13. RESTITUTION DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN:

„DIE AUFERWECKUNG DES LAZARUS“ AUS DER SAMMLUNG JAMES BLEICHRÖDER

21.07.2017, 11.30 UHR
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben seit 1998 insgesamt 12 Werke aus 8 Sammlungen restituiert. Mit dieser 13. Restitution wurde nach langer und intensiver Vorarbeit ein für beide Seiten, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Erbengemeinschaft nach James von Bleichröder, guter Abschluss erreicht.
Bei dem Gemälde handelt es sich um:
„DIE AUFERWECKUNG DES LAZARUS“
UM 1530/40, SÜDDEUTSCHER MEISTER,
NADELHOLZ, 107 X 160,2 CM
Bereits 2004 publizierten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Provenienz des Gemäldes in der reich kommentierten Publikation „Die Kunstsammlung Hermann Görings“ der Provenienzforscherin Ilse von zur Mühlen. 2006 wurde das Gemälde zudem in die damals begründete Datenbank „Lost Art“ eingestellt, da aufgrund der Herkunft aus der Sammlung Göring ein Verdacht auf Raubkunst bestand. Nachdem sich daraufhin im Jahre 2011 ein Vertreter der Erbengemeinschaft meldete und 2015 die Erbengemeinschaft den Restitutionsantrag stellte, begann die historische Aufarbeitung zum Verfolgungsschicksal der Familie und dem Weg des Bildes.
Das Gemälde „Die Auferweckung des Lazarus“ stammt aus dem Nachlass von James von Bleichröder (1859 – 1937), königlich preußischer Rittmeister der Landwehr und Doktor der Rechtswissenschaften. James von Bleichröder war einer der Söhne des Bankiers Gerson von Bleichröder, des Inhabers der gleichnamigen Privatbank, die unter Hitler unterging. Auf Grund seiner jüdischen Herkunft gilt James von Bleichröder als ab 1933 kollektivverfolgt. Analog zum Schicksal der Bank verlor die Familie von Bleichröder ihre soziale Stellung. Mehrere Familienmitglieder verloren ihr Leben im Holocaust.
Das Gemälde wurde nach dem Tod von James von Bleichröder im Jahr 1938 beim Auktionshaus Lepke versteigert, dort von der Kunsthandlung Böhler, München, erworben und kurz darauf an Hermann Göring verkauft. Es befand sich bis 1945 in der Sammlung Hermann Görings und wurde 1961 von der Treuhandverwaltung für Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland als „Überweisung aus Staatsbesitz“ an die vom Bayerischen Staat getragenen Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überwiesen.
Die jetzt vollzogene Restitution erfolgt auf der Grundlage der „Washingtoner Erklärung“ und gemäß der Handreichung der Länder zur Umsetzung der
„Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“.
Die Erbengemeinschaft nach James von Bleichröder und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben gemeinsam vertraglich festgelegt, dass das Werk zunächst restituiert und sodann von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angekauft wird.
Der Generaldirektor Dr. Bernhard Maaz betont dazu: „Es ist mir ein großes Anliegen, alle Kraft auf die Aufarbeitung dieser düsteren Geschichtskapitel zu verwenden. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, nach langen Vorbereitungen und Bemühungen dem Schicksal der Familie Bleichröder Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und dass zudem das Gemälde aus Mitteln der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie unter Hinzuziehung von Spendenmitteln angekauft werden konnte.“

Für den einen Teil der Erbengemeinschaft erklärt Rechtsanwalt Dr. Frank Winkel hierzu: „Als Erben nach James von Bleichröder sind wir mit dem Erreichten zufrieden. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben den Restitutionsanspruch sorgfältig und ausgewogen geprüft und bejaht. Wir können die Verbrechen der Nazizeit nicht ungeschehen machen, aber Rechtsfrieden wieder herstellen. Dies ist gelungen.“
Für einen anderen Zweig der Erbengemeinschaft erklärt James Palmer, Begründer der Mondex Corporation: „Ich freue mich, dass der Restitutionsanspruch für dieses wichtige Gemälde einvernehmlich geregelt werden konnte. Gerechtigkeit, Respekt, Verständnis und eine gemeinsame Übereinkunft am Ende sind die wesentlichen Bestandteile eines jeden Restitutionsprojekts. Im Namen der Familie von James von Bleichröder bedanken wir uns herzlich bei den Provenienzforschern der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und insbesondere bei ihrem Generaldirektor Herrn Dr. Bernhard Maaz. Wir danken allen Beteiligten für ihre Hilfe und Zusammenarbeit mit der Mondex Corporation.“
(„I am very pleased that the restitution claim for this important painting has been amicably resolved. Justice, respect, closure and understanding are all important elements in any restitution project. On behalf of the family of James von Bleichröder, we are grateful to the researchers at the Bavarian State Painting Collections, and in particular to their Director General Dr. Bernhard Maaz, and we thank them for their help and cooperation with Mondex Corporation.”)
Das Bild „Die Auferweckung des Lazarus“ wurde restauriert und wird in der Zweiggalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Schloss Johannisburg in Aschaffenburg wieder zu sehen sein, sobald die dortige
Baumaßnahme abgeschlossen ist. Auf die Restitution und das Schicksal der einstigen Besitzerfamilie wird künftig mit einer würdigenden Erinnerungstafel verwiesen.

Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle resümiert: „Die Restitution des Gemäldes „Auferweckung des Lazarus“ eines süddeutschen Meisters aus dem 16. Jahrhundert, das aus dem Nachlass von Dr. James von Bleichröder († 1937) stammt, dokumentiert: Das Bayerische Kultusministerium und die staatlichen Sammlungen und Einrichtungen setzen auf intensive Provenienzrecherche

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