21.05.2012 - 19:39 Uhr
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31.05.2003
Der Winterkönig- Der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz- Amberg-Heid

Bayerische Landesausstellung - Amberg Stadtmuseum

von: Kirsten Bauerdorf

Eine Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte in Zusammenarbeit mit der Stadt Amberg - 9.Mai-2.November2003

Hoch zu Ross sitzen Friedrich V., der Winterkönig, und seine Frau Elisabeth aus dem Hause Stuart, beide mit Plumagenhut, Mühlsteinkrause und reich verziertem Wams und Manteau fein gewandet und führen als Vorhut die höfische Jagdgesellschaft an.

"Der Winterkönig- der letzte Kurfürst aus der Oberen Pfalz" lautet der Titel der umfangreichen, wie spannend-erhellenden Bayerischen Landesausstellung, die im frisch restaurierten Amberger Stadtmuseum von 9.Mai bis 2.November 2003 in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dem Haus der Bayerischen Geschichte und der Stadt Amberg in Verbindung mit einem unfangreichen Rahmenprogramm, zu bewundern ist.

Wiewohl die Regentschaft des böhmischen Königs, der eher zu den Unbekannten der Geschichte gehört, kurz war- nach gerade erst gewonnener Macht wird er vernichtend von Kurfürst Maximilian von Bayern und Kaiser Ferdinand geschlagen und gezwungen ins Exil zu gehen- ist seine Vita herausragend und determiniert bis in die Gegenwart die politische Geographie.

Geboren 1596 in Amberg, heiratet er als letzter Kurfürst der Oberen Pfalz 1613 mit großem Pomp und Gloria die englische Königstochter Elisabeth Stuart, eine Enkelin der Maria Stuart.
Am 23.05.1618 kommt es zum folgenschweren Prager Fenstersturz: Teilnehmer des Protestantentages werfen zwei kaiserliche Stadthalter aus Protest gegen das Verbot der Versammlung, aus dem Hradschin in den Burggraben.
Die evangelischen Stände beschließen, sich militärisch gegen die dominanten katholischen Habsburger zu erheben.
Folge ist der Dreißigjährige Krieg, der europäische Staatenkonflikt, der auf deutschem Boden 1618-48 ausgetragen wird. Die Böhmischen Stände erhoffen Unterstützung von einem Herrscher, der sich gegen Habsburg stellen soll.

Die Wahl fällt auf den Calvinisten Friedrich V., der mit seiner Gemahlin und großem Hofstaat -genauer 500 Personen und 180 Wagen - von Heidelberg über Amberg in Richtung Prag reist.

Als Führer der protestantischen Union im Reich wird er 1619 im Prager Veitsdom zum letzten, von den böhmischen Ständen gewählten, König gekrönt.

Jedoch die Regentschaft währt nur ein Jahr, 1620 wird er in der Schlacht am Weißen Berg besiegt und die Oberpfalz fällt (1628) an den bayerischen Kurfürsten Maximilian. Der geächtete Friedrich flieht mit seiner Familie Hals über Kopf und lebt bis zu seinem Tod 1632 im Exil in Den Haag.

Die Ausstellungsfläche umfaßt etwa 1600 qm und lebt von dem vitalen Kontrast historische Fotos und Exponate versus moderne Aussellungsarchitektur, Inszenierungen und Multimediastationen, die optische und akustische Erlebniseinheiten bilden, in denen die historische Epoche lebendig wird.

Der Tenor der Ausstellung liegt neben dem Beziehungsgeflecht bayerischer pfälzischer, böhmischer und niederländischer Geschichte, v.a. auf der Person des Winterkönigs, seinem Glauben, seiner Familie und den, durch ihn eingeleiteten weitreichenden, historischen Folgen.
So ist zum Beispiel die Tatsache, daß die Oberpfalz heute zu Bayern gehört und auf eine vorwiegend katholisch geprägte Barockkultur verweisen kann, wesentlich den in der Ausstellung dargestellten Ereignissen zu verdanken.

Kostbare astrologische Instrumente fungieren als zeittypisches Ausstellungsentree und katapultieren den Besucher ad hoc in die Epoche und Persönlichkeitsstruktur des Winterkönigs, der mit einer Fülle historischer Darstellungen und liebevoll recherchierter Details zum Leben erweckt wird.

So findet sich als besonderes Schmankerl neben einem calvinistischen Gebetbuch sogar sein handgeschriebenes Lateinheft! Mit Bild- und Textzeugnissen und den prächtigen "Maskes", einer Mischung aus Schauspiel, Oper und Ballett wird die grandiose Hochzeitsfeier aufregend vitalisiert und der Besucher in die Welt des englischen Hofes entführt. Herausragend ist das Originalgemälde Jaques Fouquieres(1620), das den, damals als achtes Weltwunder gefeierten, manieristischen Hortus Palatinus, von Schloß Heidelberg minutiös und farbenprächtig einfängt.

Die Ausstellung stellt wichtige Stationen z.B. die "Refinestrierung" mit pittoresker Architektur nach und zeigt wertvolle Originalstücke aus zahlreichen europäischen Museen. Der Krönungsmantel Friedrichs von der Pfalz erinnert an seine Herrschaft in Böhmen. Deren kriegerisches Ende ist im Schlachtengemälde von Peter Snayers großformatig festgehalten. Auch die Schicksale der ehemaligen Untertanen Friedrichs in Böhmen und Kurpfalz sind in der Ausstellung dokumentiert. Öffentliche Hinrichtungen, Exil und Verteibung werden in zeitgenössischen Flugblättern dargestellt. Die Bücher, der in Bamberg konfiszierten, Ketzerbibliothek sind Zeugnisse für die Gegenreformation in der Oberpfalz. Der siegreiche Kurfürst Maximilian I. von Bayern, Gegenspieler Friedrichs V., wird als Herrscherpersönlichkeit, anhand von Dokumenten und Exponaten vorgestellt.

Aufregend ist der, erst kürzlich von Archäologen ausgegrabene "Tilly-Schatz" aus Heidelberg, der die Brutalität und Grausamkeit des Dreißigjährigen Krieges visualisiert. Würdevoll und sinnlich präsentieren sich die Schilderungen auf hochrangigen niederländischen Gemälden, die einen lebhaften Eindruck vom glanzvollen Lebensstil des politisch machtlosen Friedrichs im Exil vermitteln.

Dem Schicksal der 10 Kinder Friedrichs ist der Abschluss der Ausstellung gewidmet, die teilweise grandiose, diplomatische Karrieren machten, wie der in Prag geborene "Rupert the cavalier", der Admiral in England wurde, oder Karl Ludwig, der erneut in der Residenz Heidelberg einziehen konnte.
Link: http://www.hdbg.de

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