SIGMAR POLKE

ALCHEMIE UND ARABESKE

Sigmar Polke (1941 – 2010) gehört zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht.

Die Ausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenwilligen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Dürers und Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien.

Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen, so goss er Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinranken oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente und sammelte fluoreszierendes Uranglas, interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung präsentiert neben hochkarätigen Gemälden und Papierarbeiten die 1991 in den USA entstandenen »Goldstücke« sowie eine große Anzahl an Fotoarbeiten, zwei Filme, Urangestein-Fotografien und Polkes eigene Sammlung an Uranglas-Objekten.

Ausstellungskurator: Helmut Friedel. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Helmut Friedel und Barbara Vinken sowie einem Interview von Bice Curiger mit Sigmar Polke im Schirmer/Mosel Verlag.

Claude Monet

Zu ihrem 20. Geburtstag präsentieren wir einen der bedeutendsten und beliebtesten Künstler: Claude Monet. Die Ausstellung ist ein Fest des Lichts und der Farben. Sie beleuchtet die künstlerische Entwicklung des französischen Malers von der Zeit des Impressionismus bis zum berühmten Spätwerk. Zu sehen sind seine Landschaften am Mittelmeer, wilde Atlantikküsten, die Flussläufe der Seine, Blumenwiesen, Heuhaufen, Seerosen, Kathedralen und Brücken im Nebel. Der Künstler experimentierte in seinen Bildern mit wechselnden Licht- und Farbenspielen im Verlauf der Tages- und Jahreszeiten. Mit Spiegelungen und Schatten gelang es Monet, magische Stimmungen zu erzeugen.

Keimena: Ein Filmprogramm der documenta 14 auf ERT2

Jeden Montag um Mitternacht, vom 19. Dezember 2016 bis zum 18. September 2017

Keimena ist ein wöchentliches Filmprogramm, das von dem griechischen Fernsehsender ERT ausgestrahlt und von der documenta 14 gestaltet wird. Durch die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Fernsehanstalt Griechenlands ERT versucht das Projekt die Reichweite der documenta 14 ins Zuhause der Zuschauer_innen zu erweitern und so neue und andere Öffentlichkeiten zu imaginieren und zu schaffen.

Keimena läuft immer montags um Mitternacht auf ERT2. Die Länge der Sendung hängt von der Länge des jeweils gezeigten Films ab. Nach den jeweiligen Ausstrahlungsterminen sind die Filme weitere sieben Tage auf webtv.ert.gr frei verfügbar. Weitere Informationen zum Programm, kurze Einführungssequenzen auf Griechisch mit deutscher und englischer Übersetzung, sowie die ersten Minuten jedes Films sind nach jeder Ausstrahlung auf der Webseite der documenta 14 verfügbar.

Das Programm der Keimena-Reihe widmet sich dem experimentellen Dokumentar- und Spielfilm. Es präsentiert Filme, deren Ansätze und Themen gesellschaftliche, politische und poetische Anliegen betreffen und deren Konzepte, Themen und Positionen mit den übergreifenden kuratorischen Visionen der documenta 14 im Dialog stehen.

Die Rolle des öffentlichen und privaten Fernsehens ist für die neuere Geschichte und Entwicklung Griechenlands nicht zu unterschätzen. Seine Bedeutung in der Vermittlung und Reflektion der derzeitigen sozioökonomischen Lage des Landes ist enorm. Trotz der schweren budgetären Einschnitte, die seinen Betrieb beeinträchtigt haben, bleibt der Fernsehsender ERT das offizielle „öffentliche“ Medium, nicht zuletzt für das kollektive Bewusstsein Griechenlands. Die umstrittene Schließung von ERT im Jahr 2013 im Rahmen der Sparmaßnahmen führte sofort zu ausgedehnten landesweiten Protesten.

Erscheint Fernsehen zunächst als eine einsame Aktivität, so ist es doch auch – vor allem, wenn man es mit dem Surfen und Streamen im Internet vergleicht – eine synchronisierte und daher kollektive Erfahrung in Echtzeit. Ähnlich wie bei einem Ausstellungsbesuch muss man sich vorab für ein Programm entscheiden, und kann die Erfahrung daraufhin mit anderen teilen. Strukturelle Qualitäten wie diese und die grundlegenden Prinzipien einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt – zu denen ein gewisser Gemeinschaftssinn, Abstand von Ansichten bestimmter Interessengruppen und ein ausgewogener Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten gehören – sind genauso grundlegende Einflüsse für Keimena wie die Themen der zahlreichen Filme, die in der Reihe gezeigt werden.

Die Auswahl der Filme erfolgt aufgrund der Relevanz ihrer Themen sowie ihrer singulären filmischen Form. Sie reflektieren einige der unsichtbarsten, flüchtigsten und alltäglichsten Aspekte menschlicher und sozialer Beziehungen genauso wie die globaler Machstrukturen. Jeder Film entwickelt und präsentiert seine eigene einzigartige Sprache als Echo einer ungreifbaren Realität. Teil des Programms sind Filme, deren Entstehungsdaten bis in die 1970er Jahre zurückreichen, ebenso wie neue Filmarbeiten, die von der documenta 14 in Auftrag gegeben wurden. Sie alle reflektieren zeitgenössische Themen, die in Zeiten ökonomischer Härte und gesellschaftlicher Unruhe in Griechenland wie auch anderswo relevant sind.

Zu den Filmemacher_innen der Keimena-Reihe gehören unter vielen anderen: Shaina Anand und Ashok Sukumaran (Indien), Wang Bing (China), Claire Denis (Frankreich), Miklós Erdély (Ungarn), Aran Hughes und Christina Koutsospyrou (Griechenland), Miroslav Janek (Tschechien), Avo Kaprealian (Syrien), Romuald Karmakar (Deutschland), Parviz Kimiavi (Iran), Narimane Mari (Algerien), Alanis Obomsawin (Kanada), Ulrike Ottinger (Deutschland), Joaquim Pinto und Nuno Leonel (Portugal), Allan Sekula und Noël Burch (USA), Albert Serra (Spanien), Susana de Sousa Dias (Portugal) und Dimitri Venkov (Russland).

Die Kurator_innen hoffen, dass sich die Reihe dank der außerordentlichen Qualität und des Seltenheitswerts der gezeigten Arbeiten schnell zum wöchentlichen Höhepunkt für griechische Filmliebhaber_innen ebenso wie für eine breitere Öffentlichkeit entwickeln wird. Keimena hat den Anspruch, weltweit eine der aufregendsten Präsentationen von Filmkultur im Fernsehen zu sein. Zahlreiche abendfüllende Spielfilme ebenso wie kürzere experimentelle Dokumentarfilme von wichtigen Filmautor_innen und Künstler_innen werden unmittelbar zugänglich gemacht, die anderswo nicht leicht verfügbar sind.

Keimena folgt den Leitlinien von ERT und denen öffentlich-rechtlichen Rundfunks und versucht mit seinen Inhalten und dem wöchentlichen Programm das Interesse der Fernsehzuschauer_innen über einen Zeitraum von neun Monaten zu wecken. Wie bei Filmfestivals, bei denen vor der Vorstellung kurz in die einzelnen Filme eingeführt wird, oder Museumsausstellungen, wo Kunstwerke mit Informationen versehen werden, gehen auch den Filmen der Keimena-Reihe kurze Einführungen voraus, die einen allgemeinen Abriss präsentieren und den jeweiligen Film in einen Kontext einbetten, der die darauffolgende Betrachtung des Films ergänzt und bereichert. Die Einführungen werden von internationalen Film- und Kunstkritiker_innen, Philosoph_innen, Journalist_innen und anderen Autor_innen verfasst, die besonderes Wissen zu den jeweiligen Filmen mitbringen. Die Einführungen sind in gleichem Maße integraler Bestandteil der Programmgestaltung wie die Filme selbst. Zu den Autor_innen gehören Candice Hopkins (Kanada), Dimitris Kerkinos (Griechenland), Maximilian Le Cain (Irland), Gleb Napreenko (Russland), Lívia Páldi (Ungarn), Andréa Picard (Kanada), Filipa Ramos (Portugal), Rasha Salti (Libanon), Monika Szewczyk (Griechenland), Genevieve Yue (USA) und viele andere.

 

Keimena ist ein Filmprogramm der documenta 14, kuratiert von Hila Peleg und Vassily Bourikas.

 

Im Dezember zu sehen

Keimena # 1

Montag, 19. Dezember 2016, 24.00 Uhr
From Gulf to Gulf to Gulf (Kutchi Vahan Pani Wala), 2013, Indien / Vereinigte Arabische Emirate, 83 Min.
Regie: CAMP (Shaina Anand und Ashok Sukumaran)
Einführungstext: Maximilian Le Cain

 

Keimena # 2

Montag, 26. Dezember 2016, 24.00 Uhr
Sleepless Nights Stories, 2011, USA, 114 Min.
Regie: Jonas Mekas
Einführungstext: Jonas Mekas

 

Im Januar zu sehen

Keimena # 3

Montag, 2. Januar 2017, 24.00 Uhr
Oncle Bernard – L’anti-leçon d’économie, 2015, Kanada, 79 Min.
Regie: Richard Brouillette
Einführungstext: Richard Brouillette
Keimena # 4

Montag, 9. Januar 2017, 24.00 Uhr
The Death of Louis XIV (La Mort de Louis XIV), 2016, Frankreich / Portugal / Spanien, 115 Min.

Regie: Albert Serra
Einführungstext: Andréa Picard
Keimena # 5

Montag, 16. Januar 2017, 24.00 Uhr
To the Wolf (Sto Lyko), 2013, Griechenland / Großbritannien / Frankreich, 74 Min.

Regie: Christina Koutsospyrou und Aran Hughes
Einführungstext: Dimitris Kerkinos
Keimena # 6

Montag, 23. Januar 2017, 24.00 Uhr
Verzió (Verzió), 1979, Ungarn, 54 Min.
Regie: Miklós Erdély
Einführungstext: Lívia Páldi

 

Keimena # 7

Montag, 30. Januar 2017, 24.00 Uhr
Voilà l’enchaînement, 2014, Frankreich, 30 Min.
Regie: Claire Denis
Einführungstext: Genevieve Yue

 

 

 

 

documenta 14, 2017

Von Athen lernen
documenta 14

Athen, Griechenland
8. April – 16. Juli 2017

Kassel, Deutschland
10. Juni – 17. September 2017
Auf Einladung der Kunsthochschule Kassel fand dort am 6. Oktober 2014 das Symposion „documenta 14, Kassel: Von Athen lernen“ statt. Bei der vom Künstlerischen Leiter Adam Szymczyk und seinem Team organisierten Veranstaltung wurden erste wichtige Mitglieder der organisatorischen Struktur der kommenden documenta vorgestellt und wesentliche Ideen sowie thematische Anliegen der 2017 stattfindenden Ausstellung diskutiert.

Seit der Gründung der documenta 1955 ist die Stadt Kassel Gastgeberin der Ausstellung. Die documenta war im Laufe ihrer dreizehn Ausgaben Gastgeberin zahlreicher Künstlerinnen und Künstler sowie anderer Kulturschaffender aus aller Welt. Doch letztlich scheint diese Gastgeberrolle – samt allen Privilegien, die diese mit sich bringt – nicht länger haltbar und verlangt förmlich nach einer, wenn auch nur temporären, Infragestellung. Davon ausgehend stellte Szymczyk die geplante Doppelstruktur der documenta 14 vor: Die documenta 14 wird 2017 einen zweiten Schauplatz¬ – Athen – einführen und damit Kassel und die griechische Hauptstadt zu gleichberechtigten Ausstellungsorten machen. Die documenta wird damit ihre unangefochtene Position als Gastgeberin zugunsten einer anderen Rolle ruhen lassen: der Rolle des Gastes in Athen.

Szymczyk merkte an, dass diese Entscheidung auf vielfältigen grundsätzlichen Überlegungen basiert. Diese hängen mit der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation in Europa und weltweit zusammen, die künstlerisches Handeln motiviert. Darüber hinaus lassen sie es notwendig erscheinen, dass sich in der documenta 14 die greifbaren Spannung zwischen dem Norden und dem Süden – die in der zeitgenössischen kulturellen Produktion reflektiert, artikuliert und gedeutet wird – manifestiert. Teil dieser Herausforderung ist es, die Fallen einer binären Logik zu umgehen und die sich wandelnden Wirklichkeiten nachhallen zu lassen. Anstelle eines einzigen Spektakels mit einem festem Ort und einer klaren zeitlichen Struktur, wie sie für internationale Großausstellungen charakteristisch sind, wird die documenta 14 zwei Durchläufe umfassen, die sich zeitlich und räumlich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden.

Die Distanz zwischen Kassel und Athen wird die Erfahrung von Besucherinnen und Besuchern der documenta 14 grundlegend beeinflussen. Die beiden weit voneinander entfernten Ausstellungen erzeugen eine geografische und mentale Verschiebung, die ein Gefühl des Verlusts und der Sehnsucht auslösen und so die Wahrnehmung der Ausstellung modifizieren können; dies wirkt Vorstellungen von Verwurzelung entgegen und widerspricht der verbreiteten normativen Annahme, dass eine solche Ausstellung nur als eine Einheit von Handlung, Ort und Zeit bestehen kann. Die documenta 14 hinterfragt diesen Status quo und wird versuchen, ein Vielzahl von Stimmen in, zwischen und jenseits der beiden Städte einzubeziehen, in denen sie stattfindet. Vom Standpunkt der Metropole am Mittelmeer ausgehend, wo sich Afrika, Naher Osten und Asien gegenüberstehen, öffnet sie sich über den europäischen Kontext hinaus. Die unterschiedlichen und auseinanderstrebenden Standorte und soziökonomischen Rahmenbedingungen von Kassel und Athen werden sich auf den Entstehungsprozess der Ausstellungen auswirken und zugleich jedes einzelne Kunstwerk inspirieren und prägen. Die an der documenta 14 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler werden eingeladen, ihre Arbeiten innerhalb der Dynamik zwischen den beiden Städten zu konzipieren und zu produzieren.

Geplant ist, dass die documenta 14 im April 2017 in Athen und zwei Monate später, am 10. Juni, in Kassel eröffnet wird. So wird gewährleistet, dass es einen Monat gibt, in dem beide Teile der Ausstellung parallel stattfinden. Beide Ausstellung werden als autonome Projekte für diverse markante Standorte in Athen und Kassel entwickelt, wobei sie einander inhaltlich beeinflussen, ohne sich formal zu wiederholen. Anstatt ein in Kassel vorgefertigtes Event an einem oder mehreren pittoresken Schauplätzen in Athen „abzusetzen“, will die documenta 14 von der Stadt und ihren Einwohnern lernen. Die documenta 14 wird nicht nur die Summe zweier Bestimmungsorte sein, sondern sich in einem dreijährigen Prozess des Lernens und der Wissensproduktion entwickeln und dazu beitragen, an beiden Orten Räume für öffentliches Leben zu schaffen. Die Communitys beider Städte werden in diesen Prozess einbezogen und an dem Projekt mitarbeiten. 2013/14 haben in Athen bereits einige aufschlussreiche Treffen mit dortigen Kulturproduzenten, die die kulturelle Vielfalt wie die Widersprüche des heutigen Griechenlands repräsentieren, stattgefunden; auch wurde eine anhaltende Diskussion über die Zusammenarbeit mit bestimmten Kulturinstitutionen der Stadt begonnen. Parallel dazu fanden solche Gespräche in Kassel statt.

Griechenland ist 2014 kein Einzelfall; es ist Sinnbild für eine sich rapide verändernde globale Situation und verkörpert die wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Dilemmas, mit denen sich Europa heute konfrontiert sieht – ähnlich wie Kassel 1955 für die Notwendigkeit stand, mit dem Trauma der Zerstörung, das der Nationalsozialismus in Deutschland mit sich gebracht hatte, umzugehen, und gleichzeitig als strategisch bedeutsamer Ort im beginnenden Kalten Krieg diente. Athen ist beispielhaft für die aktuellen Probleme, die über die sprichwörtliche Vorstellung von der „griechischen Krise“ hinausgehen, denn tatsächlich sind diese Probleme ebenso europäische und globale wie griechische, und sie sind keineswegs gelöst. Doch sie bieten uns eine Möglichkeit, der Vorstellungskraft, dem Denken und dem Handeln einen Raum zu eröffnen, anstatt sich an dem entmachtenden neoliberalen Spiel zu beteiligen, das sich selbst als (Nicht-)Handlungsoption in Gestalt der (Nicht-)Wahlmöglichkeit der Sparpolitik präsentiert. Die Wahl des Zeitpunkts und des Standorts Kassel waren 1955 eben jene Faktoren, die es der documenta ermöglichten, sich zu einem Projekt zu entwickeln, das inzwischen seit mehr als einem halben Jahrhundert Bestand hat; doch die soziopolitischen Parameter, die die Dringlichkeit der documenta ausmachten, sind heute nicht mehr wirksam. Dieses Gefühl der Dringlichkeit muss daher anderswo gefunden werden.

Szymczyk und sein Team schlossen mit der Bemerkung, dass die documenta 14 – mit ihrer temporären Verlagerung und Verdoppelung der Perspektiven – jene künstlerischen Strategien ermöglichen könnte, die nach der Realität einer zeitgenössischen Welt greifen – einer Welt, die als Ort für eine aus Individuen bestehende Multitude verstanden wird und nicht als ein Territorium, das von hegemonialen Beziehungen definiert wird, die sie für viele zu einem Ort des Leidens und des Elends machen. Diese Welt, die größer ist als Deutschland oder Griechenland, wird das Thema der Ausstellung sein.

Künstlerischer Leiter: Adam Szymczyk

Team von Kuratoren, Beratern, Assistenten

documenta 14, 2017
Presseinformation der documenta 14, 7. Okt. 2014

FARBSPIELE MALER DES LICHTS: MIT MONET BEGANN DIE MODERNE KUNST

Neue Blickwinkel auf das Werk des Malers der »Seerosen«, Claude Monet: Der Katalog Monet – Licht, Schatten und Reflexion
widmet sich den berühmten Bildwelten des Malers – zeigt aber
auch dunklere Motive. Er erscheint anlässlich der Ausstellung des Malers in der Fondation
Beyeler in Riehen und stellt viele Meisterwer
ke vor, deren (Seh-)Erlebnis von Natur und
Landschaft uns bis heute beeinflusst.
Berlin, 20. Januar 2017 – »Das Aussehen der
Welt würde für uns erschüttert, wenn es uns
gelänge, die Zwischenräume zwischen den Dingen als Dinge zu sehen«. Diese Worte des
Philosophen Maurice Merleau-Ponty treffen den K
ern von Claude Monets (1840-1926) Kunst in
den Schaffensjahren nach 1880 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Während üblicherweise
eher das Früh- und das Spätwerk des Malers in
den Blick geraten, fokussiert der Katalog
Monet
– Licht, Schatten und Reflexion
mit mehr als 180 Abbildungen und 60 Werken die Entwicklung
zwischen diesen Perioden.
Nach dem Tod seiner ersten Frau Camille im Ja
hr 1879 begann für Monet eine Phase der
Neuorientierung. Die Zeit als Pionier des Impressionismus war abgeschlossen; seine
wachsende wirtschaftliche Unabhängigkeit ermög
lichte ihm häufigere Reisen – Monets Werke
wurden persönlicher und lösten sich vom »impressionistischen Stil«.
Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Leitmotiven »Licht, Reflexion und Schatten« machte
Monet in seiner Kunst zunehmend das gemalte Bild selbst zum Thema: »Ihn interessierte
weniger das Motiv als das, was zwischen ihm und
dem Motiv passierte«, erklärte sein Stiefsohn
Jean Hoschedé. Der Maler experimentierte mit wechselnden Licht- und Farbspielen im Verlauf
der Jahreszeiten. Durch den Einsatz von Spiegelungen und Schattenwürfen gelang es ihm,
magische Stimmungen zu erzeugen. Wiederkehrende Sujets und Orte sind Landschaften am
Mittelmeer, wilde Atlantikküsten, Flussläufe, Blumenwiesen, Heuhaufen, Seerosen,
Kathedralen und Brücken.
Bereits in Monets erstem Ölbild spiegeln sich
Pappeln im Wasser. Der im Buch vorgestellte
Ausschnitt seines Schaffens steht somit nicht zu
letzt auch stellvertretend für das Gesamtwerk
des französischen Malers. Thematisch aufgeschlüsselt gleicht der Band
Monet – Licht, Schatten
und Reflexion
einer feinsinnigen Reise durch Monets Bildwelten – von der Seine zu den Küsten
der Normandie und der Bretagne bis hin zur Wat
erloo Bridge in London sowie der malerischen
Auseinandersetzung mit dem eigenen Garten in
Givenchy. Essays von Maria Becker, Gottfried
Boehm, Ulf Küster, Philippe Piguet, Hannah Ro
cchi und James H. Rubin begleiten und verorten
die verschiedenen Stationen.
Monet – Licht, Schatten und Reflexion
erscheint zum 20-jährigen Jubiläum der Fondation
Beyeler, die dem »Maler des Lichts« eine große Jubiläumsschau widmet. Die Ausstellung eröffnet am 22. Januar und ist bis Mai 2017 in Riehen/Basel zu sehen.

Otto Dix – Der böse Blick

Kuratorin: Dr. Susanne Meyer-Büser
Otto Dix (1891-1969) verbrachte von 1922 bis 1925 sehr erfolgreiche Jahre in
Düsseldorf und entwickelte in dieser Zeit seinen unverkennbaren kritischen Stil. In der
Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick stellt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
erstmals umfassend die Werke aus dieser kurzen aber intensiven Phase in den
Mittelpunkt und macht ihre internationale Strahlkraft erlebbar. Die Ausstellung untersucht
die Zusammenhänge von individueller künstlerischer Produktivität, ästhetischen und
gesellschaftlichen Fragestellungen sowie die Einflüsse von Unterstützern und
persönlichen Lebensumständen.
Der junge Maler und Grafiker aus Dresden kommt im Oktober 1921 nach Düsseldorf: Er
war ein zwar mittelloser, allerdings nicht mehr ganz unbekannter Künstler, der sich im
Rheinland bessere Ausstellungsmöglichkeiten und Aufträge erhoffte. Mit größtem
Ehrgeiz wandelt er sich in den kommenden drei Jahren vom expressiv-veristischen
Dadaisten zu einem kritischen Porträtisten der Neuen Sachlichkeit, der seine
Mitmenschen schonungslos im Bild fixiert. Als er – persönlich und künstlerisch gereift –
1925 nach Berlin umsiedelt, eilt ihm der Ruf seines „bösen Blicks“ voraus.
Die erste Kontaktaufnahme zur Düsseldorfer Kunstszene fand Anfang 1920 über
Conrad Felixmüller statt, der Dix mit Otto Pankok, Gert Wollheim und anderen Künstlern
der avantgardistische Gruppe Das Junge Rheinland zusammenbrachte. Dazu gehörte
auch die Kunsthändlerin Johanna Ey, deren Galerie in dieser Zeit ein lebendiger
Treffpunkt der jungen rheinischen Künstler wurde.
Johanna Ey setzte sich besonders für die Karriere des noch in Dresden lebenden
Künstlers ein. Hatte Dix hier unter der Unverkäuflichkeit seiner Arbeiten gelitten, so
wendete sich im Rheinland das Blatt: Bereits im September 1920 meldet ihm Johanna
Ey erste Verkäufe. Als sie Dix schließlich kennenlernt, war sie von dem dandyhaften
jungen Mann fasziniert. Sie gab ihm Obdach in einem Nebenzimmer ihrer Galerie und
machte ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten ihres Kunsthandels.
Zu den frühen Förderern gehörte auch der Sammler und Arzt Dr. Hans Koch, der bereits
vor Johanna Ey Kontakte zur Dresdener Kunstszene hatte und sich 1921 von Dix
porträtieren ließ. Martha Koch, Ehefrau des Sammlers, wurde in dieser Zeit Dix´ Geliebte – beide heirateten im Frühjahr 1923. Dies schadete allerdings weder der
geschäftlichen noch privaten Beziehung aller Beteiligter.
Die drei Jahre in Düsseldorf waren für Dix von immenser Produktivität und einer ganzen
Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt: So entstand bis 1923 der
Großteil aller je von ihm geschaffenen Aquarelle. Ab 1922 besuchte er die Düsseldorfer
Kunstakademie; ausgesprochen wichtig war ihm der Unterricht in druckgrafischen
Techniken. Die dort erlernte Aquatinta-Technik setzte er etwa für seinen berühmten
Radierzyklus Der Krieg (1924) ein, in dem Dix drastisch mit der modernen
Kriegsmaschinerie abrechnet. In dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Hauptwerke
der Farblithografie – darunter Kupplerin, Matrose mit Mädchen oder Leonie.
Die inspirierende und ermutigende Düsseldorfer Kunst- und Galerienszene, die
materielle Sicherung und das neue private Glück: Alles zusammen bewirkte eine
Stabilisierung der Lebensumstände und sogar eine gewisse Etablierung in der
Gesellschaft – Faktoren, die den Mal- und Porträtstil im Laufe der Jahre weiter
veränderten. Dix wandte sich ab 1924 der Neuen Sachlichkeit zu und setzte für seine
zunehmend kühleren, analytischen Porträts eine altmeisterliche Lasurtechnik ein. Bis
heute gilt Otto Dix als der berühmt-berüchtigte Porträtist, der seine Modelle jenseits
jedweder gängiger ästhetischer Normen kritisch und „mit bösem Blick“ in Szene setzte.

Neues Kunstmuseum in Potsdam: Museum Barberini wird eröffnet

 

In den vergangenen drei Jahren wurde im Herzen Potsdams ein Stück Kultur­geschichte wiedererrichtet. Am 23. Januar 2017 eröffnet Potsdams neues Kunst­museum, das Museum Barberini am Alten Markt, dem historischen Zentrum der Stadt. Das Haus zeigt unter der Leitung der Direktorin Dr. Ortrud Westheider Ausstellungen in internationalen Kooperationen, die einzelne Themen, Künstler oder Epochen vorstellen. Ausgangspunkt für die Präsentationen von den Alten Meistern bis ins 21. Jahrhundert ist die Sammlung Hasso Plattners. Sammlungsbereiche sind der Impressionismus, die Amerikanische Moderne, Kunst der DDR-Zeit und Malerei nach 1989.

Das Museum Barberini eröffnet mit den Ausstellungen Impressionismus. Die Kunst der Landschaft sowie Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky und gibt Einblicke in seine Sammlung. Insgesamt werden über 170 Werke gezeigt (23.1.–28.5.17).

Die Gründung des Museums Barberini ist eine Initiative des SAP-Mitbegründers Prof. Dr. h.c. mult. Hasso Plattner. In den vergangenen 20 Jahren baute er eine Sammlung aus DDR-Kunst und Malerei nach 1989 sowie Meisterwerken der Kunstgeschichte auf. Impressionistische Werke von Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir sind darin ebenso vertreten wie Klassiker der Moderne und amerikanische Abstrakte, u. a. Gemälde von Max Liebermann, Edward Munch, Joan Mitchel und Gerhard Richter. Die Sammlung spiegelt Hasso Plattners Interesse an Land­schaft und Abstraktion und die Fähigkeit eines Kunstwerks, den Betrachter mit all seinen Sinnen anzusprechen.

Mit dem Museum Barberini möchte der Stifter und Mäzen seine Kunstsammlung öffentlich zeigen, sie für Ausstellungen zur Verfügung stellen und ein Ausstellungsprogramm in internationalen Kooperationen zu fördern: „Ich freue mich, meine Kunstsammlung nun der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit dem Museum Barberini haben wir dafür den perfekten Rahmen geschaffen: Möge das Museum Barberini als Ort der kritischen Auseinandersetzung mit internationaler Kunst seinen Beitrag dazu leisten, Potsdamer und Besucher der Stadt mit allen Sinnen anzusprechen und zu beteiligen.

Dafür überträgt der Stifter und Mäzen die Leitung des Museums Barberini der international bestens vernetzen Kunsthistorikerin Dr. Ortrud Westheider. Sie plant jährlich drei wechselnde Schauen mit Werken der Sammlung ergänzt um Leihgaben aus Privatsammlungen und nationalen wie internationalen Museen. Die Sammlung der Hasso Plattner Stiftung, mit Kunst aus der DDR-Zeit und Malerei nach 1989, wird als dynamisch wechselnde Sammlungspräsentationen jeweils neu gezeigt.

Die Arbeit des Museums Barberini zeichnet sich darüber hinaus durch den wissenschaftlichen Austausch, Diskussionen, Veranstaltungen und digitale Kunstvermittlung aus. Ortrud Westheider zur Eröffnung des Museums Barberini: „Ich freue mich darauf, diesen neuen Ort mit Leben zu füllen. Wir möchten dem Besucher eine intensive Begegnung mit dem Original ermöglichen und in Potsdam langfristig ein neues Zentrum der Kunstgeschichte etablieren.

Eröffnungsausstellungen (23.1.–28.5.2017)
Das Museum Barberini eröffnet mit zwei Ausstellungen, die sich durch Querverbindungen zueinander auszeichnen. Sie stellen die Sammlung Hasso Plattners in den Kontext von Werken aus internationalen Museums- und Privatsammlungen. Die insgesamt 170 Werke umfassen auch internationale Leihgaben, darunter aus dem Denver Art Museum, dem Städel Museums in Frankfurt, der Eremitage in Sankt Petersburg, dem Israel Museum in Jerusalem und der National Gallery in Washington sowie von internationalen Privatleihgebern, u. a. aus den USA, Frankreich, der Schweiz, Großbritannien und den Niederlanden.

Impressionismus. Die Kunst der Landschaft

Die Maler des Impressionismus entwickelten im 19. Jahrhundert ein Bewusstsein für die Gegenwart, welches die Kunst revolutionierte und das Bildgeschehen bis in unsere Zeit hinein durchdringt. Obgleich sie ihr Publikum in Paris fanden und ihnen die Großstadt zahlreiche Motive bot, war die Landschaft für Claude Monet, Alfred Sisley, Camille Pissarro und Gustave Caillebotte das wichtigste Thema. Hier konnten sie neue künstlerische Verfahren ausprobieren. Die Ausstellung Impressionismus. Die Kunst der Landschaft widmet sich erstmals den Experimentierfeldern impressionis­tischer Landschaft. Die Künstler zeigen das Meer, Waldwege, Wiesen, Gärten, Schnee­landschaften und Spiegelungen auf Wasserflächen und sprechen die Betrachter mit allen Sinnen an. Die Ausstellung präsentiert Meisterwerke im Kontext von 92 Gemälden, die aus 32 internationalen Museums- und Privatsammlungen stammen. Sie werden in Themen­räumen gezeigt, die Bildreihen der wichtigsten Motive vorführen. Die Ausstellung wirft einen neuen Blick auf die impressionistischen Künstler und ihre obsessive Beschäftigung mit der individuellen Wahrnehmung von Licht und Natur.

Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky

Die malerischen Umbrüche der Moderne bis in die Gegenwart stehen im Zentrum der Ausstellung Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky. Mit 60 Gemälden und Skulpturen aus mehr als 100 Jahren geht die Schau in sechs Kapiteln Fragen der künstlerischen und gesellschaftlichen Emanzipation nach. Die Werke gelten heute als Klassiker. Die Aus­stellung beginnt in den 1890er Jahren und schlägt den Bogen vom deutschen Impressionismus über den Fauvismus zur ungegenständlichen Malerei nach 1945 und stellt ausgehend von der Sammlung Hasso Plattners die Entwicklungslinien der Malerei des 20. Jahrhunderts heraus.

Zur Ausstellung Impressionismus. Die Kunst der Landschaft erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Ausgabe im Prestel Verlag, München. Er enthält ein Vorwort des Stfiters und Mäzens Hasso Plattner. Die Beiträge von Stephen F. Eisenman, Christoph Heinrich, Nancy Ireson, Richard Schiff und Ortrud Westheider gehen zurück auf das erste Symposium des Museums Barberini, das am 28. Juni 2016 in Potsdam stattfand. 252 Seiten, 29,90 € (im Museum), 39,90 € (im Buchhandel).

Museum Barberini im Palais Barberini

Die Hasso Plattner Stiftung ist Trägerin der gemeinnützigen Museum Barberini GmbH. Die Stiftung rekonstruierte das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Palais als Museumsneubau, der traditionelles Handwerk und modernste Technik verbindet. In 17 Sälen zeigt das Museum Barberini unter der Leitung von Ortrud Westheider Ausstellungen in internationalen Kooperationen und dynamisch wechselnde Sammlungspräsentationen. Der Bau bietet darüber hinaus einen Shop, ein Café & Restaurant mit Außenplätzen sowie ein Auditorium für Lesungen, Konzerte und Vorträge.

Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstr. 5–6, 14467 Potsdam

Gerhard Richter. Neue Bilder

Seit über 50 Jahren ar­beit­et Ger­hard Richter an der ful­mi­nan­ten Erneuerung der Malerei. Das weit aus­fäch­ernde Œu­vre des vielleicht bekan­n­testen Kün­stlers unser­er Zeit fasziniert durch das Span­nungsver­hält­nis von Fig­u­ra­tion und Ab­s­trak­tion, von Be­deu­tung und Ba­nal­ität. Im Werk Ger­hard Richters, der am 9. Fe­bruar 1932 in Dres­den ge­boren ist und seit 1983 in Köln lebt, do­minieren seit den späten 1970er Jahren seine ab­s­trak­ten Bilder.

An­läss­lich des 85. Ge­burt­s­tages von Ger­hard Richter am 9. Fe­bruar 2017 stellt das Mu­se­um Lud­wig er­st­mals 26 ab­s­trakte Bilder vor, die alle im let­zten Jahr ent­s­tan­den. Leuch­t­ende Far­bigkeit und dif­ferenzierte, vielschichtige Kom­po­si­tio­nen kennzeich­nen die neuen Bilder, die meist auf Lein­wand in ganz ver­schie­de­nen For­mat­en ge­malt sind. Mit Pinsel, Spach­tel, Rakel und Mess­er bear­beit­et der Kün­stler die in mehr­eren Schicht­en aus Öl­farbe aufge­baut­en Bilder; seine lange Er­fahrung – auch in der Ein­bezie­hung des Zu­falls in den Ent­ste­hungsprozess – führt zu de­tail­reichen und äußerst kom­plex­en Kom­po­si­tio­nen. Der Zweifel an der Darstell­barkeit von Re­al­ität und die Frage nach der Be­deu­tung des ge­mal­ten Bildes lie­gen Richters Schaf­fen zu­grunde.

Par­al­lel wer­den weg­weisende Werke von Ger­hard Richter aus der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig präsen­tiert: Iko­nen wie Ema (Akt auf ein­er Treppe) von 1966 oder 48 Por­traits deutsch­er Geis­tes­größen von 1971/72, das ab­s­trakte Bild Krieg von 1981 bis hin zur Glasar­beit 11 Scheiben von 2003 wer­den un­ter an­derem zu se­hen sein. Diese eben­falls von Ger­hard Richter ein­gerichtete Samm­lungspräsen­ta­tion zeigt zusät­zlich viele Edi­tio­nen, in de­nen der Maler seine Mit­tel und seine Fragestel­lun­gen nach Bild und Ab­bild noch ein­mal er­weit­ert. Die Edi­tio­nen von Ger­hard Richter sind mi­tun­ter schon lange in der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig, teil­weise sind es je­doch auch Geschenke, die Samm­ler aus dem Rhein­land und der Kün­stler selbst, an­läss­lich seines 85. Ge­burt­s­tags dem Mu­se­um übergeben haben.
Ku­ra­torin: Ri­ta Ker­st­ing

Eloïse Bonneviot / Anne de Boer: The Mycological Twist

„The Mycological Twist“ ist ein Projekt von Anne de Boer und Eloïse Bonneviot, das 2014 im Garten von Jupiter Woods, einem Kunstraum in Südlondon, entwickelt wurde. Das Projekt ist nicht nur eine Erweiterung des Ausstellungsraums sondern auch ein Ort, an dem sich die Verfalls- und Regenerationszyklen der „Dunklen Ökologie“ untersuchen lassen. „The Mycological Twist“ – ein Begriff des amerikanischen Pilzforschers Paul Stamets – orientiert sich an Mustern und prozessualen Abläufen der Gartenkultur und folgt damit Zyklen von Impfung, Wachstum und Ernte. Zusammen mit Ilka Becker, die über mykologische Motive und Metaphern in der Kunst und in den visuellen Kulturen des 19. und 20. Jahrhunderts arbeitet, sprechen sie über ihr vielschichtiges Projekt, in dessen Rahmen auch ihr Film „Respawn“ entstanden ist. (Anne de Boer, geb. 1987 in Enschede/NL, und Eloïse Bonneviot, geb. 1986 in Paris, leben in London und unterrichten an der Rietveld Academie in Amsterdam. Gemeinsame Projekte seit 2012: „The Mycological Twist“ und „HARD-CORE“ / Ilka Becker wohnt in Köln und lehrt und forscht am Institut für Kunstwissenschaft und dem Graduiertenkolleg „Das fotografische Dispositiv“ an der HBK Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.)

 

 

 

Picha/Bilder Zwischen Nairobi & Berlin

Die Ausstellung Picha/Bilder – Zwischen Nairobi & Berlin zeigt Arbeiten von Berliner Künstlern und Werke von Kindern, die in Ostafrikas größtem Slum Kibera leben. Sie sind im Zusammenwirken mit den KünstlerInnen Zuzanna Czebatul, Zhivago Duncan, Andreas Golder, Amélie Grözinger, Markus Keibel, Caroline Kryzecki, Erik Schmidt, Pola Sieverding und Ulrich Wulff in Nairobi für den Verein One Fine Day entstanden.

Werke der KünstlerInnen werden den Arbeiten ihrer kenianischen SchülerInnen gegenübergestellt. So wird deutlich, wie im Prozess des Erlernens einer künstlerischen Technik und dem Hinzufügen der eigenen Imagination autarke Kunstwerke entstehen können. Zhivago Duncans Gestaltungsmittel Spraypaint, Erik Schmidts Frottage-Verfahren, Pola Sieverdings fotographischen Motive, Amélie Grözingers Falttechniken oder die durch Andreas Golder gelehrten Grundkenntnisse der Licht- und Schatten-Wiedergabe geraten durch die Kinder in eine eigene, nachvollziehbare Gestalt.
Dabei zeigen Caroline Kryzecki, die mit Lineal und Kugelschreiber gezogene Linien zu dichten, moiréartigen Zeichnungen entwirft, oder Markus Keibel, der mit der Technik der Bricolage arbeitet, dass auch konzeptionelle Arbeitsweisen an Kinder vermittelbar sind. Der beidseitige kreative Zugewinn wird in den teils eigens für die Ausstellung hergestellten Arbeiten der zeitgenössischen KünstlerInnen deutlich. Sie sind als Ergebnis der Auseinandersetzung mit den ortsspezifischen Begebenheiten zu verstehen.

Die Ausstellung zeigt wie produktiv und wichtig die Vermittlung künstlerischer Werte an Kinder ist, die von kreativer Schulung ausgenommen sind – seit den 1990er Jahren sind sämtliche Kunstdisziplinen von den Lehrplänen kenianischer Schulen gestrichen.

Der gemeinnützige Verein One Fine Day e. V. wurde 2008 von Marie Steinmann-Tykwer und ihrem Mann Tom Tykwer gegründet und möchte helfen, die Leerstelle künstlerischer Schulung für Kinder aus den Slums in Nairobi zu schließen. Mit ihrem Engagement ermöglichen sie über 800 Kindern aus Kibera und Mathare den Zugang zu den Entdeckungsräumen des Schöpferischen. Wöchentlich findet der Unterricht in den Disziplinen Tanz, Ballett, Bildende Kunst, Theater, Musik, Zirkusakrobatik und Schreiben statt. Seit 2014 reisen KünstlerInnen aus Berlin mit der Kuratorin der Ausstellung Juliet Kothe nach Nairobi, um dort mit kenianischen Kindern und LehrerInnen gemeinsam in Workshops zu arbeiten.

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten von Kindern und KünstlerInnen können über den me Collectors Room erworben werden. Die Einnahmen kommen ausschließlich dem Verein One Fine Day zugute.

 

AUGUST MACKE – AUS DER NÄHE IMPRESSIONEN, ZEICHNUNGEN UND BILDER AUS FAMILIENBESITZ

Die Galerie Thomas präsentiert in ihrer aktuellen Ausstellung August Macke „aus
der Nähe“ mit Zeichnungen, Aquarellen und Bildern aus dem Familienbesitz. Rund
50 Werke erlauben einen Einblick in das Schaffen des Künstlers vom Beginn seiner
Stilfindung bis kurz vor den Ersten Weltkrieg, der auch diesem bedeutenden
deutschen Expressionisten zum Verhängnis wurde.
Sehr deutlich läßt sich Mackes Weg zum „Blauen Reiter“ nachverfolgen, bis hin zu seiner
typischen Bildsprache, die, immer auf die Figur orientiert, das erste Augenmerk auf die Farbe
legt und zugleich den starken Einfluß der französischen Fauves, insbesondere von Henri Matisse,
spüren läßt. Es finden sich Blätter und Ölbilder, die autobiographisch motiviert sind und von
Mackes Aufenthalten in seiner Heimatstadt Bonn oder am Tegernsee berichten. Ebenso häufig
sind Bildnisse aus der Familie oder dem freundschaftlichen Umkreis, etwa seiner Frau Elisabeth
oder seines Sohnes Walter. Impressionen des Alltags nehmen in Anlage und Komposition die
Tunisreise vorweg, und auch Mackes Interesse an der Textilkunst wird in seinen phantasievollen
farbigen Entwürfen faßbar.

August Macke war vielleicht der bodenständigste Expressionist, insbesondere im Umfeld des
Blauen Reiters, dessen Nähe zu esoterischen Strömungen sich auf noch spirituellere Weise als
bei den Künstlern der Brücke spürbar machte und bei August Macke dennoch nur eine sehr
untergeordnete Rolle spielte. Im Unterschied etwa zu Kandinsky oder Jawlensky war Macke
deutlich weniger vergeistigt und stattdessen den Urkräften und der Schönheit der Natur
zugewandt – vielleicht eine geistige Verbindung zu Matisse.
Dennoch hat sich auch August Macke mit den Fragen der malerischen Abstraktion beschäftigt,
und zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt, wie einige Arbeiten in der Ausstellung deutlich
machen. Aber seine Naturnähe, seine Nähe zu den Menschen – darin viel näher an Franz Marc
oder Gabriele Münter als den anderen Mitgliedern des Blauen Reiters und in seiner Humanität
ganz offenkundig ein Rheinischer Expressionist – hat August Macke zeitlebens in seiner Kunst
nach dem Schönen und Tiefen des Lebens suchen lassen. Und dies ganz im Sinne seines
Diktums, das auch auf seiner letzten Ruhestätte steht:
„Bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuen der Natur.“

Marina Abramović: The Cleaner

Die große Retrospektive der radikalen Künstlerin

Radikal, kontrovers und hochgeschätzt: Marina Abramovic (*1946 in Belgrad, Serbien) ist eine der meistdiskutierten Künstlerinnen unserer Zeit. Sie ist berühmt für ihre bahnbrechenden Performances, die kontinuierlich die Grenzen der Kunst erweitern. Die Publikation zur ersten Retrospektive in Europa bietet einen umfassenden Überblick über ihr Werk der frühen Jahre bis heute: Film, Fotografie, Malerei, Objekte, Installationen und Archivmaterial.

Seit den frühen 1970er Jahren lotet Marina Abramovic in ihrem Schaffen die Schnittstellen zwischen Darstellender und Visueller Kunst aus. Sie kreist, obwohl selten offen politisch, um die Themen Macht und Hierarchie. Indem sie fundamentale Fragen unserer Existenz anspricht und nach dem Wesen von Verlust, Erinnerung, Schmerz und Vertrauen forscht, provoziert und berührt sie gleichermaßen. (Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-4261-0, schwedische Ausgabe ISBN 978-3-7757-4263-4)

 

Ausstellung: 18.02.-21.05.2017, Moderna Museet, Stockholm
16.06.-22.10.2017, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk
20.04-12.08.2018, Bundeskunsthalle, Bonn