AND AND AND Event 18 Bik Van der Pol and Jan van de Pavert

AND AND AND / Event 18 / Bik Van der Pol and Jan van de Pavert / Jeder für sich – Everyone For Themselves / Rotterdam / 9. bis 13. Mai 2012
»Jeder für sich – Everyone For Themselves«
Ethik und Ökonomie der Kunst in der Diskussion
Ein eintägiges Symposium (Samstag, 12. Mai), ein Workshop (Mittwoch, 9. Mai) sowie eine dazu einführende Woche mit Hausaufgaben (9. bis 13. Mai)

AND AND AND ist eine Künstlerinitiative, die den Zeitraum bis zur dOCUMENTA (13) im Juni 2012 nutzen wird, um gemeinsam mit anderen KünstlerInnen und Gruppen aus der ganzen Welt die Rolle von Kunst und Kultur und der adressierten Öffentlichkeiten in der heutigen Zeit zur Diskussion zu stellen. Die so entstehende Serie künstlerischer Interventionen und Ereignisse ist Teil der dOCUMENTA (13). Sie leistet eine Bestandsaufnahme unterschiedlichster zeitgenössischer Positionen und bietet verschiedene Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung.
Für die achtzehnte Folge von AND AND AND schrieben Bik Van der Pol und Jan van de Pavert die nachstehende Einführung:
»Können die Kapitalflüsse der heutigen Kunstwelt nachgewiesen, nachverfolgt und sichtbar gemacht werden? Wie sehen die ethischen Rahmenbedingen aus, welche die Abläufe hinter den Kulissen der verschiedenen Institutionen und Ausstellungen, einschließlich der Biennalen und der documenta, sowie die offensichtlicheren bei den Kunstmessen, bestimmen und wie werden diese derzeit von der herrschenden Krise verändert? Lassen sich Schlüsse daraus ziehen, was produziert wird, in welchem Kontext und daraus, was sichtbar wird und was im Verborgenen verbleibt? Welche spezifische Rolle spielt bei all dem der Markt, sowohl historisch betrachtet, hinsichtlich der gegenwärtigen Lage und für die Zukunft, und wie wird unsere Wahrnehmung dadurch beeinflusst?
Wie schon in den frühen 80er Jahren in den Niederlanden, tritt eine zyklisch wiederkehrende Krise in Erscheinung, die beinahe den Eindruck erweckt, sie sei »natürlicher« Bestandteil der ökonomischen Entwicklungen. Sie entspringt den erneuerten Forderungen nach hybriden Modellen, welche die neoliberalen Paradigmen absichern und Lösungen für den öffentlichen Bereich liefern sollen. Desgleichen werden weitere Kürzungen der öffentlichen Kunstförderung in den Niederlanden zu Beginn des Jahres 2013 stattfinden. Aufgrund all dessen sehen sich nun die verschiedenen Spieler auf dem kulturellen Feld einander in neuen Beziehungen gegenübergestellt, sie teilen sich eine Arena des Wettbewerbs, die sie vor die Wahl stellt, gegeneinander anzutreten oder zusammenzuarbeiten.«
»Jeder für sich – Everyone For Themselves« setzt sich aus einer Hausaufgabenschule (9. bis 13. Mai) und einem Workshop (9. Mai), sowie einem eintägigen Symposium (12. Mai) zusammen. Alle Veranstaltungen finden im Witte de With in Rotterdam statt.
Ausgangspunkte für »Jeder für sich – Everyone For Themselves« sind Prisoners Dilemma, ein Film des Künstlers Richard Serra aus dem Jahr 1974, der Konzepte der Spieltheorie zur Anwendung bringt, und die Dokumentationen der 4. documenta und documenta 5 von Jef Cornelis. Beide documenta-Dokumentationen wurden vom VRT, einer öffentlich-rechtlichen belgischen Fernsehanstalt, am 13. August 1968 (4. documenta) sowie am 28. Juli 1972 (documenta 5) gesendet. Einen weiteren Bezugspunkt bildet das demnächst erscheinende Buch New Games der Schriftstellerin Pamela Lee, in welchem sie über Interaktivität in der Gegenwartskunst nachdenkt. Sie tut dies unter Bezugnahme auf Prinzipien der Spieltheorie und setzt dies in Beziehung zu den heute stattfindenden Debatten darüber, wie es um das Politische und Soziale vor der Folie des Neoliberalismus bestellt ist.
In erster Linie soll das forcierte Verhältnis zwischen Kunstmarkt und Förderungen durch die öffentliche Hand, die Gestaltung von Freiheit als ideologische Illusion und das vorsätzliche Programmieren von Wahlmöglichkeiten untersucht werden. Diese erste Ausgabe von »Jeder für sich – Everyone For Themselves« markiert den Anfang einer Serie von Gemeinschaftsveranstaltungen und Workshops, die sich das Ziel setzen, ökonomische und ethische Entwicklungen in der Kunstszene der Gegenwart zu erkunden. Bik Van der Pol und Jan van de Pavert haben »Jeder für sich – Everyone For Themselves« initiiert und in Zusammenarbeit mit Liesbeth Levy (Künstlerische Leiterin, De Unie) und Defne Ayas (Direktorin, Witte de With, Centre for Contemporary Art) entwickelt.
Termin: 9.-13. Mai 2012
Stadt: Rotterdam
Land: Niederlande

Adresse 1: De Unie, Mauritsweg 35, 3012 JT

Adresse 2: Witte de With Center for Contemporary Art, Witte de Withstraat 50, 3012 BR

AND AND AND Event 17 Rheim Alkadhi

AND AND AND / Event 17 / Rheim Alkadhi / Teilnehmer und ihre Schuhe für einen Spaziergang durch eine arabische Stadt gesucht (Gemessen wird der Einfluss der Bewegung auf das Stampfen des Klangs) / Amman / 4. Mai 2012
AND AND AND ist eine Künstlerinitiative, die den Zeitraum bis zur dOCUMENTA (13) im Juni 2012 nutzen wird, um gemeinsam mit anderen KünstlerInnen und Gruppen aus der ganzen Welt die Rolle von Kunst und Kultur und der adressierten Öffentlichkeiten in der heutigen Zeit zur Diskussion zu stellen. Die so entstehende Serie künstlerischer Interventionen und Ereignisse ist Teil der dOCUMENTA (13). Sie leistet eine Bestandsaufnahme unterschiedlichster zeitgenössischer Positionen und bietet verschiedene Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung.
Für den 17. AND AND AND Event erreichte uns der folgende Aufruf:
»Teilnehmeraufruf:
Flüchtlinge, Exilierte, Dritter Stand, Politische Gefangene, Fremdarbeiter, verlassene Liebhaber, Hausdiener, Hungerstreikende, Träumer, Personen ohne legalen Aufenthaltsstatus, Arme, Behinderte, Schwestern, Enteignete, sexuelle Randgruppen, vertriebene Intellektuelle, Anarchisten, telepathisch begabte Künstler und ihr anderen …
Wir brauchen Euer Gewissen! Morgen werden wir zugeschnittene Metallplatten und Gemüseraspeln an unseren Schuhsohlen anbringen. Der Aufwand ist kein besonderer; wer will schon über Absonderlichkeiten des Schuhwerks disputieren? Mittels dieser Schuhe erzeugen wir ausgerechnet im Zuge unseres Gehens Geräusche. Ein ansprechender Versuch in Poesie, indem man abwechselnd den einen Fuß vor den anderen setzt.
Wir starten am Jabal Nasr (»Berg des Sieges«, Artefakt revolutionärer Hoffnung, jetzt: ständiges Flüchtlingslager). Nach einem solchen Sieg setzen wir gedemütigt fort, wir marschieren neben einem Protestzug her, der sich schon in der Innenstadt formiert hat, gehen weiter, ziehen vorbei und umkreisen all die Ministerien und Ämter, vorbei an all den Botschaften, die dem Empire zu Nutze sind, vorbei an den früheren Soldaten, an den Polizisten, vorbei am Muchabarat.
Wir haben uns entschlossen, dies hier zu tun: Auf der zirzensischen Querstraße sinnloser Kriege, brutaler Okkupationen, kolonialer Monarchien, verspäteter Bewegungsfreiheiten, der Flüchtlingslager, der Revolutionen, der Aufstände und des gegenwärtig Beteiligten. Gleichgültig, ob wir (als gegenwärtig Beteiligte) einer oder viele sind, mit unseren Sohlen aus Metall werden wir über die gepflasterten oder ungepflasterten Straßen marschieren. Wir werden eine geräuschvolle menschliche Bewegung sein.
Wie lange das Ganze dauert hängt davon ab, wie lange es dauert, ehe wir durch Wände gehen können, oder wie lange es dauert, bis diese zerbröckeln; wie lange es dauert, ehe wir die Grenzen überschreiten können oder wie lange es dauert, ehe diese Grenzen im Staub ihres Veraltens aufgehoben sein werden. Bis dies geschieht, werden wir lautstark, einen sich stetig ändernden Pfad zielgerichtet beschreiten. Wir werden anhalten und einen Schluck Wasser aus der Plastikflasche nehmen, ehe es dann weiter geht.«
Termin: 4. Mai 2012
Stadt: Amman
Land: Jordanien
Lage:Adresse: ausgehend vom Nasr Platz (Jabal Nasr)
dOCUMENTA (13) ist für die Ansichten oder  Tatsachenbehauptungen der ausgestellten Künstler und Kunstwerke nicht verantwortlich.