21.05.2012 - 18:56 Uhr
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Ein Bild aus Wien

02.01.2002

von: Jacqueline Rugo

"Ist es nicht 'radikaler Chic', wenn man versucht, den Kapitalismus kritisierende Bilder an reiche Leute und Institutionen in den USA zu verkaufen"? Öyvind Fahlström, der als Pionier einer interaktiven multimedialen Kunst gilt und dessen Oeuvre wesentlicher Bestandteil seines Kampfes um soziale Gerechtigkeit und seines politischen Aktivismus war, konterte mit der lapidaren Antwort: "Solange Du in einem kapitalistischen System lebst, bist Du ein Teil von ihm, ob Du nun Kunst machst oder Taxi fährst...Für mich ist es wichtig gewesen, in meinen Arbeiten zu zeigen, daß ´anspruchsvolle KunstŒ kritisch und sozial engagiert sein kann. Natürlich ist die meiste Kunst kein Werkzeug für politische Veränderungen. Aber Künstler können (könnten) das sein. Organisieren. Veröffentlichen. Sprechen. Demonstrieren. Streiken. In Gemeinschaft arbeiten."

Öyvind Fahlström, der stets mit anarchistischem Impetus die internationalen Mächteverhältnisse der sechziger und siebziger Jahre lakonisch kommentierte, wird derzeit erstmals in Österreich, in der Wiener BAWAG FOUNDATION mit einer Einzelausstellung seines gesamtem graphischen Werks gewürdigt. Seit Beginn der Neunziger Jahre erfahren Fahlströms Werke eine wachsende internationale Wertschätzung. Auf singuläre Weise gelang es dem kosmopoliten Allroundman - Fahlström war Dichter, Künstler, Journalist, Aktivist, Filmemacher und Dokumentarist, Performer und Bühnenautor - Konkrete Poesie, Concept und POP Art zu verknüpfen. 1997 unterstrich Catherine David die Aktualität seines Oeuvres mit der Einbeziehung einer komplexen plastischen Komposition in die damalige documenta und schrieb dem Künstler eine Schlüsselfunktion bei der Vorbereitung der Ausstellung zu.

Fahlström wurde 1928 in Sao Paulo/ Brasilien als Sohn skandinavischer Eltern geboren wurde. Er wuchs auf in Brasilien, verbrachte seine Jugend in Stockholm und lebte als junger Erwachsener in Frankreich, dessen zeitgenössische Kultur er über den Surrealismus kennenlernte. Aus dem frühen ‘uvre des Künstlers zeigt die Ausstellung das “Manifesto³ für konkrete Poesie (1953), mit der darin veröffentlichten, ersten Druckgrafik Fahlströms, sowie dramatisch inszeniert an rot gefärbten Wänden eines separaten Kabinetts, den Siebdruck-Fries "Opera" (1952/53), als weiteres Schlüsselwerk der Ausstellung.

1961 kam Fahlström in die USA. In New York begann er Bildsprachen populärer Kultur, insbesondere Comics, als Vorlagen für seine Bilder und Installationen zu verwenden und bewegliche Teile in seine Malerei einzuführen, die so einen veränderbaren Charakter erhielt. In den Werken jener Jahre, die die Ausstellung mit zahlreichen Beispielen, wie "Eddie in the Desert" (1966) oder Sketch for "Kidnapping Kissinger" (1974), eine durch die USA führende Handlungsanweisung mit zynischen Randbemerkungen, dokumentiert, steckt Fahlström seine politischen Botschaften in fröhlich bunte Bilderreigen, die erst auf den zweiten Blick seine kritische Haltung preisgeben. Immer dichter werden die Blätter von handschriftlichen Anmerkungen überzogen - Namen und Ereignisse der Weltpolitik der sechziger und siebziger Jahre - in denen Fahlström die internationalen Mächteverhältnisse seiner Zeit und seinen wachsenden Unwillen über die interventionistische Politik der USA in den Dritte Welt Ländern kommentiert. In seinen `variablen` Gemälden entwickelte Fahlström die Idee der Demokratisierung seiner Kunst so weit, daß er Einzelteile der Kompositionen wie Puzzles zusammenfügte, durch Magneten variabel hielt und den Betrachter aufforderte, das Kunstwerk nach eigenen Ideen zu verändern. Schließlich entwarf er sogar Gesellschaftsspiele, die er zu geringen Preisen kommerziell verwerten wollte; Massen-Multiples, mittels derer Fahlström ein selbstständiges, alternatives Verteilungssystem aufzubauen gedachte. Den gegenwärtigen Enthusiasmus der Kunstwelt für Interaktitvität nahm er zwanzig Jahre vorweg. Mit seine Kritik an dem Fetischcharakter des Originals im Zeitalter der Massenproduktion, einer allgemeinverständlichen Sprache und schließlich der Forderung nach Werken, die eine soziale und politische Information darstellen und dramatisieren und zugleich eine Störung integrieren, sind die wesentlichen Merkmale des Oeuvres von Öyvind Fahlströms beschrieben und die nach wie vor ungebrochene Attraktivität seines Werks für die jüngere Künstlergeneration zu begründen.


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