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NEWS

26.04.2007
ERÖFFNUNG DES HERMANN NITSCH MUSEUM IM MUSEUMSZENTRUM MISTELBACH

von: Presse / Museumszentrum Mistelbach

 

Hermann Nitsch
Foto: Archiv Cibulka-Frey

Am 24. Mai 2007 eröffnet das neue Museumszentrum Mistelbach. Im Rahmen der ersten Teileröffnung präsentiert sich das Hermann Nitsch Museum, das flächenmäßig größte monografische Museum in Österreich. Auf einer Ausstellungsfläche von 2.600 Quadratmetern, in einem Hallenkomplex mit einer Gesamtlänge von 61 Metern, wird in einer Erstpräsentation das umfassende Werk des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch zu sehen sein.

"Meine Arbeit soll eine Schule des Lebens, der Wahrnehmung und der Empfindung sein."

Diese Grundhaltung kennzeichnet das seit fünf Jahrzehnten andauernde künstlerische Schaffen von Hermann Nitsch, das ab 24. Mai 2007 mit der bisher größten öffentlichen Werkschau des Künstlers im neuen Hermann Nitsch Museum gewürdigt wird.
Gleichzeitig mit dem Museum wird der erste vollendete Bauabschnitt im neuen Museumszentrum Mistelbach, das auf dem Industriegelände der ehemaligen Pflugfabrik Heger errichtet wird, eröffnet.

Neben der Präsentation von Nitschs Arbeiten wird das Gesamtwerk wissenschaftlich erforscht und dokumentiert. Dabei werden interdisziplinäre Überschneidungen und Beeinflussungen aufgezeigt, die von dem sehr komplex angelegten Gesamtwerk, dem Orgien-Mysterien-Theater (OMT), ausgegangen sind. Mit der Aufarbeitung befassen sich Experten aus den Bereichen der Geistes- und Erkenntniswissenschaften wie Theologie, Mythologie, Psychologie, Philosophie, Kultur- und Kunstwissenschaften sowie aus Theater, Performance, Aktionismus, Malerei, Fotografie, Film, Musik und Literatur, um das Werk von Nitsch in seiner Gesamtheit im Rahmen von Vorträgen, Symposien und Schriftenreihen zu reflektieren. Besonders die Musik, die für das Orgien-Mysterien-Theater wesentlich ist, wird in Zusammenarbeit mit heimischen Musikschulen und Blasmusikkapellen gepflegt und weiterentwickelt.

Zur Visualisierung der künstlerischen Vielfalt werden sowohl gesamte Werkblöcke als auch zeitlich wie inhaltlich zusammengehörende Arbeiten in einem regelmäßigen Wechsel präsentiert. Für die Publikation und Dokumentation seiner Arbeit stellt der Künstler seine Werke dem Museumszentrum Mistelbach vierzig Jahre unentgeltlich zur Verfügung.

Die Idee, Nitsch in seiner Heimat, im niederösterreichischen Weinviertel, ein eigenes Museum zu widmen, ist den Initiatoren Christian Resch, Bürgermeister von Mistelbach und Landeshauptmann Erwin Pröll zu verdanken. Mit der Weiterführung der Konzeption und der planerischen Abwicklung wurde der Gründungsdirektor und Kurator Wolfgang Denk beauftragt. Das Wiener Architekturbüro archipel architektur + kommunikation (Johannes Kraus, Michael Lawugger) ist für die bauliche Umsetzung verantwortlich.

Anlässlich der Erstpräsentation im Hermann Nitsch Museum erscheint im Hatje-Cantz Verlag ein Katalog mit Beiträgen von Carl Aigner, Heinz Cibulka, Wolfgang Denk, Hermann Nitsch, Wieland Schmied und Romana Schuler in deutscher und englischer Sprache.

Die Gesamtfläche des dreiteiligen Museumskomplexes beträgt 6.116 Quadratmeter. Die Eröffnung der Lebenswelt Weinviertel ist für Oktober 2007 geplant. Die dritte und letzte Teileröffnung findet mit dem Internationalen MessweinArchiv im Frühjahr 2008 statt. Bis Sommer 2008 wird auch der Dionysische Themenweg, der das Museumszentrum Mistelbach mit dem Weinviertelfries "Gemischter Satz" von Heinz Cibulka verbindet, fertiggestellt sein.
Die zukünftige Infrastruktur des neuen Museumszentrums Mistelbach, die auch unabhängig von den Öffnungszeiten der Ausstellungshallen zugänglich sein wird, beherbergt einen Museumsshop, ein Café-Restaurant, eine Vinothek, ein multimediales Auditorium und Räume für kulturelle Sonderveranstaltungen. Ebenfalls im Museumszentrum Mistelbach untergebracht ist die NÖ Malakademie unter der Leitung von Günther Esterer.

Ort der Kontemplation
Das architektonische Konzept
Mit Johannes Kraus und Michael Lawugger von archipel architektur + kommunikation konnte ein international renommiertes Architektenteam für den Museumsbau gewonnen werden.
Inspiriert vom Werk Hermann Nitschs und der Klarheit der vorgegebenen Bausubstanz, transformieren die beiden Architekten durch gekonntes Wegnehmen und Hinzufügen das ehemalige Heger-Fabriksensemble zu einer klosterhaften Museumsanlage.
Innerhalb der umschließenden Hülle entstehen Gebäude und Freibereiche, die Assoziationen von Langhalle, Kathedrale, Seitenschiff, Claustrum, Krypta und einer zentralen Piazza zulassen.
Das Wechselspiel zwischen großen und kleinen, niedrigen und hohen, offenen und geschlossenen Innen- und Außenräumen ist Konzept und Teil einer Raumdramaturgie, die prozessorientiert ist. Die Bewegung und der Moment des sinnlichen Erlebens stehen im Mittelpunkt.
Ein breites Spektrum der Gestaltung für wechselnde Ausstellungen und Aktionen wird dadurch ermöglicht. Die Architektur stellt den Anspruch, das Gesamtkunstwerk von Hermann Nitsch zu unterstützen, tritt aber mit einer zurückhaltenden, archaischen Sprache in den Hintergrund. Somit werden Räume für Ruhe, Entfaltung, Konzentration, Inszenierung, Aktion und eine allumfassende ästhetische Erfahrung geöffnet.

Zum Werk von Hermann Nitsch
Das Werk von Hermann Nitsch ist mit dem Wiener Aktionismus verbunden. Bereits 1957 entwickelt Hermann Nitsch die Idee vom Orgien-Mysterien-Theater. Mit dem Orgien-Mysterien-Theater verwirklicht Nitsch seine Vorstellung eines Gesamtkunstwerkes, das unter Einbeziehung der Malerei, der Architektur und der Musik auf der Grundlage griechischer Mysterienfeste eine Katharsis (Reinigung) zum Ziel hat, die letztendlich zum Erkennen des eigenen Selbst führen soll. Diese ästhetische Grundhaltung zieht sich durch das gesamte Werk von Hermann Nitsch. Bei allen Werken steht dabei die Sensibilisierung der fünf Sinneswahrnehmungen sowohl beim Betrachter / Zuschauer als auch beim Akteur im Mittelpunkt.

Inspiriert durch den Tachismus und den abstrakten Expressionismus beschäftigt sich Hermann Nitsch in den späten 50er und frühen 60er Jahren mit Malerei und veranstaltet zum Teil gemeinsam mit Otto Mühl und Adolf Frohner "theatralische Malaktionen", in denen die sogenannten Schüttbilder entstehen. Hatte der Künstler 1961 noch rote Farbe über große Leinwände laufen lassen, ersetzt er diese nach und nach durch Blut, die auf den Rahmen gespannte Leinwand durch Betttücher und agiert mit Innereien, Tierkadavern und menschlichen Körpern. "Rot ist die Farbe, die am intensivsten zur Registration reizt, weil sie die Farbe des Lebens und des Todes gleichzeitig ist." (Hermann Nitsch)

Seit 1971 finden die meisten Aufführungen des Orgien-Mysterien-Theaters in dem von Hermann Nitsch erworbenen Schloss Prinzendorf in Niederösterreich statt, wo der Künstler auch lebt und arbeitet. Seine Aktionen, in denen er Opferritual und Messliturgie gleichwertig integriert, werden im Laufe der Jahre immer komplexer: An Kreuzen aufgehängte Lämmer und Stiere werden ausgeweidet, Musik, Lärmorchester, Schreichöre und elektronisch verstärkte Instrumente kommen hinzu. In seinen Aktionen, die auf akribisch verfassten "Partituren" basieren, ist Nitsch Akteur, Komponist und Schriftsteller zugleich. Neben Handlungsanweisungen und Texten sind auch grafisch notierte Musikstücke enthalten. Potenziell sind seinen Aktionen keine Grenzen gesetzt. Sie finden inzwischen in großen Sälen, Theaterhäusern oder im Schloss Prinzendorf statt. Die in Prinzendorf aufgeführten Aktionen zählen aber zweifellos zu seinen Höhepunkten: das "Sechs-Tage-Spiel" im Sommer 1998 und die "120. Aktion", das 2-Tage-Spiel im Sommer 2004. Mit der Einladung, seine "122. Aktion" im Jahr 2005 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Wiedereröffnung nach dem zweiten Weltkrieg im Burgtheater zu realisieren, wurde Hermann Nitsch zum ersten Mal auch die öffentliche Anerkennung des offiziellen Theaterbetriebs zuteil.

Bis in die 80er Jahre widmet sich Hermann Nitsch ausschließlich der Verwirklichung seiner Idee des Orgien-Mysterien-Theaters und beginnt erst Mitte des letzten Jahrzehnts wieder mit der Fertigung autonomer Malerei. Im Mittelpunkt steht dabei für Hermann Nitsch die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Farbe. Nachdem in den Jahren zuvor wegen ihres symbolischen Gehalts ausschließlich die Farbe Rot zum Einsatz gekommen war, führt Hermann Nitsch nun alle Farben des Spektrums in die Bildgestaltung ein. Ein wesentliches Anliegen seiner Farbenlehre sind die "synästhetischen Beziehungen zu anderen Sinneseindrücken" und die "Farbharmonik" (Hermann Nitsch). Anhand ausgewählter Werke und Farbobjekte (Farbskalen) sowie spezieller Farblehrtexte wird der Farbkosmos des Künstlers in äußerst sinnlicher Weise sichtbar.

Hermann Nitsch hat ein vielseitiges und kompromissloses Werk geschaffen, das stets in Begleitung mit kontroversiellen Debatten in der Öffentlichkeit wahrgenommen und rezipiert wurde. Lange musste der Begründer des Orgien-Mysterien-Theaters um die öffentliche Anerkennung seiner ästhetischen Haltung kämpfen. Die Schau "Hermann Nitsch - Orgien-Mysterien-Theater", eine groß angelegte Retrospektive seines umfassenden Werks in der Nationalgalerie in Berlin 2006 - zu sehen waren in 18 Räumen des Martin-Gropius-Baus 300 Werke, unter anderem Altäre und großformatige Schüttbilder sowie Schreine, Partituren, Zeichnungen und Gewänder -, war dabei ein weiterer Höhepunkt in der Würdigung seines außergewöhnlichen und streitbaren Werks.

Hermann Nitsch lehrte von 1989 bis 2003 an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst Städelschule in Frankfurt am Main sowie an zahlreichen Sommerakademien. Gastprofessuren 1984/1985 an der Hochschule der Bildenden Künste Hamburg und 2004 am Institut für Theaterwissenschaften der Universität Wien. Seine Werke waren bei zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1972 bei der documenta V und 1982 bei der documenta VII in Kassel, vertreten.

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Museumszentrum Mistelbach
Lebenswelt Weinviertel
Hermann Nitsch Museum
Internationales Messwein-Archiv

Ort
 Museumszentrum Mistelbach
Waldstraße 44-46
A-2130 Mistelbach  
 
Öffnungszeiten
 Dienstag bis Sonntag, 10.00 - 18.00 Uhr
Montag geschlossen


 


Link: http://www.mzmistelbach.at.
Link: http://www.hermann-nitsch-museum.at

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