch seine dreidimensionalen Arbeiten zu sehen, die er neben seinen berühmten Backsteinskulpturen seit den frühen 1980er-Jahren als Bronzegüsse schuf.
Mit Beginn der künstlerischen Laufbahn Kirkebys entstand ein umfangreiches druckgraphisches Œuvre, das sich gleichberechtigt neben den anderen Gattungen behauptet. Die Ausstellung konfrontiert zum ersten Mal in dieser Fokussierung zahlreiche Kaltnadelradierungen und Holzschnitte mit einer Reihe von Skulpturen aus Bronze. Jüngst aufgetauchte Holzschnitt-Miniaturen aus den späten fünfziger Jahren werden erstmals publiziert. Durch ihre jeweils ausgeprägt haptische Materialität wird in diesen unterschiedlichen Medien etwas Sinnliches fassbar, was etwa die taktil erfahrbaren Oberflächen der Graphiken in eine eigentümliche Affinität zu denen der Plastiken bringt. Die latent vorhandene Tendenz zum Metamorphotischen verbindet sich mit jenem lyrisch gefärbten Klang, den letztlich auch die Farbe in den Gemälden dieses Künstlers in sich trägt.

Es erscheint ein Ausstellungskatalog in Deutsch/Englisch im Hatje Cantz Verlag, ca. 176 S. und 182 Abb., mit Texten von Michael Semff, Ulrich Wilmes und Poul Erik Tøjner, gestaltet von Anne Hoffmann, Zürich, für ca. € 39,80.