Einweihung des ersten Kunstwerks der dOCUMENTA (13) am 21. Juni 2010

Einweihung des ersten Kunstwerks der dOCUMENTA (13) am 21. Juni 2010
Giuseppe Penone: Idee di Pietra (Ansichten eines Steins), Bronze und Stein, 2004/2010
Am 21. Juni 2010 um 12 Uhr mittags wird Giuseppe Penones Arbeit Idee di Pietra (Ansichten eines Steins) als erstes Kunstwerk der dOCUMENTA (13) im Auepark in Kassel eingeweiht.

Auf den ersten Blick scheint sich eine kleine Wolke in den Zweigen eines Baums verfangen zu haben, der beinahe neun Meter hoch ist. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Baum als eine Bronzeskulptur, in deren oberen Teil ein großer Stein ruht. Neben der Skulptur wächst ein kleiner, lebendiger, junger Baum. Er steht in der Nähe der Orangerie im Kasseler Auepark, ganz im Gleichgewicht zwischen Realität, Repräsentation und Fiktion, und zelebriert die poetische Erfahrung und die Beziehung von Natur und Kultur durch die Kunst.

Zwei Jahre vor der offiziellen Eröffnung geht die dOCUMENTA (13) ans Werk und pflanzt einen Baum im Park. Wie dieser Baum wird die dOCUMENTA (13) über die nächsten zwei Jahre hinweg wachsen.

„Dieses Ereignis findet am Tag der Sommersonnenwende statt, wenn die Sonne ihren höchsten Stand am Himmel erreicht,“ sagt Carolyn Christov-Bakargiev. „Wir feiern den Beginn des Sommers und der Schaffenskraft von Kunst mit diesem Augenblick im Park – dem Pflanzen eines Baumes.”

www.kunsthallewien.at: Ideenfabrik, Infoplattform, Recherchestation

www.kunsthallewien.at: Ideenfabrik,
Infoplattform, Recherchestation
– goes Web2.0
– iTunes U-Launch 
 
 
www.kunsthallewien.at und auf iTunes U freigeschaltet.
 
 
Infoline +43-1-52189-33, www.kunsthallewien.at 
 
Kunstvermittlung ernst nehmen, heißt auch virtuellen Zugang zu schaffen – und dies ohne finanzielle Barrieren:
so präsentiert sich die  Kunsthalle Wien nach dem Online-Relaunch multimedial, lustvoll, verspielt 
daneben aber auch als vielfältige Ideenfabrik,  Informationsplattform und wissenschaftliche Recherchestation.
Gerald Matt, Direktor Kunsthalle Wien 
 
Immer mehr Informationen eignet man sich über das Internet an und immer vielfältiger werden die Möglichkeiten der Präsentation. Daher hat die Kunsthalle, mit Unterstützung der Firmen schaf_net* und ZONE* im kreativen Pool
gefischt und die Institution multidimensional und multimedial in den virtuellen Raum gestellt. 
Es stellte eine interessante Herausforderung dar, die vielfältigen Möglichkeiten einzusetzen, die Web- und Video 2.0 bieten – Tools, die vor allem junge Leute bereits sehr intensiv und selbstverständlich nützen. 
Mit Mai 2010 geht die überarbeitete Kunsthallen Homepage online. Im Vordergrund des aktualisierten Internet-
Auftritts steht neben einem verbesserten Userzugang und einer übersichtlicheren Visualisierung vor allem eine
umfangreiche multimediale und inhaltliche Erweiterung von www.kunsthallewien.at.
 
Kataloge und Texte zur Kunst: KOSTENFREI im Netz 
Einzigartig für eine Kunstinstitution in Österreich wurde ein breiter Recherchebereich in die Homepage implementiert.
Somit wurden für die NetzuserInnen die Publikationen der Kunsthalle – Ausstellungskataloge, Künstlerbücher und
Informationstexte zur Kunst – ab 2001 (mit ständiger Erweiterung) vollständig digital zugänglich gemacht, als Volltexte downloadbar und mit einer Suchfunktion innerhalb jeder Publikation ausgestattet.
 
MediaZone und iTunes U
Weiters setzte die Kunsthalle ein großes Projekt im Bereich Web und Video 2.0 um: Eine umfangreiche Media Zone wurde eingerichtet und es gelang der Kunsthalle Wien – als erster Kunstinstitution im deutschsprachigen Raum – den Kunsthallen-Content auf iTunes U, einer der wichtigsten Internet-Plattformen für alle zugänglich und kostenfrei downloadbar, anzubieten.
Parallel dazu positioniert sich die Kunsthalle Wien mit usergeneriertem Inhalt im SocialWeb (www.facebook.com,
www.twitter.com, etc.).
 
Mehr als 290 Audio- und Videofiles wurden in die Homepage in der MediaZone implementiert und werden laufend
aufgestockt und gleichzeitig auf iTunes U zum Download angeboten. 
Die Nutzung einer Online-Plattform für qualitativen Wissenstransfer wie iTunes U ermöglicht es der Kunsthalle Wien, ihrem Selbstverständnis als Schnittstelle zwischen Kunst, technologischen Innovationen und wissenschaftlicher Forschung weiter gerecht zu werden. 
Die Kunsthalle Wien nutzt als erste Kunstinstitution im deutschsprachigen Raum die Chance, ihre professionell
aufbereiteten Lectures, Symposien, ausstellungsspezifischen Begleitprogramme, Ausstellungsrundgänge und
Künstlergespräche über iTunes U einem interessierten Publikum – StudentInnen, KuratorInnen, KunsthistorikerInnen u. a. – zugänglich zu machen, und damit einen Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs im schulisch-universitären Kontext auf internationaler Ebene zu leisten. Selbstverständlich kostenlos!
 
Audio- und Video goes online
Sämtliche Files stehen auf iTunes U kostenlos zum Download innerhalb von iTunesU bereit. Die Video- und Audiofiles sind auch innerhalb der Kunsthalle-Website nach Kriterien zu durchsuchen und anzusehen/-hören und linken dann zum Download auf iTunes U / Sektion Beyond Campus im iTunes Store.
 
Momentan in iTunes U zu finden: 
Kunsthalle Videos: „SCHACH MATT der Woche“, „Mehr als man erträgt“, „Handlungsanweisungen“
Ausstellungsspezifisches Dokumentationsmaterial:  Ausstellungsrundgänge und Führungen, Gespräche,
Künstlerinterviews, Eröffnungen, Pressekonferenzen Diskursschiene: Diskussionen, Symposien, Vorträge, Künstlergespräche 
 
 
*scharf_net: Full-Service Kommunikationsagentur, spezialisiert auf Konzeption, Entwicklung und Umsetzung von
Unternehmensidentitäten im Cross-Media Bereich.
*ZONE Media GmbH ist eine Video- und Multimediaproduktionsfirma in Wien, die sich vor allem und sehr erfolgreich auf den Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsbereich spezialisiert hat. 
 
 
 

Die multimediale Ausstellung „Welt der Habsburger“ online!

Ein Klick in die Geschichte
Die virtuelle Ausstellung „Welt der Habsburger“ ist ab 26. Mai vollständig in deutscher Sprache im Internet abrufbar. Neben Hunderten von Bildern, Texten und Storys bietet www.habsburger.net mittels einer Zeitleiste, einer Landkarte und eines Stammbaums die Möglichkeit in die Geschichte des Adelsge-schlechts einzutauchen. Wissenschaftlich fundiert und trotzdem unterhaltsam präsentiert Schloss Schönbrunn komplex ineinander greifende Inhalte in einem zeitgemäßen Screendesign.

Die vernetzte Welt der Habsburger
Die virtuelle Ausstellung lässt die Geschichte der Habsburger und ihrer Zeit multimedial aufleben. Interaktiv können eine Vielzahl historischer Personen angesteuert werden, genauso wie bedeutsame Orte und über 90 inhaltliche Themenschwerpunkte. Weit über eine reine Dynastiegeschichte hinaus, gewährt das umfangreiche Webprojekt einen kritischen Blick auf die historischen Lebens- und Kulturwelten aller Gesellschaftsschichten. Wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Aspekte wurden unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse aufbereitet und vermitteln Alltagskultur aus über sechs Jahrhunderten.
1278 bis 1918: Interaktiv Geschichte(n) erforschen
Das bestimmende Navigationselement ist eine Zeitleiste mit den vollzähligen Habsburger Herrschern von 1278 bis 1918. Multimedial aufbereitete Objekte und Inhalte greifen auf mehreren Ebenen ineinander und sind Grundlage des interaktiven Ausstellungsraums. Die zentralen Menüpunkte der Benutzeroberfläche illustrieren ein „Familienportrait“, die Landkarte Europas und den Stammbaum der Habsburger. Zusätzliche zeitgeschichtliche Themen sind durch Querverweise auf Ereignisse, Objekte, Personen und Schauplätze miteinander verbunden. Über die Bedienung der Zeitleiste setzen sich die Informationselemente stets neu zusammen und heben das Storytelling-Prinzip auf eine interaktive Ebene.
Innovatives Informationsdesign für wissenschaftliche Inhalte
Das dynamische Interface, entwickelt vom Wiener Designkollektiv dform, ermöglicht eine intuitive Navigation, die individuelles Entdecken unterstützt. Der spielerische Ansatz begünstigt die Auseinandersetzung mit komplexen Inhalten und die Vermittlung umfangreichen Wissens.
Das hohe inhaltliche Niveau des Webprojektes wird durch die Zusammenarbeit mit einem Team aus HistorikerInnen der Universität Wien unter der Leitung von Univ.-Prof. Karl Vocelka und Univ.-Prof. Franz Eder gewährleistet. Das Content Management System und der barrierefreie Zugang zum Interface wurden in Dänemark von Bernhard Snizek / metascapes.org entwickelt.
Hintergrund und Zielpublikum
Das Vorhaben geht auf eine Initiative der österreichischen Bundesregierung zurück und ist im Regierungsprogramm von 2007 und 2008 verankert. Das Projekt läuft seit Frühling 2008 und wurde von zahlreichen österreichischen Sammlungen unterstützt, die ihr wertvolles Bildmaterial zur Verfügung stellten. Die Website zielt auf ein breites nationales und internationales Publikum ab und wird ab Sommer auch auf Englisch abrufbar sein. Angesprochen werden TouristInnen, die einen ersten Überblick erhalten, der Lust auf mehr macht. HistorikerInnen, StudentInnen und SchülerInnen bietet sie sowohl neueste Forschungsergebnisse als auch jederzeit abrufbare Detailinformationen und Zusammenhänge.

Einweihung des ersten Kunstwerks der dOCUMENTA (13) am 21. Juni 2010

Einweihung des ersten Kunstwerks der dOCUMENTA (13) am 21. Juni 2010
Giuseppe Penone: Idee di Pietra (Ansichten eines Steins), Bronze und Stein, 2004/2010
Am Tag der Sommersonnenwende " dem ersten Tag des Sommers und dem längsten Tag des Jahres " feierten die Bürger Kassels, der Oberbürgermeister Bertram Hilgen, die künstlerische Leiterin der dOCUMENTA (13), Carolyn Christov-Bakargiev und der Künstler Giuseppe Penone gemeinsam die festliche Einweihung von Penones Idee di Pietra (Ansichten eines Steins) nahe der Gustav Mahler Treppe/ Orangerie im Staatspark Karlsaue in Kassel als erstem Kunstwerk auf dem Weg zur dOCUMENTA (13). Die Arbeit ist ein Angebot an die Bürger Kassel und eine Einstimmung auf den 9. Juni 2012, den Tag, an dem die dOCUMENTA (13) offiziell öffnet.

Giuseppe Penone (geb. Garessio, Turin, 1947) ist ein international bekannter Künstler der arte povera, der an der documenta 5 (1972), der documenta 7 (1982) und der documenta 8 (1987) teilgenommen hat. Idee di Pietra ist ursprünglich in einem Park während der 16. Sydney Biennale, die Carolyn Christov-Bakargiev 2008 kuratiert hat, präsentiert worden. An ihrem neuen Standort im Kasseler Auepark leistet Penones Arbeit einen Beitrag zur bemerkenswerten Geschichte der Außenskulptur im Rahmen der documenta-Ausstellungen und ist zugleich ein gutes Omen für die dOCUMENTA (13). Joseph Beuys’ 7000 Eichen, über die ganze Stadt verteilt, Walter De Marias Erdkilometer am Fridrichsplatz, Claes Oldenburgs und Coosje van Bruggens Spitzhacke nahe der Fulda, Thomas Schüttes Die Fremden auf dem Dach des Sinn Leffers Kaufhauses oder auch Jonathan Borofskys Man walking to the sky vor dem Kasseler Hauptbahnhof sind Beispiele für künstlerische Arbeit, die Teile des kollektiven Gedächtnisses und täglichen Lebens der Bürger von Kassel geworden sind.

"Dieses Kunstwerk", sagte Carolyn Christov-Bakargiev, "feiert die Beziehung zwischen Natur und Kultur in unserer gegenwärtigen Welt aus einer ökologischen Perspektive. Ich habe mich gefreut, gestern in Kassel diesen Moment gemeinsam mit vielen jungen Künstlern aus der ganzen Welt feiern zu können."

Penone selbst stellte seine Arbeit vor:

"Das Ziel der Malerei ist, es mit dem Licht der Farbe zu bedecken. Das Ziel der Skulptur ist es, aufzudecken, ans Licht zu bringen. Die Etymologie des Wortes colour (Farbe) ist mit der des Wortes cover (bedecken, verdecken, schützen) und das beschreibt, was passiert, wenn man Farbe auf eine Oberfläche aufträgt.

Skulptur entdeckt Form in Materie, sie macht sie sichtbar.

Wenn die Bedeutung des Malens das Bedecken ist und die Bedeutung der Skulptur das Entdecken, dann wird die Malerei durch die Schwerkraft charakterisiert und die Skulptur durch die Kraft, die der der Schwerkraft entflieht, die Kraft des Lichts.

Das Werk, das ich hier zeige, hat mit beiden Konzepten zu tun. Der Stein ist ein Mineral und die stabilsten Farben gewinnt man aus Steinen. Der Stein verweist auf die Schwerkraft. Das Pflanzliche entzieht sich der Schwerkraft, es wächst in die Höhe, als direkte Folge des Sonnenlichts. Die Struktur der pflanzlichen Welt wird durch das Licht bestimmt, das das Gewicht der Zweige und Blätter anzieht. Bronzeguss braucht die Schwerkraft und nutzt die Struktur der pflanzlichen Welt, um die flüssige Bronze in der Gussform zu verteilen. Der Mittag des 21. Juni, jetzt, ist der beste und geeignetste Augenblick, um dieses Kunstwerk und seine Intentionen zu präsentieren."

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren vier Bilder.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren vier Bilder aus der Sammlung von August Liebmann Mayer

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren ein Damenbildnis von Wilhem Thöny, eine Mariendarstellung von Cristoforo de‘ Moretti, eine kölnische Aposteldarstellung und eine Christusdarstellung aus dem 19. Jahrhundert an Rechtsanwalt Markus Stötzel, der die in Los Angeles lebende Tochter des jüdischen Kunsthistorikers August Liebmann Mayer (1885-1944) vertritt.

Die Restitution erfolgt gemäß der Handreichung der Länder zur Umsetzung der »Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz«. Damit schließen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erneut ein Verfahren ab, das begangenes Unrecht der Zeit des Nationalsozialismus auszugleichen versucht.

 Von 1909 bis 1931 war August Liebmann Mayer als Kustos an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen tätig, er begann unter Hugo von Tschudi als Volontär und war zu Generaldirektor Friedrich Dornhöffers Zeiten Kustos mit Spezialgebiet Spanien an der Alten Pinakothek. Noch heute gilt er als ausgewiesener Kenner der spanischen Malerei.

Schwerwiegende Unterstellungen, Mayer habe mit gesondert honorierten Expertisen ein Vermögen gemacht, das er aber angeblich nicht versteuerte, führten 1931 zu einer beispiellosen Hetzkampagne und seinem selbst geforderten Entlassungsgesuch aus dem Staatsdienst. 1933 nahm die Geheime Staatspolizei Mayer in „Schutzhaft“, aus der er erst nach einem Selbstmordversuch entlassen wurde. Seine Kunstsammlung und Wertgegenstände wurden wegen unterstellten / angeblichen hohen Steuerschulden bei Hugo Helbing u. a. versteigert, 1936 emigrierte er mit Unterstützung einflussreicher Kunsthändler nach Frankreich, wo er zunächst mit Frau und Kind in Paris wohnte. Als dort 1940 die deutschen Truppen einmarschierten, musste Mayer nach Nizza fliehen. Seine Pariser Wohnung samt wertvoller Bibliothek und kleiner Kunstsammlung wurde vom ERR beschlagnahmt und nach Deutschland überführt. In Monte Carlo wurde Mayer am 3.2.1944 verhaftet, am 13.2.1944 nach Drancy und von dort am 7.3.1944 nach Auschwitz deportiert, wo er am 13.3.1944 ermordet wurde.

Das Finanzamt München hatte Mayer eine Steuerstrafe auferlegt, die aus Mayers beschlagnahmten Wertpapieren bezahlt wurde. Außerdem hatte das Finanzamt Steuernachholungen festgesetzt, wovon ein Teil aus flüssigen Mitteln bezahlt wurde und ein Rückstand in sechsstelliger Höhe verblieb. Das Finanzamt verlangte, dass das Grundstück Mayers in Tutzing und alle greifbaren Vermögenswerte, darunter seine wertvolle Kunstsammlung, verkauft werden müssten. Alle diese Beträge gingen an das Finanzamt München Nord und das Finanzamt Tutzing zur Abdeckung der Steuerrückstände. 1944 stellte die Geheime Staatspolizei an den Oberfinanzpräsidenten VII München Feststellungsantrag auf Vermögensverfall für die Vermögenswerte des Juden August Israel Liebmann Mayer, geb. 27.10.1885 in Darmstadt, zuletzt wohnhaft München, Martiusstraße 8.

1954 wurden den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen drei Gemälde aus dem Eigentum von August Liebmann Mayer vom Landesamt für Vermögensverwaltung in Obhut gegeben und im September 1956 übereignet. Ein viertes Bild kam 1981 als Hinterstellung ins Haus.

Im gleichen Jahr stellte die als einzige Erbin verbleibende Tochter Mayers beim Bayerischen Entschädigungsamt Antrag auf Schaden an Vermögen, Verkauf einer Wohnungseinrichtung und von Kunstgegenständen. Die Ansprüche werden an die zuständige Wiedergutmachungsbehörde verwiesen. Diese wiederum wies den Antrag als unbegründet zurück. Erst 1963 erzielte die Tochter einen Vergleich mit den Wiedergutmachungsbehörden.

Das heute zu restituierende 1913 datierte Werk des Grazer Künstlers Wilhelm Thöny (1888-1949), Zeitgenosse von Egon Schiele und Oskar Kokoschka, stellt eine Frau mittleren Alters dar, deren Identität unbekannt ist. Thöny hatte an der Akademie der Künste in München studiert und emigrierte mit seiner jüdischen Frau 1931 zunächst nach Paris, später nach New York. 1948 wurden durch einen Brand in einem Lagerhaus über tausend seiner Grafiken und Gemälde, die in einer großen Kollektivausstellung gezeigt werden sollten, zerstört. Damit war fast sein ganzes Lebenswerk verloren.

Zwei der drei 1954 aus Staatsbesitz an die BSTGS überwiesen Werke aus der Sammlung von August Liebmann Mayer waren 1933 bei Hugo Helbing angeboten worden, blieben aber unverkauft. Der Katalog verzeichnete das Werk von Moretti als Arbeit von Besozzo. Dargestellt sind auf der kleinformatigen Tafel vor einem reich punzierten Goldgrund Maria mit dem Kinde, die Heiligen Anna, Antonius Abbas und Petrus Martyr. Christoforo Moretti ist zwischen 1450 und 1475 als Maler in Mailand, vor allem am Hof der Sforza, und im Piemont greifbar. Die Tafel aus dem Nachlass von Mayer dokumentiert Morettis Rückbesinnung auf die spezifische Ausprägung der Internationalen Gotik in Norditalien. Das einzige signierte Werk Morettis ist ein Triptychon aus S. Aquilino in Mailand (heute Museo Poldi Pezzoli), das eine große stilistische Nähe zu den Werken des Michelino da Besozzo offenbart.

Die Aposteldarstellung wiederum galt damals als Werk des Meisters des Marienlebens. Das vierte kleinformatige Werk aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigt Christus vor Pilatus.

»Es freut mich außerordentlich, dass es heute ein weiteres Mal auch nach vielen Jahrzehnten möglich ist, mit der Restitution von Kunstwerken Opfer der Verbrechen der nationalsozialistischen Willkürherrschaft in ihr Recht zu setzen,« bekräftigt Prof. Dr. Klaus Schrenk, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

 

 

               

 

Wilhelm Thöny: Damenbildnis, 1913                              August Liebmann Mayer (1885-1944)

 

 

Weitere Informationen und Bildmaterial erhalten Sie unter Tel. 089 23805- 286 oder
per Email an pressebuero@pinakothek.de

 

 Weitere Informationen und Bildmaterial:

Tine Nehler M.A. | Leitung Presseabteilung

Pinakothek der Moderne und Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Kunstareal | Barer Straße 29, 80799 München

T +49.(0)89.23805-286 | F +49.(0)89.23805-125

Email: pressebuero@pinakothek.de

http://www.pinakothek.de/presse/index.php

 

Dr. Andrea Christine Bambi | Oberkonservatorin
Referat für Provenienzforschung und Kulturgüterausfuhr
Die Pinakotheken im Kunstareal | Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Barer Str. 29 | 80799 München

Email: bambi@pinakothek.de

 

 

 

 

Im Mai 2010 wurde das Centre Pompidou-Metz eröffnet

Die Sammlung des „Musée national d’art moderne“
Vielfalt und Vollständigkeit

Das Centre Pompidou, „Musée national d’art moderne“ (MNAM, das Nationale Museum für moderne Künst), beherbergt, verwaltet und bereichert fortwährend eine der weltweit außergewöhnlichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst.

Das Centre Pompidou-Metz, das Kunstpanoramen des 20. und 21. Jahrhunderts präsentieren wird, ist für die weitere Entwicklung dieser Bestände ausschlaggebend, sowohl was ihre Verbreitung als auch was ihre Erneuerung angeht.

Von insgesamt 59.000 Werken können nämlich jeweils nur rund 1.300 dem Publikum in Paris gezeigt werden. Das Centre Pompidou-Metz wird keine eigenen Werke besitzen oder erwerben, sondern sich auf die Bestände des Mnam stützen, die im Rahmen speziell für die Einrichtung in Metz konzipierter Ausstellungen oder Veranstaltungen gezeigt werden. So muss in Zukunft nicht mehr auf bestimmte Anschaffungen mit besonders großem Platzbedarf verzichtet werden. 

„Der Besucher erhält einen fast kompletten Überblick über die Kunst des 20. Jahrhunderts. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Gegenwart gelegt. Nicht alle Museen haben diese Kapazität.“ Alfred Pacquement, Direktor des Musée national d’art moderne

Eine einzigartige Sammlung
Das MNAM, das 1947 gegründet und zunächst im „Palais de Tokyo“ untergebracht wurde, nahm schon bald die Vermächtnisse von Künstlern oder ihren Familien auf, darunter Picasso, Sonia Delaunay, Braque oder Brancusi, die das Museum schon frühzeitig unterstützten. 1977 erhielt es einen zweiten wichtigen Impuls: es wurde ins Centre Pompidou verlegt und kam so in den Genuss besser geeigneter und größerer Ausstellungsflächen.

Heute zählen die Bestände des MNAM Werke aus allen Bereichen der Kunst: Malerei, Bildhauerei, Kino, Fotografie, Architektur, Design und neue Medien. Die Einzigartigkeit der Sammlung des MNAM liegt in dieser Vielfalt, die durch besonders vollständige Präsentationen führender Künstler noch verstärkt wird, was nicht zuletzt auch Schenkungen oder außergewöhnlichen Gaben zu verdanken ist, darunter Matisse (2002), Kandinsky (1976) oder Rouault (1963).

 

Das Centre Pompidou-Metz in einigen Zahlen:

 5 020 qm gesamte Ausstellungsfläche, davon 3 Galerien von je 1 150 qm
 1 großes Hauptschiff mit einer Fläche von 1 200 qm
 1 Auditorium mit 144 Plätzen
 1 Studio mit 196 Plätzen
 1 Café
 1 Restaurant
 1 Buchladen
 1 Informationszentrum

Die wichtigsten Daten des Projekts:

 Januar 2003: Entscheidung zur Ansiedlung des Projekts in Metz
 März 2003: Startschuss zum Architekturwettbewerb
 November 2003: Wahl des Projekts von Shigeru Ban und Jean de Gastines mit Philippe Gumuchdjian
 September 2005: Erteilung der Baugenehmigung
 2007–2009: Bauarbeiten am Centre Pompidou-Metz
 Mai 2010: Eröffnung