Ein Bild aus Berlin 18

Auguststrasse ade?

Neulich im Hof des Galeriekomplexes Zimmerstrasse 90. Auf der Party
anlässlich des gerade beginnenden Kunstherbstes fragt mich jemand in der
Schlange vor dem Buffet, ob ich wüsste, wer die Party gibt. „Irgendwelche
Galerien“, antworte ich. Es war klar, dass es sich um ein Einstiegs-Event
einer Galerie handelte, die zu Beginn des Kunstherbstes gute Laune
verbreiten und dazu die geglückte Positionierung der Zimmerstrasse 90 als
Top-Galerien-Adresse feiern wollte. Unklar war nur, um welche Galerie es
sich handelte.

Die Unpersönlichkeit traf nicht nur auf die Party zu. Die Anonymität der
Festivität war nur ein Symptom der neuen Coolness, die neuerdings in viele
Berliner Galerien eingekehrt ist. Ob man sich auf einem Hof in der
Zimmerstrasse oder in Charlottenburg oder im Londoner East-End befand: Es
war egal. Und das war gut so. Vorbei das gemütliche Vorbeischau-Flair, das
der Auguststrasse eigen war. Schließlich sind Galeristen zunächst einmal
Geschäftsleute und nicht Nachbarn.

Der positive Effekt der Umzugswelle besteht darin, dass man es geschafft
hat, zwei neue Kunstzentren zu positionieren, die Zimmerstrasse und die
S-Bahn-Bögen an der Jannowitzbrücke. Zahlreiche Galerien haben durch ihre
Umzüge bessere Ausstellungsmöglichkeiten erhalten. Auch wenn man über die
architektonische Qualität des Galerienhauses in der Zimmerstraße streiten
mag, der viele ein behördenmäßiges Aussehen bescheinigen, so hat die
Kunststadt Berlin spätestens mit den S-Bahn-Bögen an der Spree eine
attraktive Adresse hinzugewonnen ­ auch wenn man das privatmuseale Format
vieler New Yorker Galerien noch nicht erreicht hat.

Auf der anderen Seite sind zwei Dinge zu befürchten: Einerseits eine
Zersplitterung der Kunstszene, die durch ihre Aufteilung nicht nur an
Charme, sondern auch an Durchschlagskraft verlieren könnte. Andererseits
eine neu entstehende Zwei-Klassen-Galerie-Gesellschaft: Zeichnete sich die
Mitte der Auguststrasse noch durch ein olympisches
Wir-sind-alle-dabei-Gefühl aus, sind jetzt nicht mehr alle dabei. Berlins
Galerien unterscheiden sich jetzt in die Galerien, die das Zeug zum umziehen
haben und die, die dableiben müssen.

Dabei hätte man nicht glauben sollen, dass der Abschied von der
Auguststrasse so leicht fällt. Es gab in Berlin einmal eine Zeit, in der
jeder Galerist sich nichts sehnlicher wünschte als einen Platz an der Sonne
der Auguststraße. Die zum Galerienviertel aufgemotzte Rosenthaler Vorstadt
wurde zum Aushängeschild zahlreicher neuer Berliner Galerien, die ihre
erträumte Bleibe auf Ewigkeit gefunden zu haben schienen. Doch kurze Zeit
darauf, als die Mieten sich verfielfacht hatten und die Zahl der Touristen
die der Galeriebesucher überrundete, häuften sich Anzeichen für einen
Exodus.

Die treibende Idee für die Umzüge war der Wunsch vieler Galerien, sich
endlich aus dem Getümmel der Auguststrasse zurückziehen zu können. Man hatte
genug von der Kuschelecke Auguststrasse, die bereits in aller
kosmopolitischen Heimeligkeit Village getauft worden war. Nach der Devise,
wo ein Village ist, droht auch ein Exodus, tauschte man die benebelnde
Gemütlichkeit gegen das harte Business-Flair der Zimmerstrasse. In
unmittelbarer Nachbarschaft von Friedrichstraße und Checkpoint Charlie sind
hier zwar kaum weniger Touristen zu erwarten. Dafür hofft man ­ auch wenn
die Anziehungskraft eines Wall-Street-haften Geschäftsviertels seit jüngstem
gegen Null tendiert ­ auf um so mehr Geschäftskunden, die in dem Viertel
ohnehin Handel treiben.

Merkwürdigerweise sind die Galerien damit genau das geworden, was sie
eigentlich vermeiden wollten: Geschäfte wie andere auch, in denen man
Geschäfte macht wie andere auch. Indem sie sich von ihrem jahrelangen
Heimatboden trennten, sind Berlins neue Galerien in dieser Saison Teil einer
Bewegung geworden, die nichts anderes ist als die Bewegung des Handels und
des Geldes selbst. Ihre neue Anonymität ist so angenehm wie das Rascheln von
Geldscheinen. Und nur die sind, nach Andy Warhol, wirklich schön.

Terror gegen das World Trade Center

„Das konnte sich niemand vorstellen“ war ein oft gehörter Kommentar in den Tagen nach dem 11. September 2001. Das ist nicht ganz richtig: Einige Experten haben schon vor einigen Jahren Scenarios entwickelt, die in manchen Details die Dimensionen des Terrors voraussagten. Etwa John Arquilla (siehe auch hier) von der Rand Corp., einem Think Tank, der alle drei Teilstreitkräfte der USA mit Analysen versorgt.

Aber auch drei Offiziere der Luftwaffe haben sich im Herbst 1997 Gedanken gemacht wie etwa ein Angriff auf die USA aussehen könnte. Nachdem seit Tagen der Zugriff auf die Volltexte des „Aerospacepower Journal“ auf dem Server der US Air University nicht möglich ist, hat sich Cyberday Kunstportal dazu entschlossen, diesen Text in einer gescannten Fassung bereitzustellen (s.u.).



Terrorist assault against World Trade Center:
A failure of vision?

„Nobody could have imagined such an attack“ was an often heard comment in the days since September 11, 2001. That is a little incorrect: Some experts developed already years ago scenarios, which even in detail forecasted possible dimensions of an terrorist attack against the United States. John Arquilla from Rand Corp., a Santa Monica based think tank mainly sponsored by United States forces painted a picture how „the great cyberwar of 2002“ could force United States into a war „where the enemy is invisible, the battles virtual, and the casualties all too real“.

But even three captains of United States Air Force were already in autumn 1997 concerned with possible dimensions of an terrorist attack against Washington D.C. Until recently this text, printed in summer edition of „Aerospacepower Journal„, was available online. Since some days the server of United States Air Forec University is closed down. Cyberday´s Art Portal therefore decided to make this important text available.

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