Kunstvermittlung XXL:

Kunstvermittlung XXL


Kunstvermittlung XXL: Dieser Herausforderung stellen sich im Sommer der Großausstellungen vielerorts die Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler. Der Tendenz, Kunstvermittlung als Dienstleistung und Marketinginstrument zu verstehen, werden Modelle entgegengesetzt, die die Kunstvermittlung als Chance zur aktiven Mitgestaltung des Publikums verstehen. Dieses Selbstverständnis erfordert nicht nur das Denken in großen Dimensionen, sondern auch die Entwicklung von Inhalten sowie den Aufbau konzeptioneller und organisatorischer Strukturen, die innerhalb der Großveranstaltungen bestehen können.


Berichte von der documenta 12, den „schönsten Franzosen…“ aus Berlin und skulptur projekte münster 07 werden begleitet von Kontextsetzungen aus dem Bereich der Kulturpädagogik, des Marketings, des Sponsorings und der Bildungspolitik. In Foren werden aktuelle Konzepte der Kunstvermittlung aus verschiedenen Institutionen vorgestellt und diskutiert.


Das zweitägige Symposium, das die LWL-Kulturabteilung und das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Kooperation mit dem Bundesverband Museumspädagogik e.V. veranstalten, will die große Bandbreite der Kunstvermittlung im Rahmen von Großausstellungen beleuchten. Der LWL widmet sich in seiner Tagungsreihe „Kultur im Dialog“ damit einem weiteren museumsfachlichen Thema und erwartet Anregungen und Anstöße nicht zuletzt für die vielfältige Arbeit der Kunstvermittlung bzw. Museumspädagogik in seinen eigenen Museen.


Prof. Dr. Karl Teppe
LWL-Kulturdezernent


Tagungsorte
Tagungsbüro am 6. und 7. September:
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Fürstenberghaus
Domplatz 20-22, 48143 Münster


LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster
Domplatz 10, 48143 Münster


Programm: s. Internetseite

skulptur projekte münster 07 bewegen seit einem Monat eine Stadt.

Vor einem Monat eröffnete skulptur projekte münster 07 mit einem großen Bürgerfest in der Innenstadt. Seitdem sorgen 34 künstlerische Beiträge in der Stadt für eine pointierte Wahrnehmung von aktuellen Kunstpositionen, für Diskussionsstoff und Auseinandersetzung – Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen: Wie viele Besucher verzeichnet skulptur projekte münster 07 bis jetzt? Welche Reaktionen hat es auf die Ausstellung gegeben? Hat sich der Stadtraum verändert und in wieweit  haben sich die Kunstwerke in der Stadt verändert?


Sonnengott Helios war bisher nicht gnädig mit den Kunstreisenden dieses Sommers. Doch obwohl das Wetter oft schlecht war, genossen Kulturinteressierte aus aller Welt skulptur projekte münster 07. Gut ausgerüstet mit Regenschirm oder Windjacke machten sich bisher zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf den Weg durch die Ausstellung. Der Standortplan ist dabei ein fast notwendiger Begleiter und Wegweiser zu den Kunstwerken. Rund 150.000 Stück sind bisher an Besucher ausgehändigt worden, eine Größe, die auf eine entsprechend hohe Besucherzahl schließen lässt. Alle Projekte werden in dem Kurzführer vorgestellt, der bisher rund 22.000 Mal verkauft wurde.


„Die Resonanz ist wirklich enorm und zeigt, dass Skulptur Projekte inzwischen eine feste nationale wie internationale Referenzadresse ist. Der Ansturm in der Eröffnungswoche war sogar so groß, dass wir manche Engpässe überbrücken mussten“, freut sich Kurator Kasper König. „Das Publikum ist 2007 sehr international und gerade asiatische oder amerikanische Besucher hatten Münster schon früh auf ihrer Reiseroute.“ Die erste Auflage des englischsprachigen Katalogs ist bereits fast ausverkauft und eine zweite geht gerade in den Druck.


Auch die nationale und internationale Presse weiß viele „gute Gründe, weshalb man in diesem ‚Kunstsommer’ den Skulpturen-Parcours in und um die Stadt Münster aufsuchen sollte“ (Kunst-Bulletin). Ausgewählte Pressestimmen sind im Anhang zu finden (siehe pdf).


Die Kunstwerke von skulptur projekte münster 07 sind meist klare Eingriffe in den öffentlichen Außenraum und provozieren durch ihre Nähe zum Betrachter immer wieder sehr direkte Reaktionen. Manche Künstler haben die mögliche Veränderung ihrer Projekte im urbanen Raum bewusst in ihr Konzept mit einbezogen.


Besonders die fragile Materialassemblage von Isa Genzken vor der Überwasserkirche ist nicht nur witterungsbedingten Einflüssen ausgesetzt, sondern löst sehr starke, ambivalente Reaktionen bei den Betrachtern aus. Die Spannbreite reicht dabei von Devotionalienbeigaben wie Puppen oder Muscheln bis hin zu zerstörerischen Aggressionen wie dem Abtrennen von Puppenköpfen oder -beinen. Die Künstlerin hat das Team von skulptur projekte münster 07  damit beauftragt, sich um die Figuren zu kümmern. Erlittene „Verletzungen“ sollen so versorgt werden, dass sie für das Publikum sichtbar bleiben.


Vor allzu enger Umarmung musste dagegen die Arbeit „Roman de Münster“ von Dominique Gonzalez-Foerster geschützt werden. Tausende von Besuchern greifen nach den Miniaturen, mit denen die französische Künstlerin die Geschichte und Gegenwart der Skulptur Projekte verdichtet. Dominique Gonzalez-Foerster hat diese Interaktion vorausgesehen, sogar provoziert. In der Praxis stellte sich aber heraus, dass einige Arbeiten vor dem Besucheransturm bzw. die Besucher wegen möglicher Verletzungsgefahr vor allzu inniger Auseinandersetzung mit den Arbeiten bewahrt werden mussten. Deshalb hat skulptur projekte münster 07 in Absprache mit der Künstlerin einen kleinen Teil der Miniaturen gesichert und zusätzlich Schilder aufgestellt, die auf einen respektvollen Umgang mit dem Kunstwerk hinweisen.


Am Aasee graben die Bagger weiter: Das Projekt von Annette Wehrmann verändert sich. Für ihr „Aaspa – Wellness am See“ hat die Künstlerin eine Großbaustelle eingerichtet, die den Uferweg blockiert und die Jogger vor Bauzäune laufen lässt. Ab heute werden die Erdarbeiten für den weitläufigen Hotelkomplex fortgesetzt.


Kuh und Kälbchen haben den Streichelzoo von Mike Kelley verlassen und sind auf ihren Bauernhof zurückgekehrt. Das laute Brüllen der Kuh hat nicht nur kleine Besucher verschreckt, sondern auch darauf aufmerksam gemacht, dass manche Tiere nicht einfach umgesiedelt werden wollen. Nach einem Ersatz wird derzeit gesucht.


Ausstellungsende:30.09.07 

Der Friedrichsplatz zwischen leuchtendem Rot und Revolutionsliedern

Der Friedrichsplatz zwischen leuchtendem Rot und Revolutionsliedern 

Foto: Julia Zimmermann
„Jetzt, da die rote Farbe sich langsam über den Friedrichsplatz ergießt, habe ich die Hoffnung, dass er zum ‚roten Quadrat’ oder ‚roten Platz’ wird. (Vielleicht wird der Friedrichsplatz irgendwann zum Rosa-Luxemburg-Platz?) Es ist an der Zeit, dass die Stimmen der Frauen gehört werden.“ (Sanja Ivekovic)
Die PassantInnen des Friedrichsplatzes werden zurzeit von dem leuchtend roten Mohnfeld der kroatischen Künstlerin Sanja Iveković empfangen. Bei Sonnenschein klingen zwei Mal täglich Revolutionslieder über den Friedrichsplatz.
„Da ich aus Osteuropa komme, waren für mich die roten Mohnblumen nie Symbol für gefallene Soldaten und den Tod, sondern repräsentieren Revolution, Widerstand, politischen Kampf…“


Jeweils um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr ertönen neun Lieder über Lautsprecher. Die ersten vier Lieder (das erste davon ist „Red Poppies“) werden von dem Chor der Zagreber Frauengruppe Le Zbor in kroatischer Sprache gesungen. Die alten Revolutionslieder, die von jungen Kroatinnen ausgewählt wurden, sind nicht nostalgisch gemeint, sondern als Wunsch, die unterdrückten Erinnerungen an die sozialistische Vergangenheit des Landes zu aktivieren.
Die folgenden fünf Lieder werden in den beiden in Afghanistan gesprochenen Sprachen Dari und Pashto von Studierenden der revolutionären Vereinigung der Frauen Afghanistans, RAWA gesungen.


Die Künstlerin möchte ein Buch zum Mohnfeld publizieren und lädt ein, dazu beizutragen. Wenn Sie Fotos von Familie, Freunden oder sich selbst im Mohnfeld haben, dann schicken Sie diese bitte an: mohnfeld(at)documenta.de


Die Arbeit Mohnfeld von Sanja Ivecović wird realisiert mit Unterstützung von The Office for Gender Equality of the Government of the Republic of Croatia und von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien.

Die 1001 Chinesen sind abgereist

Die letzte Gruppe der 1001 chinesischen Gäste, die in den vergangenen Wochen die documenta 12 und Kassel besucht und damit zu Ai Weiweis künstlerischer Arbeit Fairytale beigetragen haben, ist abgereist. Sie haben sich wieder auf den Weg nach Peking, Shanghai oder in die chinesische Provinz gemacht. Im Gepäck vielfältige Bilder und Erfahrungen, die auf dieser experimentellen Reise entstanden sind, die auch die „GastgeberInnen“ in Kassel nicht unverändert lässt.
Mit dem Enthusiasmus, der den BesucherInnen entgegengebracht wurde, war nicht zu rechnen: Fahrräder wurden gesammelt, Fußballturniere organisiert, Schnellkurse in Chinesisch belegt. Und täglich trafen neue Einladungen für gemeinsame Aktivitäten mit den chinesischen Gäste ein. In der Nordstadt, Wohnort der 1001 Gäste und ein Kasseler Stadtteil mit viel Reise- und Migrationserfahrung, war das Engagement besonders spontan und selbstverständlich: die Beschilderung wurde um chinesische Schriftzeichen ergänzt, die Dönerkneipe in eine Karaokebar verwandelt.
Ai Weiwei bedankte sich ausdrücklich bei den BürgerInnen Kassels für ihre große Gastfreundschaft und Bereitschaft, sich auf die von ihm geplante „Begegnung zweier verschiedener Kulturen“ einzulassen. Auf die Frage, ob er denn wehmühtig sei, jetzt wo alle abgereist sind, antwortet Ai Weiwei: „Nein, alle sind noch hier – in der Erinnerung.“
Und Fairytale reist weiter: In den unzähligen Bildern und Begegnungen, die Fairytale entstehen ließ, wird diese künstlerische Arbeit der documenta 12 weiter bestehen, sich durch Filme und Bücher, die Ai Weiwei plant, auch weiter verändern.

Quelle documenta12, 11.07.07
Johanna Maria Huck-Schade

Sanja Ivekovic

Die PassantInnen des Friedrichsplatzes werden momentan von dem leuchtend roten Mohnfeld der kroatischen Künstlerin Sanja Ivekovic empfangen. Immer wenn die Sonne scheint, werden jetzt Revolutionslieder über den Friedrichsplatz klingen.
Es ertönen jeweils um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr 9 Lieder aus den Lautsprechern. Die ersten 4 Lieder werden von dem Chor der Zagreber Frauengruppe Le Zbor (www.lezbor.org) in kroatischer Sprache gesungen. Le Zbor wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, über den Weg der Musik die zurückgedrängte und diskriminierte lesbisch-feministische Soziokultur in Zagreb zu unterstützen. Die hier ausgewählten Revolutionslieder aktivieren die Erinnerung an die sozialistische Vergangenheit Kroatiens.
Die folgenden 5 Lieder werden in den beiden in Afghanistan gesprochenen Sprachen Dari und Pashto von Studierenden der revolutionären Vereinigung der Frauen Afghanistans, RAWA, gesungen. RAWA (www.rawa.org) wurde 1977 als eine unabhängige politische und soziale Organisation afghanischer Frauen in Kabul gegründet und kämpft für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit in Afghanistan.

Quelle: documenta 12, 11.07.07
Johanna Maria Huck-Schade