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Die Schatten werden länger und dunkler, denn das Kunstereignis 2012 naht.
Wozu nach Moskau, Paris oder Miami Beach reisen, jetzt kommt die documentale nach Kassel und Berlin.

Seit ihren Anfängen hat die documentale sich zum Ziel gesetzt, möglichst nüchtern zu dokumentieren und dabei auf eine gute eigene mentale Verfassung zu bauen. Auch hier muss notwendigerweise eine Auswahl getroffen werden, jedoch eine heutige, eine für die Gegenwart und ihr Lebensgefühl bestimmte. Die documentale vermeidet Spekulationen – zu viele Teilnehmer aus der Vergangenheit sind in Vergessenheit geraten, als dass sie zum Garant für Beständigkeit des Ruhms taugen könnte – und sie setzt auf aktuell relevante Inhalte statt auf verquere historische Vernetzungen und Gier nach Neuem. Innovationsbesessenheit bedeutet beschleunigten Untergang, mindestens der Menschheit, wenn nicht des Planeten.  Vor allem aber sollte man sich davor hüten, den Schlüssel zu Problemlösungen in der Kunst zu suchen: Die Welt wäre längst untergegangen, hätten Künstler ihr Schicksal bestimmt.
Die documentale versteht sich in dieser Konsequenz nicht als Möglichkeitsraum oder Bildungsanstalt, auch nicht als Resterampe der Kunstgeschichte oder Folkloreforum, sondern als eine Reise. Fließend und ratternd, schleppend und schwebend mit Hochgeschwindigkeit, Langsamkeit und vielen Stationen. Die Künstler der documentale und ihre Werke sind frei erfunden, wie nur Künstler frei erfinden können, und alle
Ähnlichkeiten mit atmenden Personen sind zufällig beabsichtigt.

Zur documentale erscheint selbstverständlich ein kompaktes Handbuch mit den Essentials, in dem die wichtigsten Positionen der sechs Sektionen präsentiert werden.
Bei der Matinee im Staatstheater Kassel wird nun eine exklusive und limitierte Sonderedition des documentale-Handbuchs vorgestellt, es kommt zur Verleihung der documentale-Awards (Bestes Career Management, Beste Appropriation Art, Lebenswerk) und einige der teilnehmenden documentale-Künstler werden den Freunden der Kultur Rede und Antwort stehen.

 

documentale
Die documentale-Editionen

2. – 11. April 2012
Galerie Stilper    Weckmarkt 7    60311 Frankfurt am Main

14. – 17. Juni 2012
Galerie cubus-m     Pohlstraße 75    10785 Berlin
Vernissage: 14. Juni, 19 Uhr

100 Notizen – 100 Gedanken in Beirut am 24. April 2012, 20 Uhr

Jetzt erhältlich: Die vierte Lieferung mit 30 Notizbüchern, sowohl in gedruckter und gebundener Form wie auch als E-Book.
Die Notiz ist eine Möglichkeit, Schreiben passieren zu lassen.
Befreit man eine Funktion wie die des Schreibens von einer alten Pflicht, dann wird sie erfinderisch – und wenn erst einmal die Sprache transformiert ist, ist alles transformiert.
Man liest keine Notizen. Man betrachtet sie, wie man auch jedes andere Lebewesen betrachtet. Wie Gras oder einen Baum oder Hunde oder Vögel oder Fische, Fliegen oder Mücken. Man betrachtet eine Notiz aber auch so, wie man einen Stein betrachtet, Ablagerungen oder einen Felsen oder ein Tal oder einen Berg oder wie die kleinen Pflanzen, die in manchen Städten aus den winzigen Ritzen im zerbrochenen Mörtel oder aus den Rissen im Beton der Häuser wachsen. Notizen stellen das monotone Wesen des geschriebenen Textes ebenso in Frage wie den konstruierten Diskurs; sie bringen spielerische Synkopen und unkoordinierte Hoquetierungen in den Text ein, weil sie eine Polyphonie unentwirrbarer Rhythmen erzeugen, die sich gegenseitig so durcheinanderbringen, dass tonale Kadenzen zu wuchern beginnen. Bis zu welchem Grade kann eine Notiz – hundert Gedanken in Form von Notizen – dieses Wegdriften der Theorie-Praxis heraus aus den klassischen Regulativen der Analyse und Textkomposition vorantreiben?
Notizen stellen sich dem juristischen Bemühen entgegen, das von den geschriebenen Formen in Anschlag gebracht wird, um das Vergnügen an einer Idee, die in Schwingung versetzt, zu unterdrücken, sowie versucht, die wagemutigen Gesten, Sätze und Sprünge der mannigfaltigen Geschichtenerzähler zum Schweigen zu bringen.
Die Frage, die all diesen Notizen gemeinsam ist und die sie auch mit den Werken gemeinsam haben, die auf der dOCUMENTA (13) gezeigt werden, lautet folglich „Was und wie denken wir, wenn wir wissen?“ statt „Was wissen wir, wenn wir denken?“
Nach den Notizen kommen die Kunstwerke. Hier endete unsere Rede und andere sind nun an der Reihe sich zu erheben und uns – entweder auf der Bühne, auf dem Rückzug, im Belagerungszustand oder im Zustand der Hoffnung – andere Geschichten zu erzählen, andere Engagements vorzuschlagen und andere Verkörperungen. Im Augenblick, da aus Notizen und Absichten Kunstwerke werden.
Im Workspace von Ashkan Alwan in Beirut werden Carolyn Christov-Bakargiev, Künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), und Chus Martínez, Leiterin der Abteilung und Mitglied der Agenten-Kerngruppe der dOCUMENTA (13), die Reihe 100 Notizen – 100 Gedanken vorstellen. Dies ist die neunte öffentliche Präsentation; vorangegangen waren die Premiere in Kairo im April 2011 sowie Präsentationen in New York, Buenos Aires, Thessaloniki, Paris, Oslo, London und Mumbai. Im Anschluss daran gibt es ein Gespräch mit dem Notizbuch-Autor Salah M. Hassan zum Thema Politik des Schreibens.
Salah M. Hassan ist Direktor des Africana Studies and Research Centers und leitet das Insitute for Comparative Modernities. Auch hält er einen Lehrstuhl für African and African Diaspora Art History am Institut für Kunstgeschichte und Visual Studies an der Cornell University, USA. Hassan ist Kurator und hat mehrere Bücher verfasst. Zu letzteren gehören (unter anderen) Darfur and the Crisis of Governance in Sudan (2009) und Diaspora, Memory, Place (2008). Er ist Mitglied der dOCUMENTA (13) Berater-Gruppe und Autor des Notizbuchs Nr. 091 der Reihe 100 Notizen – 100 Gedanken. Es trägt den Titel: How to Liberate Marx from His Eurocentrism: Notes on African/Black Marxism.
Ashkal Alwan, ein libanesischer Verband für bildende Kunst, ist eine gemeinnützige Organisation in Beirut, Libanon und wird von Christine Tohme geleitet. Seit der Gründung 1994 verpflichtet sich der Verband der Produktion, Förderung und Verbreitung künstlerischer Praktiken. Ashkal Alwan befindet sich in der Jisr el Wati, Straße 90, Gebäude 110, 1. Stock, Beirut 2066 8421, Libanon. Richtung: Gegenüber von IMPEX; in Nachbarschaft zum Beirut Art Center und unweit des Souk Al Ahad (Sonntagsmarktes).
Die Notizbücher erscheinen in drei verschiedenen Formaten (A6, A5, B5) und haben jeweils einen Umfang von 16 bis 48 Seiten. Die Beiträge entstammen diversen Bereichen – Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Psychologie, Anthropologie, politische Theorie, Literatur und Dichtung. Zu den Autoren dieser vierten Lieferung von Notizbüchern gehören: Vyacheslav Akhunov und Leeza Ahmady, Nanni Balestrini, Hrach Bayadyan, Bruno Bosteels, Judith Butler, Critical Art Ensemble, Abraham Cruzvillegas, Lydia Davis, Durs Grünbein, Michael Hardt, Graham Harman, Alanna Heiss, Brian Holmes, Furio Jesi und Andrea Cavaletti, Christian Kuhtz, Dinh Q. Lê gemeinsam mit Huynh Phuong Dong, Nguyen Thu, Quang Tho, Le Lam, Vu Giang Huong, Duong Anh und Truong Hieu, Jolyon Leslie, David Levi Strauss und Joseph Beuys, Mark Lombardi, Raimundas Malašauskas und Ruth Robbins, W. J. T. Mitchell, Claire Pentecost, Pascal Rousseau, Hannah Ryggen und Marta Kuzma, Song Dong, Rosemarie Trockel, Eduardo Viveiros de Castro, Eyal Weizman sowie Anton Zeilinger.
Beauftragt von der Künstlerischen Leiterin der dOCUMENTA (13), Carolyn Christov-Bakargiev, sowie der Leiterin der Abteilung und dem Mitglied der Agenten-Kerngruppe, Chus Martínez, wird diese Reihe von Bettina Funcke, Leiterin der Publikationsabteilung, herausgegeben.

dOCUMENTA (13) 9. Juni – 16. September 2012

Der Tanz war sehr frenetisch, aufbrüllend, rasselnd, klingelnd, verdreht, rollend und dauerte eine lange Zeit
Am 9. Juni 2012 präsentiert sich die dOCUMENTA (13) in Kassel der Öffentlichkeit. Hundert Tage lang werden mehr als 150 Künstler aus 55 Ländern und Teilnehmer aus der ganzen Welt zusammenkommen und vielfältige künstlerische Praktiken präsentieren. Zu den Kunstwerken gehören Skulptur, Performance, Installation, Forschung, Archivierung und kuratorische Projekte, Malerei, Fotografie, Film und Video, Text- und Audio-Arbeiten, aber auch andere Objekte und Experimente auf dem Gebiet der Kunst, Politik, Literatur, Philosophie und Wissenschaft.
Statement der Künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
»Die dOCUMENTA (13) widmet sich der künstlerischen Forschung und Formen der Einbildungskraft, die Engagement, Materie, Dinge, Verkörperung und tätiges Leben in Verbindung mit Theorie untersuchen, ohne sich jedoch Letzterer oder erkenntnistheoretischer Stilllegung unterzuordnen. Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen Politisches untrennbar ist von einem sinnlichen, energetischen und weltgewandten Bündnis zwischen der aktuellen Forschung auf verschiedenen wissenschaftlichen und künstlerischen Feldern und anderen, historischen ebenso wie zeitgenössischen Erkenntnissen. Die dOCUMENTA (13) wird von einer ganzheitlichen und nichtlogozentrischen Vision angetrieben, die dem beharrlichen Glauben an wirtschaftliches Wachstum skeptisch gegenübersteht. Diese Vision teilt und respektiert die Formen und Praktiken des Wissens aller belebten und unbelebten Produzenten der Welt, Menschen inbegriffen. Die Teilnehmer der dOCUMENTA (13) decken ein weites Feld von Aktivitäten ab. Die meisten sind Künstler, aber manche kommen auch aus Bereichen der Wissenschaft, einschließlich Physik und Biologie, Ökoarchitektur und organische Agrikultur, der Forschung nach erneuerbaren Energien, Philosophie, Anthropologie, ökonomische und politische Theorie, Sprach- und Literaturwissenschaften, einschließlich Fiktion und Poesie. Sie alle tragen der dOCUMENTA (13) bei, in dem untersucht werden soll, wie verschiedene Formen des Wissens das Herz der aktiven Übung, sich die Welt neu vorzustellen, bilden. Was manche dieser Teilnehmer tun, und was sie in der dOCUMENTA (13) »ausstellen«, mag Kunst sein oder auch nicht. Jedoch rufen ihre Taten, ihre Gesten, ihre Gedanken und ihr Wissen Umstände hervor, und werden wiederum von diesen Umständen produziert, die von der Kunst gelesen werden können – Aspekte, mit denen Kunst umgehen kann, und die von der Kunst aufgenommen werden können.«

Über die documenta
Die documenta ist eine periodisch stattfindende Kunstausstellung, die in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nach dem Trauma des Zweiten Weltkriegs begann. Ihr Ziel war es, Kultur und die Bildenden Künste als den zentralen Fokus der Gesellschaft wieder neu zu begreifen und Deutschland wieder mit der internationalen Gegenwartskunst dieser Zeit in Verbindung zu bringen. So gesehen weicht die Geschichte der documenta von anderen Kunstausstellungen ab, vor allem deshalb, weil sie nicht aus den Warenmessen und Weltausstellungen des neunzehnten Jahrhunderts und der Kolonialzeit heraus entstand, die die Wunderdinge der Welt ins alte europäische Zentrum brachten. Sie entstand stattdessen in einem Raum, in dem sich Zusammenbruch und Wiederaufbau ausdrückte. Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1955 ist die documenta alle fünf Jahre eine Ausstellung für Gegenwartskunst aus der ganzen Welt, und bietet zudem auch Gelegenheit, über das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft nachzudenken.

Veranstaltungsorte
In Kassel findet die dOCUMENTA (13) in einigen der traditionellen Hauptveranstaltungsorten – dem Fridericianum, der documenta-Halle und der Neuen Galerie statt. Aber sie findet auch in einer Vielzahl anderer Räume statt, die unterschiedliche physische, psychologische, historische oder kulturelle Bereiche und Realitäten repräsentieren. Sie findet an Orten statt, die der Natur- und Technikgeschichte gewidmet sind, wie etwa das Ottoneum oder die Orangerie, und in kleinen Komponenten, die sich über die großartigen ausgedehnten Grünflächen der barocken Karlsaue Parks verteilen. Ein Gegenstück zum Park und seinen Sphären der Aufklärung bilden die industriellen Räume hinter dem früheren Hauptbahnhof, Kassels ehemals wichtigstem Bahnhof, der heute nur noch für den Regionalverkehr genutzt wird. Hierbei handelt es sich um einen dystopischen Raum, der mit der Welt der Fabriken in Zusammenhang steht, welche im 20. Jahrhundert die Panzer für das nationalsozialistische Regime produzierten. Und die dOCUMENTA (13) findet auch an unterschiedlichen »bürgerlichen« Orten statt, die von anderer Beschaffenheit sind und abseits der Hauptveranstaltungsorte der Ausstellung liegen – an Orten, die immer noch genutzt werden, wie dem Ständehaus und dem Grand City Hotel Hessenland, aber auch an Orten, die man geschlossen oder vergessen hat, wie etwa das leer stehende Hugenottenhaus oder ein Kino aus den 1950ern, das nicht mehr in Betrieb ist. Darüber hinaus finden Teile der dOCUMENTA (13) an Orten außerhalb Kassels statt. Diese Orte werden am 6. Juni bekannt gegeben. Für Christov-Bakargiev sind »diese Orte, und einige andere, die Sie noch entdecken werden, wunderbare Räumlichkeiten, welche die vier Bedingungen repräsentieren, unter denen Künstler und Denker derzeit agieren müssen: »Auf der Bühne« / im »Belagerungszustand« / im »Zustand der Hoffnung« / »auf dem Rückzug«. Diese Orte bringen die Vorstellungen, die man sich für gewöhnlich über diese Bedingungen macht, in Fluss und betonen deren kontinuierliche Verwandlung.«

Publikationen
Im Vorfeld der 2012 stattfindenden Ausstellung hat die dOCUMENTA (13) gemeinsam mit dem Hatje Cantz Verlag eine Serie von kleinformatigen Notizbüchern unter dem Titel 100 Notizen – 100 Gedanken herausgegeben. Diese 100 Notizen – 100 Gedanken setzen sich aus Faksimiles bereits existierender Notizbücher, in Auftrag gegebenen Essays, Kollaborationen und Gesprächen zusammen. Sie bieten die Möglichkeit an, zu erkunden, wie Denken im Raum des Aussagefähigen entsteht. Zu den Autoren zählen Michael Taussig, Donna Haraway, Judith Butler, Michael Hardt, Etel Adnan, Alexander Kluge, Suely Rolnik, Bifo – Franco Berardi, Vandana Shiva und Eduardo Viveiros de Castro. Anlässlich der Ausstellung wird im Verlagshaus Hatje Cantz ein dreibändiger Katalog erscheinen: Katalog 1/3 – Das Buch der Bücher, das Abbildungen, neue Aufsätze und Reproduktionen der 100 Notizen – 100 Gedanken enthält; Katalog 2/3 – Das Logbuch, das den Entstehungsprozess der dOCUMENTA (13) anhand von Bildern, Korrespondenz und Interviews nachzeichnet; und Katalog 3/3 – Das Begleitbuch, das Lagepläne sowie einen Spaziergang durch die Kunstwerke und das ganze Projekt anbietet. Für weitere Informationen über die Publikationen besuchen Sie bitte unsere Website: http://d13.documenta.de/de/#de/publications/

Vielleicht Vermittlung und andere Programme der dOCUMENTA (13)
Die dOCUMENTA (13) bietet während der hundert Tage auch ein ausgedehntes Programm für die Öffentlichkeit an, das sich aus Kongressen, Seminaren, Vorträgen, auf den Weg gebrachten Projekten, einer Residency für Autoren und einem Filmprogramm zusammensetzt, die alle im Verlauf der Ausstellung besucht werden können. Auf die Veranstaltungen in der Eröffnungswoche (6. bis 9. Juni 2012) folgt ein konzentriertes Veranstaltungsprogramm (11. bis 15. Juni 2012).
Dank des innovativen Art Academies Network (ADERA – Les écoles supérieures d’art de Rhône-Alpes, Lyon; Finnish Academy of Fine Art, Helsinki; GradCAM Dublin; HEAD – Haute école d’art et de design, Geneva; Kunsthochschule Mainz; MaHKU – Utrecht Graduate School of Visual Art and Design; Malmö Art Academy, Lund University; NABA – Nuova Accademia di Belle Arti a Milano; Oslo Academy of Art – Kunstakademiet; Faculty of Fine, Applied and Performing Arts, University of Gothenburg; University of Leeds; Università Iuav di Venezia; Slade School of Fine Art, University College London), die die Teilnahme der Studenten in einer Reihe aktivierter, von Künstlern entwickelter Projekte unterstützt haben, war es der dOCUMENTA (13) möglich, einen lebendigen Teil der Ausstellung und der Vielleicht Vermittlung und andere Programme zu schaffen. »Diese Projekte gehören in die Ordnung des Vielleicht,« sagt Christov-Bakargiev. »Sie existieren in einer Zwischenzone. Sie sind zwischen Kunstprojekten, didaktischen und vermittelnden Aktivitäten angesiedelt.«

dTOURS
Durch die dOCUMENTA (13) wird es Spezialführungen geben. Diese jeweils zwei Stunden dauernden dTOURS werden von »Weltgewandten Begleitern« arrangiert. Bei ihnen handelt es sich um Personen aus Kassel mit unterschiedlichen Hintergründen, die auch über unterschiedliche Kenntnisse verfügen und unterschiedlichen Generationen entstammen. Ein Beispiel: Wie würde ein Gärtner des Aueparks eine dTOUR durch die zahlreichen Kunstwerke in diesem Park gestalten und anlegen? Zusätzlich gibt es noch eine Reihe ganz besonderer dTOURS, welche die unterschiedlichsten Formen der Erfahrung vermitteln werden. Etwa eine zehnstündige dTOUR, bei der es um Ausdauer geht. Zu den dTOURS, die sich mit speziellen Themenstellungen auseinandersetzen und spezifisch auf Orte ausgerichtet sind, gehören: ›Annäherungen an Realität und Zeit‹; ›Wenn man reinkommt, sieht man schon dass es mit Samen gefüllt ist‹; ›Zeit vermessen, Raum kartieren, Sequenzen erzeugen‹; ›Unterbrochene Objekte: Was bleibt von den Dingen ?‹; und ›Bahnhöfe, Bewegungen, Bilder‹. Die Weltgewandten Begleiterinnen und Begleiter, welche die dTOURS durchführen werden, haben zuvor im Jahr 2012 an einem Experimentalprojekt mit den Titel Schule für Weltgewandte Begleiter teilgenommen.
Weitere Informationen zu den dTOURS finden Sie hier: http://d13.documenta.de/#dtours

Notiz zur künstlerischen Leiterin der dOCUMENTA (13) und zu den Machern der dOCUMENTA (13)
Carolyn Christov-Bakargiev war von 1999 bis 2001 Seniorkuratorin für Ausstellungen am P.S.1 Contemporary Art Center, einer Partnerinstitution des MoMA. Von 2002 bis 2008 war sie Chefkuratorin des Castello di Rivoli, Museum für Gegenwartskunst in Turin (das sie 2009 zwischenzeitlich als Direktorin leitete). 2008 war sie die Künstlerische Leiterin der 16. Biennale von Sydney. Seit 2009 bereitet sie gemeinsam mit einer Gruppe von Agenten und Beratern die dOCUMENTA (13) vor. Zu den Agenten der Kerngruppe gehören Chus Martínez (Leiterin der Abteilung), Ayreen Anastas & Rene Gabri, Marta Kuzma, Raimundas Malašauskas, Kitty Scott und Andrea Viliani, sowie Sofía Hernández Chong Cuy und Hetti Perkins. Zu den Beratern gehören Donna Haraway, Anton Zeilinger, Iwona Blazwick und Michael Taussig und anderen.

Google Street View besucht weltweit 17 Museum

Google gab heute Partnerschaften mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Museum Kunstpalast Düsseldorf bekannt, um sein wegweisendes Art Project in Deutschland zu erweitern. Auch der bisher einzige Partner in Deutschland, die Staatlichen Museen zu Berlin, nimmt mit zusätzlichen Museen an dem erweiterten Art Project teil.
 
Die Staatlichen Museen zu Berlin waren bereits in der ersten Phase des Art Project vom Februar 2011 mit der Gemäldegalerie und der Alten Nationalgalerie vertreten und weiten die bestehende Partnerschaft nun auf das Pergamonmuseum, das Alte Museum und das Kupferstichkabinett aus. Dabei werden die Gemäldegalerie, die Alte Nationalgalerie, das Pergamonmuseum und das Alte Museum über die hochaufgelösten Abbildungen ihrer Meisterwerke hinaus auch mit virtuellen Rundgängen durch die Häuser präsentiert. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nehmen mit insgesamt zwölf Sammlungen an dem erweiterten Art Project teil und sind damit weltweit der Partner mit den meisten Sammlungen, darunter das Grüne Gewölbe, Gemäldegalerie Alte Meister und die Skulpturensammlung. Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf erlaubt mit insgesamt 303 hochauflösenden Bildern einen besonders umfangreichen digitalen Einblick in seine Sammlungen.

 

 

Diese Partnerschaften sind Teil einer weltweiten Erweiterung des Projekts, an dem inzwischen 151 Partner in 40 Ländern teilnehmen. Dank Google können Kunstliebhaber nun mit wenigen Klicks nicht nur Gemälde, sondern auch Skulpturen, Straßenkunst und Fotos entdecken. Kreationen aus unterschiedlichsten Kulturen sind vertreten, darunter brasilianisches Straßengraffiti, islamische dekorative Kunst und antike afrikanische Felszeichnungen.
 
Insgesamt sind über 30.000 Objekte in hoher Auflösung verfügbar und demnach weitaus mehr als die vorherigen 1.000 in nur neun Museen. Street View-Bilder zur virtuellen Begehung der Galerien stehen jetzt für 46 Museen zur Verfügung (darunter in Berlin das Alte Museum und Pergamonmuseum sowie Neuaufnahmen der Alten Nationalgalerie und der Gemäldegalerie), weitere sind in Arbeit.
 
Eine Vielzahl unterschiedlichster Institutionen – große und kleine traditionelle Kunstmuseen ebenso wie weniger traditionelle Einrichtungen für große Kunst – sind bei dem erweiterten Art Project vertreten. Erkunden Sie die Sammlung des Museums für Islamische Kunst in Qatar und führen Sie Ihre Reise beispielsweise nach Indien fort, wo Sie das Santiniketan Triptych in den Räumen der National Gallery of Modern Art in Delhi bewundern können.

Es wurden signifikante technische Verbesserungen vorgenommen. Street View-Bilder werden jetzt detaillierter angezeigt als in der ursprünglichen Version. Nutzer können auf unterschiedliche Weise in den Inhalten stöbern: nach Namen des Künstlers, Kunstwerk, Art des Kunstwerks, Museum, Land, Stadt, Sammlung oder Epoche. Google+ und Video Hangouts sind in die Website integriert, sodass Besucher sich ihre ganz persönlichen, spannenden Galerien zusammenstellen können.
 
Die wichtigsten Funktionen des erweiterten Google Art Project:
Erkunden von Museen mit Hilfe der Street View-Technologie: Mit dieser Funktion können Besucher sich auf www.googleartproject.com virtuell in der Galerie bewegen, Kunstwerke auswählen, die sie interessieren und per Mausklick mehr dazu erfahren oder – sofern verfügbar – die hochauflösenden Bilder anzeigen lassen.
 
Ein speziell entwickelter Street View-„Trolley“ hat 360°-Bilder in ausgewählten Galerien aufgenommen, die dann zusammengefügt wurden, um eine nahtlose Navigation in über 385 Räumen innerhalb der Museen zu ermöglichen. Die Innenräume der Galerien lassen sich auch direkt mittels der Street View-Funktion aus Google Maps heraus erkunden.

Besondere Kunstwerke in extrem hoher Auflösung: Etwa 46 Partner haben ein Kunstwerk ausgewählt, das besonders detailreich fotografiert werden sollte. Dabei kam eine hochauflösende Fototechnologie namens „Gigapixel“ zum Einsatz. Jedes dieser Bilder besteht aus etwa sieben Milliarden Pixeln. Dadurch kann der Betrachter Details von Pinselführung und Patina studieren, die mit dem nackten Auge nicht zu erkennen sind.
 
Schwer zu erkennende Details werden somit plötzlich sichtbar. Beispielsweise die winzigen Figuren, die emsig an dem zum Untergang verurteilten Bauwerk in Bruegels Darstellung des Turmbau zu Babel arbeiten. Oder die geheimnisvollen, kunstvoll geschnitzten Symbole der „Piedra del Sol“ in Mexiko und das detailreich gestaltete pointillistische Meisterwerk „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte” von Seurat.
 
Darüber hinaus haben Museen Bildmaterial von insgesamt mehr als 30.000 Kunstwerken zur Verfügung gestellt. Die Auflösung diese Bilder, zusammen mit einem speziellen Zoom-Betrachter, erlaubt es Kunstliebhabern, detaillierte Aspekte der Gemälde zu entdecken, die sich möglicherweise nie zuvor aus der Nähe gesehen haben, z.B. die verkleinerten Menschen im Fluss in El Grecos „Blick auf Toledo“ oder die einzelnen Punkte in Seurats „Ein Abend in Grandcamp“.
 
Stellen Sie sich Ihre eigene Sammlung zusammen: Mit der Funktion “User Galleries” können Nutzer bestimmte Ansichten der Kunstwerke speichern und so ihre eigene individuelle Kunstsammlung zusammenstellen. Zu jedem Gemälde können Kommentare hinzugefügt werden. Und die gesamte Sammlung kann dann mit Freunden und Familie geteilt werden. Dies ist ein ideales Werkzeug für Schüler, Studenten oder Gruppen, um an gemeinsamen Projekten oder Sammlungen zusammenzuarbeiten.
 
Entdecken, suchen und erkunden: Angesichts einer solch großen Sammlung war es uns wichtig, den Nutzern auch entsprechende Werkzeuge an die Hand zu geben, um Kunstwerke partnerübergreifend zu entdecken und die Kunstwerke eines bestimmten Künstlers dann über alle Sammlungen hinweg genauer zu erkunden. Eine speziell integrierte Suchfunktion macht es leichter als je zuvor, in den Sammlungen zu stöbern und das Gesuchte sofort zu finden.
 
Unterstützung mehrerer Plattform: Mit dieser Erweiterung des Projekts haben wir das Art Project endlich auch für Tablet-PCs zugänglich gemacht. Auf einem Tablet-PC Kunst anzuschauen und die vielfältigen Details zu erkunden, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Derzeit unterstützen wir die Android-Plattform und hoffen, schon bald nach dem Start auch mit der iPad-Version aufwarten zu können.
 
Wieland Holfelder, Director Engineering, Google: „Google hat sich zum Ziel gesetzt, alle Arten von Informationen ins Internet zu bringen und zugänglich zu machen. Das Google Art Project belegt, wie das Internet dazu beiträgt, auch Kunst und Kultur allen Benutzern weltweit zugänglich zu machen.”

Amit Sood, Leiter des Art Project, Google: „Das neue, erweiterte Art Project ist ein Beleg für unser Engagement für alle Arten von Kunst und Kulturen auf der ganzen Welt. Das Art Project ist nicht mehr nur etwas für den Studenten aus Indien, der das MoMA in New York besuchen möchte. Jetzt ist es auch etwas für den amerikanischen Studenten, der sich für die NGMA, die National Gallery of Modern Art in Delhi, interessiert.“
 
Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin: „Museen bewahren die Schätze der Menschheit, und es ist eine unserer vornehmsten Aufgaben, diese einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Art Project, das Google mit Museen von Weltrang ins Leben gerufen hat, eröffnet uns neue Wege in der virtuellen Darstellung unserer Meisterwerke. Ich freue mich, dass das Projekt so gut angenommen wird, sich viele weitere Museen daran beteiligen und auch die Staatlichen Museen zu Berlin die bestehende Partnerschaft ausweiten.“
 
Dirk Burghardt, Kaufmännischer Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Digitale Projekte sind seit einigen Jahren ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikations- und Vermittlungsarbeit der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Wir freuen uns, dass wir jetzt gemeinsam mit dem Partner Google die digitale Kommunikation unserer Museen noch weiter ausbauen können. Das Google Art Project sehen wir als Chance, die Kunstwerke unserer Museen weltweit bekannter und noch besser zugänglich machen zu können. Dabei befinden wir uns mit den am Google Art Project beteiligten namhaften Museen und Institutionen in bester Gesellschaft.“

Carl Grouwet, Kaufmännischer Direktor, Museum Kunstpalast, Düsseldorf: „Für uns ist das Google Art Project ein ideales neues Marketingtool. Die Zusammenarbeit mit Google wurde in unserem Hause vom ersten Tag an mit großem Interesse verfolgt. Wir freuen uns, dass das Wunschziel, in der virtuellen Welt dem Publikum außerhalb der Museumsmauern spannende Einblicke in unsere Sammlung zu gewähren, erreicht ist.“

Das Art Project ist ein Beleg für das Engagement von Google, Kultur ins Internet zu bringen und sie einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. Unter Federführung des Google Cultural Institute in Paris hat Google hochauflösende Bilder der Schriftrollen vom Toten Meer angefertigt, die Archive berühmter Persönlichkeiten wie Nelson Mandela digitalisiert und 3-D-Modelle von französischen Städten des 18. Jahrhunderts erstellt.
 

BERLIN-BIRKENAU VON ŁUKASZ SUROWIEC

Die 7. Berlin Biennale gibt einen ihrer zentralen Themenbereiche bekannt: Politiken und Kulturen der Erinnerung.
BERLIN-BIRKENAU VON ŁUKASZ SUROWIEC
Das Projekt Berlin-Birkenau bringt einige Hundert junge Birken aus der Umgebung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau nach Berlin, wo sie an neuen Plätzen über das Stadtgebiet verteilt Wurzeln schlagen können. Sie werden zu einem „lebendigen Archiv“, das etwas Wachsendes und Atmendes in Berlin bewahrt, und bilden ein leises Netz des Erinnerns. Die Birken wurden bereits seit Herbst 2011 in öffentlichen Parks und auf Schulgeländen beziehungsweise an Orten gepflanzt, die in historischer Verbindung zum Holocaust stehen. Surowiecs Projekt ist eine symbolische Geste, die etwas nach Deutschland zurückbringt, was zum nationalen Erbe des Landes gehört.
KOOPERATION MIT DER STIFTUNG FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG
Im Rahmen der 7. Berlin Biennale wird ein Projekt der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung gezeigt. Die Stiftung wird Objekte ausstellen, die von Personen gespendet wurden, die ihre Geschichte mit anderen teilen möchten: „Für ihre künftige Dauerausstellung sucht die Stiftung nach Objekten, die an erzwungenen Heimatverlust erinnern, und wendet sich dazu an Betroffene von Zwangsmigrationen und deren Nachfahren. Gegenstand des Sammlungsaufrufs sind Flucht und Vertreibung der Deutschen sowie die gesamte Geschichte der Zwangsmigrationen in Europa im 20. Jahrhundert. (…) Die Erinnerungsstücke sollen vom 27. April bis 1. Juli 2012 im Deutschlandhaus, dem künftigen Ausstellungsort der Stiftung und einem der Veranstaltungsorte der 7. Berlin Biennale gezeigt werden.“
Weitere Informationen finden Sie hier.
KEY OF RETURN
Seit dem Massenexodus in den Jahren 1948 und 1967 warten Generationen von Palästinensern in zahlreichen Flüchtlingslagern in Palästina und dem Nahen Osten auf die Erfüllung eines „Rückkehrrechts“. Als die ersten Vertriebenen ihre Häuser verließen, nahmen sie, in der Annahme, bald zurückzukehren, ihre Hausschlüssel mit. Die Schlüssel wandern seitdem als Andenken von Generation zu Generation – als Erinnerung an das verlorene Zuhause, als bleibende Symbole für die Einforderung eines Rechts auf Rückkehr und als Bekräftigung der eigenen Menschenrechte.
2008 stellten die Bewohner des Flüchtlingslagers Aida nahe Bethlehem (Palästina) in einem Gemeinschaftswerk den angeblich größten Schlüssel der Welt her. Der Schlüssel wurde aus Stahl gefertigt, ist eine Tonne schwer und etwa neun Meter lang. Er wurde am Lagereingang installiert, wo er verkündet: „Unser Recht auf Rückkehr ist unanfechtbar.“
Die 7. Berlin Biennale trat mit den Bewohnern des Flüchtlingslagers Aida ins Gespräch. Es wurde vereinbart, die Skulptur auszuleihen und für die Dauer der Biennale nach Berlin zu bringen. Mit einem großen Fest wurde der Schlüssel am Montag, den 12. März im Flüchtlingslager verabschiedet; nach dem Wochenende wird er seine Seereise antreten. Der Schlüssel wird Tausende Kilometer über Land und Wasser nach Deutschland reisen, wo die Frage nach dem Recht der palästinensischen Flüchtlinge in die Aufmerksamkeit gerückt wird.

AUSSTELLUNGSORTE
Die 7. Berlin Biennale bespielt mit ihrer Ausstellung verschiedene Orte in Berlin, darunter auch im öffentlichen Raum. Darüber hinaus finden temporäre Projekte und Veranstaltungen statt sowie Solidaritätsaktionen im In- und Ausland.
Ausstellungsorte sind:
KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, 10117 Berlin
Akademie der Künste (Black Box), Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Deutschlandhaus, Stresemannstr. 90, 10963 Berlin
St. Elisabeth-Kirche, Invalidenstr. 3, 10115 Berlin
und weitere Orte im Stadtraum