2008 – „China in Dresden in China“

China in Dresden in China – unter dieses Leitmotiv haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden das Jahr 2008 gestellt. Ein seit Jahren gepflegter intensiver Dialog der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit namhaften chinesischen Kultureinrichtungen wie auch mit Persönlichkeiten der politischen Führung Chinas bringt im kommenden Jahr nicht weniger als vier Ausstellungen in Dresden und weitere drei in Peking hervor, die von einem vielseitigen Rahmenprogramm begleitet werden.


Kulturelle und künstlerische Entwicklungen vergangener Zeiten genauso wie zeitgenössisches Kunstschaffen in China und Deutschland begegnen einander. Diese Auseinandersetzung mit China hat gerade in Dresden Tradition. Denn die Residenzstadt und der sächsisch-polnische Hof waren im 18. Jahrhundert das Zentrum der europäischen China-Mode, der so genannten Chinoiserie, und stehen beispielhaft für das große europäische Interesse am damaligen Kaiserreich China, an dessen Künsten und Philosophie. Bis heute finden sich in Dresden vielfältige Zeugnisse jener Begeisterung: Etwa die in chinesischem Stil erbauten Schlösser in Pillnitz, in denen das Kunstgewerbemuseum beheimatet ist, oder die Porzellansammlung, welche die größte Sammlung chinesischen Porzellans der Kangxi-Periode außerhalb Chinas besitzt. Dresden ist somit gewissermaßen genuin ein Ort des kulturellen Austausches mit China.


2008 wird dieser Austausch für die Bevölkerung in Dresden und Peking intensiv belebt. „China in Dresden in China“, dieses Motto weist auf das Wesentliche hin: Es geht den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden um Austausch, um Dialog. Sie gehen auf China zu. Dies wird auch dadurch deutlich, dass das National Art Museum of China und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Disziplinen austauschen. Restauratoren, Baufachleute, Techniker und Mitarbeiterinnen der Generaldirektionen werden bei der jeweils gastgebenden Institution ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen und neue hinzugewinnen – eine Premiere im Rahmen der chinesisch-deutschen Museumskooperationen. Weiterhin wird die Ausstellung Goldener Drache – Weißer Adler: Die Kunst im Dienste der Macht am Kaiserhof von China und am sächsisch-polnischen Hof (1644 – 1795) von Wissenschaftlern des Palastmuseums der Verbotenen Stadt und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gemeinsam kuratiert.


Zur Eröffnung des Jahres „China in Dresden in China“ wie auch zugleich der ersten Ausstellung, Humanism in China, kommen auf Einladung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden am 28. Februar 2008 zwei bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Politik miteinander ins Gespräch, die seit vielen Jahren wie wenige nur die Entwicklungen in China beobachtet und aktiv begleitet haben: Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt und Ministerpräsident a.D. Kurt Biedenkopf diskutieren über den „Nachbarn China“. Moderiert wird das Gespräch von Frank Sieren, Bestsellerautor und Chinaspezialist, der seit 14 Jahren in China lebt.


In dem von Helmut Schmidt und Frank Sieren im vergangenen Jahr veröffentlichten gleichnamigen Buch konstatiert der deutsche Staatsmann, dass der chinesischen Kultur bisweilen nicht der gebotene Respekt entgegengebracht werde – meist aus Unwissenheit, aber auch aus Überheblichkeit. Mit der Vielzahl an Ausstellungen und dem begleitenden Rahmenprogramm setzen die Staatlichen Kunst-sammlungen Dresden einen besonderen Akzent und wirken auf ihre Weise daran mit, das Wissen um China und seine Kultur sowie den Austausch mit Europa zu bereichern.


Zu Beginn des kommenden Jahres wird in Dresden die Foto-Ausstellung Humanism in China den gesellschaftlichen Wandel Chinas in den letzten fünf Jahrzehnten vor Augen führen. Schloss Pillnitz mit seiner chinoisen Architektur ist im Sommerhalbjahr Schauplatz einer Ausstellung zur chinesischen Gartenarchitektur. In der Ausstellung „Zeichen im Wandel der Zeit. Chinesische Tuschemalerei der Gegenwart“ von Kuratoren des National Art Museum of China aus Peking vorbereitet, wird erstmals ein neuer Akzent der weltweit so erfolgreichen chinesischen Gegenwartskunst vorgestellt – Kunstwerke, die in der traditionellen chinesischen Technik und Sprache der Tusche eine moderne Bildsprache entwickeln.
Der Frage, welche Bedeutung der Kunst bei der Inszenierung von Macht zukam, spürt zum Ende des Jahres die Ausstellung „Goldener Drache – Weißer Adler: Die Kunst im Dienste der Macht am Kaiserhof von China und am sächsisch-polnischen Hof (1644 – 1795)“ nach. Diese Ausstellung wird gemeinsam vom Palastmuseum in der Verbotenen Stadt und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konzipiert und im Frühjahr 2009 auch im Palastmuseum in Peking zu sehen sein.


Gerhard Richter, bekanntester deutscher Künstler der Nachkriegsgeneration, wird im Frühjahr in einer monographischen Schau – ein Gemeinschaftsprojekt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Sammlung Frieder Burda und der Sammlung Georg Böckmann in Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München, und den Staatlichen Museen zu Berlin – im National Art Museum of China, Peking, gewürdigt. Es ist seine erste Retrospektive in China.
Dazu findet parallel am selben Ort die Ausstellung „Living Landscapes. A Journey through German Art“ statt. Sie bietet einen repräsentativen Überblick über die deutsche Malerei von der Romantik bis in die Gegenwart. Diese Ausstellung ist eine Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden  mit den Staatlichen Museen zu Berlin und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München.


Mit einem vielseitigen kulturellen Rahmenprogramm werden die Ausstellungen das ganze Jahr über begleitet. Es will sowohl die traditionelle chinesische Kultur vermitteln, wie auch aktuelle Strömungen, etwa der Jugendkultur, spiegeln. Mit Vorträgen, Literaturabenden, einer Akademie-Reihe oder mit speziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche werden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf die Bevölkerung, die ein großes Interesse an China hat, zugehen und sie zur Information und Diskussion einladen.


 


 

Link: http://www.china-in-dresden.de/deutsch/ausstellung/index.html