»Froehlich zieht sich aus dem ZKM zurück«


Die Stuttgarter Zeitung berichtete in ihrem heutigen Artikel »Froehlich zieht sich aus ZKM zurück« über die Absicht des Kunstsammlers Josef W. Froehlich, seine Werke aus dem ZKM | MNK abzuziehen. Das ZKM würde es sehr bedauern, wenn Herr Froehlich den angekündigten Schritt vollziehen würde, denn die Qualität der Sammlung Froehlich steht außer Frage.


Allerdings folgt das ZKM | MNK in seinem Ausstellungs-Programm einer bestimmten Konzeption, die im Namen »Museum für Neue Kunst« angelegt ist. Parallel zur Dauerpräsentation von Sammlungsblöcken der mit dem ZKM kooperierenden Privatsammlungen wird in großen thematischen Ausstellungen die Entwicklung der Kunst von den 60er Jahren bis zu aktuellsten Positionen wissenschaftlich aufgearbeitet. Die privaten Sammlungen, mit denen das ZKM zusammenarbeitet, sind Grundlage und Bezugsgröße für diese Art von Ausstellungen. Deshalb schätzt es das ZKM sehr, mit verschiedenen Privatsammlungen zu kooperieren, die sich auf verschiedene Dekaden und Kunstströmungen konzentrieren. Zum Teil handelt es sich dabei um ganz aktuelle Produktionen, die noch kontroversiell sind, da für sie, im Gegensatz zu den »Klassikern« der Gegenwartskunst, noch kein allgemeiner Konsens gefunden werden konnte. Wenn Herr Froehlich diesem Konzept nicht mehr folgen könnte, muss das ZKM dies mit Bedauern zur Kenntnis nehmen.


Trotz eines möglichen Dissenses verbeugt sich das ZKM nach wie vor vor der großartigen Leistung des Sammlers und Kunstliebhabers Josef W. Froehlich und dankt für die bisherige Zusammenarbeit.


 

Neuerwerbung für die Pinakothek der Moderne- Georg Baselitz –

Neuerwerbung für die Pinakothek der Moderne-  Georg Baselitz -

Die bedeutende Georg Baselitz Sammlung in der Pinakothek der Moderne ist um das frühe Hauptwerk »Der Mann am Baum« , Öl auf Leinwand, 250 x 200 cm, von 1969 erweitert worden. Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds, der das Gemälde kürzlich erworben hat, stellte es großzügigerweise dauerhaft zur Verfügung. Damit bereichert ein epochales Schlüsselwerk des Künstlers die  gewichtige Sammlung deutscher Kunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Sammlung Moderne Kunst, die entschieden durch das sammlerische Gespür und Engagement von SKH Herzog Franz von Bayern geprägt ist. 


Das Gemälde »Der Mann am Baum« kann als der Beginn einer Schaffensphase gesehen werden, in der Baselitz einen radikal anderen Ansatz riskierte, nämlich die Umkehrung eines Bildmotivs. Über viele Jahre wird dies fast zu einem Markenzeichen. Zwischen den Polen einer weltweit lange Jahre bestimmenden Abstraktion einerseits und einer durch die Pop Art neu etablierten Gegenständlichkeit andererseits markierte Baselitz mit einem Paukenschlag einen ganz eigenständigen, neuen Weg, der Grenzen aufhob. Durch die Inversion des Bildmotivs wird dessen eindeutige inhaltliche Festlegung unterlaufen. Diese bleibt jedoch als formale Kontrollinstanz für die Gesamtkomposition erhalten. Die flächendeckende, grau-grüne und stark mit Weiß aufgemischte Farbgestaltung verbindet den Mann, dessen Kopf wie zusammengequetscht auf einer Art Stacheldraht aufliegt, mit dem raum- und ortlosen Bildgrund. Es entsteht eine emblematisch starke Bildstruktur ohne erzählerische oder anekdotische Eindeutigkeit. Baselitz hat diesen hier in aller Klarheit formulierten Gedanken eines Bildes jenseits von Figuration und Abstraktion konsequent und mit stets neuem Risiko bis hin zu den »Remix«-Werken der letzten Jahre weiterentwickelt.


Es ist ein besonderer Glücksfall, dass durch die Erwerbung von »Der Mann am Baum« alle zentralen Werkphasen des Künstlers mit exemplarischen Bildern in einzigartiger Dichte in der Pinakothek der Moderne gezeigt werden können und dass damit die für die Sammlungsstrategie insgesamt charakteristische Schwerpunktbildung eine weitere Akzentuierung erfährt.

Die Kunst des Sehens: Forschen – Lehren – Lernen – ursula blickle vide

„Video killed the Radio Star“ – ein Pop-Hit aus den 1980er Jahren – signalisierte die Ankunft des Videoclips und löste eine ästhetische Revolution in der Verbindung von Musik und Bild aus. Beinahe zur selben Zeit setzte sich das Video als selbstverständliches ästhetisches Ausdrucksmittel bildender Künstler durch. Heute sind Ausstellungen zeitgenössischer Kunst ohne dieses Medium kaum mehr vorstellbar.
Das ursula blickle videoarchiv, eine Kooperation zwischen der Ursula Blickle Stiftung, der Universität für angewandte Kunst Wien und der Kunsthalle wien, wird am 9. März 2007 nach zweijähriger Vorbereitungsphase eröffnet. Mit dem ursula blickle videoarchiv wird ein Modell zur Förderung und Sichtbarmachung von zeitgenössischer Videokunst geschaffen; ein lebendiges, stetig anwachsendes Archiv für Studenten, Kunsthistoriker und ein interessiertes Publikum, um Recherche und Forschungsarbeit mit dem Medium Video zu ermöglichen.
Modernste Technologie an bequemen Monitorsichtungsplätzen erlaubt dem Benutzer eine umfassende Recherche in der Datenbank sowie den unmittelbaren Zugriff auf derzeit knapp über 1000 Künstlervideos, die in voller Länge gesichtet werden können.
Das ursula blickle videoarchiv ist als Verbindung von privatem Engagement, Universität und Ausstellungshaus europaweit einzigartig und soll modellhaft neue Möglichkeiten der institutionellen Kooperation vorführen.
Das ursula blickle videoarchiv ist parallel an den drei Örtlichkeiten der Kooperationspartner situiert; es ist nicht kommerziell und zu den Öffnungszeiten der jeweiligen Institutionen kostenfrei zugänglich. Die Vermittlungspolitik des Videoarchivs legt ihren Fokus neben historisch relevanten und international anerkannten Positionen auf aktuelle, gattungs und grenzüberschreitende Tendenzen der Kunst des bewegten Bildes. Als Künstlerplattform mit österreichischer Schwerpunktsetzung wurde und wird die lokale Tradition und Gegenwart der Videokunst verfügbar gemacht. Gespeist wurde das Archiv vorwiegend aus den Sammlungsbeständen der Bibliothek der Angewandten und aus dem Ausstellungsbetrieb der Kunsthalle Wien und der Ursula Blickle Stiftung.
Sichtungsstationen
Neben den Touch Screens gibt es in der Kunsthalle wien sechs Videosichtungsstationen mit Flachbildschirmen, Tastatur und Maus, die über ein lokales Netzwerk mit einem Streamingserver verbunden sind. In der Bibliothek der Universität für angewandte Kunst Wien gibt es zwei Sichtungsstationen und eine in der Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal. Entworfen für einen Benutzer ermöglichen die Sichtungsmonitore eine umfassende Recherche mit Informationen über den Künstler und das Kunstwerk sowie Schlagwort und Volltextsuche. Die Indexliste ermöglicht einen raschen Überblick über die im Archiv befindlichen Werke und Künstler. Modernste technische Lösungen ermöglichen unter anderem, dass Videos in der Vorschau oder als Vollbild, auszugsweise oder in voller Länge gesichtet werden können.
Derzeit beinhaltet das ursula blickle videoarchiv knapp über 1000 Titel von ca. 450 nationalen wie internationalen Künstlern. U.v.a. sind vertreten: Heike Baranowsky, Ellen Cantor, Wolfgang Capellari, Carola Dertnig, Nathalie Djurberg, Harun Farocki, Rainer Ganahl, Daniel Gimelberg, Anna Jermolaewa, Susi Jirkuff, William Kentridge, Imi Knoebel, Peter Kogler, Roberta Lima, Tracey Moffatt, Muntean/Rosenblum, Takeshi Murata, N.I.C.J.O.B., Marcel Odenbach, Nam June Paik, Ulrike Rosenbach, Constanze Ruhm, Kiki Seror, Erwin Wurm, Heimo Zobernig.
Die Kunstvideos sind ausschließlich vor Ort einzusehen.
Online sind die Videos aus Copyrightgründen nicht verfügbar.
Forschen, Lehren, Lernen
Konzipiert als digitale Handbibliothek für studentische, wissenschaftliche und kuratorische Praxis bietet das Archiv kompetente Informationen über neueste Tendenzen in der Videokunst sowie lebendige Kunstgeschichte. Nicht belastet durch Sammeln und Konservieren, sondern als Zentrum der Kunstvermittlung in Zusammenarbeit mit der Angewandten entwickelt, werden in der ursula blickle videolounge mittels der großen Projektionswand Vorlesungen veranstaltet. Ab März 2007 wird das Archivsystem von Professoren und Dozenten mit seinem vollen Funktionalitätsumfang zur Ausbildung und Lehre von Studenten genützt.
Einmal jährlich wird neben dem ursula blickle videopreis für einen künstlerisch arbeitenden Studenten, ein weiterer Preis für eine theoretische Arbeit vergeben, die mithilfe des ursula blickle videoarchivs entstanden ist.
video des monats
Die bereits seit Dezember 2004 existierende Programmschiene video des monats zeigt in der ursula blickle videolounge monatlich wechselnd ein oder mehrere Videos eines Künstlers oder kuratierte Videokompilationen auf Großleinwand. Dabei konnten in den letzten zwei Jahren Kuratoren wie Klaus Biesenbach, Gianni Jetzer, Catherine David oder Nicolaus Schafhausen gewonnen werden. Es wurden künstlerische Positionen wie Lida Abdul, Fikret Atay, Illya Chichkan, Thomas Draschan, Brian Eno, Sylvie Fleury, Isaac Julien, Hassan Khan, Zilla Leutenegger, Ulrike Ottinger, Magnus Wallin u.a. präsentiert.
ursula blickle video archiv, ursula blickle videoarchiv
Eine Kooperation von URSULA BLICKLE STIFTUNG, KUNSTHALLE wien und Universität für angewandte Kunst Wien.