ERÖFFNUNG DES HERMANN NITSCH MUSEUM IM MUSEUMSZENTRUM MISTELBACH

ERÖFFNUNG DES  HERMANN NITSCH  MUSEUM IM MUSEUMSZENTRUM MISTELBACH 

Hermann Nitsch
Foto: Archiv Cibulka-Frey


Am 24. Mai 2007 eröffnet das neue Museumszentrum Mistelbach. Im Rahmen der ersten Teileröffnung präsentiert sich das Hermann Nitsch Museum, das flächenmäßig größte monografische Museum in Österreich. Auf einer Ausstellungsfläche von 2.600 Quadratmetern, in einem Hallenkomplex mit einer Gesamtlänge von 61 Metern, wird in einer Erstpräsentation das umfassende Werk des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch zu sehen sein.


„Meine Arbeit soll eine Schule des Lebens, der Wahrnehmung und der Empfindung sein.“


Diese Grundhaltung kennzeichnet das seit fünf Jahrzehnten andauernde künstlerische Schaffen von Hermann Nitsch, das ab 24. Mai 2007 mit der bisher größten öffentlichen Werkschau des Künstlers im neuen Hermann Nitsch Museum gewürdigt wird.
Gleichzeitig mit dem Museum wird der erste vollendete Bauabschnitt im neuen Museumszentrum Mistelbach, das auf dem Industriegelände der ehemaligen Pflugfabrik Heger errichtet wird, eröffnet.


Neben der Präsentation von Nitschs Arbeiten wird das Gesamtwerk wissenschaftlich erforscht und dokumentiert. Dabei werden interdisziplinäre Überschneidungen und Beeinflussungen aufgezeigt, die von dem sehr komplex angelegten Gesamtwerk, dem Orgien-Mysterien-Theater (OMT), ausgegangen sind. Mit der Aufarbeitung befassen sich Experten aus den Bereichen der Geistes- und Erkenntniswissenschaften wie Theologie, Mythologie, Psychologie, Philosophie, Kultur- und Kunstwissenschaften sowie aus Theater, Performance, Aktionismus, Malerei, Fotografie, Film, Musik und Literatur, um das Werk von Nitsch in seiner Gesamtheit im Rahmen von Vorträgen, Symposien und Schriftenreihen zu reflektieren. Besonders die Musik, die für das Orgien-Mysterien-Theater wesentlich ist, wird in Zusammenarbeit mit heimischen Musikschulen und Blasmusikkapellen gepflegt und weiterentwickelt.


Zur Visualisierung der künstlerischen Vielfalt werden sowohl gesamte Werkblöcke als auch zeitlich wie inhaltlich zusammengehörende Arbeiten in einem regelmäßigen Wechsel präsentiert. Für die Publikation und Dokumentation seiner Arbeit stellt der Künstler seine Werke dem Museumszentrum Mistelbach vierzig Jahre unentgeltlich zur Verfügung.


Die Idee, Nitsch in seiner Heimat, im niederösterreichischen Weinviertel, ein eigenes Museum zu widmen, ist den Initiatoren Christian Resch, Bürgermeister von Mistelbach und Landeshauptmann Erwin Pröll zu verdanken. Mit der Weiterführung der Konzeption und der planerischen Abwicklung wurde der Gründungsdirektor und Kurator Wolfgang Denk beauftragt. Das Wiener Architekturbüro archipel architektur + kommunikation (Johannes Kraus, Michael Lawugger) ist für die bauliche Umsetzung verantwortlich.


Anlässlich der Erstpräsentation im Hermann Nitsch Museum erscheint im Hatje-Cantz Verlag ein Katalog mit Beiträgen von Carl Aigner, Heinz Cibulka, Wolfgang Denk, Hermann Nitsch, Wieland Schmied und Romana Schuler in deutscher und englischer Sprache.


Die Gesamtfläche des dreiteiligen Museumskomplexes beträgt 6.116 Quadratmeter. Die Eröffnung der Lebenswelt Weinviertel ist für Oktober 2007 geplant. Die dritte und letzte Teileröffnung findet mit dem Internationalen MessweinArchiv im Frühjahr 2008 statt. Bis Sommer 2008 wird auch der Dionysische Themenweg, der das Museumszentrum Mistelbach mit dem Weinviertelfries „Gemischter Satz“ von Heinz Cibulka verbindet, fertiggestellt sein.
Die zukünftige Infrastruktur des neuen Museumszentrums Mistelbach, die auch unabhängig von den Öffnungszeiten der Ausstellungshallen zugänglich sein wird, beherbergt einen Museumsshop, ein Café-Restaurant, eine Vinothek, ein multimediales Auditorium und Räume für kulturelle Sonderveranstaltungen. Ebenfalls im Museumszentrum Mistelbach untergebracht ist die NÖ Malakademie unter der Leitung von Günther Esterer.


Ort der Kontemplation
Das architektonische Konzept
Mit Johannes Kraus und Michael Lawugger von archipel architektur + kommunikation konnte ein international renommiertes Architektenteam für den Museumsbau gewonnen werden.
Inspiriert vom Werk Hermann Nitschs und der Klarheit der vorgegebenen Bausubstanz, transformieren die beiden Architekten durch gekonntes Wegnehmen und Hinzufügen das ehemalige Heger-Fabriksensemble zu einer klosterhaften Museumsanlage.
Innerhalb der umschließenden Hülle entstehen Gebäude und Freibereiche, die Assoziationen von Langhalle, Kathedrale, Seitenschiff, Claustrum, Krypta und einer zentralen Piazza zulassen.
Das Wechselspiel zwischen großen und kleinen, niedrigen und hohen, offenen und geschlossenen Innen- und Außenräumen ist Konzept und Teil einer Raumdramaturgie, die prozessorientiert ist. Die Bewegung und der Moment des sinnlichen Erlebens stehen im Mittelpunkt.
Ein breites Spektrum der Gestaltung für wechselnde Ausstellungen und Aktionen wird dadurch ermöglicht. Die Architektur stellt den Anspruch, das Gesamtkunstwerk von Hermann Nitsch zu unterstützen, tritt aber mit einer zurückhaltenden, archaischen Sprache in den Hintergrund. Somit werden Räume für Ruhe, Entfaltung, Konzentration, Inszenierung, Aktion und eine allumfassende ästhetische Erfahrung geöffnet.


Zum Werk von Hermann Nitsch
Das Werk von Hermann Nitsch ist mit dem Wiener Aktionismus verbunden. Bereits 1957 entwickelt Hermann Nitsch die Idee vom Orgien-Mysterien-Theater. Mit dem Orgien-Mysterien-Theater verwirklicht Nitsch seine Vorstellung eines Gesamtkunstwerkes, das unter Einbeziehung der Malerei, der Architektur und der Musik auf der Grundlage griechischer Mysterienfeste eine Katharsis (Reinigung) zum Ziel hat, die letztendlich zum Erkennen des eigenen Selbst führen soll. Diese ästhetische Grundhaltung zieht sich durch das gesamte Werk von Hermann Nitsch. Bei allen Werken steht dabei die Sensibilisierung der fünf Sinneswahrnehmungen sowohl beim Betrachter / Zuschauer als auch beim Akteur im Mittelpunkt.


Inspiriert durch den Tachismus und den abstrakten Expressionismus beschäftigt sich Hermann Nitsch in den späten 50er und frühen 60er Jahren mit Malerei und veranstaltet zum Teil gemeinsam mit Otto Mühl und Adolf Frohner „theatralische Malaktionen“, in denen die sogenannten Schüttbilder entstehen. Hatte der Künstler 1961 noch rote Farbe über große Leinwände laufen lassen, ersetzt er diese nach und nach durch Blut, die auf den Rahmen gespannte Leinwand durch Betttücher und agiert mit Innereien, Tierkadavern und menschlichen Körpern. „Rot ist die Farbe, die am intensivsten zur Registration reizt, weil sie die Farbe des Lebens und des Todes gleichzeitig ist.“ (Hermann Nitsch)


Seit 1971 finden die meisten Aufführungen des Orgien-Mysterien-Theaters in dem von Hermann Nitsch erworbenen Schloss Prinzendorf in Niederösterreich statt, wo der Künstler auch lebt und arbeitet. Seine Aktionen, in denen er Opferritual und Messliturgie gleichwertig integriert, werden im Laufe der Jahre immer komplexer: An Kreuzen aufgehängte Lämmer und Stiere werden ausgeweidet, Musik, Lärmorchester, Schreichöre und elektronisch verstärkte Instrumente kommen hinzu. In seinen Aktionen, die auf akribisch verfassten „Partituren“ basieren, ist Nitsch Akteur, Komponist und Schriftsteller zugleich. Neben Handlungsanweisungen und Texten sind auch grafisch notierte Musikstücke enthalten. Potenziell sind seinen Aktionen keine Grenzen gesetzt. Sie finden inzwischen in großen Sälen, Theaterhäusern oder im Schloss Prinzendorf statt. Die in Prinzendorf aufgeführten Aktionen zählen aber zweifellos zu seinen Höhepunkten: das „Sechs-Tage-Spiel“ im Sommer 1998 und die „120. Aktion“, das 2-Tage-Spiel im Sommer 2004. Mit der Einladung, seine „122. Aktion“ im Jahr 2005 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg im Burgtheater zu realisieren, wurde Hermann Nitsch zum ersten Mal auch die öffentliche Anerkennung des offiziellen Theaterbetriebs zuteil.


Bis in die 80er Jahre widmet sich Hermann Nitsch ausschließlich der Verwirklichung seiner Idee des Orgien-Mysterien-Theaters und beginnt erst Mitte des letzten Jahrzehnts wieder mit der Fertigung autonomer Malerei. Im Mittelpunkt steht dabei für Hermann Nitsch die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Farbe. Nachdem in den Jahren zuvor wegen ihres symbolischen Gehalts ausschließlich die Farbe Rot zum Einsatz gekommen war, führt Hermann Nitsch nun alle Farben des Spektrums in die Bildgestaltung ein. Ein wesentliches Anliegen seiner Farbenlehre sind die „synästhetischen Beziehungen zu anderen Sinneseindrücken“ und die „Farbharmonik“ (Hermann Nitsch). Anhand ausgewählter Werke und Farbobjekte (Farbskalen) sowie spezieller Farblehrtexte wird der Farbkosmos des Künstlers in äußerst sinnlicher Weise sichtbar.


Hermann Nitsch hat ein vielseitiges und kompromissloses Werk geschaffen, das stets in Begleitung mit kontroversiellen Debatten in der Öffentlichkeit wahrgenommen und rezipiert wurde. Lange musste der Begründer des Orgien-Mysterien-Theaters um die öffentliche Anerkennung seiner ästhetischen Haltung kämpfen. Die Schau „Hermann Nitsch – Orgien-Mysterien-Theater“, eine groß angelegte Retrospektive seines umfassenden Werks in der Nationalgalerie in Berlin 2006 – zu sehen waren in 18 Räumen des Martin-Gropius-Baus 300 Werke, unter anderem Altäre und großformatige Schüttbilder sowie Schreine, Partituren, Zeichnungen und Gewänder -, war dabei ein weiterer Höhepunkt in der Würdigung seines außergewöhnlichen und streitbaren Werks.


Hermann Nitsch lehrte von 1989 bis 2003 an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst Städelschule in Frankfurt am Main sowie an zahlreichen Sommerakademien. Gastprofessuren 1984/1985 an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg und 2004 am Institut für Theaterwissenschaften der Universität Wien. Seine Werke waren bei zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1972 bei der documenta V und 1982 bei der documenta VII in Kassel, vertreten.


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Museumszentrum Mistelbach
Lebenswelt Weinviertel
Hermann Nitsch Museum
Internationales Messwein-Archiv


Ort
 Museumszentrum Mistelbach
Waldstraße 44-46
A-2130 Mistelbach  
 
Öffnungszeiten
 Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr
Montag geschlossen



 

Zum Tod der Sammlerin und Mäzenin Dr. Eleonore Stoffel

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen trauern um eine große Sammlerin und Mäzenin. Frau Dr. Eleonore Stoffel erlag am 16. April 2007 in Köln ihrer tapfer ertragenen Krankheit.


Im Februar 2006 konnte die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne einen der bedeutendsten Zugewinne in ihrer Erwerbungsgeschichte verzeichnen: Die Kölner Sammlung Michael und Eleonore Stoffel, die bereits vor dem Tod von Herrn Dr. Stoffel am 9. Juni 2005 in eine Stiftung eingebracht wurde, gelangt dauerhaft an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.


Die Sammlung Stoffel zählt zu den wichtigsten Privatsammlungen in Deutschland. Das Ehepaar Stoffel baute sie seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit viel Umsicht, Konsequenz und Gespür für das Besondere im jeweiligen Werk auf. Geprägt von Kenntnisreichtum und Passion, entstand ein Sammlungskosmos, der wichtige Entwicklungen insbesondere der deutschen und amerikanischen Kunst der 60er bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts aufzeigt.


Die Sammlung enthält vor allem größere Werkkomplexe von Marlene Dumas, Caroll Dunham, Günter Förg, Jörg Immendorff, Mike Kelley, Martin Kippenberger, Per Kirkeby, Markus Lüpertz, A. R. Penck, David Salle, Rosemarie Trockel, Nicola Tyson und Terry Winters. Einzelne Meisterwerke von Georg Baselitz, David Hockney, Hermann Nitsch, Serge Poliakoff, Antoni Tàpies und anderen ergänzen diese Schwerpunkte in vortrefflicher Weise. Hinzu kommt eine Gruppe von 25 Außenskulpturen, die derzeit in Köln in einem Skulpturenpark der Öffentlichkeit zugänglich sind.


Die Vereinbarung mit Frau Dr. Eleonore Stoffel ist, wie schon diejenige über die Sammlung Udo und Anette Brandhorst, als unkündbare Dauerleihgabe angelegt. Sie ermöglicht langfristige Strategien und erlaubt es der Pinakothek der Moderne, mit einem qualitativ und quantitativ angemessenen Fundus ihren Aufgaben in der Öffentlichkeit noch breiter und wirkungsvoller gerecht zu werden. Künftig geht die 200 Werke umfassende Sammlung in die Verwahrung und Nutzung der Pinakothek der Moderne über und wird so den Bestand gerade in Fällen gravierender Lücken glanzvoll und auf höchstem Niveau ergänzen und erweitern. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verpflichten sich, die Bestände in die zukünftige allgemeine Sammlungskonzeption zu integrieren, Sonderpräsentationen zu Teilen der Sammlung durchzuführen und sie konservatorisch zu betreuen.


Bis zuletzt hat sich Frau Stoffel mit bewundernswerter Disziplin und Willenskraft für die Kunst eingesetzt und ihr am Herzen liegende Projekte vorangetrieben. Noch einen Tag vor ihrem Tod konnte das zehnjährige Bestehen des Kölner Skulpturenparks und die Eröffnung von »KölnSkulptur 4« gefeiert werden, ein Projekt, das auf die Initiative des Ehepaares Stoffel zurückgeht und das durch Mittel ihrer Stiftung finanziert wird. Gleichzeitig gab es intensive Gespräche über eine erste Präsentation zentraler Werke der Sammlung Stoffel in der Pinakothek der Moderne: Wir werden dies nun ohne ihren klugen Rat, jedoch ganz in ihrem Sinne in naher Zukunft umzusetzen versuchen.


 


 

Skulptur Projekte Münster 2007 – Maria Pask


Mit ihrem Projekt fordert die in Amsterdam lebende Künstlerin Maria Pask (*1969) zum Dialog auf. Unter dem Titel *Beautiful City“ entwickelt Maria Pask eine öffentlich zugängliche Diskussionsplattform, zu der sie Vertreter nationaler und internationaler religiöser Gemeinschaften einlädt, sich mit ihren Glaubenspositionen vorzustellen. Als Ort hat Maria Pask den Schlossgarten gewählt und befindet sich damit in unmittelbarer Nachbarschaft des *sanctuarium“ von Herman de Vries (Skulptur Projekte 1997) und dem *Void-Stone“ von George Brecht (Skulptur Projekte 1987). An 16 Sonntagen während der Laufzeit der Ausstellung (17. Juni bis 30. September 2007) werden dort Sprecher unterschiedlicher religiöser Gemeinschaften ihren Standpunkt zu Glauben, Spiritualität und Religion erläutern. Die Gespräche finden in einem Zelt statt, das über seinen flüchtigen und improvisierten Charakter an die Mobilität von Wanderpredigern erinnert. Vor dem Hintergrund der Geschichte Münsters, die von Wiedertäuferherrschaft und dem heute vorherrschenden Katholizismus geprägt ist, zeigt Maria Pasks Projekt religiöse Vielfalt auf. *Beautiful City “ stellt unterschiedliche Glaubenspositionen gleichberechtigt nebeneinander und liefert so eine Diskussionsgrundlage um ethische, soziale und individuelle Zusammenhänge in einer multikulturellen Gesellschaft.

Statt Eichen Mohn auf dem Friedrichsplatz in Kassel

Zur documenta 12 will Sanja Ivekovic den Friedrichsplatz vor dem Fridericianum in ein riesiges Mohnfeld verwandeln, welches mit viel tief gehender Symbolik verbunden ist. Bereits  Walter de Maria mit „Erdkilometer“ oder Joseph Beuys mit „7000 Eichen“ haben den ehemaligen Aufmarschplatz für ihr Werk benutzt.
Die Künstlerin ist  1949 in Zagreb / Kroatien geboren, studierte von 1968 bis 1971 an der Akademie der Bildenden Künste in Zagreb, lebt und arbeitet in Zagreb. Sie gilt als eine der bekanntesten Kroatischen Künstlerinnen. (s.Cyberday-Künstler)

Ein goldener Pavillon für skulptur projekte münster 07:

Ein goldener Pavillon für skulptur projekte münster 07:

Die temporäre Ausstellungsarchitektur „switch+“ wird ab April realisiert:
Auf dem Vorplatz des skulptur projekte Büros entsteht ein
goldener Pavillon, der während der Ausstellungsdauer die Besucherinformation,
eine thematische Buchhandlung und eine Caféterrasse aufnimmt



Hans-Peter Feldmann, WC-Anlage am Domplatz: Die Realisierung des Projekts hat am
Montag, 26.03.07, begonnen ,


die Arbeit von Rosemarie Trockel trägt den Titel „Less sauvage than others“
und erhält im April den zweiten Beschnitt.


Am Projekt von Guillaume Bijl „Archeological Site (Sorry-Installation)“ hat die Geländemodellierung begonnen.


Der britische Künstler Mark Wallinger (*1959) wird eine 0,6 Millimeter
dünne Angelschnur in einem kreisrunden Umfang von fünf Kilometern und
einer Mindesthöhe von 4,5 Metern durch die Stadt spannen. Fünf bis zweihundert
Meter liegen zwischen den Befestigungspunkten an den Häusern,
die sich auf diesem Kreis befinden. Mit seiner Idee, durch das Spannen
einer Angelschnur sehr subtil einen Raum zu markieren und damit eine
Grenzziehung vorzunehmen, bezieht sich der Brite auf drei Phänomene. Zum
einen auf ein Verfahren jüdisch orthodoxer Gemeinschaften, das das Bewegen
von Gegenständen am Sabbat aus dem privaten Raum regelt (Eruv). Da
der Talmud dies eigentlich verbietet, wird durch die Markierung realer
oder symbolischer Grenzen eine Erweiterung des privaten Raums in den
öffentlichen erreicht. Zum anderen beschäftigt er sich mit dem aus der
englischen Geschichte des 14. Jahrhunderts stammenden Begriff Pale. Diese
Zone beschreibt ein in sich geschlossenes Herrschaftsgebiet, das Sicherheit
bedeutet, indem es sich sich nach Außen abgrenzt. Und schließlich
spricht Wallinger auch das Phänomen des Ghettos an, einen Bereich,
der vor allem die Ausgrenzung einer bestimmten Bevölkerungsschicht bezeichnet.
Die Arbeit des Künstlers bezieht so kulturelle, politische und
gesellschaftliche Fragestellungen mit ein.

Dauerinstallation »Babelturm« von Jakob Gautel

Ab Samstag, den 24.03.2007 wird auf dem ZKM_Museumsbalkon die Dauerinstallation »Babelturm« von Jakob Gautel zu sehen sein. Die 4 Meter hohe, übermächtige Skulptur eines aus tausenden von Büchern geschichteten Turms wiegt 4 Tonnen. Damit konfrontiert der in Karlsruhe aufgewachsene und in Paris »und an anderen Orten« arbeitende Künstler Jakob Gautel die wachsende Macht des Wissens mit der Beliebigkeit des ständig angeheizten Informationskonsums in der modernen Gesellschaft.


Verweist der Bücherturm Jakob Gautels als Symbol der geistigen Erhebung, des Wissenstempels und Sanktuariums gleichfalls auf die babylonische Sprachverwirrung wie auf das Bild eines immensen, aus Büchern angerichteten Scheiterhaufens, auf dem das Ideal der Aufklärung zu scheitern droht?