Der Brancusi-Effekt

Der rumänische Bildhauer Constantin Brancusi (1876–1957) zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.

Mit seinen Überlegungen zum
Verhältnis von Sockel und Werk initiierte er eine Neuorientierung der Beziehung
zwischen Objekt, Betrachter und Raum, die von entscheidendem Einfluss auf die
Minimal Art, aber auch die Ästhetik der Installation insgesamt war.
Darüber hinaus gilt das Werk Brancusis als Initialpunkt der Reflexion der historischen
und institutionellen Verortung des Kunstwerks. Die Ausstellung Der Brancusi-
Effekt
trägt diesem Potential ebenso Rechnung wie dem stark dokumentarischen
Aspekt, der Brancusis künstlerischer Praxis implizit ist und in einer großen Zahl von
Aufnahmen aus seinem Atelier Ausdruck gefunden hat. Mit originalem fotografischen
Material sowie ausgewählten Positionen der Gegenwartskunst, die sich auf Brancusi
beziehen, schafft die Ausstellung
Der Brancusi-Effekt eine imposante räumliche
Installation aus unterschiedlichen Skulpturen, welche die neuerliche Aktualität des Bildhauerischen innerhalb der zeitgenössischen Kunst wiederspiegelt.Fotografien von Brancusi aus seinem Atelier in der Impasse Rosin in Paris zeigen, wie er seine Werke in installativen Arrangements als räumliches Gesamtkunstwerk präsentierte.  Auch einzelne Werke fotografierte Brancusi selbst, um die spezielle Aura
seiner Skulpturen in das Medium Fotografie zu übersetzen. Die Leihgaben aus dem
Kunsthaus Zürich ermöglichen einen faszinierenden Einblick in das Denken und die
Produktionsweise dieses Künstlers, der zwischen Tradition und Moderne ein Werk
von großer Singularität innerhalb der europäischen Avantgarde geschaffen hat.
Weiteren Einblick in das Werk Brancusis gibt die Arbeit Les 58 numéros flotents:
DerKünstler Alessio delli Castelli präsentiert in einer Installation historische Ansichten, die
Marcel Duchamp 1933 von einer Ausstellung Brancusis in einer New Yorker Galerie
anfertigen ließ. Diese Fotografien zeigen die bekannten Skulpturen in einer überaus
eigenwilligen Platzierung im Raum, die letztlich mehr über Duchamp verrät als über
Brancusi, für dessen Rezeption in der amerikanischen Nachkriegskunst aber von
großer Bedeutung war.
Die zeitgenössischen Positionen in der Ausstellung zeichnen sich durch eine große
Heterogenität aus, teilen aber das Interesse an dem Verhältnis von Werk und Sockel,
Werk und Raum und dem modularen Prinzip, das eines der bekanntesten Werke von
Brancusi, die Endlose Säule, charakterisiert. Auch die Kombination unterschiedlicher
Materialien, das Nebeneinander unterschiedlicher Volumina und die Auflösung
der Vorstellung eines tragenden Sockels zugunsten eines intergralen skulpturalen
Bestandteils prägen die ausgewählten Werke der internationalen Künstler/innen.

Charles Ray. Skulpturen 1997–2014

 Charles Ray. Skulpturen 1997–2014
Charles Ray, Boy with Frog, 2009 (ZIP)

Kurator: Bernhard Mendes Bürgi
Der amerikanische Künstler Charles Ray ist einer der wichtigsten Skulpteure seiner Generation. Nach einem Jahrhundert der Dominanz skulpturaler Abstrak-tionen arbeitet er an einer neuen plastischen Figuration. Das Kunstmuseum Basel und das Museum für Gegenwartskunst geben in Zusammenarbeit mit dem Art Institute of Chicago einen Überblick über sein Schaffen seit 1997.

Charles Ray wurde 1953 in Chicago geboren und lebt seit 1981 in Los Angeles. Im Mittel- punkt seines faszinierenden Kosmos‘ stehen skulpturale Prinzipien und Fragestellungen zu Proportion, Dimension, Raum und Gewicht, Innen und Aussen und weniger die narrativen
Zusammenhänge. Nach einem Jahrhundert der Dominanz skulpturaler Abstraktionen arbeitet er – wie Katharina Fritsch oder Jeff Koons – an einer neuen plastischen Figuration, zu sehen etwa in der weiss bemalten Stahlskulptur Boy with Frog (2009), die bis vor Kurzem
an der Punta della Dogana in Venedig installiert war. Stupend in der Ausführung, hat die Skulptur, der man ihre enorme Schwere überhaupt nicht ansieht, etwas Zeitloses an sich;
viele Leute denken bei ihrem Anblick wohl nicht an Gegenwartskunst.
Das Kunstmuseum Basel veranstaltet gemeinsam mit dem Art Institute of Chicago erstmals seit 2006 eine grosse Museumsausstellung des amerikanischen Künstlers, konzentriert auf Rays Schaffen von 1997 bis 2014.
Katalog
Essays von Michael Fried, Richard Neer, James Rondeau und Anne M. Wagner, sowie kurze Begleittexte von Charles Ray im Katalogteil.
160 S., 69 Abb., 24 x 30 cm, Hardcover, dt. und engl. Ausgabe, Verlag Hatje Cantz. Ermöglicht durch Glenstone.

Broken. Slapstick, Comedy und schwarzer Humor

Sammlung Goetz im Haus der Kunst

Seit Frühjahr 2011 zeigt das Haus der Kunst im dafür hergerichteten ehemaligen Luftschutzkeller jährlich zwei Ausstellungen von Medienkunst aus der Sammlung Goetz, die abwechselnd von Haus der Kunst und Sammlung Goetz kuratiert werden. Teil 7 dieser Kooperation ist dem Thema Slapstick, Comedy und schwarzem Humor gewidmet – in der Film- und Unterhaltungsindustrie beliebte Genres, um ungestraft über das Missgeschick von anderen zu lachen. Humor wirkt psychisch entlastend. Jedoch können dabei politische und ethische Überzeugungen sowie religiöse Gefühle verletzt werden. Die Ausstellung versammelt 15 Arbeiten, die diese Grenze ausloten und zum Teil bewusst überschreiten.
Slapstick bezeichnet eine spezielle Form der Filmkomödie, die ohne Worte auskommt. Der Zuschauer lacht über körperbezogene Aktionen bzw. Missgeschicke, wobei die geschaffene Situation weitgehend frei ist von moralischem Gehalt. Der Stuntman in Julian Rosefeldt’s „Trilogy of Failure“ verrichtet im häuslichen Ambiente Tätigkeiten wie Frühstück zubereiten und Krümel wegkehren; jedoch betritt er die Szene von oben, mit dem für seinen Beruf typischen Sprung durch die Decke. Er übersteht dies ohne jeden Schaden und klopft sich lässig den Mauerstaub vom Ärmel. Die Doppelprojektion zeigt einen in ewiger Wiederholung gefangenen Sisyphos, der mit seinen Fitnessübungen die gesamte Einrichtung samt Mauern zerstört, um sie anschließend sorgfältig aufzuräumen bzw. zu reparieren.
Ein Klassiker im Kanon der körperlichen Missgeschicke ist das Stolpern. Francis Alÿs zeigt eine Bewegungsabfolge, bei der ein über die Straße rennender Hund immer wieder denselben Mann zu Fall bringt, aus verschiedenen Blickwinkeln: aus Bodenhöhe, vom Fenster im ersten Stock, frontal, von diagonal gegenüber, aus der Perspektive des Hundes, und der von CCTV. Das Ende der Szene ist jedes Mal gleich: Der Kunstkritiker Cuauhtémoc Medina läuft auf die Straße und imitiert mit Händeklatschen eine Filmklappe. Er fungiert als augenzwinkernder Hinweis, dass das Thema einer künstlerischen Arbeit nicht würdig ist, weil es banal und als Déjà-vu oft dagewesen ist.
Während der Stolpernde bei Francis Alÿs sofort wieder aufsteht und weitergeht, zeigt Paul Pfeiffer Fußballspieler, für die der Zusammenstoß mit einem Gegenspieler Folgen hat: Sie stürzen, bleiben auf dem Rasen liegen und krümmen sich vor Schmerzen. Der Gegenspieler ist aus den Szenen herausgeschnitten, so dass die Fallbewegung des Verletzten bizarr wirkt. Der Titel der Arbeit, „Caryatid“, ist eine Metapher: Die Darsteller tragen wie die Karyatiden in der griechischen Architektur eine Last, unter der sie jedoch, anders als die Karyatiden, zusammenzubrechen drohen. Für den Zuschauer stellt sich die moralisch gefärbte Frage, ob er über solche Szenen noch lachen darf oder nicht.
Auch der beliebte Film „Der Lauf der Dinge“ von Fischli & Weiss über eine inszenierte Kettenreaktion von Objekten ist Slapstick. Die Gegenstände sind präzise angeordnet, so dass sie in einem bestimmten Moment umfallen, rollen, gleiten, ihren Inhalt verspritzen o.Ä. und durch Anstupsen eines nächsten Gegenstands die Kettenreaktion in Fluss halten. Der Zuschauer erkennt Situationen aus dem Alltag wieder, in denen Objekte ein Eigenleben entfalten, allerdings gegen seinen Willen. Die Komik entsteht auch dadurch, dass das, was er normalerweise als feindliche Tücke empfindet, hier ausdrücklich gewünscht und mit großem Aufwand herbeigeführt ist.
Als Comedy kann John Bock’s „Gute Stube“ gelten. Das Instrument, an dem John Bock sich abmüht, wird im Abspann „Piano“ genannt. Es besteht aus drei Eimern, einer Schüssel und einem Topf, die mit der Öffnung nach unten an einem hölzernen Tastenarm befestigt sind. John Bock möchte auf diesem grob gefertigten Piano nun eine Fuge zu Gehör bringen und führt dabei ein Selbstgespräch. Sein Anspruch „Die Fuge muss sich einfügen in eine Mulde, und das kann man nur mit einer neuen Komposition!“ erweist sich als nicht erfüllbar und erzeugt Frust, der in unflätiger Selbstbeschimpfung gipfelt. Der musikalische Vortrag ist akustisch und optisch nicht ohne Reiz: ein Zwitter aus Geräusch und Klang, aus Percussion, Tasteninstrument und künstlerischer Performance.
Arbeiten wie „First“ von Olaf Breuning oder auch „Hungry Hungry Hippoes“ von Nathalie Djurberg erweitern die Werkauswahl um schwarzen Humor. Sie zeigen Begegnungen, die nur für einige der Beteiligten unterhaltsam sind. Breuning filmt fünf junge Männer, die eine aus Langeweile geborene Spritztour unternehmen, einen Jungen am Straßenrand festhalten, ausziehen, mit Golfschlägern bedrohen und über ein Feld davonjagen. Das Ereignis berührt die Grenze zur Körperverletzung, und überschreitet die zur seelischen Misshandlung. Ähnlich treten bei Nathalie Djurberg drei hellhäutige Puppen mit Fettwülsten und roten Mündern auf, die zum Zeitvertreib ein kleines dunkelhäutiges Kind zärtlich knuddeln, dabei aber zu zerquetschen drohen. Durch die Untermalung mit Glucker- und Furzlauten steigert sich das zwischen Zuwendung und Missbrauch angesiedelte Geschehen ins Groteske. Diese Art Humor lebt von Grausamkeit und Unterdrückung und fordert vom Zuschauer eine aktive Haltung: zu entscheiden, bis wohin er sich von der Komik angezogen fühlt und wann er sich wegen der Grausamkeit innerlich abwendet. Tabubrüche – hier die Gewalt gegenüber Wehrlosen – sind eine beliebte Strategie in der bildenden Kunst, um den Betrachter emotional zu berühren und auf diese Weise an gesellschaftlich relevante Fragen zu rühren.
Das Lachen bleibt einem im Halse stecken und wandelt sich in Bestürzung oder Mitgefühl, wenn andere Menschen bloß gestellt werden oder zu Schaden kommen. So auch bei der titelgebenden Videoinstallation „Broken“ von Tony Oursler. Sie zeigt eine männliche Puppe, deren Kopf zwischen Stühlen eingeklemmt ist. Die Situation wirkt jedoch lebensecht, zumal auf die Puppe das gequälte Mienenspiel eines lebendigen Menschen projiziert wird. Es liegt nicht nahe, über die Zwangslage, in die er geraten ist, zu lachen. Womöglich schließen Gelächter und Mitgefühl einander aus.
Kuratorinnen sind Ingvild Goetz und Cornelia Gockel.
Mit
Pawel Althamer, Cardinal, 1991
Francis Alÿs, Choques, 2005-2006
John Bock, Gute Stube, 2006
Olaf Breuning, First, 2003
Nathalie Djurberg, Hungry Hungry Hippoes, 2007
Peter Fischli & David Weiss, Der Lauf der Dinge, 1986/1987
Rodney Graham, A Reverie Interrupted by the Police, 2003
Mike Kelley, The Banana Man, 1982
Jochen Kuhn, Die Beichte, 1990
Aernout Mik, Garage, 1998
Martin Mirko, Eine Rede, 2005
Tony Oursler, Broken, 1994
Paul Pfeiffer, Caryatid (Red, Yellow, Blue), 2008
Robin Rhode, Color Chart, 2004-2006
Julian Rosefeldt, Stunned Man (Trilogy of Failure)/ Part II, 2004/2005
Wir danken unseren Gesellschaftern für die jährliche Unterstützung des Programms: Freistaat Bayern, Josef Schörghuber Stiftung, Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst e.V.

GROSZ. KRIEG GROTESK

GROSZ. KRIEG GROTESK
Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit
Anlässlich des hundertsten Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 widmet das Buchheim Museum dem Berliner Grafiker, Zeichner, Aquarellisten und Maler George Grosz (Georg Ehrenfried Groß, 1893-1959) eine große Sommerausstellung. Im Fokus steht die durch Grosz geprägte, besondere Art des künstlerischen Umgangs mit den Traumata des Krieges. Kein anderer hat so drastisch diese »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« und ihre gesellschaftlichen Folgen ins Bild gesetzt wie er. Die Übersteigerung ins Groteske ist sein Markenzeichen. Sein »messerscharfer Strich« trifft ins Mark. Seine dichten, sich teilweise überlagernden Bilderzählungen durchleuchten mit kritischem Röntgenblick das Geschehen. Grosz war der schärfste Satiriker der Weimarer Republik. Durch die Entwicklung einer massenwirksamen Menschentypologie und massenhaft hohen Auflagen seiner Druckgrafik avancierte er zum umstrittensten und bekanntesten deutschen Künstler der 1920er Jahre. Es ist die erste Museumspräsentation dieses Malers, Zeichners und Grafikers in Bayern seit 1986. Obschon sie Grosz´ gesamtes Schaffen von 1912 bis 1928 umfassend repräsentiert, wurde sie von der international renommierten Kuratorin Annette Vogel auf das Thema der Kriegsgroteske zugespitzt. Das Buchheim Museum ist exklusiv der einzige Ausstellungsort dieser Schau, die aus Werken des Buchheim Museums, der New Yorker Sabarsky Collection und von zahlreichen namhaften institutionellen und privaten Leihgebern zusammengestellt wurde, darunter die Akademie der Künste, Berlin, das Bayerische Armeemuseum, Ingolstadt, die Berlinische Galerie, das Deutsches Medizinhistorische Museum, Ingolstadt, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, Dresden, das Mittelrhein-Museum Koblenz, die Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin und die Stiftung Stadtmuseum Berlin.

14 Kunstwerke aus dem Besitz von Max Amann haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gemeldet.

Insgesamt 14 Kunstwerke aus dem Besitz von Max Amann (1891-1957) haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bei der Internetplattform Lost Art gemeldet. Es handelt sich um zehn Gemälde und vier Skulpturen, die nach 1945 als sogenannte »Überweisungen aus Staatsbesitz« in den Museumsbestand gelangt sind. Die Provenienzforscher der Pinakotheken konnten diese Kunstwerke nun dem nationalsozialistischen Parteifunktionär Max Amann zuordnen.
Zunächst Hitlers Vorgesetzter im Ersten Weltkrieg, gehörte Amann vor allem in den 1920er-Jahren zu dessen engen Vertrauten. So diktierte ihm Hitler etwa den zweiten Teil von »Mein Kampf«. Die Wahl des Titels soll auf einen Vorschlag Amanns zurückgehen. Bereits 1922 übernahm er die Leitung des Franz-Eher-Verlags, des Parteiverlags der NSDAP. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme spielte Amann damit eine Schlüsselrolle bei der Gleichschaltung und Lenkung der Presse. Als Verlagschef und Präsident der Reichspressekammer organisierte er den Aufbau eines gigantischen nationalsozialistischen Verlagsimperiums. Weit über 1000 Zeitungen und Zeitschriften gehörten schließlich zum Franz-Eher-Verlag – darunter neben dem »Völkischen Beobachter« auch die SS-Zeitschrift »Das Schwarze Korps« und »Der SA-Mann«. Allein die Tageszeitungen erreichten insgesamt eine Auflage von 14 Millionen. Da er nicht nur ein ansehnliches Gehalt bezog, sondern auch am Gewinn beteiligt war, machte diese Entwicklung Amann zum Multimillionär.

Typisch für die NS-Führungselite verwendete Amann sein Vermögen nicht zuletzt für den Erwerb hochwertiger Kunstwerke – vor allem Genremalerei des 19. Jahrhunderts. Zu seiner Sammlung gehörten etwa »Die Quacksalberin« von Anton Seitz, »Rinderhirte am Starnberger See« von Johann Adam Klein, »Rauferei vor der Schenke« von Heinrich Bürkel oder »Die Kartenlegerin« von Eduard Kurzbauer. Diese und alle weiteren nun gemeldeten Kunstwerke waren einst Teil der Ausstattung von Amanns Villa in St. Quirin am Tegernsee, die kürzlich als Beispiel für NS-Herrschaftsarchitektur unter Denkmalschutz gestellt wurde.
Nach Kriegsende wurde Amann im Zuge der Entnazifizierung als Hauptschuldiger eingestuft, in einem Arbeitslager inhaftiert und enteignet. Die Kunstwerke wurden schließlich von der Bundesrepublik Deutschland den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen übergeben. Konkrete Hinweise, dass sich darunter auch Raubkunst befindet, liegen derzeit nicht vor. Da dies momentan aber dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden kann, erfolgte nun die Meldung bei Lost Art. Die Provenienzforscher der Pinakotheken setzen ihre Recherchen außerdem fort, um die Unklarheiten über die Herkunft der Kunstwerke so weit wie möglich zu beseitigen.

Im Fall des Spitzweg-Gemäldes »Der Institutsspaziergang« aus dem Besitz von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hoffmann, das die Pinakotheken im vergangenen Jahr bei Lost Art gemeldet haben, führten solche intensiveren Recherchen inzwischen zu weiteren wichtigen Erkenntnissen. Zunächst hatte hier ein Katalog des Auktionshauses Hugo Helbing auf einen Sammler mit den Initialen »F. M. in F.« als Vorbesitzer hingedeutet. Dass es sich bei diesem nicht näher bezeichneten Kunstliebhaber um einen jüdischen Sammler gehandelt haben könnte, der seine Bilder nach der nationalsozialistischen Machtübernahme unter Druck verkaufen musste, schien eine plausible Erklärungsmöglichkeit zu sein. Die Lösung des Rätsels brachte schließlich ein Exemplar des Auktionskatalogs mit ergänzenden handschriftlichen Anmerkungen zu Käufern und Verkäufern sowie Preisen, auf den die Provenienzforscher bei der Suche nach »F. M. in F.« gestoßen sind: Als Vorbesitzer und Verkäufer des »Institutsspaziergangs« ist hier nicht etwa ein jüdischer Sammler, sondern die hessische Adelsfamilie von Eschwege angegeben.

14 Kunstwerke aus dem Besitz von Max Amann haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gemeldet.Heinrich Bürkel, Rauferei vor der Schenke, um 1855/60
Öl auf Leinwand, 31,0 x 42,6 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, München,  Inv. Nr. 11970

Pressemitteilung der Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Anmerkung der Redaktion:  

    http://www.lostart.de

Offizielle deutsche Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beutekunst.

Krieg und Propaganda 14/18

Krieg und Propaganda 14/18

Der Erste Weltkrieg gilt als erstes globales massenmediales Ereignis der Moderne. Zu Beginn, im August 1914, ahnte wohl niemand, dass die Kampfhandlungen über vier Jahre andauern und mehr als 17 Millionen Menschenleben kosten würden. Als eine der wesentlichen Ursachen für die Dauer und Intensität des Krieges wird heute die Propagandaarbeit der beteiligten Staaten angesehen, die als „neue Waffe“ der Kriegsführung gilt. Vor dem Hintergrund der zeitgleich entstehenden Forschung zur Massenpsychologie schöpfen sie im Kampf um die öffentliche Meinung die gesamte Bandbreite der Massenmedien aus und erproben neue Strategien. Die Bevölkerung wird von den politischen Führungen als unkritische, impulsive und beeinflussbare „Masse“ angesehen. Mit Gräuelgeschichten, Heldenlegenden und der permanenten Wiederholung zentraler Botschaften produzieren die Meinungsmacher wirkungsvolle Bilder und versuchen Stimmung zu erzeugen. In Deutschland wird dieser Krieg als „Urkatastrophe“ dargestellt, für die Franzosen ist er „der große Krieg“ und für die Polen die „nationale Befreiung“. In der Ausstellung „Krieg und Propaganda 14/18“ gibt das MKG, 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, einen Einblick in das umfangreiche Spektrum der Massenmanipulation dieser Zeit. Beispielhaft zeigt die Ausstellung die wichtigsten Formen, Strukturen und Methoden der Meinungslenkung, die mit der Weiterentwicklung der modernen Massenmedien bis heute in Konflikten und militärischen Auseinandersetzungen in immer neuen und subtileren Ausprägungen zu finden sind. Zu sehen sind über 400 Exponate aus dem Deutschen Reich, Frankreich, England, USA, Russland, Italien und Österreich-Ungarn. Ausgestellt werden Plakate, Filme, Skulpturen, Fotografien, illustrierte Zeitungen und Alltagsgegenstände wie Kinderspielzeug und Patriotika, außerdem historische Tonaufnahmen sowie Musik aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, Künstlergrafiken und Bildpostkarten.

Mobilisierung: Die Strategie der Euphorisierung setzt im Deutschen Reich wie auch bei den Gegnern der Mittelmächte Großbritannien, Frankreich und Russland zu Kriegsbeginn stark auf Musik, mit der Nationalstolz und siegesgewisser Optimismus vermittelt werden. Die kritischen Stimmen zum Krieg werden übertönt. Obrigkeitstreue, Ehr- und Wir-Gefühl vermengen sich mit politischen und wirtschaftlichen Interessen: Schnell entsteht eine Industrie für Druckerzeugnisse zum Krieg. Die Rekrutierungskampagnen in England, das erst 1916 die Wehrpflicht einführt, setzen 1914 gezielt und mit Erfolg auf das neue Medium Film und bekannte Reklamemittel wie Plakate. In gut 12 Monaten werden 12,5 Millionen Plakate nach 164 Entwürfen gedruckt. Die Argumente reichen von der Teilnahme an einem großen sportlichen Abenteuer bis zum drohenden Gesichtsverlust gegenüber Frauen, Freunden und Familie. Die professionelle Arbeit des Londoner War Propaganda Bureau strahlt in das ganze Empire aus, der europäische Konflikt wird zum Weltkrieg.

Dämonisierung: Einfache Bild-Formeln und ihre stetige Wiederholung liegen der wirkungsvollen Hass-Propaganda der Entente, dem Bündnis aus Großbritannien, Frankreich und Russland, gegen Deutschland zugrunde. Sie wägt keine Argumente ab, sondern arbeitet mit schlagwortartiger Suggestion, Schubladendenken und emotionaler Verführung. Der Gegner wird als blutrünstig, mitleidlos und geradezu animalisch typisiert. Wann immer die Ereignisse des Krieges eine solche Interpretation gestatten, greifen sie vor allem die britischen und französischen Propagandainstitutionen als neue Variation des Hunnen-Topos auf. Die Abgrenzung vom Feind soll die Identifikation mit der eigenen Nation und ihren Verbündeten stärken. Die Dämonisierung schürt etwa Ängste vor der deutschen Invasion, indem regelmäßig an tatsächliche oder erfundene Gewaltakte von deutschen Militärs in Belgien erinnert wird. Die Konfliktparteien werden durch die Propaganda systematisch polarisiert, der Krieg erscheint moralisch notwendig und erfordert die unbedingte Unterstützung des Einzelnen. Auch die deutsche Seite versucht, mit Feindbildern zu arbeiten, erreicht damit jedoch keinen vergleichbaren Erfolg.

Partizipation: Ob bei öffentlichen Massenveranstaltungen oder innerhalb der eigenen vier Wände – der Krieg hält unmittelbar Einzug in den Alltag der Menschen. Feierliche Kollektivereignisse wie die öffentliche Nagelung von hölzernen Kriegswahrzeichen und Heldenskulpturen setzen auf Partizipation, um das Gemeinschaftsgefühl und die Zustimmung zum Krieg an der Heimatfront zu stärken und zugleich Spenden für die Kriegsfinanzierung einzuwerben. Eindringlich wird die Bevölkerung zum Mitmachen aufgefordert. Auch vor den Kinderzimmern macht die Wirkung nationalistischer Propaganda nicht halt. Militaristische Spiele und patriotisch geprägte Kinderbücher verharmlosen den Krieg und reproduzieren die Feindbilder der Erwachsenenwelt. So wirken die propagandistischen Aussagen aus der Öffentlichkeit in das Leben der Familien hinein und militarisieren den Alltag aller Generationen. Auch ohne konkreten Staatsauftrag dienen die aufwendig inszenierten Aktionen und vielfältigen Medien der Verbreitung von Gefühlen wie Patriotismus und Feindseligkeit.

Authentizität – Bilder vom Krieg: Vom alltäglichen Leben der Daheimgebliebenen bleibt das eigentliche Kampfgeschehen im Kriegsgebiet weit entfernt. Umso größer ist daher das Bedürfnis nach authentischen Bildern von der Front. Wöchentlich erscheinende illustrierte Zeitschriften bedienen die immense Nachfrage. Ihre Berichterstattung ist von Zeichnungen und Fotografien bestimmt. Offizielle Kriegsmaler, eigens beauftragte Sonderzeichner und Fotografen erfassen die Ereignisse nach eigener Anschauung oder Erzählungen aus zweiter Hand. Die Bildunterschriften sorgen für einen propagandistischen Ton und verdrehen oftmals die Fakten. Ihre Glaubwürdigkeit und Wirklichkeitsnähe büßen die Bilder vom Krieg damit unwiderruflich ein. Etwa 100 professionelle Pressefotografen und unzählige private Bildreporter bereisen die Fronten. Ihre Bilder, die in illustrierten Zeitschriften abgedruckt werden, unterliegen jedoch der staatlichen Zensur.

Filmpropaganda: Der Film ist bei Kriegsausbruch noch keine 20 Jahre alt, dennoch ist das Kino bereits ein massenkulturelles Phänomen und wird bereits als innovatives Propagandamedium eingesetzt. Filme der Zeit sind zwar stumm, die Vorführungen finden aber meist mit Musikbegleitung statt. Sprache wird über Zwischentitel vermittelt, die oft entscheidend zur Geschlossenheit der filmischen Erzählung beitragen. Das Kino wird zum patriotischen Erlebnisraum, zur Quelle von Information und Unterhaltung gleichermaßen. Es vermittelt in den Lichtspielhäusern der Heimat Eindrücke vom Kampfgeschehen und sorgt gleichsam für Zerstreuung vom Krieg. Vom fiktionalen Spielfilm bis zu dokumentarischen Formen und direkten Werbeansprachen bemühen sich eine Vielzahl von Filmgattungen um die Beeinflussung des Massenpublikums.

Werbefeldzüge: Die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit, Propagandabotschaften in den öffentlichen Raum zu bringen, besteht im Plakatieren. Von der schlichten Bekanntmachung über anspruchsvollere Schriftplakate bis hin zur ideenreichen Bildpropaganda wird das Plakat im Ersten Weltkrieg zu einem der wichtigsten Massenmedien überhaupt. Ursprünglich stammt es aus der Werbebranche. Insofern sind in allen Kriegsstaaten vor allem Reklamegrafiker federführend bei der neuartigen Anwendung des Plakats für politische Zwecke. Die staatliche Propaganda wirbt für Kriegsanleihen, ruft die Bevölkerung zum kollektiven Verzicht während der Mangelwirtschaft auf oder fordert auf zu „Liebesgaben“, Päckchen aus der Heimat, die die Moral an der Front stärken sollen. Doch der kommerzielle Charakter der Kriegsplakate wird bis etwa 1916 von der Öffentlichkeit überwiegend als unangemessen kritisiert. Die Wahrnehmung des Plakats wandelt sich im Laufe der Kriegsjahre, eine Gewöhnung findet statt, die Vorbehalte schwinden. Die Massenansprache zur Werbung für die Kriegsanleihen wird dementsprechend offensiver und setzt ab 1917 in allen Staaten auf die Emotionalisierung des Betrachters.

Plakate fordern die Bevölkerung mit großem Erfolg zur Einbringung ihres Privatvermögens auf. Die Mittelmächte mit den Hauptverbündeten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn verfolgen die Praxis regelmäßiger Kriegsanleihekampagnen im Herbst und Frühjahr. Bei den Entente-Mächten Großbritannien, Frankreich und Russland erfolgen die Kampagnen hingegen anlassbezogen je nach Kriegsverlauf und Finanzbedarf. Nach der militärischen Niederlage sind die investierten Gelder in Deutschland und Österreich verloren. Die Propaganda trägt im Ergebnis zur Vernichtung großer Vermögenswerte bei.

Besonders wirksam sind Menschen als Propaganda-Instrument. Vor allem im den USA agieren Filmstars aus Hollywood als Multiplikatoren der Regierungsmeinung. Unmittelbar nach Kriegseintritt der USA machen Berühmtheiten wie Charles Chaplin, Douglas Fairbanks und Mary Pickford Werbung für Liberty Bonds (Kriegsanleihen) oder rufen zum freiwilligen Kriegsdienst auf. In einer Zeit ohne Radio sind öffentliche Reden ein besonders effektives Mittel der Massenansprache. Um positive Stimmung für den umstrittenen Kriegseintritt zu erzeugen, ruft das amerikanische Committee on Public Information (CPI) die Four Minute Men ins Leben, ein flächendeckendes Netzwerk von freiwilligen Propaganda-Rednern aus unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen. Über 75.000 rhetorisch geschulte Männer und Frauen halten bis Kriegsende mehr als 800.000 Vorträge und sollen in Kinos, Theatern und auf öffentlichen Plätzen rund 400 Millionen Menschen erreicht haben.

Erinnerung: Gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt hat das Museum für Kunst und Gewerbe die Hamburger Bevölkerung im Frühjahr 2014 um private Erinnerungsstücke zum Ersten Weltkrieg gebeten. Die abgegebenen Objekte der vielfach nicht wieder aus dem Krieg zurückgekehrten Angehörigen durchbrechen mit persönlichen Stimmen die anonyme Beschallung der Propaganda. Die staatliche Meinungslenkung in Form von Durchhalteparolen, Heldenbildern oder idealisierten Zeitungsschlagzeilen findet sich aber selbst in privaten Fotoalben und Alltagsgegenständen wieder. Diese Ambivalenz zeigen auch die Feldpostbriefe früherer Mitarbeiter des MKG aus dem Museumsarchiv oder die privaten Frontbilder des Zeichners Friedrich Elling. Authentische Erinnerung und Propaganda-Gemeinplätze verschwimmen.

Leihgeber: Schloßparkmuseum, Bad Kreuznach | Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin | Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin | Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz | Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin | Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin | Stiftung Stadtmuseum Berlin | Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn | Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden | Marinekommando, 1. U-Bootgeschwader, Eckernförde | La Camera Stylo Film Collection GmbH, Hamburg | Elke Dröscher, Hamburg | Internationales Maritimes Museum Hamburg | Staats- und Universitäts-bibliothek Hamburg Carl von Ossietzky | Stiftung Historische Museen Hamburg – Altonaer Museum | Stiftung Historische Museen Hamburg – Hamburg Museum | Jürgen Hach, Kiel-Schulensee | Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig | British Film Institute, London | Imperial War Museums, London | Victoria and Albert Museum, London | Filmoteca Española, Madrid | Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim | Dithmarscher Landesmuseum, Meldorf | Münchner Stadtmuseum | Spielzeugmuseum Nürnberg | Gaumont Pathé, Paris | Lobster Films, Paris | Roy Export S.A.S., Paris | Bibliothek für Zeitgeschichte, Württembergische Landesbibliothek Stuttgart | AG Loiperdinger + Pinschewer, Trier | Deutsches Harmonikamuseum, Trossingen | Library of Congress, Washington D. C. | Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden | sowie zwei Privatsammler

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Sabine Schulze, Leonie Beiersdorf und Dennis Conrad, mit Texten von Leonie Beiersdorf, Frank Böhme, Dennis Conrad, Simon Klingler, Philip Rosin, Maryam Schnepper, Friederike Schütt, Sabine Schulze, ca. 224 Seiten, ca. 180 Abbildungen in Farbe, 20 × 28 cm, gebunden, 25 Euro.

A SINGULAR FORM

A SINGULAR FORM

Asier Mendizabal, Untitled (Forcola #1), 2013

Kuratiert von Pablo Lafuente
Mit Werken von Martha Araújo, Ricardo Basbaum, Dustin Ericksen, Asger Jorn (mit Gérard Franceschi),
Hilary Lloyd, Asier Mendizabal, Peter Madsen, Bruno Munari, Nicole Wermers und einigen anderen Dingen

A Singular Form führt künstlerische Arbeiten und Alltagsgegenstände zusammen und schafft einen gedanklichen Raum für mögliche Verwendungen und Bedeutungen, die deutlich über jene hinausgehen, die diesen Objekten üblicherweise zugeschrieben werden. Ausgestellt in den Räumen der Secession, legen die Objekte durch ihre bloße Beschaffenheit sowie ihre Anordnung nicht nur einen bestimmten Zugang oder eine spezifische Funktion nahe – vielmehr verweisen sie auch auf die Befreiung von solchen exemplarischen Festlegungen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Form und der vermeintlichen Bedeutung von künstlerischen wie nicht-künstlerischen Gegenständen ist einerseits ein typisches, andererseits ein sehr abstraktes Anliegen. A Singular Form veranschaulicht es durch den Fokus auf die skulpturale Form, während zugleich durch die Gesamtheit der ausgestellten Objekte eine Verschiebung vom Skulpturalen zum Funktionalen stattfindet. Die derart veränderte Perspektive offenbart, dass die materiellen Strukturen der Objekte Teil eines sich wandelnden Beziehungsgeflechts bzw. einer Abfolge von Tätigkeiten (wie Betrachtung, Handlung, Gebrauch und Verwandlung) sind, denen sie wiederum alternierend als Katalysatoren, Hilfsmittel oder Grundlage dienen.

Das Display rahmt und organisiert die Objekte zugleich als Dinge und Bilder, um so ihre potenzielle Wirkung zu verstärken – eine Kraft, die fixe Funktionszuschreibungen auflöst und damit auch die Bedingungen verändert, unter denen Leben um sie herum stattfinden kann.

Pablo Lafuente wurde eingeladen vom Vorstand der Secession.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Texten von Franz Boas, Roger Caillois, Fernand Deligny, Asger Jorn und Pablo Lafuente.

fLOWRES – Audiovisuelles Festival

fLOWRES ist mehr als eine multimediale Installation oder ein audiovisuelles Kunstwerk.

Vom 16. Juli bis zum 10. August werden über 30 internationale Künstler den Kunstpavillon des alten Botanischen Gartens in eine Oase aus Licht und Klang verwandeln, um auf das weltweite Bienensterben aufmerksam zu machen.

Kern der Ausstellung wird ein interaktives Szenario sein, welches den Besuchern ermöglicht, ihr Handeln innerhalb eines virtuellen Ökosystems zu hinterfragen und zu erproben, welche Folgen eines jeden Handeln auf seine Umwelt hat.

fLOWRES ist als Idee organisch gewachsen und dennoch digital. Sie bezieht ihre Kraft aus dem Austausch von Gedanken unter allen beteiligten Künstler, Elektrizität verleiht ihr eine vorübergehende Form.

Seit Anfang des Jahres werden von Künstlern weltweit audio-visuelle Blumen, Blüten und Bienen angefertigt und weitergegeben, um mittels einer Projektion in die Architektur des Kunstpavillons eingearbeitet zu werden. Durch Licht- und Soundinstallation wird der Kunstpavillon tagsüber so zu einem virtuellen Bienenstock, dessen Brummen sich gegen den Verkehrslärm der Elisenstraße kaum abhebt, aber deutlich zu unterscheiden sein wird.

Das Programm:

16.07.2014 The Dots
17.07.2014 Wavemarrow
18.07.2014 Mimicof
19.07.2014 Dinner
25.07.2014 Ash my Love + Silver Dolls
26.07.2014 Marlene Weber, Little Big Sea, Mäkkelä
01.08.2014 The Kotelett Yard
02.08.2014 Difficult music for difficult people mit Rumpeln
09.08.2014 Jono Ono, Michale Tanner + Hexxibition

Näheres zu Programm und Künstlern auf der Webseite von fLOWRES:
www.flowres.de

Max Uhlig | vor der Natur gewachsen

 Max Uhlig | vor der Natur gewachsen Le Mont Ventaux, 26.4.1995, Öl auf Leinwand

Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen widmet sich mit Max Uhlig einem Künstler, der zu den wichtigen deutschen Malern der Gegenwart gehört. Zum ersten Mal steht dabei sein malerisches und zeichnerisches Gesamtwerk im Mittelpunkt.
Sein künstlerischer Eigensinn und besonderer Stil waren die Garantie für Qualität in politisch wie kulturell verschiedenen Gesellschaften. Immer ist Max Uhlig sich dabei selbst treu geblieben. Seine Werke befinden sich heute in vielen Sammlungen in Deutschland und weltweit, von Paris bis Basel oder London und New York.
Ausgangspunkt ist für ihn die Anschauung, die Arbeit vor dem Objekt oder in der Natur. Den Prozess des Sehens überträgt Max Uhlig dabei in seine Bilder. Er sucht nicht den überraschenden Moment: „Für mich wird eine Sache interessant, wenn sie durch langes Anschauen fremd wird.“ (M. Uhlig) Dieser künstlerischen Position trägt auch der Titel der Ausstellung Rechnung.
Neben den großformatigen Landschaftsgemälden der neunziger Jahre aus Frankreich sind kleine Landschaften der siebziger Jahre ebenso zu sehen wie die markanten Porträtköpfe. Wundervolle farbige Aquarelle der mecklenburgischen Landschaft, der Blick aus dem Atelierfenster in Dresden oder kaum bekannte Straßenszenen der achtziger Jahre und große schwarz-weiße Tuschezeichnungen, wie sie für die Entwürfe der Chorfenster der Magdeburger Johanniskirche Verwendung finden.
Die Retrospektive ist jedoch nur die Ouvertüre für eine dauerhafte Präsenz von Werken des 1937 in Dresden geborenen Künstlers in Magdeburg. Noch in diesem Jahr wird mit dem Einbau der 13 von ihm entworfenen Glasfenster in der spätgotischen Johanniskirche begonnen. Sie basieren auf zwei für den Motivkreis Max Uhligs grundlegenden und immer wiederkehrenden Themen: Vegetation und Landschaft, die in stark abstrahierter Form in den hohen Fenstern des Chores und der Südseit! e ersche inen. Die Chorfenster, in denen stilisierte Weinstöcke angeordnet werden, sind farblich zurückhaltend, als Grisaillen gestaltet (schwarz/weiß/grau,  mit Zwischentönen). Die Südseite zeigt die für den Künstler typische Farbigkeit.
Zur Ausstellung erscheint eine Monographie im Hirmer Verlag, München.

Max Uhlig
geb. 1937 in Dresden / 1951-1954 Lehre als grafischer Zeichner / 1955-1957 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden, bei Theo Richter und Max Schwimmer / 1961-1963 Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste, Berlin / 1987 Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste (DDR) / 1989 Gastdozent an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg / 1995-2002 Professur für Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden / 1995 Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste / Januar 1996 Vernichtung eines Großteils des Werkes im Atelier im Künstlerhaus Loschwitz / zahlreiche internationale Kunstpreise und Ehrungen

REGINA SCHMEKEN. Unter Spielern – Die Nationalmannschaft

Bewegung, verdichtet auf diesen einen Moment – konzentriert und intensiv sind die Arbeiten von Regina Schmeken, in denen sie die Spieler der Nationalmannschaft mit
einem besonderen Blick eingefangen hat. Wir freuen uns, Ihnen diese großformatigen Fotoarbeiten sowie weitere Sujets in der Ausstellung »Regina Schmeken. Unter Spielern – Die Nationalmannschaft« präsentieren zu können.

Für Regina Schmeken ist die Darstellung von Bewegung ein Schwerpunkt ihrer künst- lerischen Arbeit. Ihre seriellen Fotografien konzentrieren sich auf den entscheidenden Moment zwischen Stillstand und Aktion in Fußball, Tanz, Stabhochsprung oder Fechten. Die durchtrainierten Körper der Akteure gewinnen durch das Schwarz-Weiß der Auf-
nahmen eine skulpturale Qualität, die durch eine ungewöhnliche Komposition und Licht-führung verstärkt wird. Der schier unerschöpflichen Flut an Szenen, die sich vor unseren Augen abspielen, und der wir tagtäglich ausgesetzt sind, stellt Regina Schmeken ihre präzisen Schwarz-Weiß-Aufnahmen entgegen. Die Präzision entsteht als Prozess: von der Aufnahme, der Komposition durch den Sucher, »alte Schule«, so Regina Schmeken, bis zur nachträglichen Belichtung und Bildbearbeitung. Durch die Lichtsetzung entsteht das Bild, wird zum subjektiven Moment: »Mein Thema ist die Subjektivität des Objektivs, das heißt eine subjektive Wahrnehmung mit der scheinbar so objektiven Technik der Fotografie.«

Seit 2004 fotografiert Regina Schmeken Fußballer bei Bundesliga- und Länderspielen in deutschen und internationalen Stadien. Durch eine Begegnung mit Oliver Bierhoff, dem Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, vor den Bildern ihrer Ausstellung
»No Sports« in der Münchner Galerie Neumeister kam es zu einem gemeinsamen Projekt: ab März 2011 bis zum Ende der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine begleitete die Fotografin die Mannschaft zu insgesamt 16 internationalen Spielen.

Regina Schmeken zeigt die Begegnung und das Spiel der Männer mit dem Ball wie eine Choreografie, gesehen aus einer besonderen Perspektive – 45 Fotografien aus der Serie »Unter Spielern – Die Nationalmannschaft« sind im Ateliergebäude der Villa Stuck zu besichtigen. Neben diesen Arbeiten präsentiert das Museum Villa Stuck eine Auswahl früherer Fotografien, die die unterschiedlichen Kontexte aufzeigen, in denen sich
Regina Schmeken dem Thema Bewegung seit langer Zeit nähert. Die siebenteilige Serie »Semâ« aus dem Jahr 2004 ist eine faszinierende Studie über die Bewegungsmeditation türkischer Derwische. Drei Fotoarbeiten aus drei Jahrzehnten werden zusammen mit
dieser Installation im selben Raum gezeigt, im Fokus der Betrachtung die Beine als Fortbewegungsmittel des Menschen.

Regina Schmekens unverkennbarer Schwarz-Weiß-Stil zieht den Betrachter, um im Fuß- balljargon zu bleiben, »in die Tiefe des Raumes«, während das Zusammenspiel aus Kom- position und Lichtführung größtmögliche Konzentration erzeugt: »Für mich war die Kamera immer schon ein hoch entwickelter Bleistift, mit dem ich sozusagen mit Licht zeichnen und einen sehr persönlichen Stil entwickeln kann. Darum sind meine Bilder schwarz-weiß.
Es geht um Schreiben mit Licht. Ohne das Licht würde diese Welt nicht existieren.«

Ein Interview mit Regina Schmeken zur Ausstellung finden Sie hier:
http://vimeo.com/98022615

Die Welt um 1914 Farbfotografie vor dem Großen Krieg

Die Welt um 1914  Farbfotografie vor dem Großen Krieg

Albert Kahn, Les Archives de la planete
Stephane Passet, China, Peking, Palast des himmlischen Friedens, vierter Hof, östlicher Anbau, ein Hohepriester in zeremoniellem Gewand, 26. Mai 1913
© Musee Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine

In Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zeigt der Martin-Gropius-Bau mit der Ausstellung Die Welt um 1914 –  Farbfotografie vor dem Großen Krieg bislang fast vergessene Farbfotografien und Filme, die der französische Bankier Albert Kahn (1860–1940) vor dem Ersten Weltkrieg in Auftrag gegeben hat. Begeistert vom farbfotografischen Verfahren der Gebrüder Lumière sandte er in einer Zeit, als die Nationen Europas bereits zum Großen Krieg rüsteten, Fotografen in die Welt, um ein einzigartiges Bildarchiv aufzubauen. In diesem Archiv haben sich über 70.000 Farbbildaufnahmen erhalten. Sie stellen einen immensen ethnografischen Schatz dar und sollten zugleich eine Friedensmission erfüllen: Die Fremde in die Nähe zu holen. Seine Aktivitäten sollten den langst brüchig gewordenen Frieden sichern helfen. Die Ausstellung bringt den Bilderschatz einer längst versunkenen Welt ans Licht.

Für Albert Kahn stand die Kenntnis von Völkern, Bauten, Landschaften und Lebensweisen in direktem Zusammenhang mit der erhofften Friedfertigkeit der Menschen untereinander: Wer sich kennt,  respektiert, und von Angesicht zu Angesicht begegnet,  muss keinen Krieg führen.

Begeistert vom neuen Autochromverfahren der Brüder Auguste und Louis Lumière beauftragte er 1908/9 Fotografen die Welt zu dokumentieren, um mit deren Farbbildern aus Europa, Asien und Afrika dieses Archiv aufzubauen. Fotografiert wurden lokale Szenerien, Menschen in typischer Kleidung und Monumente der Kulturgeschichte.

Aus diesem globalen Bilderschatz wurden für die Ausstellung über 160 Aufnahmen ausgewählt. Den Mittelpunkt bilden die Autochrome aus dem Kahnschen Archiv. Gezeigt werden weiterhin Aufnahmen und Projektionen von Adolf Miethe(1862-1927)und Sergej M. Prokudin-Gorskii (1863–1944).

Adolf Miethe, Erfinder einer panchromatischen Filmbeschichtung und damit Urheber des Dreifarbendrucks, hatte einen bedeutenden Anteil an der Fortentwicklung der Farbfotografie. Seine Vorführung im Kaiserhaus erbrachte den Auftrag zur farbigen Dokumentation deutscher Landschaften für die Weltausstellung in St. Louis. Auch als Sammelbilder in Schokoladentafeln erfreuten sie sich großer Beliebtheit. So entstand auch der erste fotografische Farbbildband Deutschlands – das „Stollwerck-Album“.

Das Miethe’sche Verfahren inspirierte zudem den russischen Fotografen Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorskii. Seine Arbeiten sind mit etwa 25 Fotoabzügen und 50 projizierten Aufnahmen präsent. Eine besondere Leihgabe kommt aus dem Deutschen Museum in München: der originale Projektor, mit dem Sergei Prokudin-Gorskii dem letzten Zaren Nikolaus II. seine Arbeiten vorgeführt hat. Infolge dieser Präsentation erhielt er 1909 den Auftrag, das Russische Reich in 10.000 Aufnahmen festzuhalten. Zwischen 1909 und 1915 schuf Gorskii mehrere Tausend Fotografien von großer Brillanz. Er dokumentierte die kulturelle Vielfalt des Zarenreiches von der Krim bis Sibirien.

Katalog
Erschienen im Hatje Cantz Verlag
1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg
ISBN 978-3-7757-3644-2
Buchhandelsausgabe: 24,80 €
Museumsausgabe: 16 €

40 Jahre Sammlung – 10 Jahre Museum Frieder Burda

 40 Jahre Sammlung - 10 Jahre Museum Frieder Burda

„Die Malerei dieser Zeit ist nicht ins Konzept abgewandert“

Von Picasso über Richter, Polke und Baselitz bis zu Neo Rauch: Zum 10 jährigen Jubiläum präsentiert das Museum Frieder Burda Highlights seiner hochkarätigen Sammlung.
Aus Faszination an der Farbe und ihren emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten begann Frieder Burda vor rund 40 Jahren mit dem Sammeln von Kunst. Mittlerweile umfasst seine Sammlung rund 1.000 Werke der Klassischen Moderne sowie der zeitgenössischen Kunst. Anlässlich seines 10jährigen Bestehens präsentiert das Museum Frieder Burda in der großen Jubiläumsausstellung Highlights der Sammlung. Wie bei der Eröffnungsausstellung im Jahr 2004 werden die ausgewählten Arbeiten wieder sowohl in den eigenen Räumen als auch in der benachbarten Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden gezeigt, was die besondere Partnerschaft zwischen öffentlichem Kulturauftrag und privatem Kunstengagement unterstreicht. Die Ausstellung wird von Götz Adriani und Helmut Friedel kuratiert.
Gemeinsame Schlüsselfigur ist in beiden Präsentationen die Malerei Gerhard Richters. Welche Rolle spielt er in der Sammlung Frieder Burda?
Götz Adriani: Die Sammlung Frieder Burda bietet sich geradezu an, in der Ausstellung Schwerpunkte zu setzen und spannende Konfrontationen zu inszenieren. Einer dieser Schwerpunkte wird im großen Saal des Hauses  in der Tat die abstrakte Malerei Gerhard Richters sein. Wie ein roter Faden wird sich dann das Werk Richters mit weiteren Bildern in immer neuen Kontexten durch die gesamte Ausstellung ziehen.
Helmut Friedel: Die Sammlung Frieder Burda ist für mich gerade deshalb so spannend, weil sie erlaubt, neben vielem anderen, vor allem auch der starken Bedeutung des Bildes in der deutschen Malerei der letzten 50 Jahre nachzugehen. Sie zeigt ein Spektrum, das von den großen Figurationen Bas elitz` und Polkes über Lüpertz und Kiefer weiterreicht bis hin zu der zentralen Position Gerhard Richters und seinen außergewöhnlichen Abstraktionen. Die Amerikaner wie Copley, aber auch Positionen wie die Picassos bieten zu diesem großen Gefüge Kontrapunkte, sie machen das Beziehungsgeflecht spannend. Nicht zu vergessen ZERO, das wiederum mit Kiefer das Materielle im Bild zulässt, wenn nicht feiert.
Also wird es längst nicht nur Richter und die großen deutschen Malerfiguren geben?
Götz Adriani: In den oberen Räumen konfrontiere ich bewusst und ausgehend vom Deutschen Expressionismus von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner oder August Macke den Abstrakten Amerikanischen Expressionismus der 50er Jahre, das heißt zentrale Werke von Jackson Pollock, Mark Rothko, Willem de Kooning oder Clyfford Still, mit den unmittelbar danach auftretende n gegenständlichen Tendenzen der Pop Art eines Robert Rauschenberg mit Malcolm Morley und Alex Katz.
Wie reagiert Ihre Auswahl auf die spezifische Architektur der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, Herr Friedel?
Helmut Friedel: Insgesamt geht es bei meinem Konzept auch darum, die Bedingungen der Architektur für die Präsentation von Malerei zu erkunden und zu hinterfragen. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden mit ihrem Oberlicht ist ein wunderbarer Ort der Kunstpräsentation, vor allem aber von Malerei, auch im spannenden Gegensatz zu dem strengen, lichten Richard Meier-Bau mit seinen besonderen Qualitäten. Wie behaupten sich die Maler und ihre Malerei unter den verschiedenen Bedingungen? Die beiden Gebäude in ihrer zweifellos bestehenden, wenn auch unterschiedlichen Qualität werden dabei aber nicht gegeneinander ausgespielt, sondern belebend kontrastiert.
In wie weit erfahren Sie die Sammlung auch als einen Spiegel ihrer Zeit?

Götz Adriani: Da die Sammlung einen Zeitraum von rund 100 Jahren umfasst, spiegeln sich in ihr auch die unterschiedlichen Zeiten mit all ihren Veränderungen und Auseinandersetzungen, ihren Vereinnahmungen und geschichtsträchtigen Brüchen. Die wunderbare, unter bestimmten historischen Voraussetzungen entstandene Abfolge von Kunstwerken zeigt ein Länder und Kontinente übergreifendes Konglomerat aus Vergangenem und Gegenwärtigem, das auch Aspekte des Zukünftigen offenhält.
Helmut Friedel: In der Sammlung ist vor allem der Geist der frühen BRD vertreten, mit ihren Altlasten, aber vor allem mit ihrem Optimismus.  Die Adenauer-Ära, die Bonner Republik steht für den wirtschaftlichen Aufstieg, aber auch für die ersten Lektionen, die man dafür in Empf ang nehmen musste, wie zum Beispiel die beginnenden Studentenunruhen. Trotzdem ist die Malerei dieser Zeit nicht ins Konzept abgewandert, sondern ist genau da verblieben, wo Konflikte ausgehandelt wurden und auch werden mussten. Sie hat die alte Idee des Bildes hochgehalten und die auftretenden Spannungen ausgehalten – und genutzt, um das Konzept des gemalten Bildes, das Medium der Malerei noch einmal mehr auszureizen.

DIE KINDER VON TACLOBAN 100 KAMERAS FÜR 100 KINDER

DIE KINDER VON TACLOBAN 100 KAMERAS FÜR 100 KINDER

OUTDOOR-AUSSTELLUNG AUF DEM DEICHTORHALLEN-PLATZ
In der Outdoor-Ausstellung »Die Kinder von Tacloban – 100 Kameras für 100 Kinder« werden Bilder von Kinder und Jugendlichen aus dem
philippinischen Ort Tacloban pra sentiert, die ihre Eindru cke vom Leben nach dem verheerenden Taifun »Haiyan« festhielten. Die gemeinsam mit CEWE und dem NDR Fernsehen realisierte Ausstellung geht auf ein Langzeitprojekt des ARD-Fernsehkorrespondenten Philipp Abresch zuru ck, der seit etwa 15 Jahren Einwegkameras in Krisengebieten verteilt.

Mit einem leichten Windzug, einem Lu ftchen, hatte sich »Haiyan«
angeku ndigt. Im November 2013 zieht der Taifun u ber die Visayas,
eine Inselgruppe der Philippinen. »Haiyan« entwickelt sich schnell
zu einem der heftigsten Wirbelstu rme aller Zeiten. Wer ihn u berlebt,
wird spa ter sagen, der Sturm sei so ohrenbeta ubend und donnernd
gewesen wie ein heranbrausender Jumbo-Jet.

Besonders betroffen ist die Ku stenstadt Tacloban. Eine Flutwelle
schießt durch die Straßen, Ha user stu rzen ein. Die Bo en fegen
Wellblechda cher, Steine und Holzsplitter wie Geschosse durch die
Strassen. Bis heute stecken die Splitter so tief in den Palmensta mmen, dass sie mit bloßen Ha nden nicht herauszubekommen sind. An diesem Tag im November sterben in Tacloban etwa 6.000 Menschen.

ARD-Fernsehkorrespondent Philipp Abresch berichtet vom ersten Tag an u ber die Sturm-Katastrophe. Mehrmals kehrt er mit seinem Team in die zersto rte Stadt zuru ck. Er informiert fu r die Tagesschau, die Tagesthemen, den ARD-Weltspiegel und die NDR-Weltbilder u ber die
Folgen des Taifuns.

Wie aber erleben die Betroffenen selbst den Alltag im Ausnahme- zustand? Einen Monat nach dem Taifun versucht Philipp Abresch
ein Experiment: Er verteilt 100 Einwegkameras an Kinder und
Jugendliche. Die jungen Fotografen sollen festhalten, was ihnen
wichtig ist und was sie anderen Menschen zeigen mo chten. In Tacloban entstehen so fast 4.000 Bilder: Schnappschu sse, die den Alltag in den Tru mmern festhalten, Momentaufnahmen, die zeigen wie die Stadt langsam zum Leben erwacht; Bilder, manchmal traurig und erschreckend.
Viel ha ufiger aber voller Energie, Humor und Lebensfreude. Kuratiert
von Ingo Taubhorn ist jetzt erstmals eine Auswahl von 40 Bildern
dieser Fotografien in der Outdoor-Ausstellung vor den Deichtorhallen
Hamburg zu sehen.

Die Bilder der Kinder und Jugendlichen haben eine ganz eigene,
anziehende A sthetik. Sie sind teils verwackelt, ungelenk, amateurhaft. Denn viele der jungen Fotografen haben noch nie in ihrem Leben eine Kamera in den Ha nden gehalten. Sie probieren und experimentieren – begeistert von der Idee, etwas Bleibendes zu schaffen. Unendlich stolz, sich mitzuteilen und geho rt zu werden!

PHOTOS OF HOPE

Seit etwa 15 Jahren organisiert Philipp Abresch Projekte mit
Einwegkameras. Seine Aktionen fu hren ha ufig an die Bruchlinien
unserer Gesellschaft, in Kriegs- und Katastrophengebiete – Kosovo,
Syrien, Irak – in die Weite der Sahara, in den dichten Regenwald
Su dostasiens, in die Armut der Vorsta dte. Die Idee: jungen Menschen
mit Hilfe der Fotografie eine Stimme geben. Abresch nennt sein Projekt
»Photos of Hope«. Das Werk umfasst mittlerweile zehntausende
Fotografien aus u ber 50 La ndern.

FILM

Weltspiegel-Beitrag zum Projekt unter

http://www.tagesschau.de/ausland/philippinen-weltspiegel102.html

ÖFFNUNGSZEITEN

Die Outdoor-Ausstellung ist Tag und Nacht kostenlos auf dem
Deichtorhallen-Platz vom 8. Juli bis 31. August 2014 zu besuchen

HORIZONT JAWLENSKY. Auf den Spuren von van Gogh, Matisse, Gauguin

Im Jahr 2014 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Alexej von Jawlensky. Gemeinsam mit dem Museum Wiesbaden ehrt die Kunsthalle Emden diesen wesentlichen Protagonisten der Klassischen Moderne aus dem Umfeld der Künstlervereinigung “Der Blaue Reiter” mit einer großen Ausstellung. Im Fokus der Schau stehen der junge Jawlensky und seine Verbindungen zu Künstlerkollegen wie Corinth, van Gogh, Gaugin, Matisse und Munch.

Die Ausstellung “Horizont Jawlensky” präsentiert die künstlerische Entwicklung Jawlenskys vom unbekannten jungen Realisten zum weltberühmten Expressionisten mit ca. 70 Werken aus seiner populärsten Schaffensphase in den Jahren von 1900 bis 1914. Um den “Horizont” des Künstlers in dieser Zeit zu veranschaulichen, stehen seinen Gemälden rund 40 aussagekräftige Werke von Malern, die ihn in diesen Jahren maßgeblich beeinflußten, gegenüber. Mit jeder Reise, die der Künstler von München aus unternahm – etwa nach Frankreich, in die Schweiz oder an die Ostsee – erweiterte sich nicht nur sein Horizont, sondern kristallisierte sich auch sein ihm eigener Stil, der ihn weltberühmt machen sollte, immer deutlicher heraus. Die rasante Entwicklung endet mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914, als er zusammen mit seiner Weggefährtin Marianne von Werefkin Deutschland innerhalb von 48 Stunden verlassen musste.

Die Ausstellung beginnt in der Kunsthalle Emden am 21. Juni 2014 und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Der umfangreiche Katalog, gebunden mit Schutzumschlag, 312 Seiten mit 327 Abbildungen kostet an der Museumskasse 30 €.

Filmtrailer zum  Ausstellungs-Film “Alexej von Jawlensky”
Vom Museum Wiesbaden und der Kunsthalle Emden wurde ein 40minütiger Film produziert, der in beiden Häusern gezeigt sowie zum Kauf angeboten wird (VK 15 €).

Jawlensky Blog
Jochen Hünnebeck führt einen Blog über interessante Aspekte und Hintergründe der Jawlensky-Ausstellung, aber auch über die Geschehnisse hinter den Kulissen eines solchen Projektes. Der Blog läuft auf der Seite der Ostfriesland Tourismus GmbH. Mit diesem Link kommen Sie direkt hin!

Faile Fuel, Fantasy, Freedom

Im Sommer 2014 kehrt das Brooklyn Künstler Duo FAILE nach Europa zurück – im Gepäck die neue multimediale Serie „Fuel, Fantasy, Freedom“. Die Sujets von FAILE’s Malerei und skulpturalen Werken beinhaltete bis dato fantastische Charaktere und Szenen. Die neue Serie hingegen, die erstmals in der Galerie Hilger NEXT am 2.Juli präsentiert wird taucht in Traumwelten und Kindheitserinnerungen der beiden Ausnahmekünstler ein und spiegelt eine noch nie da da gewesene Auseinandersetzung mit diesen Thematiken wieder.